Open Innovation. Die Rolle des Kunden im Innovationsprozess


Bachelorarbeit, 2021

45 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

I. Inhaltsverzeichnis

I. Inhaltsverzeichnis

II. Abbildungsverzeichnis

III. Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Ziel der Arbeit
1.3 Vorgehensweise
1.4 Aufbau der Arbeit

2 Grundlagen der Innovation im Unternehmen
2.1 Innovationsbegriff
2.1.1 Arten von Innovation
2.1.2 Innovationsmanagement
2.1.3 Innovationskultur
2.2 Der Innovationsprozess in Unternehmen
2.3 Geschlossene Innovationsprozesse: Closed Innovation

3 Grundlagen von Open Innovation
3.1 Überblick über Open Innovation
3.1.1 Ursprung und Definition
3.1.2 Ziel
3.2 Prozessformen von Open Innovation
3.2.1 Outside-In-Prozess
3.2.2 Inside-Out-Prozess
3.2.3 Coupled-Prozess

4 Einbindung des Kunden in Open Innovation
4.1 Eigenschaften eines Kundeninnovators
4.2 Open Innovations Methoden
4.2.1 Innovationswettbewerb
4.2.2 Innovations-Communities
4.2.3 Lead User-Methode
4.2.4 Innovations-Toolkits

5 Beispiele erfolgreicher Anwendung von Open Innovation
5.1 LEGO – Neue Geschäftsfelder durch Open Innovation
5.2 Beiersdorf – neues Nivea Produkt durch Kunden
5 Nutzen und Grenzen von Open Innovation
5.1 Nutzen und Grenzen aus Sicht der Kunden
5.2.1 Nutzen aus Sicht der Kunden
5.2.2 Grenzen aus Sicht der Kunden
5.3 Nutzen und Grenzen aus Sicht des Unternehmens
5.3.1 Nutzen aus Sicht des Unternehmens
5.3.2 Grenzen aus Sicht des Unternehmens

6 Unternehmensanforderungen für erfolgreiches Open Innovation

7 Fazit

8 Aussicht

9 Literaturverzeichnis

10 Internetquellen

II. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Innovationsprozess in Unternehmen

Abbildung 2: Closed Innovation vs. Open Innovation

Abbildung 3: Open Innovation Prozesse

Abbildung 4: Systematisierung von Innovationswettbewerben

Abbildung 5: Merkmale virtueller Communities

Abbildung 6: Arten von Innovations-Toolkits

Abbildung 7: OI-Aktivitäten der Hyve AG entlang des Innnovationsprozesses

III. Abkürzungsverzeichnis

F&E Forschung & Entwicklung

OI … Open Innovation

bzw.Beziehungsweise

z.B. zum Beispiel

d.h. das heißt

Vgl .Vergleich

1 Einleitung

Der stetige Wandel der Märkte zwingt Unternehmen die etablierten Vorgehensweisen zu verbessern oder gleich zu erneuern, damit der Erfolg des Unternehmens gewährleistet ist. Gerade Technologien und Innovation sind aktuell entscheidende Aspekte. Welche durch andauernd schnellere Wettbewerbe nimmt die Innovation eine zentrale Rolle im Geschäftsalltag von Unternehmen ein.1 Durch die unterschiedlichen heterogenen Kundenansprüche und die daraus resultierenden kürzeren Produktlebenszyklen sind Unternehmen einem zeitlichen Innovationsdruck ausgesetzt. Unternehmen erhoffen sich durch eigene Innovationen einen Wettbewerbsvorteil. Um das zu erreichen gehen Unternehmen in ihrer Produktentwicklung immer neuere Wege. Lüthje hat 2007 in seinem Buch Kundenorientierung herausgestellt, dass die Misserfolgsquote innovativer Produkte sehr hoch ist. Diese schwanken zwischen 35% und 60% auf den Konsumgütermärkten und zwischen 25% und 40% auf den Industriegütermärkten.2 Die fehlende höhere Befriedigung der Kundenbedürfnisse, im Vergleich der bereits vorhandenen Produkte am Markt oder auch das Fehlen eines Marktes, sind Gründe dieser Misserfolge.3

1.1 Problemstellung

In der Ökonomie wird geleert, dass die Nachfrage über den Erfolg der Produkte entscheidet. Darauf basierend, scheint die Einbeziehung des Kunden in den Innovationsprozess des Unternehmens, eine Möglichkeit zu sein, das Innovationspotenzial zu erhöhen. Dabei ist eine frühe Ausrichtung auf die Präferenzen der Konsumenten ebenso entscheidend um die Erfolgsquote zu steigern. Das Open Innovation will gezielt die Expertise von außen, also außerhalb des Unternehmens, stärker als üblich nutzen und auch dadurch gleichzeitig mehr Transparenz zeigen.

Dabei setzen große, internationale Konzerne, wie BASF oder Procter & Gamble bereits auf diesen Ansatz, um eine stärkere Öffnung des eigenen Innovationsprozesses zu verwirklichen.4 Hierbei stellt sich die Frage, ob OI Unternehmen tatsächlich hilft, innovativer und erfolgreicher zu sein.

1.2 Ziel der Arbeit

Diese Arbeit wird auf die Nützlichkeit des OI Ansatzes für Unternehmen eingehen. Wird über OI geredet, dann wird über die Einbindung externer Wissensquellen gesprochen. Darunter zählen, Lieferanten, Wettbewerber, Mitarbeiter, Universitäten und Kunden. Das Einbinden jeder dieser Gruppen in die Arbeit würde die Größe der Arbeit übersteigen, daher wird der Fokus auf den Kunden gelegt. Weitergehend soll erschlossen werden, welche Methoden dabei helfen können, den Kunden in den Innovationsprozess zu integrieren.

1.3 Vorgehensweise

Um die Frage der neuen Rolle des Kunden im Innovationsprozess zu beantworten, wird diese Arbeit durch Literaturrecherche die einzelnen Begrifflichkeiten definieren und auf der Darstellung zweier Case Studies von LEGO und Beiersdorf aufzeigen, ob OI einem Unternehmen dabei helfen kann erfolgreich neue Produkte auf den Markt zu bringen.

1.4 Aufbau der Arbeit

Nach der Einführung in die Begrifflichkeiten von Innovation, wird diese Arbeit das OI in seinen grundlegenden Zügen beschreiben. Die Beschreibungen der verschiedenen Methoden soll dazu dienen, die beiden Case Studies besser in den OI Prozessen einordnen zu können.

Anschließend sollen die Nutzen und Grenzen beider Beteiligten, also Kunden und Unternehmen betrachtet werden. Im Rahmen einer Studie aus dem Jahr 2011 sollen Anforderungen an Unternehmen dargestellt werden.

Abschließend soll aufgezeigt werden, ob Unternehmen generell erfolgreicher sind, wenn der Kunde einbezogen wird.

2 Grundlagen der Innovation im Unternehmen

Josef Schumpeter hat bereits Anfang des 20.Jahrhunderts der Innovation eine zentrale Rolle für Wachstum und wirtschaftlichen Erfolg zugeordnet.5 Um OI zu verstehen, liegt es nahe einmal zu klären, was unter dem Begriff der Innovation zu verstehen ist. Hier sollen die folgenden Abschnitte die Grundlage bilden, sowie ein Verständnis dafür geben, wie Innovation in einem Unternehmen umgesetzt wird.

2.1 Innovationsbegriff

Der Begriff Innovation lässt sich aus dem lateinischen Wort „innovatio“, also Neuerung oder Veränderung ableiten, also die Beschreibung von etwas „Neuartigem“. Im Allgemeinen lässt sich in der Literatur keine einheitliche Definition finden.6 Den vielen Versuchen den Begriff eine Definition zu geben, lassen ich dennoch gewisse Überschneidungen finden. Je nach Betrachtung erhält der Begriff einen anderen Schwerpunkt, was alle gleich haben ist, die Bezeichnung von einer Neuheit oder Neuartigen.7 Wird Schumpeters Beschreibung der Innovation betrachtet, dann lässt sich erkennen, dass nicht eine neue Idee oder ein neues Produkt die Innovation aus machen, sondern der Prozess, diese erfolgreich in eine Marktanwendung umzusetzen. Dabei wird von Schumpeter der Aspekt des wirtschaftlichen Erfolges, als ein wesentlicher Bestandteil festgemacht, um von einer Innovation zusprechen.8 Die Idee, oder auch als Invention beschrieben, ist hierbei also nicht gleichzusetzen mit der Innovation.

Sie geht der Innovation voraus und ist der erste Schritt des Innovationsprozesses. Innovation ist damit ein Prozess, die die Generierung einer Idee, deren Entwicklung und Umsetzung bis zur Markteinführung eines Produktes oder Prozesses komplett umfasst.9

2.1.1 Arten von Innovation

In der Literatur lassen sich mittlerweile mehrere Arten von Innovation finden. Kann damit die Einführung eines Produktes auf den Markt erreicht werden, dann wird von einer Produktinnovation gesprochen. Wird dadurch ein neues Verfahren eingesetzt, so wird von einer Prozessinnovation gesprochen. Der Begriff der Innovation wird auch für organisatorische, soziale, sowie systemische und Serviceinnovation verwenden.10

Als Beispiel einer Serviceinnovation dient das Praxisbeispiel LEGO, welches im Abschnitt 4.1 erläutert wird. Hierbei soll einmal auf die drei klassischen Innovationsarten eingegangen werden.

Mit einer Produktinnovation sollen die Bedürfnisse von Kunden befriedigt werden. Hierbei geht es um Neuerung in Sachleistungen eines Unternehmens. Eine Produktinnovation wird als solche bezeichnet, wenn ein Produkt von einem Unternehmen sowohl verkauft als auch erstellt wird.11 Dabei kann es sich um ein komplett neues Produkt, als auch um eine Weiterentwicklung eines bestehenden Produktes handeln.12

Wird von einer Prozessinnovation gesprochen, dann handelt es um innerbetriebliche Änderungen. Wodurch die Produktion eines Gutes kostengünstiger, qualitativ besser, sicherer oder schneller geschehen soll. Der Fokus liegt hierbei auf die Verbesserung der Effizienz.

Die Organisationsinnovation beschreibt dabei alle Änderung in der Neustrukturierung der Organisation eines Unternehmens.13

Die einzelnen Innovationsarten sind im Allgemeinen schwer voneinander trennbar. Der Fall, dass die eine Innovation die andere beeinflusst sind sehr hoch. Eine Verschmelzung der unterschiedlichen Innovationsarten ist daher sehr häufig. Eine Produktinnovation kann dazu führen das bestehende Produktionsprozesse neue erarbeitet werden müssen.14

2.1.2 Innovationsmanagement

Nach Gassmann und Sutter gehört das Management von Innovation zu einen der am wenigsten untersuchten Formen, da es hier keine standardisierten Empfehlungen für ein optimales Managen von Innovation gibt.15 In der Einleitung wurde der Druck auf Unternehmen bereits erwähnt. Also ein zeitlicher Druck, Innovationen so schnell es geht zu schaffen und auf den Markt zu bringen. Die entstehenden technischen, wirtschaftlichen oder auch aus dem Markt stammenden Risiken, führen dazu, dass nur 5 – 10 Prozent der Produktideen nutzbringend sind. Hinzu kommen Risiken, die innerhalb eines Unternehmen auftreten, wie fehlendes Kapital, zu hohe Kosten, interner Widerstand, bekannt auch als das „Not-Invented-Here-Syndrom“, oder wegen fehlender Expertise in diesem Bereich. Nach Hausschildt muss der Begriff des Innovationsmanagement in eine institutionelle und funktionale Sichtweise unterteilt werden. Dabei ist die institutionelle Perspektive, die der organisatorischen Einbindung in das Unternehmen, also in welcher formalen Hierarchie das Innovationsmanagement Macht hat. Die funktionale Perspektive soll nach Hausschildt Dispositiv betrachtet werden, also eine nicht ausführende Tätigkeit. Sowie das Management im Allgemeinen gekennzeichnet ist, dass es Strategien und Ziele definiert, Entscheidungen trifft und soziale Beziehungen so nutzt, um die gesetzten Ziele zu erreichen.16 Nach Schumpeter soll das Innovationsmanagement der Gestaltung des Innovationssystems dienen und damit auch der institutionellen Einbindung in die Organisation, nicht nur der Gestaltung der einzelnen Innovationsprozesse.17 Es scheint sinnvoll eine Abgrenzung des Innovationsmanagement zum F&E Management aufzuzeigen, da Forschungs- und Entwicklungsprozesse meistens dazu dienen, Innovationen hervorzubringen. Forschungs- und Entwicklungsprozesse prägen einen starken naturwissenschaftlich-technischen Prozesse. Wogegen beim Innovationsmanagement auch organisatorische, institutionelle und speziell auch soziale Aufgaben am Markt und im Unternehmen die Arbeit prägen.18

2.1.3 Innovationskultur

Um Innovationen umzusetzen ist es für ein Unternehmen nicht nur wichtig die richtigen Manager und Angestellten, sowie Abteilungen zu haben. Es ist darüber hinaus wichtig das auch eine kreativitätsförderliche Innovationskultur entsteht. Dabei ist die Innovationskultur als ein Teil der Unternehmenskultur anzusehen. Diese bestimmt die Beziehungen und das Handeln der Mitarbeiter nach innen und nach außen. Sie soll die Werte, Normen und Denkhaltungen kollektiv widerspiegeln. Die Innovationskultur soll dabei als eine Art Querschnittskultur helfen, um Normen und Werte durch alle Prozessbeteiligten zu tragen.19

„Unter der Innovationskultur werden alle in einem Unternehmen wirksamen Werte, Normen und Einstellungen verstanden, die das Denken, die Entscheidungen und das Verhalten der Führungskräfte und der Mitarbeiter in Bezug auf den Umgang mit Neuerungen prägen.“ 20

Dabei wird die Innovationskultur von drei Dimensionen bestimmt:

- Der Innovationsfähigkeit
- Der Innovationsbereitschaft
- Der Innovationsmöglichkeit

Dabei beeinflussen die drei Dimensionen sich gegenseitig. Änderung in der einen Dimension bewirken auch Veränderungen in den anderen beiden. Daher sollte beim Aufbau einer Innovationskultur auf die Rahmenbedingung der Dimension geachtet werden.21

Eine Studie aus dem Jahr 2011, in der um die 200 Personen aus Vorständen, Geschäftsführungen und relevanten Unternehmensbereichen befragt wurde, bestätigt die Relevanz der Dimensionen. Dabei soll hier die Studie nicht genauer beobachtet werden. Im Abschnitt 6 werden die Ergebnisse der Studie genutzt, um Unternehmensanforderungen für erfolgreiche Innovationstätigkeiten genauer zu beschreiben.

2.2 Der Innovationsprozess in Unternehmen

Viele Unternehmen verfolgen die Zielsetzung, durch das erfolgreiche Hervorbringen von innovativen Produkten und Dienstleistungen ihre Wettbewerbsposition nachhaltig verbessern zu können. Bei einer solchen Innovationsstrategie handelt es sich um eine abnehmergerichtete Marketingstrategie, die damit eine Möglichkeit zur Marktbearbeitung gegenüber den Abnehmern bietet, um komparative Vorteile gegenüber den Wettbewerbern zu erzielen.22 Durch diese strategische Ausrichtung versuchen Unternehmen demzufolge, bei den Konsumenten eine Kaufpräferenz gegenüber den eigenen Produkten zu generieren.

Bevor spezifische Innovationsstrategien wie Closed Innovation oder Open Innovation erläutert werden, erscheint es sinnvoll, zunächst den allgemeinen Innovationsprozess in Unternehmen vorzustellen. Dieser Innovationsprozess ist in Abbildung 1 illustriert. Es ist zu beachten, dass eine solche stark vereinfachte sequenzielle Darstellung des Innovationsprozesses die Realität nur unvollständig abbilden kann, da beispielsweise einige Prozessabläufe parallel ablaufen.23 Dennoch ist die Abbildung 1 dazu geeignet, einen Überblick über die grundlegenden Zusammenhänge der im Innovationsprozess relevanten Elemente zu geben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Innovationsprozess in Unternehmen; Quelle: Eigene Darstellung nach Gerpott (2013), S. 49.

Wie in der Abbildung zu erkennen ist, wird der Innovationsprozess durch die verschiedenen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten (F&E-Aktivitäten) initiiert. Gelingt es dem Unternehmen, hier neues Wissen zu generieren und nutzbar zu machen, kann erfolgreich eine neue Technologie bzw. eine Invention entwickelt werden. Der nächste Schritt im Innovationsprozess beinhaltet anschließend die Markteinführung dieser Invention. Hier müssen verschiedene Aktivitäten wie zum Beispiel die Beschaffung von Produktionsmitteln oder die Entwicklung von Marketing- und Vertriebskonzepten umgesetzt werden.24 Erst nachdem eine solche Markteinführung erfolgt ist, spricht man in einem engeren Sinne von einer Innovation, sodass der Bereich Forschung und Entwicklung als eine von der Innovation getrennte Aktivität zu bewerten ist.25 Wie bereits erwähnt lassen sich drei Arten Innovation beschreiben. Nach Hall und Mohnen (2013) lässt eine weitere vierte Form von Innovation differenzieren.26 Hall und Mohnen unterscheiden unter einer Produktinnovation, die sie als eine Einführung eines Produkts oder einer Dienstleistung mit neuen oder wesentlich verbesserten Eigenschaften bzw. Anwendungsbereichen verstehen. Eine Prozessinnovation verstehen sie hingegen als neue oder wesentlich verbesserte Produktions- oder Liefermethoden. Eine Organisationsinnovation beinhaltet wiederum organisatorische Neuerungen wie beispielsweise Managementinnovationen oder Neuerungen am Arbeitsplatz. Die letzte Innovationsart ist die Marketinginnovation. Diese beschreibt die Einführung neuer Marketingmethoden und kann sich zum Beispiel auf das Verpackungsdesign oder Werbung beziehen.

Die Entwicklung und anschließende Einführung solcher Innovationen schließt den Innovationsprozess allerdings noch nicht ab. So müssen sich diese Innovationen auch am Markt durchsetzen, um Profite erwirtschaften zu können, was die erfolgreiche Umsetzung eines Diffusionsprozesses voraussetzt, um die Erfindung zu verbreiten.27 In diesem Zusammenhang ist auch die Innovationsadoption relevant, also der Prozess der Annahme des innovativen Produkts bzw. der Dienstleistung durch die Konsumenten.28

Aus der Betrachtung des gesamten Innovationsprozesses geht hervor, dass neben den direkten Investitionen für Forschung und Entwicklungen auch die Umsetzung der weiteren Phasen zu finanzieren ist. Beispielsweise müssen zur Markterschließung Investitionen für Produktion und Marketing getätigt werden.29 Ebenso sind Mitarbeiterfortbildungen, Marktforschungen oder Kosten für die Patentierung bei der Finanzierung des Innovationsprozesses einzubeziehen.30 Obwohl sich die Gewichtung der einzelnen Faktoren je nach Industrie und Innovationsart unterscheidet, ist der Bereich der Forschung und Entwicklung der wichtigste Investitionsbereich mit einem Ausgabenanteil von typischerweise über 50 % im gesamten Innovationsprozess.31

2.3 Geschlossene Innovationsprozesse: Closed Innovation

Eine Möglichkeit zur Gestaltung des Innovationsprozesses besteht in der Realisierung eines geschlossenen Innovationsprozesses, der sogenannten Closed Innovation. Eine Closed Innovation ist dabei im Kern dadurch gekennzeichnet, dass die Innovationsaktivitäten innerhalb eines Unternehmens vollzogen werden.32 Statt einem Einbezug externer Akteure findet somit eine Konzentration auf interne Forschungs- und Entwicklungs-Prozesse statt.33 Ein Unternehmen entwickelt und vermarktet demzufolge seine eigenen Ideen, weil der Vorstellung gefolgt wird, dass für das erfolgreiche Hervorbringen von Innovationen Steuerung und Kontrolle notwendig sind.34 Der Innovationsprozess wird also konsequent unternehmensintern realisiert. Hierbei werden intern Ideen gesammelt und während der Forschungsaktivitäten gefiltert, woraufhin erfolgsversprechende Ideen weiterentwickelt und auf dem Markt eingeführt werden.35

Zentral für die Closed Innovation ist somit der interne Ideenpool, der nicht mit anderen Akteuren geteilt bzw. ausgetauscht wird, sowie die Steuerung der F&E-Aktivitäten innerhalb der Unternehmensgrenzen.36 Durch das Ausschließen externer Akteure kann das Unternehmen so die Exklusivität der entwickelten Innovation gewährleisten, da etwa ein Informationsabfluss zu Wettbewerbern unterbunden wird. So werden das eigene Wissen und die eigenen Ideen streng vertraulich behandelt und geschützt.37 Dadurch kann das Unternehmen bei einem erfolgreichen Abschluss des Innovationsprozesses erweiterte ökonomische Potenziale realisieren. Gleichzeitig ist es für den Innovationsprozess damit entscheidend, entsprechende Ideen innerhalb des Unternehmens generieren zu können. Um Ideen für Innovationen zu entwickeln stehen Unternehmen dabei grundsätzlich viele verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Als unternehmensinterne Quelle kommen beispielsweise das betriebliche Vorschlagswesen, Sekundärinformationen (z.B. dokumentierte Reklamationen), Mitarbeiter aus dem Bereich der Forschung und Entwicklung oder Mitarbeiter mit einem häufigen Kundenkontakt (z. B. im Callcenter) infrage.38

3 Grundlagen von Open Innovation

Durch die wachsende Dynamik in der globalen Wirtschaft, in der Faktoren wie der Wissens- und Technologieaustausch von immer größerer Bedeutung sind, findet ein zunehmender Abgang des Konzepts der Closed Innovation statt. Viel mehr wird eine dynamische Innovationsfähigkeit gesucht, die einem Unternehmen die Fähigkeit verleiht, sich an ständig änderte Geschäftsumgebungen anzupassen. Diese Faktoren bedingen die Abkehr von traditionellen geschlossenen Innovationmodellen, die sich auf interne Forschung und Entwicklung stützt, hin zu offeneren Innovationsmodellen. Welche auf das Prinzip der strukturierten Interaktion von externen Partnern in einem Ökosystem setzt, um gemeinsam ein innovatives Produkt, Dienstleistung oder eine technologische Lösung zu entwickeln und einen passenden Markt zu finden.39 Daher soll dieses Konzept im folgenden Kapitel näher erläutert werden.

3.1 Überblick über Open Innovation

3.1.1 Ursprung und Definition

Der Begriff der Open Innovation wurde maßgeblich durch Henry W. Chesbrough geprägt. Dieser beschreibt Open Innovation als ein offenes Innovationskonzept, in dem der Innovationsprozess durch einen Austausch zwischen dem Unternehmen und der externen Unternehmensumwelt stattfindet, wie in Abbildung 2 grafisch dargestellt.40 Hierbei wird der Innovationsprozess geöffnet, um unter Nutzung externer Ressourcen neue Ideen zu generieren und weiterzuentwickeln.41 Diesem Ansatz liegt somit die Idee zugrunde, dass für eine erfolgreiche Entwicklung von Innovationen sowohl unternehmensinterne als auch unternehmensexterne Quellen für relevantes Wissen entscheidend sind.42 So ist aufgrund eines steigenden Wettbewerbsdrucks bezüglich der Innovationsaktivitäten eine Nutzung von Netzwerken profitabler und erfolgsversprechender, da sich hieraus etwa Vorteile in Bezug auf die Faktoren Zeit, Kosten und Qualität ergeben.43 Damit grenzt sich dieses Konzept klar von den Vorstellungen der Closed Innovation ab, in der eine reine Konzentration auf unternehmensinterne Quellen stattfindet.

[...]


1 Vgl. Warnecke / Bullinger 2003; S. 1; Gassmann / Enkel 2006, S. 132; Wentz 2008, S. 5

2 Vgl. Lüthje, C.: 2007, S.41

3 Vgl. Reichwald, R./Piller, F.: Open Innovation, 2006, S. 107

4 Vgl. https://www.wiwo.de/unternehmen/innovationsmanagement-wie-kunden-unternehmen-beim-erfinden-helfen-seite-3/5311398-3.html (20.01.2021)

5 Vgl. Reichwald, R.; Piller, F. 2009, S. 119

6 Vgl. Leopold, J., 2015, S. 13

7 vgl. Vahs / Burmeister 2002, S. 44

8 Vgl. Leopold, J., 2015, S. 13

9 Vgl. Vahs / Burmeister 2002, S. 44

10 Vgl. Brockhoff, K., 1999, S. 37

11 Vgl. Vahs / Schäfer-Kunz 2007, S. 421

12 Vgl. Reichwald, R.; Piller, F. 2009, S. 120

13 vgl. Zerfaß / Möslein 2009, S. 8

14 Vgl. Reichwald, R./ Piller, F. 2009, S. 120

15 Vgl. Gassmann/Sutter 2011, S. 4f

16 Vgl. Hauschildt, J./Salomo, S., 2016, S.67

17 Vgl. Hauschildt, J./Salomo, S., 2016, S.67

18 Vgl. Hauschildt, J./Salomo, S., 2016, S.68

19 Vgl. https://www.lead-innovation.com/blog/was-ist-innovationskultur (05.01.2021)

20 Vgl. Vahs / Schäfer-Kunz 2007, S. 456

21 Vgl. https://www.lead-innovation.com/blog/was-ist-innovationskultur (05.01.2021)

22 Vgl. Meffert, H.; Burmann, C.; Kirchgeorg, M.; Eisenbeiß, M., 2019, S. 327-328.

23 Vgl. Brockhoff, K., 1999, S. 43-44.

24 Vgl. Gerpott, T. J., 2013, S. 49.

25 Vgl. Brockhoff, K., 1999, S. 37-38.

26 Vgl. Hall, B. H./Mohnen, P., 2013, S. 48.

27 Vgl. Brockhoff, K., 1999, S. 37.

28 Vgl. Gerpott, T. J., 2013, S. 49-50.

29 Vgl. Brockhoff, K., 1999, S. 37.

30 Vgl. Hall, B. H.; Mohnen, P., 2013, S. 48.

31 Vgl. Hall, B. H., 2009, S. 9.

32 Vgl. Chesbrough, H. W., 2003, S. 30.

33 Vgl. Lazarenko, Y., 2019, S. 90.

34 Vgl. Faber, M. J., 2008, S. 22.

35 Vgl. Faber, M. J., 2008, S. 22.

36 Vgl. Faber, M. J., 2008, S. 22-23.

37 Vgl. Hanisch, D.; Grau, R., 2020, S. 11.

38 Vgl. Froböse, M.; Thurm, M., 2016, S. 97.

39 Vgl. Lazarenko, Y., 2019, S. 90.

40 Vgl. Chesbrough, H. W., 2003, S. 43.

41 Vgl. Hanisch, D.; Grau, R., 2020, S. 15.

42 Vgl. Faber, M. J., 2008, S. 25.

43 Vgl. Faber, M. J., 2008, S. 25.

Ende der Leseprobe aus 45 Seiten

Details

Titel
Open Innovation. Die Rolle des Kunden im Innovationsprozess
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie und Management gemeinnützige GmbH, Hochschulstudienzentrum Hamburg
Note
2,5
Autor
Jahr
2021
Seiten
45
Katalognummer
V1010155
ISBN (eBook)
9783346403148
ISBN (Buch)
9783346403155
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Innovationsprozess Open Innovation Kunde
Arbeit zitieren
Peter John (Autor:in), 2021, Open Innovation. Die Rolle des Kunden im Innovationsprozess, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1010155

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