Diese Arbeit liefert Befunde und Einblicke in die historischen Gegebenheiten, die den Hintergrund der Geschehnisse beleuchten und widmet sich juristischen Fragestellungen nach der Verantwortlichkeit einzelner Akteure in Anlehnung an dieses Beispiel:
Sahen sich die UN-Friedensmissionen in Zeiten des Kalten Krieges in Afrika mit friedenssichernden Hilfsmissionen konfrontiert, so rückte sich ihr Tätigkeitsbereich in den 1990er Jahren im Zuge des Jugoslawienkrieges nach Kontinentaleuropa. Mit dem Zerfall des föderal organisierten jugoslawischen Vielvölkerstaates wurden ethnische und nationale Konflikte freigesetzt, die an zahlreichen Schauplätzten ausgetragen wurden.
Ein bedeutendes Mahnmal der blutigen Auseinandersetzungen markiert das Massaker von Srebrenica, bei dem serbische Milizen in der als UN-Schutzzone deklarierten Stadt Srebrenica einfielen, um zahllose bosnische Bewohner zu ermorden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Der Jugoslawienkrieg
Der Angriff auf Srebrenica und die unklare Rolle der UN
DAS VERFAHREN - gegen die niederländischen Blauhelme
Die GENOZID-Debatte in den Gerichtsprozessen und die Rolle der UN
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert das Massaker von Srebrenica vor dem Hintergrund der UN-Friedensmissionen und untersucht die juristische Verantwortung sowie die strukturellen Herausforderungen der Vereinten Nationen im Jugoslawienkrieg.
- Historische Aufarbeitung des Jugoslawienkrieges und der Rolle der UN
- Analyse des UN-Schutzzonenkonzepts und dessen Versagen
- Juristische Debatte um Genozid versus Verbrechen gegen die Menschlichkeit
- Rechtliche Untersuchung der Verantwortlichkeit niederländischer Blauhelme
- Reflektion über funktionelle Immunität der Vereinten Nationen
Auszug aus dem Buch
Der Angriff auf Srebrenica und die unklare Rolle der UN
Die Stadt Srebrenica liegt in einem von Steilhängen umschlossenen Tal Ostbosniens. Zu Beginn des Jugoslawienkrieges bleibt die Stadt vorerst unter muslimischer Herrschaft und verkörpert in Bosnien sogar das Symbol des Widerstandes, ehe sie sich am 11. Juli 1995, in Folge des serbischen Einfalls, ins kollektive Schmerzgedächtnis der vorwiegend muslimisch bosnischen Bevölkerung einbrennt. Die Tragödie um Srebrenica nimmt bereits zwei Jahre vor dem vermeintlichen Angriff im April 1993 ihren Ausgang. Beim Versuch der humanitären Krise im Osten Bosniens Herr zu werden, ordnet der UN-Sicherheitsrat die Installation einer Sicherheitszone in und um die Stadt Srebrenica an, die laut UNO fortan von kriegerischen Handlungen bzw. bewaffneten Angriffen freizuhalten ist. Von Beginn an erweist sich das ambitionierte Vorhaben als schwierig. Zwar können im Nachbarland Kroatien konkrete Erfolge in Bezug auf die Sicherung von Schutzzonen verzeichnet werden, doch in Bosnien gerät die friedenssichernde Schutzstrategie aufgrund der ethnokulturellen Heterogenität an ihre Grenzen. Letztlich war die UNPROFOR weder vorgesehen noch gerüstet für Gefechtseinsätze. Die Schwierigkeit lag im Nachhinein betrachtet in der missverständlichen Selbstwahrnehmung, welche Rolle die UNPROFOR schlussendlich einnahm. „War ihre Rolle, eine geografisch festgelegte Schutzzone zu verteidigen oder […] Anschläge gegen die Zivilbevölkerung, die in dieser Schutzzone lebt, zu verhindern?“ Im 1994 veröffentlichten Bericht verständigte sich der ehemalige UNO-Generalsekretär Boutros Ghali auf den letztgenannten Aspekt, demzufolge die UN-Truppen zur Aufgabe hatten, die Zivilbevölkerung innerhalb der Schutzzonen vor militärischen Attacken zu schützen. Dieser Anspruch erwies sich jedoch aufgrund des allgemein bekannten Mangels an Ressourcen als unrealistisch, womit es sich für die ansässige Bevölkerung fortan unklar war auf welchen Grad an Schutz man sich in den Gegenden um Srebrenica tatsächlich verlassen konnte.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der UN-Friedensmissionen im Jugoslawienkrieg und Zielsetzung der Arbeit bezüglich der Verantwortlichkeitsanalyse.
Der Jugoslawienkrieg: Darstellung des Zerfallsprozesses Jugoslawiens und der daraus resultierenden ethnischen Konflikte in den Nachfolgestaaten.
Der Angriff auf Srebrenica und die unklare Rolle der UN: Analyse des Schutzzonenkonzepts, der UNPROFOR-Mission und des daraus resultierenden Versagens im Angesicht des Massakers.
DAS VERFAHREN - gegen die niederländischen Blauhelme: Untersuchung der gerichtlichen Aufarbeitung und der spezifischen Verantwortung des niederländischen Kontingents.
Die GENOZID-Debatte in den Gerichtsprozessen und die Rolle der UN: Diskurs über die juristische Einordnung der Geschehnisse als Genozid sowie die Debatte um die Immunität der Vereinten Nationen.
Schlüsselwörter
Srebrenica, Genozid, Vereinte Nationen, UNPROFOR, Jugoslawienkrieg, Völkerrecht, Schutzzone, Bosnien, Radislav Krstić, Menschenrechte, Kriegsverbrechen, Internationale Gerichtsbarkeit, Massaker, Souveränität, Immunität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Abschlussarbeit?
Die Arbeit behandelt das Massaker von Srebrenica als zentrales Ereignis und analysiert die Rolle der Vereinten Nationen (UN) sowie die rechtlichen Prozesse zur Aufarbeitung dieser Völkerrechtsverbrechen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen das UN-Schutzzonenkonzept, das humanitäre Völkerrecht, die strafrechtliche Verantwortung von Blauhelmsoldaten sowie die Abgrenzung zwischen Genozid und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Verantwortlichkeit internationaler Akteure anhand des Fallbeispiels Srebrenica zu beleuchten und die Wirksamkeit sowie Sinnhaftigkeit der UN-Interventionsstrategien kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Es handelt sich um eine juristisch-historische Analyse, die auf einer umfassenden Auswertung von Gerichtsberichten, UN-Dokumenten und wissenschaftlicher Literatur basiert.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil konzentriert sich auf das Scheitern der Schutzzonen, die spezifischen Gerichtsprozesse gegen Verantwortliche wie Krstić und die rechtliche Diskussion zur Immunität der UNO.
Welche Schlagworte charakterisieren das Dokument am besten?
Srebrenica, Völkermord, UN-Friedensmissionen, Rechtsnormen und Internationale Justiz.
Warum wurde das niederländische Kontingent (Dutchbat) gerichtlich belangt?
Den Niederlanden wurde aufgrund der "wirksamen Kontrolle" über das Kontingent eine Mitverantwortung zugesprochen, insbesondere wegen der unrechtmäßigen Verweigerung von Evakuierungshilfe für Zivilisten.
Wie argumentiert die Arbeit hinsichtlich der Immunität der UN?
Die Arbeit diskutiert, dass die funktionelle Immunität nach Art. 105 der UN-Charta zwar rechtlich verankert ist, jedoch bei Völkermord moralische und rechtliche Fragen hinsichtlich eines Missbrauchs durch unkontrollierbare Institutionen aufwirft.
- Quote paper
- Lino Pschernig (Author), Marie Stuhlpfarrer (Author), 2020, Srebrenica als Genozid. Die Prozesse im Rahmen der (Mit-) Verantwortung der Vereinten Nationen (UN), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1009398