Die Untersuchung befasst sich mit der Thematik des Erzählens in Walter Moers’ Roman "Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär". Erstmals 1999 erschienen bildet der Roman des Zeichners den Auftakt zu einer Reihe mehrerer im selben Raum angesiedelter Werke, den Zamonien-Romanen. Ohne auf eine spätere inhaltliche Fortsetzung der erzählten Geschichte abzuzielen dient Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär vielmehr der Einführung des Lesers in den fiktiven Kontinent Zamonien, der ebenfalls Handlungsort der nachfolgenden Romane ist.
Blaubär, der Protagonist des ersten Bandes der Reihe, ist keine von Moers eigens für den Roman konzipierte Figur; vielmehr handelt es sich um eine Adaption aus einem anderen Medium: Einem breiteren Publikum bekannt ist er bereits als Käpt’n Blaubär, einer Figur des Kinderfernsehens, die regelmäßig in kurzen Episoden in der Sendung mit der Maus auftritt.
Der Roman erzählt von der ersten Hälfte von Blaubärs Lebensgeschichte. Wenngleich sich Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär eher an eine jugendliche beziehungsweise erwachsene Leserschaft als an Kinder richtet und sich in struktureller Hinsicht deutlich vom bekannten Fernsehformat unterscheidet, so ist dennoch auch dort das Erzählen in den unterschiedlichsten Formen von zentraler Bedeutung für die Handlung. Diese verschiedenen Formen des Erzählens sowie die Funktionen davon, die innerhalb des Romans eine Rolle spielen, sind Gegenstand der Untersuchung.
Die Untersuchung gliedert sich in zwei Teile: Der erste Teil widmet sich der Figur des Erzählers selbst, der zweite Teil dagegen befasst sich mit dem Motiv des Erzählens und dessen Gestaltung im Roman.
Nach der Textanalyse werden die Ergebnisse beider Teile zusammengefasst, aufeinander bezogen und ein Gesamtfazit bezüglich der Darstellung und Bedeutung des Erzählens sowie den damit verbundenen Aspekten im Roman gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Figur des Erzählers
2.1 Käpt’n Blaubär als bekannte erzählende Figur
2.2 Blaubär als autodiegetischer Erzähler
2.3 Blaubärs Weg zum berühmten Erzähler
2.4 Blaubär als unzuverlässiger Erzähler
3. Formen und Funktionen von Erzählen
3.1 Erzählen als Überlieferung und Wissensvermittlung
3.2 Erzählen als Unterhaltung
3.3 Erzählen als Kunst
3.4 Erzählen als Beruf
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Bedeutung des Erzählens in Walter Moers’ Roman "Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär". Dabei wird analysiert, wie die Figur Blaubär durch verschiedene Lebensstationen zum Meister der Erzählkunst heranreift und welche narrativen Strategien sowie Funktionen das Erzählen innerhalb des Werkes einnimmt.
- Die Konstruktion des autodiegetischen und unzuverlässigen Erzählers.
- Die mediale Überführung der Figur vom Fernsehen in den Roman.
- Die Funktion des Erzählens als Wissensvermittlung, Unterhaltung, Kunst und Beruf.
- Intertextuelle Bezüge zu literarischen Vorbildern wie Münchhausen.
- Der Bildungsweg des Protagonisten zum "Lügengladiator".
Auszug aus dem Buch
2.3 Blaubärs Weg zum berühmten Erzähler
Zu Beginn des Romans trennt Blaubär noch ein weiter Weg von seinem Image als Erzähler fantastischer Geschichten – beim Einsetzen der Handlung kann er selbst noch nicht einmal sprechen (S.59). So sind seine ersten Erfahrungen mit Erzählungen in Form mündlicher Kommunikation rein passiver, aber dennoch intensiver Natur: Bei den Zwergpiraten, die das verlassene Bärenkind aus dem Ozean fischen (S.19), wird in einem fort gesungen, gegröhlt und wild geprahlt (S.24). Bereits in seinem zarten Alter zeigt das blaue Bärchen sich beeindruckt:
Oft habe ich damals [...] den grandiosen Aufschneidereien der Zwergpiraten gelauscht. Ich gebe allerdings gerne zu, daß diese Art von blümeranter Ausschmückung und üppiger Phantasie Wirkung auf mich hatte. Was ich von ihnen lernte, war, daß eine gute Notlüge oft wesentlich aufregender ist als die Wahrheit. Es ist so, als würde man der Wirklichkeit ein schöneres Kleid geben. (S.23)
So erkennt Blaubär bereits in dem Umfeld, das ihn im ersten seiner Leben umgibt und durch bloßes Zuhören die Bedeutung der Fantasie sowie die Wirkungen, die man mit ihr und kleinen, kreativen Anpassungen der Wahrheit erzielen kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema des Erzählens im Kontext von Walter Moers’ Roman und Darlegung der Zielsetzung der Untersuchung.
2. Die Figur des Erzählers: Analyse von Blaubärs Rolle als Ich-Erzähler, seiner medialen Herkunft sowie der Untersuchung seiner Unzuverlässigkeit und Entwicklung.
3. Formen und Funktionen von Erzählen: Detaillierte Betrachtung der verschiedenen Rollen des Erzählens als Wissensquelle, unterhaltendes Element, künstlerische Ausdrucksform und professioneller Beruf.
4. Fazit: Zusammenfassende Synthese der Ergebnisse zur Bedeutung des Erzählens als zentrales Motiv und zum Werdegang der Protagonistenfigur.
Schlüsselwörter
Walter Moers, Käpt’n Blaubär, Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär, Erzählen, Unzuverlässiger Erzähler, Zamonien, Autobiografie, Schelmenroman, Lügengladiator, Traumkomponist, Intertextualität, Medienwechsel, Narratologie, Phantastik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der zentralen Rolle und den vielschichtigen Funktionen des Erzählens in Walter Moers’ Roman "Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär".
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die Erzähltechnik, die Charakterisierung Blaubärs als unzuverlässiger Erzähler, der mediale Wandel der Figur und die verschiedenen Formen des Erzählens (Kunst, Beruf, Unterhaltung).
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, den Bildungsweg des Blaubären zum Meister des Geschichtenerzählens nachzuzeichnen und zu zeigen, wie das Erzählen in das Romanleben verwoben ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die narratologische Ansätze (wie die von Ansgar Nünning zum unzuverlässigen Erzählen) mit intertextuellen und medienwissenschaftlichen Vergleichen kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Erzählerfigur (Blaubär) und die Untersuchung der verschiedenen Funktionen des Erzählens im Roman.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem: Narratologie, Unzuverlässiges Erzählen, Intertextualität, Autobiografie-Fiktion und Zamonien.
Welche Rolle spielt die Figur des "Lügengladiators" für die Argumentation?
Der Lügengladiator dient als Höhepunkt von Blaubärs Entwicklung, an dem das Erzählen als professioneller Beruf, Kunstform und Dienstleistung innerhalb eines kommerziellen Rahmens kulminiert.
Inwieweit ist Blaubär als "unzuverlässiger Erzähler" einzustufen?
Die Arbeit identifiziert durch textuelle Widersprüche, Erinnerungslücken und intertextuelle Verweise auf Münchhausen einen "unzuverlässigen Erzähler", der seine Leserschaft gezielt durch Fabulieren in die Irre führt.
- Citar trabajo
- Mareike Heins (Autor), 2020, Formen und Bedeutung des Erzählens in Walter Moers' "Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1009844