Das Verhältnis von Bildung und Demokratie und die Vermittlung demokratischer Werte in der Schule


Hausarbeit, 2020

11 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Verhältnis von Regierungs- und Erziehungsform nach Montesquieu

3. Tanners pädagogisches Konzept demokratischer Bildung

4. Demokratie als Lebensform nach Dewey
4.1 Weitere Forderungen an eine Vermittlung demokratischer Bildung

5. Fazit, Ausblick

Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Demokratie bezeichnet eine historische Errungenschaft, deren Erhalt und Entwicklung - als Lebensform, als Gesellschaftsform und als Regierungsform - sich nicht von selbst ergibt, sondern von dem Wissen, den Überzeugungen und der Bildung aller abhängt“ (Edelstein & Fauser 2001, 18).“

Das politische System in Deutschland wird in den demokratietheoretischen Zusammenhang eingeordnet (vgl. Hahn-Laudenberg 2017, 23). Hier können Bürgerinnen (je nach Wahl) ab einem Alter von 16 Jahren Wählen. Es werden von kommunaler bis zu bundesweiter Ebene Entscheidung getroffen bei denen die Bürgerinnen ihre Gesellschaft mit gestalten können. In Folge der Modernisierung geht von Seiten der Jugendlichen eine Distanzierung von der Politik aus, was einen politisch-gesellschaftlichen Verlust für die Zukunft unserer Demokratie bedeuten könnte (vgl. Edelstein & Fauser 2001, 18). Viele Theoretikerinnen stellen die Behauptung auf, Demokratie müsse erlernt werden (vgl. ebd., 18; Seifert & Nagy 2014), und fordern die Institution Schule auf, einen Beitrag zu einer demokratischen Erziehung und zu politischem Engagement zu leisten (vgl. Edelstein & Fauser 2001, 7). In dieser Arbeit soll sowohl die Verbindung zwischen der Staats- & Regierungsform Demokratie und Bildung aufgezeigt, als auch im speziellen pädagogische Konzepte verschiedener Vertreterinnen zur Vermittlung demokratischer Werte in der Schule herausgearbeitet werden. Dazu werden zuerst die Theorien von Montesquieu und Tanner zum Verhältnis von Demokratie und Bildung aufgeführt. Im weiteren Verlauf wird das Demokratieverständnis des amerikanischen Philosophen und Pädagogen John Dewey kurz vorgestellt. Dieser verbindet im Unterschied zu anderen Theoretikerinnen den Demokratiebegriff mit dem Begriff der Erziehung. Dabei stellt sich die Frage, inwieweit Demokratie mit Erziehung und Bildung in Institutionen vereinbar und praktisch umzusetzen sind. Schlussendlich soll sowohl zusammengefasst werden, was in einer Bildung in einer Demokratie verankert sein muss, als auch wo es in der Umsetzung einer solchen Bildung heute noch Schwierigkeiten gibt. Darauf gründend soll ein kurzer Ausblick in die Zukunft der demokratischen Bildung geworfen werden. Um den Rahmen dieser Hausarbeit dabei nicht zu überschreiten wird der historische Kontext lediglich in einem kleiner gefassten Rahmen, ab dem 18. Jahrhundert und nur an Hand einzelner Vertreterinnen aufgezeigt.

2. Das Verhältnis von Regierungs- und Erziehungsform nach Montesquieu

Montesquieu (1689-1755) vertritt zu seiner Zeit, Mitte des 18. Jahrhundert, die Auffassung einer engen Verbindung zischen Regierungsform und Erziehungsform (vgl. Binder & Jürgens, 2017. S.7). Seiner Typenlehre nach, stehen verschiedene staatliche Verfassungssysteme in Abhängigkeit zu den Tugenden der Bürgerinnen (vgl. Benner, 2001. S.51). So sind Demokratien nach Montesquieu auf „eine besondere Wertschätzung von Gleichheit und Einfachheit“ der Bürgerinnen angewiesen (vgl. Montesquieu, 1748. S.18f.). Daraus zeigt sich bereits die Verbindung von Demokratie und Bildung. Die demokratische Republik fordert eine demokratische Erziehung (vgl. Binder & Jürgens, 2017. S.7). Durch diese starke Funktionalität der Sicht auf die Bildung und Erziehung der Bürgerinnen in einer Demokratie hatte Montesquieu lange Zeit Schwierigkeiten sich im deutsprachigen Raum durchzusetzen, da im Gegensatz dazu in den pädagogischen Theorien des 18. Und 19. Jahrhunderts vor allem das Individuum im Fokus der Erziehung stand. (ebd.)

3. Tanners pädagogisches Konzept demokratischer Bildung

Konrad Tanner stellt zum Ende des 18. Jahrhunderts das erste pädagogische Konzept demokratischer Bildung, nach Montesquieus Typenlehre auf (vgl. Oel- kers, 2020. S.3). Nach ihm ist für die Demokratie eine bessere Bildung als für jede andere Regierungsform nötig, da das Wohl des Staates von den Bürgerinnen und somit von deren Bildung abhängt. In der Demokratie müssten freie Bürger selber an Regierung Anteil nehmen und könnten nicht einfach regiert werden. (ebd. S.4) In seiner Schrift von 1787 heisst es so, dass der Bürger also „unstreitig mehr Einsicht, mehr Beurteilungskraft, mehr sittliche Denkungsart, mehr aufgeheiterte Vernunft, als jeder aristokratische Landsmann vonnöten hat, der nur zum Gehorsam geboren oder der monarchistische Untertan, welcher von der Vorsehung bestimmt ist, den Befehlen seines unumschränkten Herrn zu gehorchen.“ (Tanner, 1787. S.11). Hier zeigt sich nochmals das von ihm vertretene Verhältnis zwischen Staatsform und Bildung der Bürgerinnen.

4. Demokratie als Lebensform nach John Dewey

Der von 1859 bis 1952 lebende Philosoph und Pädagoge John Dewey stellte für das Verhältnis zwischen Demokratie und Erziehung neue Rahmen auf, in dem er Demokratie, als mehr als nur eine Herrschafts- & Regierungsform sieht, nämlich als Form des Zusammenlebens der gemeinsamen und miteinander geteilten Erfahrungen (Seifert & Nagy 2014. S. 1). In seinem Verhältnis von Demokratie und Erziehung gibt sich die Demokratie der Erziehung hin, da eine auf Wahlrecht beruhende Regierung mit freien Wahlen nicht erfolgreich sein kann, wenn die Wählenden nicht erzogen und gebildet sind (Dewey 2000. S.120). Zentral ist dabei der einzige Mensch und dass dieser lernt die demokratische Gesellschaft durch sein handeln aktiv mitzugestalten (ebd. S.136). Diese Mitgestaltung soll schon früh für die Menschen erfahrbar werden. Deshalb sieht Dewey die Schule, die er als embryonic society bezeichnet, als ersten Kreis einer demokratischen Gesellschaft. Hier soll Demokratie als Lebensform sichtbar und erfahrbar werden. (vgl. Dewey, zit. nach Hahn-Laudenberg 2017. S.30) Im Speziellen ergeben sich aus Deweys Demokratie Begriff bestimmte Forderungen für den Unterricht, die aus Schüler*innen reife und kritisch denkende Bürgerinnen für eine demokratische Gesellschaft machen sollen. Hier sieht Dewey handlungsorientiertes, selbstbestimmte Lernen, eine von Gleichheit geprägte Schülerinnen und Lehrerinnen Beziehungen. Das gemeinsame Lösen von Problemen und das maßgebende aber nicht autoritäre Handeln von Lehrerinnen. (zit. nach Osterwalder 2011. S. 211)

Weitere Forderungen an eine Vermittlung demokratischer Bildung

Edelstein, Fauser, Seifert & Nagy haben gestützt auf Deweys Forderungen an den Unterricht weitere Kompetenzen herausgearbeitet, die in der Schule vermittelt werden sollen. Edelstein und Fauser nennen dabei den Erwerb von intelligentem Wissen und kritischem Urteilsvermögen und das Erleben einer fairen Beurteilung (2001. S.71). Seifert & Nagy nennen die Vermittlung von selbständigem Denken und Handeln, ebenso wie Toleranz, Empathie und Solidarität, sowie Verantwortungsübernahme, Gemeinsinn und Kompromissfähigkeit (2014. S.2).

Demokratiekritik und Schwierigkeiten durch die Institution Schule

Osterwalder (2011) kritisiert Deweys Argument der schulischen Gleichheit und Partizipation und argumentiert (vgl. Osterwalder 2011, 211): Es sei bekannt, dass ein Lerneffekt gering ist, wenn dieser gegen den Willen der Schüler*innen angelegt wird. Dementsprechend sollten Schüler*innen von der Bedeutung der Zielsetzung überzeugt und miteinbezogen werden (vgl. Osterwalder 2011, 212). Hier spricht Osterwalder von einer doppelten Grenze: zum einen sollen Schüler*innen im Unterricht Haltungen und Wissen kennen lernen, die in der Gesellschaft für die Aufrechterhaltung der Demokratie als wichtig erachtet werden und zum anderen, dass Kinder noch nicht selbstständig entscheiden können und sie zur „Entscheidungsfähigkeit zu führen“ (ebd., 212) eine wichtige Aufgabe der Demokratischen Erziehung darstellt. Osterwalder (2011) entgegnet der geforderten Gleichheit von Lehrenden und Lernenden und der vollständigen Offenheit der Schule zum gesellschaftlichen Leben mit der Aufforderung, eine klare Unterscheidung zwischen dem demokratischen Leben einer Gesellschaft und der Institution Schule durchzuführen (vgl. Osterwalder 2011, 213). Das begründet er mit der These, dass sich Lernende auf die „Bedeutung und Richtigkeit der vermittelten Inhalte und Verfahren verlassen können“ (ebd., 213). Die Schule gilt als Ort, in der Kinder vorbereitet werden, selbstverantwortlich als Freie Individuen zu funktionieren, indem das Vertrauen von den Lehrenden „aufgebaut, erworben und gerechtfertigt“ (ebd., 213) werde. Insgesamt spricht Osterwalder (2011) den Lehrenden das Charakteristikum autokratisch zu sein nicht zu, sondern meint vielmehr, dass sie selbst durch eine Überprüfung durch eine „immer urteilsfähiger, rationaler, das heißt selbständig urteilend“ (ebd., 214) werdenden Schülerschaft „legitimiert und überprüft“ (f.) werden. Im Bezug zu den herausgearbeiteten Werten und Fähigkeiten, die laut den genannten Vertreterinnen vermittelt werden sollen lassen sich folgende Schwierigkeiten auffinden. Für die Vermittlung freier Selbstbestimmung und Mitgestaltung und auch für das Gleichheitsprinzip ist die Schule als Institution mit vorgegeben Normen und Regeln in gewisser weise ein Widerspruch. Auch das Spannungsverhältnis zwischen den widersprüchlichen Zielen von Konkurrenz und Leistungsbewertung auf der einen und Solidarität und demokratischem Miteinander auf der anderen Seite (vgl. Edelstein & Fauser, 2011. S.6). Noch dazu ist es enorm schwer den grundlegend demokratischen Wert der Gleichheit zu vermitteln, während in den meisten Schulen keine Gleichheit aller, sondern Hierarchie zwischen Lehrenden und Lernenden besteht (vgl. Brückelmann 2000, zit. nach Hahn-Laudenberg 2017. S. 37). Hier zeigt sich die Schwierigkeit beispielsweise Deweys Forderungen nach maßgebenden aber nicht autoritären Lehrkräften umzusetzen.

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Details

Titel
Das Verhältnis von Bildung und Demokratie und die Vermittlung demokratischer Werte in der Schule
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
11
Katalognummer
V1011054
ISBN (eBook)
9783346400109
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bildung, Demokratie, Verhältnis, Vermittlung, demokratische Werte, Schule
Arbeit zitieren
Alina Welke (Autor), 2020, Das Verhältnis von Bildung und Demokratie und die Vermittlung demokratischer Werte in der Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1011054

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