Heimat und Musik. Heimatvermittlung am Beispiel aktueller rechtspopulistischer Musik

"Skandal – ich liebe mein Land – Skandal – und sprech es auch noch aus!"


Hausarbeit, 2020

11 Seiten, Note: 2,3

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Was ist Heimat?

3. Heimat in der Musik

4. Heimat beispielhaft in rechtspopulistischer Musik

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Jeder Mensch verbindet mit dem Begriff Heimat etwas Individuelles. Ist Heimat ein Ort, die Herkunft oder doch etwas anderes? Diese einleitende Frage verdeutlicht, dass der Begriff Heimat nicht so eindeutig definierbar ist, wie dieser vielleicht zunächst erscheint. Deshalb gilt es in dieser Ausarbeitung zunächst diesen komplexen Begriff genauer zu definieren.

Auch Musik hat für jeden Menschen eine individuelle Bedeutung. Deswegen ist für die meisten Menschen ein Leben ohne Musik unvorstellbar. MusikliebhaberInnen fühlen vieles, wenn sie Musik hören. Doch kann ein Song mit seinem Text auch ein Gefühl von Heimat vermitteln? Auch diese Frage steht im Fokus dieser Ausarbeitung.

Es gibt viele populäre Songs, die den Heimatbegriff aufgreifen. Dazu gehören Musikstücke wie „Take Me Home, Country Roads" von John Denver, „Westerland" von Die Ärzte oder Ralph McTells „Streets of London". Diese Ausarbeitung legt den Fokus der Analyse jedoch auf ein bestimmtes Musikgenre: Rechtspopulistische Musik. Die Musik wird seit Jahrzenten von rechtsextremen Menschen genutzt, um für ihre Angelegenheiten zu werben. Auch noch heutzutage ist Musik mit rechtspopulistischen Inhalten präsent. Mit Ihrer Musik preisen die Künstlerinnen ihre Heimatliebe und ihre Verbundenheit zu ihrem Vaterland an (vgl. Stockschläger 2015).

Welche Bedeutung noch hinter der Musik steckt, versucht diese Ausarbeitung zu verdeutlichen. Was möchten SängerIn und KomponistIn mit ihren Werken ausdrücken? Dafür wird der Blick insbesondere auf die Lyrics gerichtet und versucht, Zusammenhänge der Liedtexte zu dem Begriff „Heimat" aufzuzeigen. Es wird demnach versucht zu überprüfen, inwiefern die Vermittlung aus bekannter Musik mit wissenschaftlichen Hintergründen zu den Bedeutungen des Begriffes Heimat übereinstimmt.

Abgeschlossen wird die Hausarbeit im Fazit mit einer kurzen Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse.

2. Was ist Heimat?

Der Begriff Heimat enthält das germanische Wort „heim". Das bedeutet übersetzt in etwa „Haus" oder „Dorf", womit oftmals der Ort gemeint war, an dem Menschen zu Hause waren (vgl. Toyka-Seid 2020).

Je nach Bereich kann der Begriff Heimat differenziert betrachtet werden. Aufgrund der politischen Fokussierung dieser Ausarbeitung erfolgt nachfolgend die Begriffsdefinition von Heimat aus politischer Sicht. Maßgebliche Bedeutung in der Politik erhielt der Heimatbegriff im 19. Jahrhundert, als dieser und sein Wert mehr thematisiert wurde. In diesem Jahrhundert trat der Heimatbegriff immer mehr ins Bewusstsein der Menschheit. Verstärkt wurde dessen politische Bedeutung in Zusammenhang mit den Begriffen „Volk" und „Nation". Die Begriffe „Volk", „Nation" und „Heimat" etablierten sich als zentrale politische Begriffe im 19. Jahrhundert, als das deutsche Volkstum die Politik mitbestimmt hat (vgl. Bastian 1995, S. 120 f.). Dadurch haben sich die Begriffe so verfestigt, dass Heimat bis heute in Zusammenhang mit Nation und Volk steht. Aufgrund dieser Verknüpfungen wird Heimat definiert als eine „subjektiv von einzelnen Menschen oder kollektiv von Gruppen, Stämmen, Völkern, Nationen erlebte territoriale Einheit" (ebd., S. 121). Durch die Projizierung des vorwiegend unpolitischen Ausdrucks Heimat auf zentrale politische Begriffe wie „Volk", „Nation" und „Staat" erhält „Heimat" eine politische Funktion und wird mit entsprechenden politischen Inhalten gefüllt (vgl. ebd.). Das Gefühl von Heimat soll die Menschen - das Volk - emotional an ihr „Vaterland" binden (vgl. Thiemeyer 2018, S. 75).

Zu Zeiten des Nationalsozialismus wurde der Begriff Heimat auf das eigene, unverwechselbare und - im Vergleich zu anderen - bessere Volk bezogen. Zu diesem eigenen Volk gehörte schließlich auch die Heimat, die somit alle Menschen ausschließ, die nicht deutsch waren (vgl. Toyka-Seid 2020). Um derartig rassistische Ausgrenzungen zu verhindern, steht seit Ende des 20. Jahrhunderts im Grundgesetz niedergeschrieben, dass niemand wegen seiner Heimat benachteiligt werden darf (vgl. Art. 3 GG).

Heutzutage wird der Begriff „Heimat" in der Politik häufig mit gemeinsamen Werten gleichgesetzt, die die Menschen verbindet. Die Gleichbehandlung spielt dabei eine entscheidende Rolle. Deutschland kann demnach auch eine Heimat für Menschen sein, die woanders geboren wurden (vgl. Toyka-Seid 2020).

3. Heimat in der Musik

Heimat ist kein musikalisches Phänomen. Doch Heimat kann für die Musik ein Anlass oder Hintergrund sowie eine Absicht bzw. ein Ziel sein, bestimmte Bedeutungsfelder zu schaffen (vgl. Chizzali/Wiesenfeldt 2016, S. 171). Der Heimatbegriff findet sich in nahezu allen Musikgenres wieder, wie Eckhart Höfig feststellt. Sowohl im Schlager, Rap, Deutschrock, Country Music wie auch im Techno wird der Begriff Heimat aufgegriffen und individuell betrachtet. Diese Bedeutung reicht von dem Bedürfnis nach Eingebundenheit in eine vertraute Umgebung bis zum aggressiven Nationalbewusstsein und antiräumlichen Vorstellungen (vgl. ebd., S. 177). Insbesondere die hier herangezogene rechte Musik hat eine entscheidende Tragfähigkeit. Wird Heimat als eine ganzheitliche Kategorie mit nicht nur einem physikalischen Ort, sondern auch mit menschlichen Handlungen, Emotionen und Erinnerungen betrachtet, hat Musik einen wichtigen Anteil an dem Aufbau eines Heimatsgefühls. Heimat erhält nicht nur die Zuordnung zu einem Ort, sondern wird ein Bedeutungsträger für die Gefühle der Menschen (vgl. ebd., S. 182 ff.). Beispielsweise kann das Hören rechtspopulistischer Musik für Jugendliche der erste Schritt in die Neonazi-Szene sein. Mithilfe der Vermittlung von Gemeinschaft, Stärke und Ideologie schafft es die rechte Musik, ein Bedürfnis nach Zugehörigkeit bei den jungen Menschen zu schaffen. Der Begriff Heimat stärkt hierbei das Gefühl von Gemeinschaft und Zugehörigkeit zu einer Nation. Dabei kann die Jugendkultur durch Musik leichter erreicht werden als beispielsweise über Demonstrationen oder Plakate. Somit richtet sich die rechte Szene mit angesagten Musikstilen eindeutig an die deutsche Jugend (vgl. Kampmann 2016) (mehr dazu in Kapitel 4).

Laut der Heimat-Studie von Korfkamp (2006) spielen vor allem zwei Aspekte für die Verbindung von Heimatgefühl und Musik eine Rolle. Zum einen sind soziale Faktoren wie beispielsweise die räumlichen Gegebenheiten nötig, in denen musikalische Teilhabe stattfindet. Damit sind vor allem musikalische Rituale und Institutionen gemeint, in denen die soziale Gemeinschaft als heimatlich verinnerlicht wird. In diesem Zusammenkommen erkennen sich die Menschen als gleich an und mit ihrer Musik und den Werten verbunden, wodurch ein Gefühl von Zusammenhalt und Heimatverbundenheit entsteht. Zum anderen sind akustische Faktoren für die Entstehung einer heimatlichen Darstellung in der Musik grundlegend. Musik trägt dazu bei, Assoziationen zu verorteten Erfahrungen zu schaffen, die bereits seit Generationen gereift sein können. Beide Faktoren - die sozialen und die akustischen - sind subjektiv und individuell prägbar und heimaträumlich gebunden (vgl. Chizzali/Wiesenfeldt 2016, S. 189). Anhand des folgenden Beispiels aus der bereits erwähnten Studie von 2006 wird dieses Zusammenspiel nochmals deutlich:

„Im in der Kindheit erlebten Kirchgang und seinen glockenbegleiteten Ritualen (etwa des Ein- und Ausgangs oder des Abendmahls) sowie des akustischen Signets der jeweiligen Glocke setzt eine musikalische Verortung ein, ein heimaträumliches Empfinden, das auch rückblickend als Erinnerungsort und -speicher fungieren kann. Erst die Kombination aus sozialen und akustischen Faktoren, erst aus dem Zusammenhang der musikbezogenen Handlungen und Hörerfahrungen kann sich eine an den Ort dieses Zusammenhangs gebundene Verräumlichung von Erfahrung realisieren" (ebd., S. 189 f.).

Verstärkt werden die Heimatgefühle in der Musik durch ästhetische musikalische Faktoren. Dazu gehören beispielsweise Instrumente und Gattungen, die vom Menschen der Heimat zugeordnet werden. Auch Textinhalte und Themen in der Musik können die Empfindungen stärken, wenn diese in der heimatbezogenen Musik öfters als in anderer Musik Verwendung finden. Die Sprache - insbesondere Dialekte und Akzente - zählen ebenfalls zu den akustischen Faktoren, welche heimatliches Musizieren bekräftigen (vgl. ebd. S. 190).

Diese herangezogenen Aspekte auf Grundlage einer Studie verdeutlichen, dass Musik durchaus das Gefühl von Heimat vermitteln kann.

4. Heimat beispielhaft in rechtspopulistischer Musik

Dieses Kapitel versucht, die Vorstellungen von Heimat in rechtpopulistischen Songs zu deuten. Laut Expertise gibt es ungefähr 400 Bands und MusikerInnen, die der rechten Szene zugeordnet werden können. Dabei existieren über 1200 verschiedene Veröffentlichungen in noch viel höheren Auflagen und die Tendenz ist steigend (vgl. Kampmann 2016).

Aktuelle rechtspopulistische Musik richtet sich insbesondere auf klassische heimatliche Vorstellungen und Werte. Dabei wird das Motiv „Heimat" stellvertretend für nationale Intentionen und zum Wohle des Volks gebraucht. Zuletzt bekräftigt wurde die rechte Szene mit ihrer Musik durch die Flüchtlingsdebatten in Europa. Jedoch sind die KünstlerInnen inzwischen darauf bedacht, ihr Denken nicht allzu offensichtlich auszudrücken, um mögliche verfassungsschutzrechtliche Indizierungen zu umgehen. Stattdessen wird in den Lyrics bewusst auf Ausdrücke wie „Heimatverbundenheit" und „nationale Sehnsucht" gesetzt, die harmlos zu den im Gegensatz synonym genutzten Äußerungen wie beispielsweise „Fremdenhass" wirken. Somit können die Musikstücke nicht als jugendgefährdend eingestuft werden und stehen somit allen MusikhörerInnen zur Verfügung (vgl. Chizzali/Wiesenfeldt 2016, S. 194).

Für die folgende Untersuchung - wie Heimat in rechtspopulistischer Musik vermittelt wird - werden folgende zwei Songs herangezogen, die zu der rechten Musik gezählt werden können:

- „Wahre Werte" von Frei.Wild (2010)
- „Skandal 2.0" von Dee Ex (2011)

Beispiel „Wahre Werte“

Die Songtexte der Südtiroler Band Frei.Wild sind oftmals geprägt von der Angst, die eigene Heimat zu verlieren. Die Band stützt sich in vielen ihrer Songs auf den Heimatbegriff. So auch in dem aussagekräftigen Song „Wahre Werte" aus dem Jahr 2010:

„Wann hört ihr auf, eure Heimat zu hassen - Wenn ihr euch ihrer schämt, dann könnt ihr sie doch verlassen!“ Die Sorge vor einer Überfremdung ist hier deutlich lesbar: „Heimat heißt Volk, Tradition und Sprache / Für uns Minderheiten eine Herzenssache / Das, was ich meine und jetzt werft ruhig Steine / Wir sind von keinem Menschen die Feinde / Doch wir sind verpflichtet, dies zu bewahren / Unser Tirol gibts seit 1200 Jahren“ (ebd., S. 198)

In diesem Textbeispiel beruft sich die Band auf Begriffe wie Volk und Tradition, die - wie bereits in der Begriffsbestimmung aufgeführt - die Heimat politisch kennzeichnet. Die Band bewirkt mit ihren Texten ein Gefühl von Heimat, welches die Menschen zu bewahren haben. Sie fordern dazu auf ihre Heimat zu schützen. Wie zuvor im Kapitel 3 erwähnt, wird dabei nicht explizit von Fremdenhass gesprochen; stattdessen wird dieser lediglich unterschwellig dargestellt.

Obwohl sich die Band zwischenzeitlich deutlich von nationalistischen Tendenzen distanziert hatte, versucht sie mit vielerlei Argumentationen ihren Fans weiterhin nahe zu sein. Zu den Fans zählen in großer Bandbreite auch AnhängerInen und Mitglieder der AfD (Alternative für Deutschland), weswegen Frei.Wild vorwiegend aus diesem Kreis zunächst für ihre Leugnung der nationalistischen Tendenzen attackiert wurden. Diese Tatsache verdeutlich, dass es für KünstlerInnen und Bands, welche identitätsbildend mit nationalistischem Heimatverstehen auftreten, schwierig ist, diesen Raum nachträglich zu verlassen (vgl. ebd., S. 198 f.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Heimat und Musik. Heimatvermittlung am Beispiel aktueller rechtspopulistischer Musik
Untertitel
"Skandal – ich liebe mein Land – Skandal – und sprech es auch noch aus!"
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)
Note
2,3
Jahr
2020
Seiten
11
Katalognummer
V1010257
ISBN (eBook)
9783346401076
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rechtspopulistisch, Skandal, Zuause, Heimat, Musik, Identität
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Heimat und Musik. Heimatvermittlung am Beispiel aktueller rechtspopulistischer Musik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1010257

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