Die Juden im Osmanischen Reich. Auswirkungen des Niedergangs im 17. Jahrhundert auf die Lebenssituation


Facharbeit (Schule), 2021

16 Seiten, Note: gut + (12 Punkte)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Der Ausgangspunkt: 15./16. Jahrhundert
1.1 Das Millet-System und die Dhimmi
1.2 Woher stammen die Juden im Osmanischen Reich?
1.3 Welche Beiträge leisteten Juden in der osmanischen Gesellschaft?

2. Das 17. Jahrhundert – Was verändert sich im Osmanischen Reich?

3. Inwiefern wirkt sich diese Veränderung negativ auf die Juden aus?

Schluss

Literaturverzeichnis

Quellenverzeichnis

Einleitung

Zunächst möchte ich mich bei meinem Freund Jan Elias Bujar für seine Korrekturlesung bedanken und bei meinem Beratungslehrer Herrn Dortschy für seine Orientierungshilfen. Auch bei Buket Soykurt für ihre Hilfeleistungen in der Formatierung und Optimierung dieser Arbeit. Außerdem widme ich diese kleine Arbeit meiner Mutter, die mich erzogen hat und die Haupverantwortliche ist, weshalb ich jetzt so bin wie ich bin.

Man hört über Juden, dass sie schon immer überall verfolgt und massakriert worden sind. In dem Sinne möchte ich auch bei dieser Gelegenheit an die verstorbenen Juden der Shoah gedenken. Ich habe mir die Frage gestellt, ob es wirklich keine Zeit gibt, wo Juden nicht verfolgt wurden. Aus meiner Recherche wurde ersichtbar, dass Juden im 15.- und 16. Jahrhundert im Osmanischen Reich relativ gut gelebt haben. Dieser Zeitrahmen gilt auch als der Höhepunkt des Reiches. Zudem war es interessant, dass verfolgte Juden im Osmanischen Reich Zuflucht gesucht haben. In der aktuellen Welt gibt es leider immer noch Konflikte zwischen Israel und arabischen/muslimischen Ländern. Daher erschien mir dieses Thema noch interessanter als zuvor. Nach weiterer Recherche sah ich, dass es aber auch schlechte Zeiten und Verhältnisse im Osmanischen Reich für die Juden gab. Diese Perioden konnte man ab dem 17. Jahrhundert feststellen. Also müsste es eine Korrelation zwischen der Lebenssituation der Juden im Reich und der Lage des Reiches geben. Hierfür habe ich meine Facharbeit in drei Kapiteln unterteilt. Zunächst habe ich den Ausgangspunkt (15.- und 16. Jahrhundert) näher betrachtet. Anhand mehrerer Parameter habe ich hier die Lebenssituation der Juden versucht zu erläutern. Dabei bin ich auf die Herkunft sowie auf wirtschaftliche und kulturelle Tätigkeiten der Juden im Reich und auf die Minderheitenpolitik der zentralen osmanischen Macht eingegangen. Des Weiteren habe ich die Veränderungen im 17. Jahrhundert thematisiert und wichtige Ereignisse, die diese Zeit geprägt haben, genannt. Zuletzt habe ich die negativen Auswirkungen der Wende auf die Juden erläutert und versucht, diese anhand der gleichen Parameter wie im ersten Kapitel in Bezug auf den Wandel zu beschreiben.

1. Der Ausgangspunkt: 15./16. Jahrhundert

Das 15.- und 16. Jahrhundert des Osmanischen Reiches gilt als Höhepunkt des Reiches, denn in diesem Zeitrahmen expandierte es erheblich. Wichtiges Merkmal dieser Zeit ist die Eroberung von Konstantinopel im Jahre 1453 (vgl. Majoros u.a, 2016, S. 156 ff.) unter dem Herrscher Sultan Mehmed II., welcher zu Ehren dieser hochangesehenen Eroberung bis heute als “Der Eroberer” bekannt ist. Außerdem ist die Thronzeit von Suleiman (der Prächtige), welche 46 Jahre gedauert hat (1520-1566), von Historikern als “Das Goldene Zeitalter” (Majoros u.a., 2016, S. 213) betitelt worden. Dieser hat unzählige Eroberungen durchgeführt und konnte durch seine Strukturpolitik wichtige Fortschritte erreichen, weshalb er auch von Türken – ebenfalls bis heute - als Kanuni (Gesetzgeber) betitelt wird. Zu seiner Zeit wurden beispielsweise Belgrad und Rhodos erobert, wobei Mehmed II. zuvor scheiterte (vgl. Majoros u.a., 2016, S. 218 f.). Nun, welche Korrelation wies der Aufstieg des Osmanischen Reiches auf die Lebenssituation der Juden auf? In diesem Zusammenhang ist es erforderlich zu wissen, woher die Juden im Osmanischen Reich stammen und wie der allgemeine Umgang des Reiches mit Minderheiten und Unterworfenen war. Dabei werden auch Beiträge der Juden in der osmanischen Gesellschaft einbezogen. Am Ende dieses Kapitels wird ersichtlich, warum Stanford J. Shaw die Zeit vom 15. bis 17. Jahrhundert als “Golden Age of Ottoman Jewry”, zu Deutsch: “Goldenes Zeitalter des osmanischen Judentums” (Zitiert nach: Altin, 2006, S.19) betitelt hat.

1.1 Das Millet-System und die Dhimmis

Zunächst ist zu erwähnen, dass das Osmanische Reich den orthodoxen/sunnitischen Islam vertreten hat. Wichtig ist diese Information, da der heterodoxe und schiitische Islam gewöhnlich eine strengere Auffassung des Umgangs mit den “Ungläubigen” vertrat (vgl. Cohen, 2011, S. 25). Die inneren Wechselbeziehungen mit ihren andersgläubigen Untertanen der Osmanen, basierte auf dem Millet-System. Dieses sah vor, dass sich andersgläubige Untertanen in entsprechenden religiösen und nicht in territorialen oder nationalen Gemeinschaften organisierten. Unterschiedliche Gemeinschaften haben sich demnach – entsprechend ihrer Religion und Konfession – mit einem eigenen sozialen, politischen und juristischen Status geformt. Millets waren im osmanischen System – gemäß dem klassischen islamischen Verständnis – religiöse Gruppen, welche Anhänger einer anderen monotheistischen Buchreligion waren. So wurde der Judaismus, die christlichen Armenier und des Weiteren auch die Christen der orthodoxen Ostkirche mit einer selbstständigen Existenz gesetzlich anerkannt (vgl. Kurtaran, 2011, S.59 ff.). Sneschka Panova stellt vom Standpunkt der Interessen der Zentralmacht eine zweigleisige Bedeutung fest, die das Millet-System ihrer Meinung nach hatte: “Einerseits wurden über die Idee einer internen Autonomie im Rahmen der religiösen Gemeinschaft alle Engagements übertragen, die mit den Problemen ihrer Mitglieder verbunden waren. Andererseits wurde von jeder religiösen Gemeinschaft auch verlangt, ihre Pflichten zu erfüllen und die Kontakte zur Zentralmacht aufrechtzuerhalten.” (Panova, 1997, S.50). Unter “Pflichten” lässt sich unter anderem auch die Dschizya (DMG ǧizya ‚Kopfsteuer, Tribut', osmanisch جزيه cizye) verstehen. Dhimmis mussten diese Steuer je nach Gehalt auszahlen und galten dann als “Dhimmi”, unter dem Schutz der Zentralmacht1. Juden konnten ihre Religion daher freier ausüben im Vergleich zu den Juden in Europa und profitierten von der religiösen Duldsamkeit2 (vgl. Başaran, 2018, S. 47 f.). Ein reicher Dhimmi musste jährlich 48 Dirhem zahlen, wohingegen ein Dhimmi aus der Mittelschicht lediglich 24 Dirhem und einer aus der Unterschicht 12 Dirhem zahlen musste. Außerdem waren nur die Männer, die jung, gesund und nicht arbeitslos waren von dieser Steuer betroffen. Frauen, Kinder, behinderte oder arbeitslose Männer sowie auch Geistliche mussten diese Zahlungen ebenfalls nicht entrichten (vgl. Şentürk, 2006, S. 54 f.).

1.2 Woher stammen die Juden im Osmanischen Reich?

Es gibt Juden aus ganz verschiedenen Gebieten, die wegen unterschiedlichen Gründen ins Reich gelangt sind und dort gelebt haben: Romanötten, Aschkenasim, Sephardim etc. Ca. 90 Prozent der Juden im Reich werden von manchen Historikern jedoch als “sephardische Juden” geschätzt und stellten die Mehrheit unter den Juden dar (vgl. Ekinci, 2010), welche jedoch 1492 endgültig aus Spanien vertrieben wurden. Ungefähr ein Drittel der Juden (in etwa 80.000), welche aus Spanien vertrieben wurden, haben sich im Osmanischen Reich niedergelassen (vgl. Panova, 1997, S. 47).

[...]


1 In einem Ferman der von Sultan Mehmed III. erlassen wurde und März 1602 datiert, werden die Verpflichtungen des muslimischen Staates gegenüber den Dhimmis ganz klar festgelegt: “Da gemäß dem, was der Allmächtige Gott, Weltherr, hinsichtlich der Gemeinschaften von Juden und Christen, die das Volk der Dhimma ausmachen, in Seinem Buch der Offenbarung gebot, ihr Schutz sowie die Erhaltung und Sicherung ihres Lebens als immerwährende, gemeinsame Aufgabe der Gesamtheit der Muslime obliegt und allen Führern und erlauchten Herrschern des islam als notwendige Verpflichtung auferlegt ist, So ist es dringend erforderlich, meine allerhöchste, vom Glauben bestimmte Sorge darauf zu lenken, daß, in Übereinstimmung mit der erhabenen Scharia, sichergestellt wird, daß jede dieser Gemeinschaften, die Tribut an mich entrichtet, in den Tagen meines Imperiums und meines glückhaften Kalifats in Ruhe und Seelenfrieden leben und ihren Geschäften nachgehen möge, daß niemand sie daran hindere oder ihnen leib oder Gut Schaden zufüge und damit gegen Allahs Gebot und gegen das Heilige Gesetz des Propheten verstieße.” (Zitiert nach: Lewis, 2004, S. 47).

2 Diese religiöse Duldsamkeit basiert auf dem Medina-Vertrag zwischen dem Propheten und den Juden. So beschloss der Prophet: “Unter den Juden, die sich uns Unterwerfen, wird es keine geben die ungerecht behandelt werden. (...) und mit diesen wird gut umgegangen.” (Zitiert nach: Yaman, 2013, S.15. Aus dem türkischen übersetzt von Selcuk Uygun).

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Juden im Osmanischen Reich. Auswirkungen des Niedergangs im 17. Jahrhundert auf die Lebenssituation
Note
gut + (12 Punkte)
Autor
Jahr
2021
Seiten
16
Katalognummer
V1009408
ISBN (eBook)
9783346396112
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Juden Das Osmanische Reich Verfolgung
Arbeit zitieren
Selçuk Uygun (Autor:in), 2021, Die Juden im Osmanischen Reich. Auswirkungen des Niedergangs im 17. Jahrhundert auf die Lebenssituation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1009408

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Juden im Osmanischen Reich. Auswirkungen des Niedergangs im 17. Jahrhundert auf die Lebenssituation



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden