Das Bild des Mannes und der Vaterrolle im Wandel der Zeit


Studienarbeit, 2019

25 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Geschichtliche Vatertheorie

3 Die historische Entwicklung des Status der Männerrolle

4 Wandel der Vater-Rolle

5 „neue“ Väter

6 Dimensionen der Vaterrolle

7 Einflussfaktoren

8 Fazit

9 Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Der Wandel des Frauenbildes wurde durch die Gesellschaft verfolgt, diskutiert und publiziert. Die Soziologie hat mittlerweile ein empirisches und theoretisches Bild, der Formen der Diskriminierung sowie typische Probleme der sozialen Konstruktion von Frauenrollen. Aber wie sieht es eigentlich mit der männlichen Rolle aus? Hat sich der Mann überhaupt in der Zeit verändert, bzw. gibt es dazu gesellschaftliche Diskussionen oder lohnen sich diese überhaupt? Im Hinblick auf diese mögliche Rollenveränderung, wurde zu wenig in der Gesellschaft darauf eingegangen und diese beleuchtet. Jedoch gab es dafür auch keine ausschlaggebenden Gründe, in Bezug auf die stereotypische Männerrolle. Denn nach Baur & Luedtke, wird in den meisten klassischen soziologischen Theorien vom Mann als dem „Normalen“ ausgegangen und die Frau als dem „Abweichenden“ betrachtet, wobei dieses „Normale“ nicht näher definiert wird. So diskutiert die Gesellschaft meist nur die Themen der „nachholenden“ Individualisierung und Modernisierung der Frau seit den 1960er-Jahren, da dies ein hohes Diskussions- und Forschungspotenzial aufwies. Die des Mannes hingegen wurde als selbstverständlich erachtet, da die damalige Gesellschaft eine Industriegesellschaft bildete und das Bild des arbeitenden Mannes in diese Gesellschaft ideal aufging und nicht weiter hinterfragt wurde. Durch den sozialen Wandel und dem Wandel hin zu einer industrialisierten Dienstleistungsgesellschaft passte das bis dahin typische Bild des Mannes nicht mehr und wurde somit zum Forschungsgegenstand. Jedoch gab es zu wenig Untersuchungen, welche auf dieser Thematik beruhen. Die Soziologie der Geschlechter bezieht sich größtenteils auf die Weiblichkeit, da „der Mann“ eher als negativ und der gesellschaftlich Herrschende angesehen und ihm gegenüber die Gleichberechtigung gefordert wird (vgl. Baur & Luedtke 2008, S. 7f.).

Zu Beginn der Arbeit soll der historische Aspekt näher beleuchtet werden, in dem die großen Familientypen der Vergangenheit auf die Rollen- und Statusposition des Mannes untersucht und die Theorie der Väter im Zusammenhang mit der Geschichte dargestellt wird. Im Laufe der Arbeit wird aus der vergangenen Historie der Geschlechtsrollen, speziell zum heutigen Wandel der Männer in ihrer Rolle als Väter übergeleitet und den damit neuen verbundenen Anforderungen und Erwartungen zum männlichen Geschlecht. Außerdem soll in Erfahrung gebracht werden, welche Vorstellungen die heutige Gesellschaft von dem idealen Vater hat. Zum Abschluss der Arbeit sollen noch einige mediale Einflussfaktoren untersucht werden, welche die Gesellschaft in Bezug auf das Bild des Mannes und Vaters prägen.

Das Ziel der Arbeit ist es vor allem herauszufinden, ob das in der Emanzipation benachteiligte Geschlecht, der Mann, in diesem Diskurs auch etwas von der Gleichberechtigung hat. Aber auch wie es in den letzten Jahrhunderten zu einer solchen Spaltung und Ungleichheit der männlichen und weiblichen Geschlechter kam, welche immer noch in einigen Facetten unserer Gegenwart spürbar sind. Jedoch hat sich die Frau im Laufe der Emanzipation gefunden und ist mit ihrem Status in der heutigen Gesellschaft weitestgehend zu frieden. Ihr stehen alle Möglichkeiten der modernen Gesellschaft offen, sei es der Weg der Karrierefrau oder der Mutter und Hausfrau. Neben der Ausweitung des Rollenspektrums der Frau möchte ich herausfinden, wie dem Mann die gesellschaftliche Selbstfindung, jenseits der Überholspur, gelingt.

2 Geschichtliche Vatertheorie

Am Aufklärungsdiskurs des 19. Jahrhunderts kann verdeutlicht werden, welche Konsequenzen sich aus der kritischen Vaterforschung ergeben haben. In diesem Zeitraum entstand die zielgerichtete Vorstellung einer kontinuierlichen Weiterentwicklung der Menschheit, welche bis in die Gegenwart anhält. So sollen Schlüsse mit Hilfe historischer Forschungen erklärt und begründet werden. Ein Fehler liegt jedoch darin, dass die soziale Realität außenvor gelassen bzw. als separat verstanden wird. Dieses methodische Problem führt zu fehlerhaften Argumenten. So sprechen beispielsweise Autoren etwa davon, dass der heutige Vater nicht dem Vaterbild, wie er als traditioneller Vater dargestellt wurde, entspricht. Und dies in erster Linie als negative Wandlung der Vaterschaft im Laufe der Zeit betrachtet wird. Diese Autoren setzen Diskurse als Tatsachen, welche von Wissen weder analysiert noch kritisch reflektiert wird, anstelle von historischen Fakten. So wird die hergeleitete Norm des traditionellen Vaters einfach akzeptiert. Es wird daher ein kritischer, vergleichender und distanzierender Blick auf die historischen Darstellungen benötigt, um anschließend einen sozialhistorischen Überblick zu erhalten. Soziologische Theorien zur Entwicklung der Rolle des Vaters und der Familie gehen davon aus, dass die dominierende Form der Großfamilie in der vorindustriellen Zeit einen Umbruch erfuhr, mit dem Einsetzen der Urbanisierung und Industrialisierung zu den modernen Kleinfamilien (vgl. Drinck 2005, S. 21). Soll nun das Rollenmuster des Vaters untersucht werden, stößt man in der Sozialgeschichte auf Schwierigkeiten, da sie meist fortlaufend beschrieben ist. Dieser fortschreitende Prozess der Verbesserung der Gesellschaft und Familie wird, wie beispielsweise die bürgerliche Familie, welche später noch beschrieben ist, in einem linearen Verlauf gebracht (vgl. Drinck 2005, S. 23f.).

„Die Geschichte erscheint als eine vorwärtslaufende Kommunikation von Ereignissen und Veränderlichkeit wird zu einer Kategorie, die Historiker auf Geschichtlichkeit als Zeitbedingtheit eines Phänomens festlegen.“ (Drinck 2005, S. 24).

Und erst wenn diese Zusammenhänge der Bedingungen einer bestimmten Zeit geklärt sind, kann man die Veränderungen betrachten und erkennen. Problempunkte sind jedoch, dass in der Sozialgeschichte normalerweise mit einer psychologisch-pädagogischen Metaphorik gearbeitet wird. In der Fortschrittsgeschichte ist gleichzeitig die Verfallsgeschichte beinhaltet. So muss die Sozialgeschichte die Entwicklung der Emanzipation kritisch betrachten und nicht in den geschichtlichen Darstellungen stecken bleiben. Dieser Prozess kann daher nicht nur Fortschritt bedeuten, sondern auch die Möglichkeit eines gesellschaftlichen Niedergangs eröffnen (vgl. Drinck 2005, S. 24).

3 Die historische Entwicklung des Status der Männerrolle

3.1 Die bäuerliche Familie

In der vorindustriellen Zeit waren die bäuerlichen Familien in der Regel durch die Bindung der Haushaltsfamilie durch die Erbschaft übernommenen und an die Nachkommenschaft übergebenen Bauernhof gekennzeichnet. Dieser Familientyp bildet eine geschlossene Einheit nach innen und außen, welche durch den Hausvater überwiegend autoritär geführt wurde. Der vorindustrielle Arbeitsalltag bot keine Freizeit bzw. kein Privatleben, da der Aufenthalts- und Lebensort, der Bauernhof, auch gleichzeitig der gemeinschaftliche Ort der zu verrichtenden Arbeit darstellte (vgl. Laer, Kürschner 2004, S. 39f.).

Im damaligen bäuerlichen Denken stand der Hof, dessen Erhaltung und Vergrößerung im Mittelpunkt. Daher wurde bei dem Motiv der Partnerwahl hohen Wert auf die Arbeitsfähigkeit, der Mitgift, sowie die Gesundheit der Frau gelegt. Die Beziehung und Wertschätzung unter den Ehepartnern richteten sich somit eng nach der Arbeit und dem Beitrag auf dem Bauernhof. Generell lässt sich ein Grundmuster geschlechtsspezifischer Arbeitsaufteilungen feststellen. Die Frau erledigte die anfallenden Arbeiten im und um das Haus, sowie die Milchwirtschaft, Kleinviehhaltung, Gartenarbeit und die Herstellung von Kleidung und Wäsche. In einigen Fällen fielen auch hin und wieder Feldarbeiten an, wie beispielsweise in der Hauptsaison zur Ernte, in der sie jedoch die leichteren Arbeiten übernahm. Der Arbeitsbereich des Mannes lag bei der Feldarbeit und wenn vorhanden auch die Holzwirtschaft. Ein wichtiger Punkt ist dem nach bei der Arbeitsverteilung, dass die Frau keines Wegs nur mit der Hausarbeit beschäftigt war, sondern dies nur eine Nebenrolle darstellte. So kann man davon sprächen, dass der Mann und die Frau den Großteil der Viehwirtschaft und Feldarbeit zusammen bestritten. Darüber hinaus war jedoch die Arbeit der Frau nicht beendet, da sie nach dem der Mann seinen Arbeitstag beendet hatte, die Hausarbeit erledigen musste. Der Bauer hatte so eine Phase der schweren Arbeit und eine Phase der Entspannung, welche er auch mit außerhäuslichen Entspannungen wie beispielsweise Vereins- und Wirtshausaktivitäten nutzen konnte. Betrachtet man nun die geschilderte Arbeitsaufteilung, trägt auch die Frau des Bauers einen wesentlichen Teil der Wirtschaft und Leistung des Hofes bei. Vermutlich verschafft dieser entscheidende Beitrag zur bäuerlichen Ökonomie der Frau ansatzweise eine gleichwertige Position zum Mann, sowie eine intensivere persönliche Beziehung unter den Ehepartnern, durch die gemeinsame Arbeit und Interessen. Dies ist jedoch nicht der Fall, da unmittelbar auf den sozialen Status und die geschlechtsspezifische Rolle zurückgegriffen wurde. Die gesellschaftlichen Zusammenhänge wirkten sich bis in den Bereich der persönlichen Beziehung aus, wodurch Familie und Ehe nicht abgegrenzt vom gesellschaftlichen Einfluss existieren konnte. Diese übergeordnete Position des Mannes ist vielfältig belegt und bestätigt. So hatte der Mann die uneingeschränkte und nicht hinterfragte Autorität des Hausvaters (vgl. Rosenbaum 1993, S. 80f.). Die Ursachen für die Autorität und Dominanz des Mannes in bäuerlichen Familien waren miteinander verknüpft. So wurde einerseits durch das Christentum der Vorrang des Mannes durch die paulinische Ehefassung gefördert, in der die Grundlagen des Mannes gestärkt wurden. Aber auch durch die lange Tradition, in den mittel- und westeuropäischen Ländern, war der Status des Mannes höherbewertet. Der Mann hatte nunmehr keine eigentumsartige Gewalt über seine Frau, wie im germanischen Recht. Der Schutz- und Vertretungsauftrag, welchem sich die Frau trotzdem unterordnen musste, oblag dem Mann. Die europäische Gesellschaft sah den strukturellen Statusvorsprung des Mannes unhinterfragt. In den verschiedenen Gesellschaftsbereichen wurden jedoch unterschiedliche Legitimationen und Grundlagen festgelegt. So richtete sich auch die bäuerliche Lebensweise den Statusstrukturen. Die Machtposition des Mannes in Bauernfamilien, wurde durch die im Normalfall verwalteten Eigentums- und Besitztitel für das Land, welche unter seinem Namen liefen, legitimiert. Die Arbeitsleistung, welche von allen Mitgliedern der Familie auf dem Hof verrichtet wurde, war sekundär im Vergleich zu dem Eigentum und der Verfügungsgewalt, welche den Mann absicherten. Dies bot dem Mann ebenfalls die Gewalt, aber auch die Verantwortung, über die Lebensgrundlage der Haushaltsmitglieder. Außerdem vertritt er den nach außen gerichteten sozialen Status der Familie, in der Gemeinde. Die öffentlichen Belange waren ebenfalls Männersache, wodurch dörfliche und gemeindliche Angelegenheiten und Gerichtsbarkeiten, wie beispielsweise bei Wirtshausbesuchen, Marktbesuchen und der Kirchengemeinde, vorwiegend in männlicher Hand blieben. Dies hatte zur Folge, dass die Frau somit keine außerhäuslichen Erfahrungen sammeln konnte und außerdem keine öffentliche Bedeutung in der Gesellschaft hatte. So waren die Frauen bzw. die Familie vom Mann und Hausvater abhängig und die Hierarchie geklärt. Diese Rollen des Mannes wurde durch die mangelnden Autoritätsbereiche und Abhängigkeitsverhältnisse der Frau weiterhin verstärkt, indem die Positionen des Wirtschafters, Besitzers, Dienstherr, Ehemann, Vater und Eigentümer zu den Funktionen des Mannes gehörten. Allein der Mann war für das Handeln der Hausgemeinschaft rechtlich und politisch handlungsfähig aber auch verantwortlich (vgl. Rosenbaum 1993, S. 82 – 85). So oblag dem Hausvater die hausherrliche Gewalt und Prügel als Erziehungsmaßnahme bzw. waren Disziplinierungsmittel oft an der Tagesordnung. Unter diesen Bedingungen des Arbeitsalltags und der Autorität in den bäuerlichen Familien war daher meist ein Mangel an Innigkeit und Emotionalitäten im Familienleben. Die Kinder lernten durch das Abschauen der meist unreflektierten und ohne Einsicht vollführten Handlungen. Die professionell-pragmatischen und allgemein gesellschaftlichen Sozialisationsinhalte waren ineinander verbunden (vgl. Laer, Kürschner 2004, S. 40). Diese Position der Familienhierarchie zwischen dem Hausvater, seiner Frau und den Kindern, wurde dementsprechend sozial, durch die öffentliche Gemeinde, kontrolliert. Wenn sich die Frau beispielsweise wiedersetzt hat, indem sie dem Mann wiedersprach oder gegen ihn die Hand erhob, sah die Gesellschaft dies als Beleidigung gegen das männliche Geschlecht an. In solchen Fällen wurden jedoch beide Partner der öffentlichen Schmach freigegeben (vgl. Rosenbaum 1993, S. 85f.).

3.2 Die Familie im Bürgertum

Das frühe Bürgertum prägte die weitgehend ständisch orientierte Gesellschaft des 18. Jahrhunderts mit neuen Idealen und Leitbildern der Familie, welche sich im Laufe der Entwicklung des 18. und 19. Jahrhunderts grundlegend von den älteren vorindustriellen Familientypen unterschied (vgl. Laer, Kürschner 2004, S. 49). Während die bäuerlichen Familien und auch die Handwerker überwiegend nach den traditionellen Lebensformen des „ganzen Hauses“ lebten, waren die neuen Ideale und Leitbilder eng an den Existenzbedingungen des Bürgertums, der Distanzierung zwischen der Umgebung der Arbeit und der des Wohnens, sowie die soziale Lage und das Ansehen in der Gesellschaft gebunden. Ausgehend von der bürgerlichen Familie, wurden die Familienideale im Laufe der weiteren Entwicklung des 19. und 20. Jahrhunderts für alle Bevölkerungsklassen angenehmer und attraktiver. Die Familie im Bürgertum wies alle wesentlichen charakteristischen Merkmale des heutigen modernen Familienlebens auf und trennte sich so von den traditionellen Familientypen. Unterschiede wie die Intimisierung und Intensivierung der Ehebeziehung, sowie die Kindererziehung erhielten eine zentrale Rolle. Die Abschottung des privaten Bereichs der Familie und des Wohnens, gegenüber dem Beruf und der Erwerbstätigkeit wurden eingeführt. Die ersten Umsetzungen der neuen Ideale begannen in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts durch wenige Unternehmer, Kaufleute, höhere Beamte und viele aus dem mittleren Stand. Die meisten dieser Angehörigen lebten bescheiden, aber in gesicherten materiellen Verhältnissen. Die Frauen und Kinder hatten nun nichts mehr mit der Erwerbstätigkeit zu tun. Dieser Prozess des Umbruchs in den Familienidealen breitete sich jedoch anfangs nur zögernd aus und wurde erst in der Folgezeit eine prägende Kraft (vgl. Rosenbaum 1993, S. 251f.).

3.2.1 zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts

Der Mann war auch in der bürgerlichen Familie für die materielle Grundsicherung verantwortlich und darüber hinaus bildete er den Vermittler zwischen der intimen Innenwelt der Familie und der Außenwelt, in der der Hausvater die Familie rechtlich und ökonomisch vertrat. Die pragmatischen Geschlechtsrollen der älteren Familientypen wurden nun durch die kultivierte und sittlich sondierte weibliche und männliche Geschlechtsrolle ersetzt. Nun oblag der Frau des Hauses nur noch die Aufrechterhaltung und Pflege der Familie. Der Großteil ihrer Aufgaben drehte sich nur im Bereich des Wohnbereichs, der Innenwelt. Es wurde dabei ebenfalls Wert daraufgelegt, dass die Frau nun keine körperlich schwere Arbeit verrichten sollte. Aber auch die Kindererziehung, wenngleich geschlechtsspezifisch, rückte in den Vordergrund, was in den handwerklich-bäuerlichen Familientypen durch den frühen Einbezug der Kinder in das familiäre Arbeitsleben nicht möglich war (vgl. Laer, Kürschner 2004, S. 50f.).

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts kam es nun in den Beziehungen der Eheleute nicht mehr überwiegend auf die Mitgift, dem Wohl des Hofes usw. an, sondern dass der Mann und die Frau gleichermaßen an einer Beziehung interessiert sind und ihren Beitrag dazu leisteten. Jedoch musste als Notwendigkeit der Eheschließung ein gesichertes Einkommen des Mannes nachgewiesen werden, woraus ein hohes Heiratsalter bei den Männern, auf Grund der Schulzeiten, Lehren, Auslandsaufenthalte usw. resultierte. Daraus folgte eine hohe Altersdifferenz zwischen den Ehepartnern, welches am Ende des 18. Jahrhunderts im Durchschnitt bei zehn Jahren lag. Durch diese hohe Altersdifferenz lässt sich nun wieder ein starkes Autoritätsgefälle betrachten. Die Männer brachten mehr Lebenserfahrungen, Studium und Berufsausbildungen mit in die Beziehung. Dieses Kennenlernen der Welt blieb den jungen, ans Haus gebundenen Frauen verwehrt und stärkte somit die Autoritätsposition des Mannes. Die Privilegien des traditionellen Hausvaters, wie die rechtliche Vertretung der Familie, die Verfügungsberechtigung über die Eigentümer und Vermögen, sowie die Tätigkeit als Ernährer oblag ebenfalls dem Mann in der bürgerlichen Familie. Neu hinzu kam, die weitgehend voneinander getrennten Lebensbereiche von Mann und Frau. Das Dasein des Mannes fokussierte sich primär auf die Anforderungen im Beruf und der Öffentlichkeit, um den Lebensunterhalt zu sichern. Die Frau hingegen widmete ihr Dasein dem Familienleben (vgl. Rosenbaum 1993, S. 288f.). Der höhere Status des Mannes wurde nun im Bürgertum neu legitimiert. Der Autoritätsanspruch wurde durch die Einkommensverfügung, die berufliche Tätigkeit, sowie die Leistungserbringung und Sicherung der Lebensgrundlage der Familie begründet. Aber auch durch die außerhäuslichen Tätigkeiten und der Weltläufigkeit, sich in der Gesellschaft durchzusetzen und zu bewegen, stärkte die Machtposition des Mannes. Nur diese außerhäuslichen Tätigkeiten wurden hoch bewertet und angesehen, wohingegen die Arbeit im Haus, welche immer mit der Frau in Verbindung gebracht wurde, gering eingeschätzt und angesehen war. So wurde das Selbstwertgefühl der Frauen geringgehalten bzw. sollte das Selbstbewusstsein der Frau durch die Identifikation zu ihrem erfolgreichen Mann kommen (vgl. Rosenbaum 1993, S.290):

„Das Weib wirkt in der Familie, für die Familie; es bringt ihr sein Bestes ganz zum Opfer dar; es erzieht die Kinder; es lebt das Leben des Mannes mit; Gütergemeinschaft der Ehe erstreckt sich auch auf die geistigen Besitztümer […]“ (Riehl 1861, S. 115, zitiert nach Rosenbaum 1993, S. 290).

[...]

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Das Bild des Mannes und der Vaterrolle im Wandel der Zeit
Hochschule
Duale Hochschule Gera-Eisenach (ehem. Berufsakademie Thürigen in Gera)
Note
1,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
25
Katalognummer
V1007832
ISBN (eBook)
9783346395092
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziologie, Vaterrolle, Rolle des Mannes, Vatertheorie, Wandel der Vaterrolle, Entwicklung des Status der Männerrolle, Dimension der Vaterroll, "neue" Väter
Arbeit zitieren
Ivo Gericke (Autor), 2019, Das Bild des Mannes und der Vaterrolle im Wandel der Zeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1007832

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Das Bild des Mannes und der Vaterrolle im Wandel der Zeit



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden