Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Politics - Topic: History of Inernational Relations

Die Geschichtspolitik zum Thema Nationalsozialismus in der Ära Kreisky

Title: Die Geschichtspolitik zum Thema Nationalsozialismus in der Ära Kreisky

Thesis (M.A.) , 2021 , 108 Pages , Grade: 1

Autor:in: Lino Pschernig (Author)

Politics - Topic: History of Inernational Relations
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

In der vorliegenden Arbeit soll aufgezeigt werden, wie Geschichtspolitik vor allem von politischen Eliten samt ihren Institutionen ausgeht, die sich aufgrund ihrer privilegierten Stellung dazu im Stande sehen, in dubio abseits der Berücksichtigung wissenschaftlicher Korrektheit, historische Tatbestände nach opportunistischen Motiven auszulegen, sie gegebenenfalls zu instrumentalisieren sowie geschichtliche Ereignisse bewusst zu platzieren und identitätsstiftende Narrative zu erzeugen. Infolgedessen wird die Verhandlung der wechselseitigen Auslegungsvarianten von geschichtlichen Ereignissen innerhalb der österreichischen Erinnerungskultur umfassend diskutiert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt Österreich "als erstes Opfer" das "Sonderprivileg", die Jahre 1939-45 weitgehend hinter sich zu lassen und die "Stunde null" einzuläuten. Sie ebnete ein freies Feld zur Neuverhandlung identitätsstiftender Staatsnarrative. In der vorliegenden Arbeit geht es zu Beginn darum, die Rahmenbedingungen und Hintergründe dieser Neuauslegung der österreichischen Historie zu deuten und zu beleuchten. Dabei liegt der Fokus vor allem auf den vorangestellten geschichtspolitisch spezifischen Fragestellungen, nach Instrumentalisierung historischer Ereignisse, selektiver Geschichtsbetrachtung, sowie der Konstruktion konstitutiver und identitätsbekundender Narrative. Ebenso gilt es, mögliche Veränderungsprozesse und Aufweichungstendenzen geschichtspolitischer Mythen, mit Fokus auf das verzerrte Opferselbstbild, im Laufe der untersuchten Perioden zu erkunden.

Dabei wird versucht die spezifischen Ereignisse aus dem gegenwärtigen Blickwinkel auszuheben, und sie daraufhin im Bezugsrahmen ihres jeweiligen Entstehungskontexts zu verorten. Dahingehend bieten die vielschichtigen thematischen Exkurse eine breite Basis an Referenzen, um den historischen Zeitgeist des untersuchten Zeitraums qualifiziert zu erfassen.

Excerpt


Inhalt

1. Einleitung

1.1. Definition von Geschichtspolitik und Klärung alternativer Begriffe

1.2. Vorhaben und Fragestellung

2. Opfermythos als Staatsräson

3. Die Rückkehr zur Selbstbestimmung

4. Vom „Mythos der Lagerstraße“ zur Konsensdemokratie

5. Nachkriegsjustiz und Reintegration der Nationalsozialisten

6. Narrative

7. Der Generationenwechsel und die frühen Anfänge der Zeitgeschichtsforschung in den 1960er Jahren

7.1. Das Einsetzen eines Generationenkonflikts

7.2. Die Suche nach dem „anderen Österreich“

7.3. Jedlicka, Steiner und Stadler. Die österreichische Zeitgeschichte und ihre zentralen Akteure

7.4. Gerhard Botz und Erika Weinzierl als Wegbereiter einer kritischen Zeitgeschichtsforschung

8 Simon Wiesenthal und Bruno Kreisky. Zwei jüdische Persönlichkeiten im politischen Spannungsverhältnis. Ein biographischer Vergleich

8.1. Simon Wiesenthal

8.2. Bruno Kreisky

9. Kreiskys geschichtspolitischer Zugang

10. Die „Wiesenthal-Affären“

10.1. Die Regierungsangelobung 1970

10.2. Die „Kreisky-Wiesenthal-Peter-Affäre“

10.2.1. Von der „Affäre Peter“ zur „Affäre Wiesenthal“

10.3. Was verblieb?

11. Österreichs diplomatische Beziehungen zu Israel vor dem Hintergrund von Kreiskys jüdischer Vergangenheit

11.1. Die Außenpolitik als Kernstück der Kreisky-Politik

11.2. Die geschichtspolitische Agenda im Bezug zur Nahostpolitk

11.3. Abschlussbemerkungen

12. Die justizielle (Nicht-)Verfolgung von NS-Straftätern

12.1. Die Ära Broda

12.2. Die Verjährungsfrist

12.3. Eichmann und die innenpolitischen Folgen

12.4. Das Ende der NS-Prozesse in den 1970er Jahren

13. 1978 als markanter Wendepunkt?

13.1. Bilanz

14. Die Holocaustserie als „popularkulturelle[s] Schlüsselereignis“

14.1. Reaktionen aus den Reihen der Politik

14.2. Meinungsspiegel aus Umfrageerhebungen

14.3. Pressespiegel

14.4. Bildungspolitische Maßnahmen

14.5. Bilanz und Ausblick

15. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit analysiert die österreichische Geschichtspolitik während der Ära Kreisky (1970–1983) und untersucht, wie politische Eliten durch die Instrumentalisierung historischer Ereignisse identitätsstiftende Narrative konstruierten, um bestehende Tabus zu wahren und den Opfermythos als Staatsräson aufrechtzuerhalten.

  • Instrumentalisierung historischer Ereignisse durch die politische Elite zur Identitätsbildung.
  • Die Rolle von Simon Wiesenthal als „Unruheherd“ im politischen Diskurs der 1970er Jahre.
  • Der Umgang der Sozialdemokratie mit der NS-Vergangenheit und die justizielle Aufarbeitung.
  • Gesellschaftliche Auswirkungen von Medienereignissen wie der TV-Serie „Holocaust“ (1979) auf das kollektive Gedächtnis.
  • Die Transformation des österreichischen Selbstbildes vom „Opfer“ zur Auseinandersetzung mit der Mittäterschaft.

Auszug aus dem Buch

2. Opfermythos als Staatsräson

„Sieben Jahre schmachtete das österreichische Volk unter dem Hitlerbarbarismus. Sieben Jahre wurde das österreichische Volk unterjocht und unterdrückt, kein freies Wort der Meinung, kein Bekenntnis zu einer Idee war möglich, brutaler Terror und Gewalt zwangen die Menschen zu blindem Untertanentum. […] In den Fabriken und Büros, an der Front und in der Heimat wurde stille und erfolgreich, aber auch gefährlich Sabotage am Hitlerstab geübt. […] Wir wahren Österreicher [standen] in einer Front mit den Soldaten der alliierten Armeen."27

Diese Worte entstammen der Ansprache Leopold Figls, der am 19. August 1945 anlässlich von Enthüllungsfeierlichkeiten eines sowjetischen Denkmals, das zum Gedenken an die gefallenen Soldaten der Roten Armee in Wien errichtet wurde, das neue geschichtspolitische Gründungsnarrativ der zweiten Republik deutlich zum Ausdruck brachte.28 Die Ansprache spiegelte die weit verbreitete Vorstellung der österreichischen Bevölkerung und Politik zu dieser Zeit wider, wonach Österreich als erster Staat der Aggressionspolitik Hitlerdeutschlands zum Opfer fiel. Bis in die späten 1980er Jahre symbolisierte die Opferthese ein hegemoniales Metanarrativ im Umgang mit der eigenen NS-Vergangenheit. Als Schlüsselereignis dieses kontroversiellen Bewältigungszugangs ist die Moskauer Deklaration des Jahres 1943 hervorzuheben. In Puncto Anschluss treffen die Vertreter der Alliierten Mächte darin die Übereinkunft, dass Österreich als erstes freies Land der Angriffspolitik Hitlers zum Opfer fiel und demnach von Deutschland befreit werden müsse. Vor diesem Hintergrund hielt die Deklaration als identitätsstiftendes Zeugnis willkommenen Einzug ins kollektive österreichische Bewusstsein und diente zugleich als politische Legitimationsstütze zur Konstruktion einer neuen österreichischen Nation.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung definiert den Begriff Geschichtspolitik und skizziert das Forschungsinteresse an der Verhandlung österreichischer Staatsnarrative während der Ära Kreisky.

2. Opfermythos als Staatsräson: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung und Etablierung des Opfermythos als zentrales identitätsstiftendes Metanarrativ der Zweiten Republik nach 1945.

3. Die Rückkehr zur Selbstbestimmung: Hier wird die Rolle des Staatsvertrages von 1955 bei der Festigung des Opferstatus und der Abgrenzung von Deutschland thematisiert.

4. Vom „Mythos der Lagerstraße“ zur Konsensdemokratie: Der Text beschreibt die Verdrängung der Konflikte der Zwischenkriegszeit zugunsten eines neuen, konsensorientierten Geschichtsbildes.

5. Nachkriegsjustiz und Reintegration der Nationalsozialisten: Dieses Kapitel analysiert den Umgang mit ehemaligen Nationalsozialisten und die justizielle Praxis der Entnazifizierung.

6. Narrative: Fokus auf die selektive Identitätskonstruktion, die jüdische Opfer ausgrenzte, während Wehrmachtssoldaten als Kriegsopfer umgedeutet wurden.

7. Der Generationenwechsel und die frühen Anfänge der Zeitgeschichtsforschung in den 1960er Jahren: Untersuchung des institutionellen Wandels und des wachsenden kritischen Bewusstseins einer neuen Generation von Historikern.

8 Simon Wiesenthal und Bruno Kreisky. Zwei jüdische Persönlichkeiten im politischen Spannungsverhältnis. Ein biographischer Vergleich: Biografische Gegenüberstellung zweier zentraler Akteure und ihrer gegensätzlichen Ansätze zur NS-Vergangenheit.

9. Kreiskys geschichtspolitischer Zugang: Analyse von Kreiskys Strategie, die Geschichtspolitik für seine Modernisierungspolitik zu instrumentalisieren.

10. Die „Wiesenthal-Affären“: Detaillierte Betrachtung der medienwirksamen Skandale um Wiesenthal und ihre Auswirkungen auf das politische Klima.

11. Österreichs diplomatische Beziehungen zu Israel vor dem Hintergrund von Kreiskys jüdischer Vergangenheit: Darstellung der spannungsreichen Außenpolitik Kreiskys gegenüber Israel.

12. Die justizielle (Nicht-)Verfolgung von NS-Straftätern: Diskussion der juristischen Versäumnisse und des politischen Unwillens bei der Ahndung von NS-Verbrechen.

13. 1978 als markanter Wendepunkt?: Analyse des Jahres 1978 als Zäsur für eine neue, kritischere Auseinandersetzung mit der Geschichte.

14. Die Holocaustserie als „popularkulturelle[s] Schlüsselereignis“: Bewertung des Einflusses der TV-Serie „Holocaust“ auf das österreichische Gedächtnis.

15. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der untersuchten geschichtspolitischen Entwicklungen und ihrer langfristigen Bedeutung.

Schlüsselwörter

Geschichtspolitik, Opfermythos, Ära Kreisky, Nationalsozialismus, Verdrängung, Erinnerungskultur, Simon Wiesenthal, Bruno Kreisky, Zeitgeschichtsforschung, NS-Justiz, Zweite Republik, Identität, Antisemitismus, Erinnerungsabwehr, Holocaust-Serie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Diplomarbeit untersucht, wie in Österreich während der „Ära Kreisky“ (1970–1983) das historische Gedächtnis an den Nationalsozialismus politisch gehandhabt und instrumentalisiert wurde, um eine neue nationale Identität aufzubauen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf dem österreichischen Opfermythos, der Rolle der politischen Eliten im Umgang mit der NS-Vergangenheit, dem Konflikt mit Simon Wiesenthal und der Entwicklung der wissenschaftlichen Zeitgeschichtsforschung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die „geschichtspolitische Langzeitlinie“ unter Kreisky offenzulegen und zu klären, ob bereits in den 1970er Jahren erste Brüche im hegemonialen Opfernarrativ erkennbar waren.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Der Autor nutzt eine politikwissenschaftliche und zeithistorische Analyse, stützt sich auf eine Vielzahl von Quellen, Biografien und Forschungsliteratur sowie auf die Auswertung medialer Reaktionen und Umfrageergebnisse jener Zeit.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Instrumentalisierung des Opfermythos, das Spannungsfeld zwischen Wiesenthal und Kreisky, die justizielle (Nicht-)Aufarbeitung von NS-Verbrechen und die Auswirkungen populärkultureller Ereignisse wie der TV-Serie „Holocaust“.

Welche Schlagworte charakterisieren das Werk?

Geschichtspolitik, Opfermythos, Erinnerungskultur, Verdrängung, politische Instrumentalisierung und Aufarbeitung sind die maßgeblichen Begriffe.

Wie unterscheidet sich die Haltung von Simon Wiesenthal von derjenigen Bruno Kreiskys?

Wiesenthal fungierte als „Aufklärer“ und „Täterjäger“, der auf einer konsequenten strafrechtlichen Aufarbeitung beharrte. Kreisky hingegen verfolgte einen pragmatischen, teils instrumentellen Ansatz, der die Versöhnung mit ehemaligen Nationalsozialisten suchte und das Judentum oft aus einer distanzierten, politisch motivierten Warte betrachtete.

Welche Rolle spielte das Jahr 1978 für die Geschichtspolitik?

Das Jahr 1978 wird als Wendepunkt identifiziert, da es erstmals breitere gesellschaftliche Debatten und eine kritischere Reflexion über die NS-Vergangenheit ermöglichte, ohne dass diese unmittelbar durch einen Skandal provoziert werden mussten.

Excerpt out of 108 pages  - scroll top

Details

Title
Die Geschichtspolitik zum Thema Nationalsozialismus in der Ära Kreisky
College
Klagenfurt University  (Zeitgeschichte)
Grade
1
Author
Lino Pschernig (Author)
Publication Year
2021
Pages
108
Catalog Number
V1008654
ISBN (eBook)
9783346396730
ISBN (Book)
9783346396747
Language
German
Tags
geschichtspolitik thema nationalsozialismus kreisky
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Lino Pschernig (Author), 2021, Die Geschichtspolitik zum Thema Nationalsozialismus in der Ära Kreisky, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1008654
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  108  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint