"Die Busstation" von Gao Xingjian und seine Theorie für das chinesische Avantgarde-Theater

Die Begegnung mit dem westlichen Drama


Hausarbeit (Hauptseminar), 2019

27 Seiten, Note: 1.7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Die Begegnung des westlichen Dramas mit dem chinesischen Avantgarde-Theater
1.1 Der Überblick auf Die Busstation
1.2 Der Vergleich zwischen Warten auf Godot und Die Busstation

2. Die vielfältigen Quellen von Gao Xingjians Theatertheorie
2.1 Brechts Theatertheorie als die Inspiration
2.2 Grotowskis Armen Theater und Gao Xingjians Theorie über die Darstellungskunst
2.3 Die Anlehnung an die traditionellen chinesischen Opern

3. Gao Xingjians Theatertheorie und sein Ideal des Theaters
3.1 Die Textanalyse über Die Busstation
3.2 Mehrstimmige Sprache und Klangelemente
3.3 Die Innovation der Theaterstruktur und Inszenierung

Schlusswort

Literaturverzeichnis

0. Einleitung

Als die Gesellschaft in das 20. Jh. eintrat, entwickelte sich die Theaterkunst in eine neue Phase. In diesem Jahrhundert hatte der drastische Wandel des politischen und wirtschaftlichen Systems zu einer riesigen Veränderung in der Ideologie und der Kunstgeschichte weltweit geführt, dadurch erlebte die westliche und chinesische Theaterkunst durchgreifende Reformen: die Begegnung und Kommunikation zwischen westlicher und chinesischer Dramatik begünstigte die neue Energie der Theaterkunst: Während sich die westlichen Dramatiker von den nicht realistischen Theaterformen aus der tradtionellen chinesischen Peking Oper inspirieren ließen, erstellte der chinesische Dramatiker Gao Xingjian auf der Grundlage der westlichen modernen Theaterkunst eine Reihe von einzigartigen Konzepten für chinesisches Avantgardes-Theater. Nachdem Gao Xingjians Theaterstück Die Busstation (chinesisich im Jahr 1983 im Pekinger Schauspielhaus aufgeführt wurde, wurde die Tür zum Avantgarden-Theater in China geöffnet. Vor dem Hintergrund der Verflechtung von Theaterkulturen bezieht das chinesische zeitgenössische avantgarde Theater sich auf eine künstlerische Auseinandersetzung, die auf eine Suche nach der Innovation im interkulturellen Kontext abzielt. Daher konzentriert sich dieser Text auf drei Aspekte:

- den Vergleich zwischen Becketts Warten auf Godot und Gao Xingjians Die Busstation
- die verschiedenen Quellen für Gao Xingjians Konzepte seiner Theatertheorie,
- die Auslegung der Theatertheorie von Gao Xingjian durch die Analyse seines Dramas Die Busstation.

Es sollte vor allem erklärt werden, welche Unterschiede zwischen Becketts Warten auf Godot und Gao Xingjians Die Busstation festzustellen sind, anschließend geht es um die Theorien, die Gao Xingjians Konzept des avantgarden Dramas beeinflussen. Am Ende liegt der Schwerpunkt auf der Auslegung der Theatertheorie von Gao Xingjian, indem das Drama Die Busstation analysiert wird und der Schwerpunkt auf die Theatertheorie gesetzt wird.

1. Die Begegnung des westlichen Dramas mit dem chinesischen AvantgardeTheater

1.1 Der Überblick auf Die Busstation

In den späten 1970er erschien das Avantgarde-Theater auf den chinesischen Bühnen. Zu dieser Zeit befand sich China im frühen Stadium der Reform und Öffnungspolitik1 und das Bewusstsein des Mainstreams begann, sich aufzulösen. Nach der langzeitigen geistigen Fesselung der Kulturrevolution2 entstand in der chinesischen Gesellschaft allmählich eine neue Gedankenströmung, darin spielte die neue Literatur und Kunst eine führende Rolle. Im Bereich der Theaterkunst gab es keinen Zweifel an der Bedeutung von Gao Xingjians Theaterstücke. Dazu gehört Die Busstation, ein repräsentatives Werk, das ein typisches Avantgardes-Theater von Gao Xingjian ist. Gao Xingjian wurde 1940 in Ganzhou geboren. Er ist Schriftsteller, Dramatiker, Regisseur, Maler und lebt heute in Paris. Er begann bereits früh mit dem Schreiben, bekam dennoch seit langem keine Chance, seine Texte zu publizieren. Im Jahr 1983 wurde Die Busstation vom Pekinger Schauspielhaus aufgeführt, doch nach 13 Aufführungen wurde es im selben Jahr wegen der Kampagne gegen „geistige Verschmutzung“3 verboten.

Die Busstation handelt von acht verschiedenen Fahrgästen, die aus unterschiedlichen Gründen mit dem Bus in die Stadt fahren wollen. Sie warten auf den Bus an derselben Busstation, jedoch fährt der Bus immer wieder an ihnen vorbei, ohne anzuhalten. Deshalb klagen einige von den Fahrgästen, andere weinen und schimpfen, dennoch bleiben sie alle und warten. Plötzlich bemerken sie, dass die Zeit im Fluge vergeht. Als sie herausfinden, dass diese Busstation eigentlich seit langem verlassen ist, sind bereits zehn Jahre vergangen. Nachdem sie sich beschwert und gezögert hatten, gehen sie am Ende zusammen in die Stadt. Durch die Darstellung der unterschiedlichen Befindlichkeiten der Fahrgäste werden die Konflikte und der wahre Zustand der universellen Existenz im modernen Leben ausgedrückt.

Als das Stück in China aufgeführt wurde, sorgte es im Theaterkreis für große Sensation und Diskussionen. Wegen der Verwendung von absurden Elementen wird dieses Theaterstück von einigen Kritikern allerdings als eine reine Kopie von Warten auf Godot angesehen. Der Kritiker He Wen beurteilte Die Busstation als „die blinde Verehrungen zu Beckett und total eine pessimistische Nachahmung“4. Obwohl damalige Kritiker viele Annahmen und Kommentare über die Beziehung zwischen den beiden Theaterstücken äußerten, sollte es auch detailliert darüber diskutiert werden, inwiefern Beketts Warten auf Godot Gao Xingjians Die Busstation beeinflusste.

1.2 Der Vergleich zwischen Warten auf Godot und Die Busstation

Um die Parallelitäten und Differenzen zwischen den beiden Theaterstücken zu untersuchen, sollte der Hintergrund und die Rezeptionsgeschichte des absurden Theaters in China vor allem erläutert werden. Das absurde Theater konzentriert sich auf die Repräsentation der Absurdität der Welt sowie auf die konfliktreichen menschlichen Beziehungen. Nach der Weltanschauung dieser Art des Theaters ist die Welt ein Ödland: Obwohl die Menschen immer auf das bessere Leben warten, haben sie jedoch keine Chance, aus ihrer eigenen Misere zu entkommen. Deswegen erleben die Menschen schließlich nur die endlosen Desillusionen. In Bezug auf dieses Thema ist Becketts Warten auf Godot ein repräsentatives Werk. In den 1960er Jahren wurde das westliche Absurde Theater in China eingeführt. Allerdings war die Begegnung zwischen dem westlichen und chinesischen Theater kein Zufall. Für China ist das 20. Jh. eine Zeitenwende, denn die ganze chinesische Gesellschaft erlebte den tiefgehenden Wandel von der Tradition bis zur Moderne. Nicht nur die Politik und Wirtschaft erlebten eine Transformationsperiode, sondern auch die Kultur. Die neuen und alten Probleme im kulturellen Kontext waren jahrhundertelang ineinander verstrickt und das Vorkommen der Bewegung des 4. Mai5 war eine konzentrierte Reflexion dieses Problems. Seitdem wurde das Streben nach den neuen Formen vom Theater immer heftiger. Daher konzentrierte sich die Theaterreform in China darauf, das westliche Theater als Vorbild zu betrachten. Einerseits wurde die neue Darstellungskunst immer beliebter, andererseits hatte die westliche Dramaturgie auf die chinesischen Dramatiker großen Einfluss ausgeübt. Obwohl der Einfluss des Absurden Theaters auf das chinesische Mainstream des Theaterskonzept am Ende 1970er Jahre aufgrund der ästhetischen Konzepte und Übersetzungsprobleme sehr begrenzt war6 7, bereicherte es dennoch das chinesische Avantgarden-Theater. Es ist nicht zufällig, dass das Absurde Theater die Aufmerksamkeit chinesischer Dramatiker auf sich zieht, denn nach der zehnjährigen Verwüstung der Kulturrevolution war das Volk verwirrt über die Zukunft, vor diesem Hintergrund entstand die Narbenliteratur1, deren ideologische Grundlage mit dem Existentialismus zusammen fällt. Darauf basiert wiederum das philosophische Gedenkengut des absurden Theaters.

Obwohl viele Parallelitäten zwischen den beiden Theaterstücken bestehen, sind die Differenzen auch sehr deutlich. Vor allem sollte das Thema von „Warten“ innerhalb der beiden Theaterstücke verglichen werden. Wie im oberen Text erwähnt, liegt die Kritik an Die Busstation darin, dass es nur eine mechanische Nachahmung von Warten auf Godot ist, weil die zentralen Themen ähnlich sind. Doch diese Aussage ist nicht zutreffend, denn die Essenz vom Warten spielt eine unterschiedliche Rolle in beiden Stücken. In Warten auf Godot warten zwei Landstreicher ständig auf Godot unter den Weiden auf der Straße, doch Godot erschien nicht. Aufgrund Godots Versprechen waren die beiden Landstreicher unruhig, jedoch hatten sie keinen Mut, den Ort zu verlassen. Daher können sie die Zeit nur mit langweiligem Verhalten und bedeutungslosen Dialogen verbringen. In der Zwischenzeit ändert sich trotz des Auftretens von Pozzo und Lucky nichts. Am Ende führt die Botschaft des Jungens dazu, Godot Tag für Tag zu erwarten. Bis zum Schluss bleibt es noch unklar, wer Godot ist und warum genau man in einer so „gott verlassenen Gegend“ auf ihn warten muss.8 Im Vergleich dazu ist das Thema „Warten“ in Die Busstation nicht durchaus eitel, denn alle Figuren haben schließlich ihr Zögern aufgegeben und beschließen, in die Stadt zu gehen. Daraus ergibt sich, dass die beiden Theaterstücke von gegensätzlichen Aussagen über das Warten geprägt sind: Während das zentrale Thema in Warten auf Godot durch die wiederholende Handlungen und die bedeutungslosen Dialoge der Metapher vom Fatalismus untergeordnet ist, unterstrich Die Busstation die Bedeutung der aktiven Maßnahmen, wodurch das momentane Dilemma gelöst werden kann, denn das blinde Warten kann nichts ändern. Selbst wenn es lediglich einen Schimmer Hoffnung gibt, kann das Schicksal doch von jedem Menschen selbst kontrolliert werden. Im weiteren Sinn sind die durch „Warten“ ausgelöste philosophische Aussagen auch völlig anders: In Warten auf Godot symbolisieren die zwei Landstreicher die ganze Menschheit und das gemeinsame menschliche Schicksal besteht darin, die Marionetten des Schicksals zu werden und letztendlich nicht aus der Kontrolle des Schicksals zu entkommen, deshalb ist das Theater mit der apriorischen Erkenntnis ausgestattet und sein Kern ist mit dem Existentialismus eng verbunden. Im Gegensatz dazu implizieren die acht Rollen in Die Busstation nicht die ganze Menschheit, sondern acht verschiedene Klassen in der Gesellschaft, deswegen liegt der Kern des Theaters nicht in der Diskussion über die transzendentale philosophische Frage, sondern es geht darum, einen konkreten Ausweg aus dem Dilemma zu finden.

Zweitens sollte es auch diskutiert werden, welche Rolle die Darstellung der Absurdität in beiden Theaterstücken spielt. Nach Ionescos Auffassung ist die menschliche Situation in der Welt wie „Cut off from his religious, metaphysical, and transcendental roots, man is lost; all his actions become senseless, absurd, and useless”9. In diesem Sinn ist Warten auf Godot ein typisches Absurdes Theater, denn seine antidramatischen Züge sind offensichtlich. Einerseits verlässt das Theater die rationelle Erzählstruktur und benutzt ständig das Modell, nämlich die Wiederholung der Dialoge, damit die Langeweile und die Hoffnungslosigkeit des Lebens deutlich impliziert, andererseits verzichtet dieses Theater auf die logisch aufgebaute Handlung, die nach dem Prinzip des traditionellen Theaters ganz problematisch ist. Da das Absurde Theater die durch menschliche Intuition und Instinkt entstandene Fragen als wichtiger beobachtet, können Menschen im Grund auf weder mithilfe der Rationalität noch Glauben vor der Fesseln des Schicksals retten.10 Im Gegensatz dazu benutzt Die Busstation nur die üblichen Faktoren des absurden Theaters. Dazu gehören drei typische Elemente: Das wahnsinnige Verfließen der Zeit, die unlogischen Dialoge und die ungewöhnliche Gestaltung der dramatischen Konflikte.

Doch die Darstellung von diesen Elementen besitzt auch ihre eigenen Besonderheiten: Zuerst spielt die Zeit in beiden Theaterstücken unterschiedliche Rolle, damit wird der Sinn des Wartens vermittelt. Die Handlung der Die Busstation ist vom rasenden Verfließen der Zeit geprägt. Nach dem zehnjährigen Warten meldet sich das Alter ersichtlich bei allen Figuren. Mit der Veränderung des Aussehens und dem Verlust der Hoffnung sind sie extrem verzweifelt, dadurch wird die Absurdität direkt ausgedrückt. Nichtsdestotrotz verzichten sie nie auf die Suche nach dem neuen Weg, weil sie die momentane Schwierigkeit überwinden wollen. Dies zeigt deutlich, dass ihnen die Zeit von wichtiger Bedeutung ist, weil sie erkennen, dass sie praktische Maßnahmen ergreifen sollen, anstatt still zu warten. Daher ist die Zeit sinnvoll in Die Busstation. Im Gegensatz dazu ist der Begriff der Zeit in Warten auf Godot jedoch nicht positiv dargestellt. Im Stück behält niemand außer Wladimir das Gedächtnis. Alle anderen Figuren können sich nicht daran erinnern, was sie früher gesehen und getan haben. Für sie ist das Leben bedeutungslos, denn jeden Tag wird nur als „eines Tages“ markiert, d.h, die Zeit verliert seine Aktualität und wird damit sinnlos. Es gibt keinen klaren Unterschied zwischen der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft und die beiden Landstreicher warten auf Godot Tag für Tag, doch stets ohne Ergebnis. „Waiting is to experience the action of the action of time, which is constant change. And yet, as nothing really ever happens, that change is in itself an illusion. The ceaseless activity of time is self-defeating, purposeless, and therefore null and void.”11 In einem solchen Teufelskreis ist die Zeit wie ein Käfig, der alle Leute festhält. Somit werden alle Hoffnungen zerstört. Das Leben wird bedeutungslos und sogar der Tod kann auch kein Ende sein. Demzufolge ist der Selbstmord auf dem Weiden für die beiden Landstreichern nur ein

Spiel, um Langeweile zu lindern:

Vladimir: ... What do we do now?

Estragon: Wait.

Vladimir: Yes, but while waiting.

Estragon: What about hanging ourselves?

Estragon: Let’s hang ourselves immediately!12

Es lässt sich feststellen, dass das Konzept der Zeit in Warten auf Godot und Die Busstation unterschiedlich dargestellt wird. Während der letztere den Sinn der Zeit zum Ausdruck bringt, beruht der erste grundsätzlich auf der Sinnlosigkeit der Zeit.

In Bezug auf die Darstellung der Absurdität haben die beiden Theaterstücke ebenfalls einen großen Unterschied in der Sprache aufzuweisen. Obwohl die Sprachformulierungen Gemeinsamkeiten besitzen wie die ständige Wiederholung, unlogische sowie bedeutungslose Monologe und inkohärente Dialoge, ist die Funktion der Sprache in beiden Stücken grundlegend unterschiedlich: In Warten auf Godot dienen die wiederholenden und inkohärenten Dialoge als das Instrument der Antidramatik. Vor allem funktioniert das Wortspiel lediglich als Anspielung auf das langweilige Leben. Dementsprechend sprechen die Charaktere oft mit sich selbst. Weder die Monologe noch die Dialoge haben einen sinnvollen Inhalt, denn damit wird die Irrationalität offensichtlicher dargestellt. Darüber hinaus verzichtet es auf die Tradition des Theaters. Demgegenüber ist Die Busstation nicht das Antidrama, sondern das „nach den klassischsten Prinzipien geschaffene Drama“13.

Zwar benutzt dieses Theater den polyphonen Ausdruck, um die Dialoge ineinandergreifen und von den traditionellen Dialogen abgrenzen zu lassen, aber die Handlung ist logisch strukturiert. Selbst wenn es nicht wie die traditionellen westlichen Theaterstücke auf die Charakterisierung abzielt, schreibt der Autor jeder Figur eine besondere Bedeutung zu. Die Sprache übernimmt die Aufgabe, die Merkmale unterschiedlicher Figuren zum Ausdruck zu bringen. Wie bereits genannt, stehen die acht Figuren für verschiedene soziale Schichten, weshalb der Sprachstil jeder Figur bemerkenswerte Eigenschaften besitzt. Neben den Streitigkeiten zwischen Der Hitzkopf und anderen Figuren werden die Konflikte auch durch den vorbeifahrenden Bus hervorgerufen. Nachdem mehrere Busse die Leute immer wieder ignoriert haben, entsteht eine große Veränderung bezüglich der Emotionen der Figuren, welche wichtige Momente für die Entwicklung der Handlung darstellen. In diesem Punkt ist Die Busstation nicht das absurde Theater, sondern das Gesellschaftsdrama, das die Realität der chinesischen Gesellschaft durch die absurde Form darstellt. Im Vergleich zu Warten auf Godot befindet sich die Wurzel der Bedeutung von Die Busstation in den gesellschaftlichen Hintergrund, nämlich der Kulturrevolution. Die Stellungnahme vom Autor über das Warten ist auch ganz ausdrücklich, dadurch wird eine Lösung auch ganz deutlich gezeigt. In diesem Sinn scheint Die Busstation eher wie Brechtische Lehrstücke zu sein. Im Gegensatz dazu hat der Autor in Warten auf Godot seine Einstellung zum „Warten“ nicht klar zum Ausdruck gebracht.

Durch den Vergleich lässt sich feststellen, dass Die Busstation zwar auch eine Reihe von künstlerischen Mitteln des Absurden Theaters verwendet, die Handlung des Dramas jedoch im Wesentlichen klar und logisch bleibt. Im Gegensatz dazu geht Warten auf Godot vom Fall der Religion aus und zeigt die Verzweiflung, dass der Mensch sich nicht selbst retten kann. Daher ist die Antwort auf die praktische Erlösung der gesamten Menschheit nicht klar. Aus diesem Grund bestehen mehrere Interpretationsmöglichkeiten in diesem Drama. Es lässt sich feststellen, dass beide Theaterstücke zwar Ähnlichkeiten in Bezug auf das Thema und die absurden Elemente aufzeigen, aber Die Busstation ist nicht die bloße Kopie vom Absurden Theater, sondern eher ein realistisches Gesellschaftsdrama, das nur einige Konzepte des Absurden Theater aufgenommen bzw. angewandt hat.

[...]


1 Reform- und Öffnungspolitik (chinesisch Ä¥^Ä) ist das Schlagwort, mit dem die wirtschaftlichen Reformen unter Deng Xiaoping und die Öffnungspolitik der Volksrepublik China gegenüber der Welt und insbesondere dem Westen bezeichnet werden.

2 Die chinesische Kulturrevolution (chinesisch war eine politische Kampagne in der Volksrepublik China zwischen 1966 und 1976, die Mao Zedong auslöste und das Land gesellschaftlich wie wirtschaftlich zurückwarf. In diese Zeit fällt auch die Etablierung von Maos Personenkult.

3 Cao Kefei/Sabine Heymann/Christoph Lepschy: Zeitgenössiches Theater in China. Berlin 2017, S. 383.

4 He Wen: On Seeing the play The Bus-Stop (Huaju Chezhan guan hou). In: Wenyi Zeitung 1984, No. 3. Beijing 1984, S. 21-25.

5 Die Bewegung des 4. Mai (chinesisch AHMsf) fand ihren Ursprung in den Studentenprotesten gegen den Versailler Vertrag am 4. Mai 1919. Sie vereinte die geistig-literarisch-politischen Strömungen der Bewegung für eine Neue Kultur zwischen 1915 und 1925 mit populärem Protest und gab ihr so eine breitere Basis.

6 Vgl. Cao Kefei / Sabine Heymann/Christoph Lepschy: Zeitgenössiches Theater in China, Berlin 2017, S. 175.

7 Narbenliteratur (chinesisch: ist ein Begriff aus der chinesischen Literatur. Er fasst die unmittelbar nach der Kulturrevolutionentstandenen literarischen Werke, in denen mit den Verbrechen der Kulturrevolution abgerechnet wird.

8 Vgl. Jörg Drew: Das Ach so!-Erlebnis. Worum es in Becketts „Warten auf Godot“ wirklich geht. In: Süddeutsche Zeitung vom 17. November. München 2008, S. 14.

9 Vgl. Eugène Ionesco: Dans les armes de la ville. In: Cahiers de la Compagnie Madeleine Renaud-Jean-Louis Barrault. No. 20, October. Paris 1957, S. 19.

10 Vgl. Li Zehou: Die Kunst und Literatur des 20. Jahrhunderts in China. In: Zhongguo Xiandai Sixiang Shilun, Beijing 1987, S. 209.

11 Esslin Martin: The Theatre of Absurd. London 1977, S. 51.

12 Samuel Beckett: Waiting for Godot. Übers. von David Bradby, London 2001, S. 48.

13 Vgl. Gao Xingjian: My View of Drama. In: The Pursuit of a Modern Drama. Übers. von Amy T.Y Lai. Beijing 1988, S. 46.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
"Die Busstation" von Gao Xingjian und seine Theorie für das chinesische Avantgarde-Theater
Untertitel
Die Begegnung mit dem westlichen Drama
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Deutsche Philologie)
Veranstaltung
Intermedialität
Note
1.7
Autor
Jahr
2019
Seiten
27
Katalognummer
V1007736
ISBN (eBook)
9783346402714
ISBN (Buch)
9783346402721
Sprache
Deutsch
Schlagworte
busstation, xingjian, theorie, avantgarde-theater, begegnung, drama, Gao Xingjian
Arbeit zitieren
Zhao Zhao (Autor:in), 2019, "Die Busstation" von Gao Xingjian und seine Theorie für das chinesische Avantgarde-Theater, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1007736

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