Diese Arbeit beschäftigt sich mit der schicksalhaften Biografie der Komponisten Fanny Hensel unter Hervorhebung ihrer musikalischen Begabung.
In unserem heutigen aufgeklärten, modernem Zeitalter, in der die Diskussionen um die geschlechtliche Gleichberechtigung und die Stellung der Frau sehr weit fortgeschritten sind, ist es oftmals unerklärlich, dass es einem Menschen wegen seines biologischen Geschlechts verwehrt blieb und bleibt, seine Leidenschaft und Höchstbegabung auszuleben.
Eine solche Person stellte Fanny Hensel, geborene Mendelssohn dar. Als hochbegabte Pianisten und Komponistin wurde sie Anfang des 19. Jahrhunderts in eine Zeit hineingeboren, in der es für Frauen aus gutsituierten, angesehenen Familien unschicklich, ja gar unsittlich war, eine berufliche Tätigkeit auszuüben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1. Die Gesellschaft, Kunst und das Frauenbild im 19. Jahrhundert
2. Fanny Mendelssohn und ihre Familie
2.1. Die Familie Mendelssohn und Erziehung
2.2. Fannys Rolle in der Familie
3. Fannys musikalische Biografie
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die musikalische Biografie von Fanny Hensel im Kontext der gesellschaftlichen Rollenbilder des 19. Jahrhunderts und beleuchtet das Spannungsfeld zwischen ihrer hohen künstlerischen Begabung und den familiären sowie sozialen Beschränkungen, die ihr eine öffentliche Karriere als Komponistin erschwerten.
- Rolle der Frau im Bürgertum des 19. Jahrhunderts
- Einfluss der Erziehung und familiären Herkunft auf das künstlerische Schaffen
- Vergleich der Förderung von Fanny Hensel und ihrem Bruder Felix Mendelssohn Bartholdy
- Bedeutung der musikalischen Ausbildung und der "Sonntagskonzerte"
- Späte Emanzipation und der Durchbruch zur Veröffentlichung eigener Werke
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
In unserem heutigen aufgeklärten, modernem Zeitalter, in der die Diskussionen um die geschlechtliche Gleichberechtigung und die Stellung der Frau sehr weit fortgeschritten sind, Begriffe wie „Gender“ unsere Gesellschaft zum Umdenken und humanistischem und aufgeschlossenem Denken und Handeln bewegen und das Wissen über Hochbegabung eine dementsprechende Förderung fordert, ist es oftmals unerklärlich, dass es einem Menschen wegen seines biologischen Geschlechts verwehrt blieb und bleibt, seine Leidenschaft und Höchstbegabung auszuleben.
Eine solche Person stellte Fanny Hensel, geborene Mendelssohn dar. Als hochbegabte Pianisten und Komponistin wurde sie Anfang des 19. Jahrhunderts in eine Zeit hineingeboren, in der es für Frauen aus gutsituierten, angesehenen Familien unschicklich, ja gar unsittlich war, eine berufliche Tätigkeit auszuüben. Die Frau galt als Zierde der Familie und musste ihre Energie in diese und den Haushalt stecken. Sie zierte sozusagen ihren Mann durch ihre vornehme Zurückhaltung und ihre privaten, künstlichen Fähigkeiten.
So blieb es auch Fanny - trotz ausgiebiger Bildungserziehung durch ihr Elternhaus - untersagt, ihre Begabung mit der Öffentlichkeit zu teilen und ihre Sehnsucht nach öffentlicher Anerkennung erfüllen zu können. Sie ereilte zusätzlich das Schicksal ihrem gleichbegabten Bruder Felix zusehen zu müssen, wie er das ausleben durfte, wonach ihr verlangte, allein aufgrund seiner Männlichkeit. Francoise Tillard weiß dies in Fannys Biographie „Die verkannte Schwester“ zynisch auszudrücken: „Hier nun, im frühen 19. Jahrhundert, haben wir es mit zwei gleichbegabten Kindern zu tun, deren eines die Erlaubnis hat, der Welt als schöpferisches Individuum entgegenzutreten, während das andere angehalten ist zu schweigen oder zumindest sehr leise zu sprechen, gleichgültig, was seine Fähigkeiten und seine Wünsche sind. Eine Frau, die sich offen zu ihrem schöpferischen Talent bekennen würde – welche Gefahr für die Gesellschaft“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Diskrepanz zwischen der musikalischen Hochbegabung von Fanny Hensel und den gesellschaftlichen Zwängen des 19. Jahrhunderts, die Frauen den Zugang zur Öffentlichkeit verwehrten.
1. Die Gesellschaft, Kunst und das Frauenbild im 19. Jahrhundert: Dieses Kapitel beschreibt das Biedermeier-Umfeld, in dem Musikerziehung für Frauen als Schmuck und Privatsache galt, während ein öffentliches Auftreten als unweiblich abgelehnt wurde.
2. Fanny Mendelssohn und ihre Familie: Hier wird der familiäre Hintergrund beleuchtet, der zwar eine exzellente musikalische Ausbildung bot, jedoch Fanny und ihren Bruder Felix ungleich in ihren Karrierechancen behandelte.
2.1. Die Familie Mendelssohn und Erziehung: Die Erziehung im Hause Mendelssohn wird als leistungsorientiert und vernunftgeprägt dargestellt, wobei Kunst eine hohe Bedeutung genoss, jedoch geschlechtsspezifische Erwartungen die berufliche Entwicklung der Tochter einschränkten.
2.2. Fannys Rolle in der Familie: Dieses Kapitel verdeutlicht, wie Fanny trotz ihres überragenden Talents auf ihre Rolle als Hausfrau und Mutter reduziert wurde und ihren Bruder Felix unterstützte, anstatt eine eigene öffentliche Laufbahn zu verfolgen.
3. Fannys musikalische Biografie: Der Werdegang von der Kindheit über die Ausbildung bei bedeutenden Lehrmeistern bis hin zur Leitung der Sonntagskonzerte und der späten Entscheidung, ihre Werke zu veröffentlichen, steht hier im Fokus.
4. Fazit: Das Fazit fasst Fanny Hensels künstlerisches Schaffen zusammen und würdigt ihren Kampf gegen die gesellschaftlichen Beschränkungen sowie die Bedeutung ihrer Emanzipation als Komponistin.
Schlüsselwörter
Fanny Hensel, Fanny Mendelssohn, Musikgeschichte, 19. Jahrhundert, Romantik, Frauenbild, Komponistin, Pianistin, Emanzipation, Sonntagskonzerte, Felix Mendelssohn, Geschlechterrollen, Musikästhetik, Bürgertum, musikalische Ausbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Studienleistung grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Biografie der Komponistin Fanny Hensel vor dem Hintergrund der strengen gesellschaftlichen Normen des 19. Jahrhunderts, die Frauen eine professionelle musikalische Karriere untersagten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Mittelpunkt stehen das gesellschaftliche Frauenbild der Romantik, die familiäre Erziehung im Hause Mendelssohn und das Spannungsfeld zwischen künstlerischem Talent und gesellschaftlicher Konvention.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Fanny Hensels musikalische Begabung herauszuarbeiten und aufzuzeigen, wie sie trotz familiärer und gesellschaftlicher Restriktionen ihren Weg zur künstlerischen Selbstverwirklichung fand.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer biografischen Analyse unter Einbeziehung von Fachliteratur sowie zeitgenössischen Briefen und Dokumenten, um Fannys Leben und Werk historisch einzuordnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung der Zeit, die Darstellung des familiären Umfelds und der Erziehung sowie eine detaillierte musikalische Biografie von der Kindheit bis zur späten Veröffentlichung ihrer Werke.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Fanny Hensel, Frauenbild im 19. Jahrhundert, musikalische Ausbildung, Emanzipation und das Wirken in den Sonntagskonzerten.
Wie unterschied sich die Förderung von Fanny von der ihres Bruders Felix?
Während Felix von den Eltern und der Gesellschaft für sein schöpferisches Talent gefördert und in die Öffentlichkeit gedrängt wurde, wurde Fanny trotz gleicher oder teilweise überlegener Fähigkeiten auf die Rolle als Hausfrau festgelegt und ihr das Komponieren und Auftreten in der Öffentlichkeit lange untersagt.
Welche Rolle spielten die "Sonntagskonzerte" in Fanny Hensels Leben?
Die Sonntagskonzerte boten Fanny einen geschützten Rahmen, in dem sie ihre künstlerischen Ambitionen ausleben, Orchester dirigieren und eigene Kompositionen einem sachkundigen Publikum präsentieren konnte, ohne die Grenzen des privaten Raums zu überschreiten.
- Citation du texte
- Simone Gerber (Auteur), 2020, Die Komponistin Fanny Hensel. Gesellschaft, Kunst und das Frauenbild im 19. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1007804