Die vorliegende Bachelorarbeit befasst sich mit der Entwicklung des Selbstbewusstseins von delinquenten Jugendlichen am Beispiel des Trainingscamps Diemelstadt und dem Trägerverein Durchboxen im Leben e.V. Da viele Kinder und Jugendliche aus dem Trainingscamp aus prekären Familienverhältnissen stammen und dort negative Erziehungserfahrungen durch ihre Eltern erlebt haben, überträgt sich dieses auf das Selbstbewusstsein. Durch diese traumatischen, von Ohnmachtsgefühlen begleiteten Familienzustände flüchten sich die Kinder und Jugendlichen oft in Gewalt und Drogen, was langfristig eine seelische Behinderung zur Folge hat. An dieser Stelle möchte die Erlebnispädagogik mit den Respekttrainern und der Einrichtung Trainingscamp Diemelstadt e.V. der seelischen Behinderung ressourcenorientiert entgegenwirken, um eine Selbstbewusstseinssteigerung der delinquenten Jugendlichen zu erlangen und gleichzeitig einen Legitimationserfolg gegenüber dem Auftraggeber Staat und der Gesellschaft aufzuzeigen.
Bislang arbeitete das Trainingscamp hauptsächlich mit einem defizitorientierten-konfrontativen Ansatz. Eine Weiterentwicklung in der Verhaltensänderung der delinquenten Jugendlichen soll durch einen ergänzenden stärkeorientierten erlebnispädagogischen Ansatz wie beispielsweise durch das Biwakieren oder den OCR-Sport erreicht werden.
Dabei soll durch eine qualitative Erhebung untersucht werden, wie die Einrichtung den delinquenten Jugendlichen helfen kann, das Selbstbewusstsein zu steigern, um mit ihrem schwierigen und oft von Gewalt und Drogen geprägten Lebenssituationen umzugehen.
Das Ziel der im Trainingscamp angewandten erlebnispädagogischen Maßnahmen ist es, einen Beitrag zur Verhaltensänderung zu leisten und die erworbenen Erlebnisse in den Alltag zu transferieren, um dort einen sicheren Stand und ein straffreies Leben zu führen. Die qualitative Praxisforschung beschäftigt sich konkret mit der Forschungsfrage: Welche Faktoren und Gründe sind bei der Entwicklung des Selbstbewusstseins bei delinquenten Jugendlichen im Trainingscamp Diemelstadt bedeutend und kann durch erlebnispädagogische Maßnahmen eine Steigerung des Selbstbewusstseins generiert werden? In Kapitel 2 wird der Begriff des Selbstbewusstseins definiert und begrifflich abgegrenzt. Dabei werden im Sprachgebrauch Synonyme wie Selbstvertrauen, Selbstwertgefühl und Selbstkonzept genutzt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Selbstbewusstsein als individueller Einflussfaktor
2.1 Definition und Begriffsabgrenzung
2.2 Faktoren und Gründe als Bedrohung des Selbstbewusstseins
2.3 Selbstbewusstsein und Erlebnispädagogik – aktuelle Forschungslage
3 Jugenddelinquenz in Deutschland
3.1 Definition und Statistiken in der Jugendkriminalität
3.2 Die Intensiv- und Mehrfachstraftäter als besonders anspruchsvolle Zielgruppe in der Sozialen Arbeit
4 Die Erlebnispädagogik allgemein und im Trainingscamp Diemelstadt
4.1 Der Begriff Erlebnispädagogik und dessen Ursprung
4.2 Erlebnispädagogik im Trainingscamp Diemelstadt
4.3 OCR-Sport und Biwakieren als Maßnahmen der Erlebnispädagogik allgemein und im Trainingscamp Diemelstadt
4.3.1 Der OCR-Sport als neuer Trend
4.3.2 Das Biwakieren als einzigartiges Erlebnis in der Natur
4.4 Kritik an der Erlebnispädagogik
5 Forschungsmethodisches Vorgehen und Auswertungstechnik
5.1 Begründung des Vorhabens
5.2 Forschungsdesign
5.2.1 Beschreibung der Stichprobe
5.2.2 Konzeptspezifikation
5.2.3 Das Interview
5.2.4 Durchführung der Interviews
6 Darstellung und Interpretation der Ergebnisse
6.1 Ergebnisdarstellung
6.1.1 Interpersonelle Einflussfaktoren
6.1.2 Intrapersonelle Einflussfaktoren
6.1.3 Negative intrapersonelle Einflussfaktoren
6.1.4 Einflussfaktor durch Hobbys/Aktivitäten
6.1.5 Positive Wirkung Delinquenz
6.1.6 Negative Wirkung Delinquenz
6.1.7 Eigenschaften und Wirkung OCR-Sport
6.1.8 Eigenschaften und Wirkung Biwakieren
6.1.9 Weitere Maßnahmen mit positiver Wirkung
6.2 Ergebnisinterpretation
6.2.1 Interpersonelle Einflussfaktoren
6.2.2 Intrapersonelle Einflussfaktoren
6.2.3 Delinquenzverhalten
6.2.4 Maßnahmen
7 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit erlebnispädagogische Maßnahmen – konkret Biwakieren und OCR-Sport – das Selbstbewusstsein delinquenter Jugendlicher im Trainingscamp Diemelstadt positiv beeinflussen und deren Verhaltensänderung unterstützen können.
- Qualitative Untersuchung der Faktoren, die das Selbstbewusstsein delinquenter Jugendlicher beeinflussen.
- Analyse des erlebnispädagogischen Potenzials zur Steigerung des Selbstwertgefühls.
- Evaluierung der Auswirkungen von OCR-Sport und Biwakieren als spezifische Interventionsmaßnahmen.
- Praxisnahe Erforschung von Bewältigungsstrategien in der stationären Jugendhilfe.
Auszug aus dem Buch
Die Erlebnispädagogik allgemein und im Trainingscamp Diemelstadt
Viele Schulen, Jugendhilfeeinrichtungen wie das Trainingscamp Diemelstadt und auch andere Organisationen nutzen erlebnispädagogische Maßnahmen zur Entwicklung des Selbst auf individueller und auf gruppenbezogener Ebene.
Im folgenden Kapitel wird erläutert, wo der Ursprung der Erlebnispädagogik liegt und wie diese definiert wird. Daraufhin wird auf die konkrete Gestaltung der Erlebnispädagogik im Trainingscamp Diemelstadt sowie auf die dort stattfindenden erlebnispädagogischen Maßnahmen verwiesen. Besonders liegt der Fokus auf dem Biwakieren und dem OCR-Hindernislauf und dessen positiven Wirkfaktoren. Das Kapitel schließt mit einer kritischen Betrachtung der Erlebnispädagogik im Allgemeinen und im Praxisbetrieb ab.
4.1 Der Begriff Erlebnispädagogik und dessen Ursprung
Die Theoriediskussion zum Begriff Erlebnispädagogik beginnt bereits im Jahr 1990. Damals hätte allgemein behauptet werden können, dass die Erlebnispädagogik durch Natursport zur Persönlichkeitsentwicklung und Selbstbewusstseinssteigerung beiträgt. Heutzutage kann sich diese Behauptung durch die enorme Verbreitung in allen pädagogischen Handlungsfeldern und durch die steigende Methodenvielfalt nicht nur darauf stützen. Heckmair hat zusammen mit Michl (2008, S. 115) zur Erlebnispädagogik folgende Definition formuliert: „Erlebnispädagogik ist eine handlungsorientierte Methode und will durch exemplarische Lernprozesse, in denen junge Menschen vor physische, psychische und soziale Herausforderungen gestellt werden, diese jungen Menschen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung fördern und sie dazu befähigen, ihre Lebenswelt verantwortlich zu gestalten.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage zur Steigerung des Selbstbewusstseins delinquenter Jugendlicher durch erlebnispädagogische Ansätze im Trainingscamp Diemelstadt.
2 Selbstbewusstsein als individueller Einflussfaktor: Theoretische Definition und Abgrenzung des Selbstbewusstseins sowie Analyse von Faktoren, die dessen Bedrohung und Entwicklung im erlebnispädagogischen Kontext beeinflussen.
3 Jugenddelinquenz in Deutschland: Definition und statistische Einordnung von Jugendkriminalität sowie Untersuchung der spezifischen Herausforderungen, die Intensiv- und Mehrfachstraftäter für die Soziale Arbeit darstellen.
4 Die Erlebnispädagogik allgemein und im Trainingscamp Diemelstadt: Theoretische Grundlagen und Ursprünge der Erlebnispädagogik sowie detaillierte Beschreibung der konkreten Praxismaßnahmen wie Biwakieren und OCR-Sport.
5 Forschungsmethodisches Vorgehen und Auswertungstechnik: Begründung des qualitativen Forschungsansatzes mittels leitfadengestützter Interviews und Darstellung der Inhaltsanalyse nach Mayring.
6 Darstellung und Interpretation der Ergebnisse: Detaillierte Auswertung der empirischen Daten hinsichtlich inter- und intrapersoneller Einflussfaktoren sowie der Wirkung von OCR-Sport, Biwakieren und Delinquenz.
7 Zusammenfassung und Ausblick: Kritische Reflexion der Forschungsergebnisse und Ableitung von Empfehlungen für die Arbeit in der stationären Jugendhilfe sowie für zukünftige Forschungsansätze.
Schlüsselwörter
Selbstbewusstsein, Erlebnispädagogik, Jugenddelinquenz, Trainingscamp Diemelstadt, OCR-Sport, Biwakieren, qualitative Forschung, Soziale Arbeit, Intensivstraftäter, Persönlichkeitsentwicklung, Sozialpädagogik, Selbstkonzept, Praxisforschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie delinquente Jugendliche durch gezielte erlebnispädagogische Maßnahmen ihr Selbstbewusstsein stärken und destruktive Verhaltensmuster abbauen können.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themen umfassen die psychologischen Grundlagen des Selbstbewusstseins, das Phänomen der Jugenddelinquenz und die erlebnispädagogische Praxis in der stationären Jugendhilfe.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu analysieren, welche Faktoren für die Entwicklung des Selbstbewusstseins bei delinquenten Jugendlichen im Trainingscamp Diemelstadt bedeutend sind und ob erlebnispädagogische Methoden hierbei wirksam sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein qualitativer Forschungsansatz gewählt, der auf problemzentrierten Leitfadeninterviews mit Jugendlichen basiert und nach der Methode der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu Selbstbewusstsein und Delinquenz, eine detaillierte Beschreibung der erlebnispädagogischen Maßnahmen und eine empirische Auswertung der Interviews.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Selbstbewusstsein, Erlebnispädagogik, Jugenddelinquenz, Trainingscamp Diemelstadt, OCR-Sport und qualitative Sozialforschung.
Welche spezifischen erlebnispädagogischen Aktivitäten werden untersucht?
Die Untersuchung konzentriert sich explizit auf den Hindernislauf (OCR-Sport) und das Biwakieren in der Natur als erlebnispädagogische Interventionen.
Welche Bedeutung haben die Ergebnisse für die Praxis der Sozialen Arbeit?
Die Ergebnisse legen nahe, dass soziale Einrichtungen derartige Angebote ausbauen sollten, da sie durch positive Erlebnisse und die Stärkung von Kompetenzen einen wesentlichen Beitrag zur Verhaltensänderung leisten.
- Citar trabajo
- Filip Radamm (Autor), 2021, Entwicklung des Selbstbewusstseins delinquenter Jugendlicher durch die Erlebnispädagogik. Eine qualitative Forschung am Beispiel des Trainingscamps Diemelstadt und des Trägervereins Durchboxen im Leben e.V., Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1009777