Classroom Management im Sportunterricht. Regeln und Rituale Unterricht


Examensarbeit, 2021

24 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Unterrichtsvorhaben
2.1 Allgemeiner Problemaufriss
2.2 Rahmenbedingungen
2.2.1 Anthropogene Rahmenbedingungen
2.2.2 Institutioneile Rahmenbedingungen
2.3 Bezug zum Bildungsplan
2.3.1 Begründung und Bezug der Schüler zum Thema
2.3.2 Kompetenzerwerb/Lernziele

3. Analyse des pädagogischen Handlungsfeldes
3.1 Unterrichtsstörungen im Sportunterricht
3.2 Classroom-Management: Basisdimension guten Unterrichts

4. Präventive Maßnahmen im Sportunterricht
4.1 Schülergerechte Auswahl der Themen und Inhalte
4.2 Binnendifferenzierung
4.3 Regeln
4.4 Rituale
4.5 Unterrichtsfluss
4.6 Breite Aktivierung
4.7 Präsenz der Sportlehrkraft

5. Darstellung der schulpraktischen Umsetzung
5.1 Schritt 1: Selbstevaluation
5.2 Schritt 2: Evaluation der Klasse
5.3 Schritt 3: Formulierte Absprachen und Regeln
5.4 Schritt 4: Konsequente Umsetzung von Sanktionen

6. Reflexion und Ausblick

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang
8.1 Evaluationsbogen der Lerngruppe
8.2 Gemeinsam formulierte Verhaltensregeln
8.3 Verfahrensregeln und Rituale
8.4 Beispiele für Auftragskarten
8.5 Time-Out Zettel

1. Einleitung

„Es gibt zwei Gesetze in der Pädagogik, die den Charakter von Naturgesetzen haben:

Wenn der Lehrer die Schüler nicht beschäftigt, beschäftigen die Schüler sich selbst - oder den Lehrer.“ (Volkamer & Zimmer, 1982, S. 123)

Unterrichtsstörungen und Disziplinschwierigkeiten gehören zum schulischen Alltag dazu. Sie treten in allen Fächern und auch bei allen Lehrerinnen und Lehrern[I] auf. Es stellt sich hierbei immer wieder die Frage, wie Lehrpersonen im Schulbetrieb mit diesen schwierigen und belastenden Unterrichtssituationen umgehen sollen oder wie man sie vorab verhindern kann. Aufgrund der verschiedenen gesellschaftlichen Umstände ist das Verhalten von Kindern und Jugendlichen ein komplexes Thema geworden, welches die Arbeit mit ihnen zunehmend erschwert.

Gerade der Sportunterricht ist mit seinen speziellen Rahmenbedingungen besonders anfällig für die beschriebenen Phänomene im oben genannten Zitat. Er spielt sich - im Gegensatz zu den übrigen Fächern - auf mehreren Ebenen ab, der kognitiven, der emotionalen und der motorischen (Söll & Kern, 2005, S. 43). Der Unterricht in der Sporthalle unterscheidet sich somit grundlegend in mehreren Bereichen von dem im Klassenzimmer, welche die individuellen Befindlichkeiten jedes einzelnen Schülers stärker hervortreten lassen (Haas, 2012, S. 2). So sind die Lerngruppen (auch im Profilfach Sport) sehr heterogen in ihren Erfahrungen und Leistungen, was sich wiederum auf das Unterrichtsgeschehen auswirkt. Weiterhin ist der Organisationsrahmen im Vergleich zu einem Klassenzimmer nicht klar vorgegeben. Infolgedessen kommen im ungeschützten Raum der Sporthalle Spannungen und Konflikte wesentlich deutlicher zum Vorschein. Der generell erhöhte Geräuschpegel - seien es prellende Bälle oder die laute Musik im Nachbarabteil der Halle - erschwert zusätzlich die Arbeit der Lehrkraft (ebd.).

Jedoch ist es auch Fakt, dass die Intensität und Anzahl von Störungen einer Lerngruppe je nach Lehrkraft stark variieren kann (Nolting, 2007, S. 22). Demnach sind Unterrichtsstörungen offensichtlich unter anderem auch eine Folge eines unzweckmäßigen Lehrerverhaltens (Klingen, 2007, S. 16). Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass sich durch geeignete präventive Maßnahmen viele Störungen vermeiden lassen können.

Eine Klasse zu führen ist für Lehrkräfte in der Regel eine der schwierigsten Aufgaben und zugleich die, auf die man am wenigsten vorbereitet wird. Das sogenannte Classroom-Management spielt neben der Vermittlung von Unterrichtsinhalten in der Ausbildung von Lehrkräften hierzulande eine eher untergeordnete Rolle (Nolting, 2007, S. 11). Dabei geht es bei der Klassenführung keineswegs nur um Störungsverhinderung und Disziplinierung im Unterricht im Eigentlichen, sondern um das Schaffen von optimalen Voraussetzungen, die für einen Lernprozess im Unterricht förderlich sind (Dubs, 1995, S. 420). Einfacher gesagt: Ohne eine effektive und gut funktionierende Klassenführung mit transparenten Regeln und Ritualen ist das beste Curriculum praktisch gesehen nutzlos.

Somit stellt sich folgende zentrale Frage: Welche präventiven Maßnahmen können ergriffen werden, um Unterrichtsstörungen im Sportunterricht zu vermeiden? In dieser Ausarbeitung erfolgt im ersten Teil ein grober Überblick über das Unterrichtsvorhaben und der schulischen Voraussetzungen, gefolgt von der Darlegung relevanter theoretischer Grundlagen. Im nachfolgenden Teil wird die schulpraktische Umsetzung vorgestellt. Abschließend folgt eine rückblickende Reflexion auf das Unterrichtsvorhaben und ein zusätzlicherAusblick aufdas zukünftige Lehrerhandeln.

2. Das Unterrichtsvorhaben

Das geplante Unterrichtsvorhaben wurde im Profilfach Sport der achten Klasse durchgeführt.

2.1 Allgemeiner Problemaufriss

Die nachfolgenden Feststellungen und Beobachtungen sind für den Unterricht der Sportklasse 8 zum Schuljahresbeginn charakteristisch. Die Schüler wirken desinteressiert und wollen sich teilweise nicht körperlich betätigen. In Besprechungsrunden ist es stets laut und Erklärungen müssen oftmals wiederholt werden. Da die Schüler die Unterrichtsgespräche nicht aufmerksam verfolgen, kommt es in den Übungsphasen immer wieder zu Rück- und Verständnisfragen. Der geplante Unterricht kann trotz einer guten didaktisch-methodischen Vorgehensweise in den meisten Fällen nicht reibungslos ablaufen. Aus zeitlichen Gründen können deshalb nicht immer alle Unterrichtsinhalte durchgeführt werden. Weiterhin weisen mehrere Schüler Defizite in der Personal- und Sozialkompetenz auf, die sich vor allem beim Auf- und Abbau der Gerätschaften sowie bei Spielformen widerspiegeln. Kleinere Interventionsrunden am Ende der Unterrichtsstunde zeigen nicht die erhoffte Wirkung. Um die unzähligen Störungen zu beseitigen, wird seitens der Lehrkraft viel Energie und Geduld benötigt. Nicht zuletzt leidet darunter auch die eigene Stimme, die nach dem Unterricht öfters heißer ist.

Anhand der analysierten Probleme ist es klar ersichtlich, dass ein gut strukturiertes Konzept, in welchem die Gestaltung der Klassenführung festgelegt wird, an dieser Stelle Abhilfe schaffen kann. An diesem Punkt knüpft das geplante Unterrichtsvorhaben an, indem das entwickelte Konzept bei der oben genannten Lerngruppe angewendet und erprobt wird.

2.2 Rahmenbedingungen

Im Folgenden wird eine Differenzierung zwischen den anthropogenen und den institutioneilen Rahmenbedingungen vorgenommen.

2.2.1Anthropogene Rahmenbedingungen

Der entscheidende Ausgangspunkt für alle Planungsfragen - auch dem jeweiligen Konzept für die Klassenführung betreffend - ist immer die Lerngruppe. Gerade im kompetenzorientierten Sportunterricht stellt die Schülerorientierung eine essentielle Forderung dar, weil jede Lerngruppe einzigartig ist (Döhring & Gissel, 2016, S. 30). Die Lehrimpulse führen zu Reaktionen der Lernenden, deren Aktivitäten dann wiederum das Verhalten der Lehrkräfte beeinflusst (Schröter, 2019, S. 9). Somit stellt sich folgende Frage:

Wer sind eigentlich die Schülerinnen und Schüler, mit denen ich den Sportunterricht gestalten will? Was weiß ich über sie? Auf weiche Besonderheiten muss ich achten?

An der Schule wird der Sportunterricht in den Klassen 5, 6, 9 und 10 koedukativ durchgeführt. Lediglich in den Klassen 7 und 8 wird monoedukativ unterrichtet. Ausgenommen hiervon ist die betroffene Profilfach Klasse 8, welche im Anschluss näher vorgestellt wird:

Die Profilfach-Sport-Klasse 8 setzt sich aus insgesamt 17 Schülern (11 Mädchen und 6 Jungen) aus zwei Klassen zusammen. Die Klasse weist einen hohen Anteil an Schülern mit Migrationshintergründen auf; nicht alle sind der deutschen Sprache hinreichend mächtig, sodass während dem Unterricht sprachliche Probleme auftreten. Weiterhin kommt man zum Ergebnis, dass die sportlichen Lernvoraussetzungen und das Vorwissen bei vielen Schülern als eher mäßig zu bezeichnen ist, obwohl sie sich bewusst für das Profilfach Sport entschieden haben. Dies spiegelt sich auch bei diversen Schülern in der Bereitschaft und Motivation wider. Bereits zu Beginn des Schuljahres bilden sich kleine Gruppen, die deutliche Auswirkungen auf die Klassenatmosphäre haben. In den meisten Fällen sind diese Gruppen geschlechterspezifisch und die Mitglieder stammen aus der gleichen Regelklasse. Übungs- und Spielformen mit gemischten Gruppen (und Geschlechtern) werden zwar akzeptiert, aber die Begeisterung bei den Schülern hält sich deutlich in Grenzen. Ein Großteil der Schüler zeigt sich als sehr aufgeweckt, lebhaft und kommunikativ, während nur ein geringer Anteil der Lerngruppe als eher unscheinbar und zurückhaltend bezeichnet werden kann. Dadurch kommt es in Unterrichtsgesprächen immer wieder zu diversen Störungen und Unruhen. Viele Schüler achten nur auf sich selbst und gehen vor allem beim Auf- und Abbau keine arbeitsteiligen Bündnisse ein. Anhand des beschriebenen Sachverhalts lässt sich schlussfolgern, dass die Lerngruppe einfache und leicht zu verstehende Strukturen benötigt, um einen effektiven Sportunterricht zu ermöglichen.

2.2.2 Institutioneile Rahmenbedingungen

Der Sportunterricht ist mehr als jedes andere Fach von bestimmten materiellen und organisatorischen Bedingungen abhängig, die seine Effektivität entweder fördern oder auch beeinträchtigen können (Söll & Kern, 2005, S. 111). Der Schule stehen verschiedene Sporthallen zur Verfügung. Neben der großen Rottumhalle mit drei Hallenabteilen, in der auch der Sportunterricht der genannten Lerngruppe stattfindet, werden die Schüler auch in drei kleineren Sporthallen (Bronnerberghalle, Mehrzweckhalle und Herrenmahdhalle) beschult. Die Rottumhalle ist gut ausgestattet und die räumlichen Bedingungen sind in Anbetracht der Gruppengröße völlig ausreichend. Einzig der längere Unterrichtsweg vom Schulgebäude zur Sportstätte ist suboptimal, sodass Schüler teilweise vereinzelt eintreffen und der Unterricht zumeist erst mit Verspätung beginnen kann. Die Maßnahmen des vorgestellten Konzepts schließen auch diese Gegebenheiten mit ein. Die Klasse 8 des Profilfach Sports hat ein Deputat von 5 Unterrichtsstunden pro Woche, die sich aus vier Stunden Praxis und eine Stunde Theorie im Klassenzimmer zusammensetzen. Seit Dezember 2020 hat die Stadt das örtliche Schwimmbad geschlossen, sodass die zwei Stunden Schwimmen pro Woche nun ebenfalls in der Rottumhalle stattfinden.

Das geplante Unterrichtsvorhaben gilt nur im klassischen Sinne für die Sportstunden in der Turnhalle. Es beginnt Anfang Oktober und soll zunächst über einen Zeitraum von sechs Wochen durchgeführt werden. Bei einer erfolgreichen Bewährung soll das Konzept langfristig in den Sportunterricht integriert werden.

2.3 Bezug zum Bildungsplan

2.3.1 Begründung und Bezug der Schüler zum Thema

Eine effiziente Klassenführung mit klar vorgegebenen Regeln und leicht zu verstehenden Ritualen ist die Voraussetzung dafür, dass im Sportunterricht überhaupt ein lernförderliches Klima für den Erwerb von inhaltsbezogenen Kompetenzen entstehen kann. Die Ziele des Schulsports werden durch dessen Doppelauftrag bestimmt, welcher sich als „Erziehung zum Sport und Erziehung im und durch den Sport beschreiben lassen“ (Bildungsplan 2016, S. 3). Die Standards für die inhaltsbezogenen Kompetenzen („Erziehung zum Sport“) werden an dieser Stelle nicht weiter thematisiert, da sie für das geplante Unterrichtsvorhaben nicht relevant sind.

Im Sinne der Persönlichkeitsbildung („Erziehung im und durch Sport“) erwerben Schüler neben den motorischen Kompetenzen auch kognitive, reflexive, personale und soziale Kompetenzen, die man unter den Begriff „Prozessbezogene Kompetenzen“ zusammenführen kann. Aufgrund der oben bereits beschriebenen Umstände lässt sich feststellen, dass das Ziel des geplanten Unterrichtsvorhabens vor allem in der Förderung der Personal- und Sozialkompetenz besteht. Diese beiden Kompetenzen werden beispielsweise erweitert, indem die Schüler miteinander spielen und wetteifern (ebd.). Dies kann jedoch nur gelingen, wenn ein kollektives Regelverständnis vorliegt, welches von allen Akteuren des Unterrichts akzeptiert wird. Bekräftigt wird diese Feststellung auch durch die Leitperspektive „Prävention und Gesundheitsförderung“, denn in sportlichen Handlungssituationen lernen die Schüler, ihr Verhalten, ihre Emotionen und ihre Aufmerksamkeit zu steuern (Bildungsplan 2016, S. 4). Auch für diese Fähigkeit zur Selbstregulation ist ein unmissverständlicher Regelkatalog zwingend notwendig.

Im Folgenden werden die Lernziele und Feinziele der zutreffenden prozessbezogenen Kompetenzen näher dargestellt.

2.3.2 Kompetenzerwerb/Lernziele

Die im Anschluss aufgezählten Lernziele und Kompetenzen sollen mithilfe des geplanten Unterrichtsvorhabens angebahnt und erreicht werden. Der Rahmen für die formulierten prozessbezogenen Kompetenzen stellt hierbei der gemeinsame Bildungsplan (2016) der Sekundarstufe I des Landes Baden-Württemberg. Angemerkt sei an dieser Stelle, dass sich die genannten Kompetenzen über einen längeren Zeitraum entwickeln und das wünschenswerte Verhalten der Schüler im Unterricht nur sukzessiv angestrebt werden kann.

Übergeordnetes Lernziel:

Die Schüler pflegen einen wertschätzenden, achtungsvollen und respektvollen Umgang untereinander und gegenüber der Lehrperson. Sie akzeptieren die festgelegten Rituale und Regeln im Unterricht und arbeiten in sportlichen Aktivitäten kooperativ zusammen.

Feinziele:

Personalkompetenz: Die Schüler können:

- ihre eigenen Emotionen und Bedürfnisse in sportlichen Situationen wahrnehmen und regulieren.
- in sportlichen Handlungssituationen ihre Aufmerksamkeit steuern.

Die Schüler können:

- wertschätzend miteinander umgehen und andere integrieren.
- Regeln und Vereinbarungen einhalten.
- den Unterschied zwischen fairem und unfairem Handeln erkennen und sich selbstfairverhalten.
- bei (sportlichen) Aktivitäten kommunizieren und kooperieren.
- bei der Organisation unterschiedliche Rollen und Aufgaben übernehmen.

3. Analyse des pädagogischen Handlungsfeldes

3.1 Unterrichtsstörungen im Sportunterricht

Unterrichtsstörungen werden in erster Linie subjektiv wahrgenommen, sodass es keine einheitliche Vorstellung zum Störungsbegriff geben kann. Was genau als Störung aufgefasst oder erlebt wird, ist von Lehrperson zu Lehrperson unterschiedlich. Es besteht jedoch weitestgehend Einigkeit darüber, dass ein Verhalten erst dann als Störung definiert werden kann, wenn dadurch der Lehr-und Lernprozess direkt gestört wird. Solange dieser Prozess nicht beeinträchtigt wird, sollten auffällige Verhaltensweisen nicht sofort als Unterrichtsstörungen bezeichnet werden (Winkel, 2005, S. 29). Im Gegensatz dazu findet man bei Dubs (1995) eine Auflistung mit Verhaltensweisen, die als Unterrichtsstörungen definiert werden. Man unterscheidet hierbei zwischen zwei verschiedenen Verhaltenstypen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: StörendeVerhaltensweisen = Unterrichtsstörungen (nach Dubs, 1995, S. 173).

Bei genauerer Betrachtung wird deutlich, dass der Störungsbegriff von Dubs weiter gefasst ist: er bezieht bereits ein passives Schülerverhalten (mangelndes Interesse, Kooperation, etc.) als Unterrichtsstörung mit ein, das laut Winkel allein für eine Beeinträchtigung des Lehr- und Lernprozesses nicht ausreicht.

Generell für den Sportunterricht ist anzumerken, dass er besonders anfällig für Unterrichtsstörungen ist, weil er in den Situationen davor, während und danach meist strukturelle Schwächen aufweist (Eichhorn, 2013, S. 164). Schon bereits auf dem Weg vom Klassenzimmer in die Umkleidekabine kann es zu ersten Störungen kommen, die sich auf den nachfolgenden Sportunterricht auswirken können. Bei den örtlichen Gegebenheiten in einer Turn- oder Schwimmhalle herrscht ein völlig anderer organisatorischer Rahmen als in einem gewöhnlichen Klassenzimmer. Weiterhin kommen die Schüler mit eigenen Vorstellungen und Vorlieben in den Sportunterricht, die nicht alle gleichermaßen gedeckt werden können. Nicht zuletzt kann aber auch der Sportlehrer selbst der Ausgangspunkt für Unterrichtsstörungen sein, indem er sich unangemessen verhält, unbrauchbare Vorgaben und Regeln vereinbart oder die Schüler durch eine missverständliche Kommunikation verunsichert. Aber auch die Gestaltung der Lernumgebung, die Gruppenzusammensetzung oder das Unterrichtsmaterial können Unterrichtsstörungen begünstigen. Anhand der aufgezählten Ursachen wird deutlich, dass gerade im Sportunterricht ein gutes Classroom-Management zurVermeidung von Störungen unverzichtbar ist.

3.2 Classroom-Management: Basisdimension guten Unterrichts

Das Classroom-Management basiert auf einer positiven Lehrer-Schüler-Beziehung, einem guten Unterrichtsklima und einer präventiv ausgerichteten Unterrichtsorganisation, die Störungen möglichst klein hält. Der Fokus liegt dabei auf jenen Maßnahmen, die darauf abzielen, dass Störungen gar nicht erst auftreten. Somit findet sich der Schwerpunkt des Classroom-Managements in erster Linie im proaktiven Bereich wieder (Eichhorn, 2013, S. 100). Dabei stehen beim Classroom-Management positive Konsequenzen im Vordergrund, die ihren Schwerpunkt auf Lob und Anerkennung setzen. Unangemessenes Verhalten mit negativen Konsequenzen zu sanktionieren ist dagegen dem reaktiven Bereich zuzuordnen, der im Classroom- Management eine eher untergeordnete Rolle spielt. Der Hintergrund für diese methodische Vorgehensweise ist die Tatsache, dass sich menschliches Verhalten weit besser über eine gute Beziehung beeinflussen lässt als über Strafe (Eichhorn, 2013, S. 101ff.). Doch welche Rolle spielt eine gut strukturierte Klassenführung für die Unterrichtsqualität? Dazu folgt ein kleiner Exkurs in die Wissenschaft:

Die großen internationalen Studien (z. B. Helmke, 2003 und Hattie, 2009) zeigen übereinstimmend, welche bedeutende Rolle der Klassenführung bei einem guten Unterricht zugeschrieben wird. Bei der Unterrichtsqualität wird demnach zwischen sogenannten „Sichtstrukturen“ und „Tiefenstrukturen“ unterschieden. Letztere setzen sich aus drei Dimensionen zusammen, die sich als Basis guten (Sport-)Unterrichts manifestiert haben:

1) Strukturierte, klare und störungspräventive Unterrichtsführung
2) Unterstützendes, schülerorientiertes Sozialklima (konstruktive Unterstützung)
3) Kognitive (und motorische) Aktivierung

Die ersten beiden Dimensionen sind hierbei Schwerpunkte des Classroom- Managements. Als Indikatoren für die Unterrichtsführung sind im Sportunterricht vor allem der Respekt, die gegenseitige Rücksichtnahme, der verantwortungsvolle Umgang mit Personen und Gegenständen aber auch eine klar strukturierte Führung und Leitung seitens der Lehrkraft zu nennen. Für eine gelingende konstruktive Unterstützung ist eine Förderung für alle Schüler in allen Niveaustufen (vor allem in Übungsphasen) notwendig, weil eine Unter- bzw. Überforderung automatisch Störungen hervorruft. Diese Unterstützung sollte zudem von regelmäßigen Schülerrückmeldungen begleitet werden. Im Folgenden werden präventive Maßnahmen zurVermeidung von Störungen im Sportunterricht näher erläutert.

4. Präventive Maßnahmen im Sportunterricht

Als Grundannahme kann gelten, dass es in einem interessanten und anregenden Sportunterricht, der zugleich effektiv, lern- und bewegungswirksam gestaltet wird, seltener Unterrichtsstörungen auftreten. Um einen solchen Unterricht durchführen zu können, bedarf es auf der Lehrerseite neben einer hohen fachlichen Kompetenz und gefestigten Persönlichkeit auch eine sorgfältige Unterrichtsplanung. Weiterhin kommt es darauf an, dass innerhalb der Unterrichtsdurchführung die richtigen Maßnahmen ergriffen werden (Klingen, 2007, S. 17). Der Kerngedanke der folgenden Abbildung ist auf Paul Klingen (2007) zurückzuführen, wurde aber selbstständig erweitert und modifiziert:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Präventive Maßnahmen zur Vermeidung von Störungen im Sportunterricht (eigene Darstellung nach Klingen, 2007, S. 17ff.).

Man unterscheidet hierbei zwischen Maßnahmen, die entweder dem Planungs- oder dem Durchführungsverhalten zugeordnet werden können. Im Folgenden werden die einzelnen präventiven Maßnahmen, beginnend beim Planungsverhalten, näher beschrieben. Der Hauptfokus liegt hierbei auf den Regeln und Ritualen, die anderen Maßnahmen werden nur kurz angerissen, weil sie sonst den Umfang der Arbeit übersteigen würden.

4.1 Schülergerechte Auswahl derThemen und Inhalte

Die Schüler haben ihre eigenen Vorstellungen und Vorerfahrungen von Sportunterricht. Sie wünschen sich selbstverständlich von der Lehrkraft, dass diese im Unterricht auch berücksichtigt werden. Da die Lehrkraft aber an den Bildungsplan und Richtlinien gebunden ist, gilt es an dieser Stelle, gemeinsam mit den Schülern Lösungen und Kompromisse zu suchen. So können Schüler zum Beispiel bei der Planung des nächsten Unterrichtsvorhabens miteinbezogen werden. Weiterhin sollte im Laufe des Schuljahres zwischen den pädagogischen Perspektiven gewechselt werden. Das heißt, dass man nach Möglichkeit die unterschiedlichen Motive der Schüler auf der Ziel-Inhaltsebene aufnehmen sollte. So könnte man die Bewegungsinhalte auch abwechselnd akzentuieren: mal stärker spielorientiert, gesundheitsorientiert, gestaltungsorientiert, etc. (Klingen, 2007, S. 17).

[...]


1 Aus Gründen der Übersichtlichkeit wird im Folgenden ausschließlich die maskuline Form verwendet. Begriffe wie Schüler, Lehrer etc. beinhalten immer auch die feminine Form. Von jeglicher Diskriminierung wird ausdrücklich abgesehen.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Classroom Management im Sportunterricht. Regeln und Rituale Unterricht
Note
1,0
Autor
Jahr
2021
Seiten
24
Katalognummer
V1008375
ISBN (eBook)
9783346423627
ISBN (Buch)
9783346423634
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Hausarbeit im Referendariat (2. Staatsexamen).
Schlagworte
Classroom-Management, Sportunterricht, Pädagogik
Arbeit zitieren
Yannic Tominac (Autor), 2021, Classroom Management im Sportunterricht. Regeln und Rituale Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1008375

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