Auf der Internetpräsenz der Fakultät Philosophie und Erziehungswissenschaften der Ruhr-Universität Bochum, die mit Martens und Steenblock zwei sehr prominente Vertreter ihrer Zunft beherbergte, wird der folgende Anspruch für die Lehrtätigkeit an Schulen formuliert: „Lehrerinnen und Lehrer müssen als Anwälte der philosophischen Tradition deren Gehalte für das lebensweltliche Interesse von Jugendlichen anschlussfähig machen können.“ Hierzu benötigen die Lehrenden nicht nur ihr philosophisches Fachwissen, um ihre Advokatenrolle ausfüllen zu können, sondern auch Informationen über und ein Gefühl für die Lebenswelt ihrer Schülerinnen und Schüler. Die didaktische Kompetenz Fachwissen und Lebenswelt organisch zu verbinden findet sich im Prädikat „müssen […] anschlussfähig machen können“ ausgedrückt. Ihm fällt im obigen Zitat beinahe eine bloße Nebenrolle zu. Dieses Verbindungsmoment, welches die Relevanz der aktiven Vermittlung zwischen Fachwissen und Lebenswelt betont, soll hier aber im Vordergrund stehen.
Der moderne Philosophieunterricht bewegt sich, nach Bettina Bussmann, in einem Dreieck aus Problem-, Wissenschafts- und Lebensweltorientierung. Bussmann schreibt wörtlich, dass „[l]lebensweltliches, wissenschaftliches und philosophisches Wissen […] untrennbar miteinander verbunden“ sind. Ein Anlass zur philosophischen Arbeit in der Schule kann durchaus jedem einzelnen dieser Bereiche entspringen. Für gelungenen Unterricht, der seinen SuS sowie seinem Gegenstand gerecht wird, sollten diese drei sich aber gegenseitig befruchten: Alltägliche Fragen können wissenschaftlich durchdacht, wissenschaftliche Fragen philosophisch reflektiert und philosophische Fragen an Alltag und Wissenschaft zurückgebunden werden. Hierzu ist es notwendig ihre real existierenden Berührungspunkte aufzudecken und als Lernanlass nutzbar zu machen. Das Ausgehen von einem konkreten, nachfühlbaren Problem, wie z.B. einem moralischen Dilemma, zeigt bereits auf, inwiefern diese Kategorien sich gegenseitig enthalten: Problemorientierung kann nicht isoliert von Wissenschafts- und Lebensweltorientierung gedacht werden. Es ergeben sich aus den verschiedenen Perspektiven auf die identischen Probleme mehrere mögliche Antworten. Die für das Fach Philosophie oder Werte und Normen ergiebigen Problemsituationen oder Frageanlässe werden sich stets in Wissenschaft und Alltag finden. Schließlich benötigt die philosophische Arbeit einen Gegenstand, der ihr als Anlass dient.
Inhaltsverzeichnis
1. Über die lebensweltlich-wissenschaftsbasierte Philosophiedidaktik
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die didaktische Notwendigkeit, eine organische Verbindung zwischen philosophischem Fachwissen und der Lebenswelt von Schülerinnen und Schülern im Unterricht herzustellen, um Erkenntnisprozesse anschlussfähig zu gestalten.
- Die Rolle der Lehrkraft als Anwalt der philosophischen Tradition
- Das didaktische Dreieck: Problem-, Wissenschafts- und Lebensweltorientierung
- Integration lebensweltlicher Vorerfahrungen in den Unterricht
- Förderung von Reflexionskompetenz anhand gesellschaftlicher Probleme
- Identitätsfindung als zentraler Bestandteil philosophischer Bildung
Auszug aus dem Buch
Über die lebensweltlich-wissenschaftsbasierte Philosophiedidaktik
Auf der Internetpräsenz der Fakultät Philosophie und Erziehungswissenschaften der Ruhr-Universität Bochum, die mit Martens und Steenblock zwei sehr prominente Vertreter ihrer Zunft beherbergte, wird der folgende Anspruch für die Lehrtätigkeit an Schulen formuliert: „Lehrerinnen und Lehrer müssen als Anwälte der philosophischen Tradition deren Gehalte für das lebensweltliche Interesse von Jugendlichen anschlussfähig machen können.“ Hierzu benötigen die Lehrenden nicht nur ihr philosophisches Fachwissen, um ihre Advokatenrolle ausfüllen zu können, sondern auch Informationen über und ein Gefühl für die Lebenswelt ihrer Schülerinnen und Schüler. Die didaktische Kompetenz Fachwissen und Lebenswelt organisch zu verbinden findet sich im Prädikat „müssen […] anschlussfähig machen können“ ausgedrückt. Ihm fällt im obigen Zitat beinahe eine bloße Nebenrolle zu. Dieses Verbindungsmoment, welches die Relevanz der aktiven Vermittlung zwischen Fachwissen und Lebenswelt betont, soll hier aber im Vordergrund stehen.
Der moderne Philosophieunterricht bewegt sich, nach Bettina Bussmann, in einem Dreieck aus Problem-, Wissenschafts- und Lebensweltorientierung. Bussmann schreibt wörtlich, dass „[l]lebensweltliches, wissenschaftliches und philosophisches Wissen […] untrennbar miteinander verbunden“ sind. Ein Anlass zur philosophischen Arbeit in der Schule kann durchaus jedem einzelnen dieser Bereiche entspringen. Für gelungenen Unterricht, der seinen SuS sowie seinem Gegenstand gerecht wird, sollten diese drei sich aber gegenseitig befruchten: Alltägliche Fragen können wissenschaftlich durchdacht, wissenschaftliche Fragen philosophisch reflektiert und philosophische Fragen an Alltag und Wissenschaft zurückgebunden werden. Hierzu ist es notwendig ihre real existierenden Berührungspunkte aufzudecken und als Lernanlass nutzbar zu machen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Über die lebensweltlich-wissenschaftsbasierte Philosophiedidaktik: Dieses Kapitel erläutert die Notwendigkeit, Fachwissen und Lebenswelt im Unterricht zu verknüpfen und stellt das didaktische Modell der Problem-, Wissenschafts- und Lebensweltorientierung vor.
Schlüsselwörter
Philosophiedidaktik, Lebensweltorientierung, Wissenschaftsorientierung, Problemorientierung, Fachwissen, Schülerinnen und Schüler, Reflexionskompetenz, Handlungskompetenz, Philosophische Bildung, Identitätsfindung, Unterrichtsplanung, Werte und Normen, Lehrkraft, Pädagogik, Philosophische Tradition.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Anforderungen an eine moderne Philosophiedidaktik, die Fachwissen und die reale Lebenswelt von Jugendlichen sinnvoll integriert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die Vermittlung zwischen fachphilosophischem Anspruch und lebensweltlichem Interesse, das didaktische Dreieck aus Problem-, Wissenschafts- und Lebensweltorientierung sowie die Förderung der Reflexionskompetenz.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Lehrkräfte eine organische Verbindung zwischen wissenschaftlichem Wissen und der Lebenswelt der Lernenden herstellen können, um Unterrichtsgegenstände anschlussfähig zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit fachdidaktischen Konzepten, insbesondere den Theorien von Bettina Bussmann und Volker Steenblock.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie unterschiedliche Zugänge (problem-, wissenschafts- und lebensweltorientiert) in den Unterricht integriert werden können und warum die Kenntnis der spezifischen Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler für den Lehrerfolg essenziell ist.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Philosophiedidaktik, Lebensweltorientierung, Reflexionskompetenz, Identitätsfindung und fachphilosophische Vermittlung charakterisiert.
Warum gibt es laut Autorin nicht "die" eine Lebenswelt?
Die Lebenswelt unterscheidet sich stark von Individuum zu Individuum aufgrund unterschiedlicher Interessen, Erfahrungen und familiärer Hintergründe, weshalb Lehrkräfte die konkrete Lebenswelt ihrer Schüler kennen müssen.
Wie sollen Lehrkräfte mit Vorwissen der Schüler umgehen?
Die Lehrkraft soll lebensweltliche Erfahrungen und Denkweisen der Schüler nicht als falsch abwerten, sondern als Potenzial des eigenen Denkens anerkennen und auf dieser Basis den Unterricht strukturieren.
- Citation du texte
- Felix Jeschonnek (Auteur), 2019, Über die lebensweltlich-wissenschaftsbasierte Philosophiedidaktik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1007991