Spieltheorie und spieltheoretische Mechanismen bei Booking.com, Google Ads und Ebay


Akademische Arbeit, 2021

27 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

I. Inhaltsverzeichnis

II. Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Spieltheorie als Teil der Entscheidungstheorie
2.1 Entscheidungstheorie
2.1.1 Normative Entscheidungstheorie
2.1.2 Deskriptive Entscheidungstheorie
2.1.3 Entscheidungstheorie im Kontext des digitalen Managements
2.2 Spieltheorie und spieltheoretische Mechanismen
2.2.1 Historische Entwicklung
2.2.2 Grundzüge der Spieltheorie
2.2.3 Simultane und sequentielle Spiele
2.2.4 Perfekte oder imperfekte Information
2.2.5 Spieltheoretische Darstellungen
2.2.6 Spieltheorie im Kontext des digitalen Managements

3 Spieltheoretische Mechanismen bei digitalen Geschäftsmodellen
3.1 Booking.com
3.2 Google Ads
3.3 eBay

4 Fazit

III. Literaturverzeichnis

II. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Darstellung der Situation als Matrixform

Abbildung 2: Darstellung eines dynamischen Spiels als Spielbaum

Abbildung 3: Darstellung eines simultanen Spiels als Spielbaum

Abbildung 4: Konfliktsituation der Performancegruppen auf Booking.com

Abbildung 5: Formeln für die Berechnungen vom 'Share' und Qualitätsfaktor

Abbildung 6: Fiktiver Hotelvergleich für die Berechnung des 'Share'

Abbildung 7: Formel für die Preisberechnung einer Google ^ds-Werbeanzeige

Abbildung 8: Beispielauktion auf eBay

Abbildung 9: Abgabe eines Gebotes bei einer eBay-Auktion

Abbildung 10: Sofortiges automatisches Überbieten des abgegebenen Gebotes

1 Einleitung

Ein Mensch trifft täglich rund 20.000 Entscheidungen.1 Dabei geht es nicht nur um Entscheidungen, welche die eigene Person betreffen, sondern auch um Entscheidungssituationen, an denen mehrere Personen beteiligt sind. Vor allem letztere sind ein zentraler Bestandteil der Spieltheorie, welche in dieser wissenschaftlichen Arbeit genauer untersucht werden soll. Durch die jahrzehntelange Erforschung und Untersuchung der Spieltheorie, der daraus resultierenden Komplexität und ihrer vielseitigen Einsatzmöglichkeiten, können in dieser Arbeit nur die oberflächlichen Grundzüge der Theorie mit ihren verschiedenen Ansätzen erläutert werden. Dabei liegt der Fokus vor allem auf dem Anwendungsfeld der digitalen Ökonomie und der realen praktischen Anwendung der Theorie in digitalen Geschäftsmodellen. Das Ziel der Arbeit ist es, die Grundzüge der Spieltheorie zu erläutern und spieltheoretische Mechanismen anhand von realen Praxisbeispielen in der digitalen Ökonomie zu analysieren.

Da die Spieltheorie ein spezieller Teil der Entscheidungstheorie ist, wird im ersten Kapitel des Hauptteils zuerst die Entscheidungstheorie grundlegend erklärt, bevor die Grundzüge der Spieltheorie beschrieben werden.2 Anschließend wird die historische Entwicklung der Spieltheorie erläutert, ehe simultane und sequentielle sowie Spiele mit perfekter und imperfekter Information betrachtet werden. Danach wird auf die beiden verschiedenen spieltheoretischen Darstellungsformen eingegangen. Zum Abschluss des theoretischen Teils wird die Spieltheorie in den Kontext des digitalen Managements eingeordnet. In Kapitel 3 werden schließlich die digitalen Geschäftsmodelle von Booking.com, Google Ads und eBay auf spieltheoretische Mechanismen untersucht und somit die Nutzung der Spieltheorie in der digitalen Wirtschaft überprüft. Zuletzt wird im Fazit die Untersuchung zusammengefasst und eine Einschätzung zur Nutzung der Spieltheorie in der digitalen Ökonomie gegeben.

2 Spieltheorie als Teil der Entscheidungstheorie

Im folgenden Kapitel werden sowohl die Entscheidungstheorie als auch die Spieltheorie erläutert und dargestellt, weshalb die Spieltheorie ein Teil der Entscheidungstheorie ist.

2.1 Entscheidungstheorie

Beinahe alles, was Menschen tun, benötigt Entscheidungen. Die Entscheidungstheorie gibt dabei Hilfestellungen, wie Menschen vernünftige Entscheidungen treffen können und möchte erklären, wie echte Entscheidungen zustande kommen. Mit Hilfe des Grundmodells dieser Theorie lassen sich Entscheidungsprobleme strukturieren und Lösungen für diese entwickeln.3 Dabei befasst sie sich mit dem Entscheidungsverhalten von Individuen, Organisationen und Gruppen.4 In Bezug auf die digitale Welt werden mittlerweile zwei Ansätze kombiniert und neu interpretiert.5 Es wird zwischen zwei Ausprägungen, der normativen und der deskriptiven Entscheidungstheorie, unterschieden.6

2.1.1 Normative Entscheidungstheorie

Das Ziel der normativen bzw. präskriptiven Entscheidungstheorie ist es darzustellen, wie Entscheidungen rational getroffen werden können. Dafür werden Empfehlungen gegeben, wie Gruppen oder einzelne Personen Entscheidungen in verschiedenen Entscheidungssituationen treffen sollten.7 In dieser Theorie wird von einem in jeder Situation ökonomisch rational handelnden Menschen ausgegangen (Homo Oeconomicus).8 Dabei wird nicht die Realität beschrieben, sondern es werden Verhaltensempfehlungen für alternative Entscheidungssituationen in der Realität gegeben, indem aufgezeigt wird, wie Entscheidungen getroffen werden sollten.9 Dazu werden im normativen Teil Entscheidungslogiken untersucht sowie ausgeführt, wie eine Auswahl unter Berücksichtigung von Alternativen getroffen werden sollte.10 Im Rahmen der normativen Entscheidungstheorie haben einerseits die Entwicklung von Entscheidungsmodellen und andererseits die Erforschung von Zielsystemen eine zentrale Bedeutung. Dabei stellt ein Entscheidungsmodell eine Entscheidungsproblematik in abstrakter Form und formalisierter Sprache so dar, dass die Lösung dieses Entscheidungsproblems hergeleitet werden kann.11 Bezogen auf ein Beispiel bietet die E-Commerce Plattform Amazon seinen Kunden basierend auf den gemessenen Aktivitäten der Nutzer individualisierte Produktvorschläge an. Es werden also Handlungsempfehlungen für den User vorgeschlagen, die auf Analysen bisheriger getroffener Entscheidungslogiken ähnlicher Nutzer auf dieser Plattform basieren.12 Dieser normative Part der Entscheidungstheorie wird mit den Methoden der deskriptiven Entscheidungstheorie verknüpft.13

2.1.2 Deskriptive Entscheidungstheorie

Die deskriptive Entscheidungstheorie beinhaltet die Beschreibung und Erklärung von realem Entscheidungsverhalten anhand von Beobachtungen.14 Diese Beobachtungen werden aus dem Verhalten von Individuen und Gruppen in realen Entscheidungssituationen, insbesondere auch durch kontrollierte Experimente gewonnen.15 Demzufolge werden Hypothesen über das Verhalten im

Entscheidungsprozess abgeleitet und wiederum durch die Analyse des tatsächlichen Verhaltens überprüft. Die aus der Überprüfung erlangten Erkenntnisse werden in Prognosen über das Entscheidungsverhalten von gleichartig entscheidenden Personen in ähnlichen Entscheidungssituationen überführt.16 Folglich können Modelle abgeleitet werden, die auf digitalen Plattformen umgesetzt und nochmals deskriptiv überprüft werden. Die Folge ist ein dauerhaft interaktiver Prozess, wobei sich die digitalen Plattformen kontinuierlich und dynamisch anpassen. Daraus resultiert, dass die Angebote der Plattform dauerhaft auf Basis von realen Verhaltensanalysen in Form von Interaktionen, Klicks, Käufen und Ähnlichem immer weiter an die definierte Nutzergruppe angepasst werden.17

2.1.3 Entscheidungstheorie im Kontext des digitalen Managements

Viele digitale Geschäftsmodelle generieren ihren Wert dadurch, Entscheidungen von Nutzern zu strukturieren und ihnen innerhalb des Entscheidungsprozesses zu helfen. Bei Netflix besteht beispielsweise eine wesentliche Leistung darin, den Usern der Plattform Vorschläge zu unterbreiten, welchen Film oder welche Serie sie aufgrund der bisherigen Aktivitäten als nächstes anschauen sollten. Selbiges gilt auch für Amazon, Facebook oder Spotify. Bei all diesen Geschäftsmodellen spielen Vorschlagsalgorithmen eine zentrale Rolle für die Generierung des Kundennutzens.18 Um eine Anwendungsmöglichkeit und Vorgehensweise der Entscheidungstheorie im digitalen Management aufzuzeigen, wird die Nutzung von Vorschlagsalgorithmen anhand eines Beispiels für die Kleidungsauswahl einer Person beschrieben. Die Auswahl von Kleidungsstücken stellt eine klassische Entscheidungssituation dar.19 Die Entscheidung dabei liegt darin, dass die Person zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Auswahl treffen muss, was sie anziehen möchte. Diese Entscheidung ist abhängig von der Menge an Kleidungsstücken, welche im Kleiderschrank vorhanden sind. Dazu kommt, dass die Entscheidung zusätzlich von externen Faktoren wie den aktuellen lokalen Wetterbedingungen oder einem bestimmten Anlass abhängig ist. Der Wert eines solchen digitalen Geschäftsmodells, welches dem User hilft unter Berücksichtigung aller Faktoren ein gutes und passendes Outfit zusammenzustellen, generiert sich lediglich durch eine passende Lösung dieser Problemstellung aus Sicht des Nutzers. Um dem User letztendlich geeignete und individuelle Ergebnisse aus einer bestimmten Menge und unter Berücksichtigung weiterer relevanter Faktoren anbieten zu können, muss ein Lösungsalgorithmus entwickelt werden.20 Um Entscheidungen abzuleiten kann das Modell erweitert werden und es wird untersucht, welche messbaren Informationen in die Vorschlagsgenerierung eingebunden werden können.21 Für das beschriebene Beispiel wäre eine Schnittstellenanbindung an die Social-Media Plattform Instagram denkbar, um häufig kombinierte Kleidungsstücke zu erkennen und Vorschläge anderer Nutzer in den Prozess einzubinden. Auch eine Anbindung von Wetterapps mit den aktuellen Wetterbedingungen sowie dem Standort wäre sinnvoll. Auch könnten bisherige Outfits und Kleidungskombinationen des Nutzers im Entscheidungsprozess berücksichtigt werden.22 Nun wird in einem komplexen Verfahren, in dem sich schrittweise mit wiederholenden Rechengängen der exakten Lösung angenähert wird, der konkrete Algorithmus entwickelt, welcher die Aufgabenstellung auf Basis der verfügbaren Informationen löst und damit einen Mehrwert für die User generiert.23 Diese Methode wird dann in eine Softwareanwendung überführt und die Nutzer durch einen softwarebasierten Entscheidungsprozess geleitet, welcher auf Basis der verfügbaren Informationen Kleidungskombinationen vorschlägt. Der Wert dieser Anwendung entsteht somit durch das Erstellen von genauen Entscheidungsvorschlägen.24 In der Nutzung könnte die Anwendung so funktionieren, dass der User gewisse Informationen wie beispielsweise den Anlass (z. B. Arbeitstag, Party, etc.) eigenständig eingibt und externe Faktoren wie die Wetterbedingungen und Outfitkombinationen von Instagram durch Schnittstellen gemessen werden. Sobald der Nutzer am Ende des Prozesses angekommen ist, werden Kleidungsvorschläge berechnet und angezeigt.25

2.2 Spieltheorie und spieltheoretische Mechanismen

Nachdem nun die Grundzüge der Entscheidungstheorie bekannt sind, werden im folgenden Kapitel die Spieltheorie und ihre Mechanismen genauer definiert. Zuerst wird die historische Entwicklung der Spieltheorie dargestellt, bevor die Theorie grundlegend erläutert wird. Anschließend werden die möglichen Spielformen beschrieben und es wird auf die Informationsverteilung während der Spiele eingegangen. Darauf folgen die spieltheoretischen Darstellungsformen und zum Abschluss dieses Kapitels findet eine Einordnung in das digitale Management statt.

2.2.1 Historische Entwicklung

Die Vorläufer der Spieltheorie reichen bis weit in die Vergangenheit zurück, genauer gesagt bis in die Antike. Die ersten modernen spieltheoretischen Ansätze finden sich in den Schriften von Thomas Hobbes und David Hume, die aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammen. Die Theorie wurde in einem Zusammenhang erwähnt, den man heute der politischen Philosophie oder der Sozialtheorie zuordnen würde. Die ersten spieltheoretischen Argumente von Hobbes und Hume waren jedoch weitgehend intuitiver Natur.26 Am 7. Dezember 1926 stellte John von Neumann im Alter von 22 Jahren seine Gedanken zur Theorie der Gesellschaftsspiele in einem Seminar von David Hilbert vor. Hilbert galt zu dieser Zeit schon als einer der bedeutendsten Mathematiker und mit dem von ihm initiierten Forschungsprogramm setzten sich die größten Mathematiker dieser Zeit auseinander.27 Zwei Jahre später, im Jahr 1928, wurde der Inhalt des von Neumannschen Vortrags in den Mathematischen Annalen abgedruckt. Diese Veröffentlichung gilt als erster Beitrag und Grundsteinlegung der modernen Spieltheorie.28 Darin konzipierte John von Neumann die Spieltheorie als generelle Theorie des menschlichen Handelns, die eigenständig alle Formen von Verhalten, die in einem Kontext strategischer Interaktion stattfinden, erklären sollte.29 Durch die Zusammenarbeit von John von Neumann mit dem Ökonomen Oskar Morgenstern bekamen die Anfänge der systematisch ausgearbeiteten Spieltheorie eine stark wirtschaftswissenschaftliche Prägung. Zusammen verfassten sie den Aufsatz Theory of Games and Economic Behavior', welcher als Klassiker der Spieltheorie gilt.30

2.2.2 Grundzüge der Spieltheorie

Eine Vielzahl von Entscheidungen sind so gestaltet, dass ihr Ergebnis, also die Auszahlung an einen Entscheider, nicht ausschließlich von dessen eigener Entscheidung, sondern auch von den Entscheidungen anderer Individuen abhängt.31 Anders als in der bereits beschriebenen klassischen Entscheidungstheorie, in der nur Entscheidungssituationen betrachtet werden, in denen der Zustandsraum unabhängig davon ist, was andere Individuen tun, ist dies in der Spieltheorie anders. Hier werden Entscheidungssituationen erfasst, in welchen Entscheidungen von anderen Individuen wie Partnern, Konkurrenten oder Gegnern ebenfalls in Betracht gezogen werden müssen. Dabei werden die Individuen, von denen die Entscheidungen berücksichtigt werden müssen, allgemein Mitspieler genannt.32

Daraus resultiert schließlich diese Definition:

„Die Spieltheorie ist eine mathematische Methode, die das rationale Entscheidungsverhalten in sozialen Konfliktsituationen ableitet, in denen der Erfolg des Einzelnen nicht nur vom eigenen Handeln, sondern auch von den Aktionen anderer abhängt.“33

So hängen beispielsweise Unternehmungsentscheidungen, wie die Senkung der Verkaufspreise eigener Produkte nicht nur vom Unternehmen selbst, sondern von weiteren Mitspielern in Form von Kunden und Konkurrenten ab.34 Bei solchen Problemstellungen kann die Spieltheorie als Lösungsmöglichkeit eingesetzt werden, auch im digitalen Management findet sie immer häufiger Anwendung.35 Von Spielen kann gesprochen werden, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:

1. Die Menge der Spieler innerhalb des Spiels ist bekannt.
2. Der Strategieraum wird durch die Menge aller möglichen Strategiekombinationen der Spieler angegeben.
3. Die Nutzenfunktion gibt den Nutzen bzw. die Auszahlung einer bestimmten Strategiekombination eines Spielers wieder.36
4. Die Spielregeln können als Reihenfolge der Spielzüge sowie des damit offenbarten Informationsstandes festgelegt werden.37

Spieltheoretische Modellierungen können in Situationen eingesetzt werden, in denen:

a) „das Ergebnis von den Entscheidungen mehrerer Entscheidungsträger abhängt, sodass ein einzelner das Ergebnis nicht unabhängig von der Wahl der anderen bestimmen kann;
b) jeder Entscheidungsträger sich dieser Interdependenz bewusst ist;
c) jeder Entscheidungsträger davon ausgeht, dass alle anderen sich ebenfalls der Interdependenz bewusst sind;
d) jeder bei seinen Entscheidungen a), b) und c) berücksichtigt.“38

Aufgrund der beschriebenen Charakteristiken a) bis d) sind Koordinationsprobleme sowie Interessenskonflikte grundsätzliche Eigenschaften von strategischen Entscheidungssituationen. Mit Hilfe der Spieltheorie lassen sich solche Spielsituationen analysieren. Sie formalisiert, wie sich die Spieler Erwartungen über das Verhalten der Mitspieler bilden oder auf Entscheidungen von Mitspieler reagieren und anschließend nach gewissen Regeln eine Entscheidung treffen.39 Viele ökonomische Fragestellungen enthalten die oben beschriebenen Eigenschaften und die Spieltheorie bietet ein formales Instrumentarium, welches zur Analyse dieser Fragen genutzt werden kann. Im Gegenzug hat die Bearbeitung ökonomischer Problemstellungen die spieltheoretischen Konzepte weiterentwickelt und verfeinert. Heutzutage wird die Spieltheorie von einigen Ökonomen als die formale Sprache der mikroökonomischen Theorie betrachtet.40

2.2.3 Simultane und sequentielle Spiele

In der Spieltheorie wird zwischen zwei Arten von Spielen unterschieden, nämlich den simultanen und den sequentiellen Spielen.41 Die sinnvollste Darstellungsweise von Simultanspielen ist die strategische Form als Spielmatrix, weshalb solche Spiele auch ,Matrixspiele‘ genannt werden können.42 Die gewählten Strategieoptionen werden bei einem simultanen Spiel zeitgleich aufgedeckt, ungeachtet davon, ob dies von einem Spieler bewusst gewählt wird oder zufällig geschieht.43 Dazu kommt, dass die Spieler in Simultanspielen die Strategiewahl ihrer Mitspieler zum Zeitpunkt ihrer Entscheidung nicht beobachten können.44

Bei sequentiellen Spielen entscheiden die Spieler nacheinander.45 Es wird also immer eine Option veröffentlicht, auf dessen Basis der andere Spieler dann bewusst oder zufällig eine Entscheidung treffen kann.46 Also kann der Second-Mover, sprich der Spieler, der als zweites seine Entscheidung trifft, die vorangegangene Handlung des First-Movers vor seiner eigenen Entscheidung beobachten.47 Ein Beispiel für ein Simultanspiel ist ,Schere, Stein, Papier‘, hingegen stellen das Pokerspiel ,Texas Hold‘Em‘ sowie ,Black Jack‘ sequentielle Spiele dar.48

2.2.4 Perfekte oder imperfekte Information

Es wird von einem Spiel mit perfekter Information gesprochen, wenn ein Spieler zu dem Zeitpunkt einer eigenen Entscheidung über das gesamte bisherige Spielgeschehen, also alle von seinen Mitspielern getroffenen Entscheidungen, informiert ist.49 Dazu kommt, dass auch die wesentlichen Eckdaten des Spiels, vor allem der Strategieraum und die möglichen Auszahlungen zum gemeinsamen Wissen aller Spieler gehören.50,Schach‘ und ,Dame‘ zählen zu Spielen mit perfekter Information.51 Im Gegensatz dazu handelt es sich um Spiele mit imperfekter Information, wenn die Spieler die Strategiewahl ihrer Mitspieler zum Zeitpunkt ihrer Entscheidung nicht beobachten können.52 Auch ist von imperfekter Information die Rede, wenn mindestens ein Spieler nicht sicher weiß, in welcher Entscheidungssituation er sich befindet.53 Somit sind den Spielern bei solchen Spielen entweder die Informationen über das bisherige Spielgeschehen unbekannt oder die Informationsstände sind bezogen auf die Spieler asymmetrisch. Dies bedeutet es werden immer nur bei einem bestimmten Spielzug Informationen offengelegt, welche die Entscheidung anderer Spieler aber in der Wahl der eigenen Strategie beeinflussen können. Spiele mit imperfekter Information sind ,Skat‘ und ,Poker‘. Dazu ist noch anzumerken, dass simultane Spiele wie ,Schere, Stein, Papier‘ immer Spiele mit imperfekter Information sind, da dort die Informationen und Entscheidungen der Spieler zeitgleich aufgedeckt werden.54

2.2.5 Spieltheoretische Darstellungen

Für die Darstellung spieltheoretischer Modelle eignen sich zwei Varianten. Zum einen die Normalform, in welcher das Spiel in einer Matrixform dargestellt wird und zum anderen die Extensivform, die das Spiel in Form eines Entscheidungsbaumes abbildet. Generell gilt, dass im Vorhinein die Anzahl der Spieler, das Ziel des Spiels sowie die Spielregeln und der Ablauf definiert werden müssen.55 Um die verschiedenen Darstellungsformen zu erläutern, werden sie anhand eines fiktiven ökonomischen Beispiels beleuchtet.

[...]


1 Vgl. Tönnesmann 2008, o. S.

2 Vgl. Riechmann 2014, S. 1.

3 Vgl. Riechmann 2014, S. 1.

4 Vgl. Gillenkirch 2017, o. S.

5 Vgl. Hoffmeister [o. J.], S. 58.

6 Vgl. Gillenkirch 2017, o. S.

7 Vgl. ebd.

8 Vgl. Convergere 2017, o. S.

9 Vgl. Gillenkirch 2017, o. S.

10 Vgl. Hoffmeister [o. J.], S. 58.

11 Vgl. Gillenkirch 2017, o. S.

12 Vgl. Hoffmeister [o. J.], S. 58.

13 Vgl. Hoffmeister [o. J.], S. 59.

14 Vgl. ebd.

15 Vgl. Gillenkirch 2017, o. S.

16 Vgl. Hoffmeister [o. J.], S. 59.

17 Vgl. ebd.

18 Vgl. Hoffmeister [o. J.], S. 63.

19 Vgl. Hoffmeister [o. J.], S. 63.

20 Vgl. ebd.

21 Vgl. Hoffmeister [o. J.], S. 64.

22 Vgl. ebd.

23 Vgl. Hoffmeister [o. J.], S. 65.

24 Vgl. ebd.

25 Vgl. ebd.

26 Vgl. Behnke 2020, S. 9.

27 Vgl. HoMer/IMing/Napel 2019, S. 405.

28 Vgl. ebd.

29 Vgl. Behnke 2020, S. 9.

30 Vgl. ebd.

31 Vgl. Riechmann 2014, S. 19.

32 Vgl. ebd.

33 Ockenfels 2018, o. S.

34 Vgl. BWL-Lexikon.de [o. J.], o. S.

35 Vgl. Hoffmeister [o. J.], S. 66.

36 Vgl. Holler/IMing/Napel 2019, S. 4.

37 Vgl. Hoffmeister 2017, S. 351.

38 HoNer/INing/Napel 2019, S. 1.

39 Vgl. HoNer/INing/Napel 2019, S. 1.

40 Vgl. ebd.

41 Vgl. Hoffmeister [o. J.], S. 67.

42 Vgl. Bartholomae/Wiens 2016, S.65.

43 Vgl. Hoffmeister [o. J.], S. 67 f.

44 Vgl. Bartholomae/Wiens 2016, S.123.

45 Vgl. ebd.

46 Vgl. Hoffmeister [o. J.], S. 68.

47 Vgl. Bartholomae/Wiens 2016, S.123.

48 Vgl. Hoffmeister [o. J.], S. 68.

49 Vgl. Hoffmeister [o. J.], S. 68, zitiert nach Schlee 2004, S. 95.

50 Vgl. Bartholomae/Wiens 2016, S.161.

51 Vgl. ebd.

52 Vgl. Bartholomae/Wiens 2016, S.123.

53 Vgl. Riechmann 2014, S. 63.

54 Vgl. Hoffmeister [o. J.], S. 68.

55 Vgl. ebd.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Spieltheorie und spieltheoretische Mechanismen bei Booking.com, Google Ads und Ebay
Hochschule
Hochschule Fresenius; Hamburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2021
Seiten
27
Katalognummer
V1010151
ISBN (eBook)
9783346398390
ISBN (Buch)
9783346398406
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Spieltheorie, spieltheoretische Mechanismen, Digitale Ökonomie, Booking.com, Google Ads, Ebay, Digitales Management, Digitale Geschäftsmodelle, Entscheidungstheorie
Arbeit zitieren
Lennart Reisgies (Autor:in), 2021, Spieltheorie und spieltheoretische Mechanismen bei Booking.com, Google Ads und Ebay, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1010151

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