Die Arbeit handelt von der Auseinandersetzung Derridas mit den abendländischen Phänomenen des Phono- und Logozentrismus und der Metaphysik der Präsenz, welche sich beispielhaft in Platons "Phaidros" und dem darin enthaltenen Teuth-Mythos widerspiegeln.
Während die Einleitung insbesondere die gegenwärtigen Ursprünge Derridas Kritik veranschaulicht, soll im Folgenden der Antike-Bezug zu Platons Schriftverständnis im Fokus stehen. Dieses ist durch die Idee der Sprache als Abbild stark im Logo- und Phonozentrismus verhaftet. Die Arbeit untersucht daher den Einfluss der im Phaidros vorkommenden Schriftkritik auf die Dekonstruktion Derridas. Dazu werden vor allem die Werke „Grammatologie“ und „Dissemination“ näher betrachtet, aus denen sich zugleich der Aufbau der Arbeit ableiten lässt. Während die „Grammatologie“ vor allem eine Problematisierung der Verschmelzung der Metaphysik der Präsenz mit dem Logo- und Phonozentrismus ist, kann die „Dissemination“ einerseits als Neuinterpretation der Mimesis und andererseits als Analyse des von Platon verwendeten Begriffs „pharmakon“ verstanden werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
1.1 Der Strukturalismus und das abendländische Schriftverständnis
2. Platons Schriftkritik im literaturtheoretischen Diskurs der Dekonstruktion Derridas
2.1 Platons Schriftverständnis im Phaidros: Der Teuth-Mythos
2.2 Logo- und Phonozentrismus vor dem Hintergrund der Grammatologie Derridas
2.3 Derridas Definition von Schrift als Supplement
3. Der platonische Mimesis-Begriff vor dem Hintergrund der Dissemination Derridas
3.1 Pharmakon, Mimesis und Schrift
4. Schluss
4.1 Die Ironie der platonischen Dialoge
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die kritische Auseinandersetzung Jacques Derridas mit dem abendländischen Schriftverständnis, wobei der Fokus auf der Dekonstruktion der platonischen Schriftkritik liegt. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Derrida Begriffe wie Mimesis und Pharmakon umdeutet, um die Metaphysik der Präsenz und den Logozentrismus als prägende Strukturen der westlichen Philosophie zu hinterfragen.
- Platons Schriftkritik im Phaidros und der Teuth-Mythos
- Derridas Konzept der Dekonstruktion und Schrift als Supplement
- Die Dekonstruktion des Logozentrismus und Phonozentrismus
- Die Neuinterpretation des Mimesis-Begriffs und des Pharmakon
Auszug aus dem Buch
2.3 Derridas Definition von Schrift als Supplement
Derrida definiert das Verhältnis von Rede und Schrift jedoch neu. Dabei geht er davon aus, dass die Rede bereits eine Form der Schrift sein muss. Ausgangspunkt ist die Bedingung der Iterabilität. Laut Derrida funktionieren Zeichen nur, da sie wiederholbar sind und zitiert werden können. Sie müssen folglich von denen gebraucht werden können, die keine Kenntnis von der Bedeutungsintention des Verfassers haben. Rede und Schrift sind sich daher nicht besonders unähnlich, denn „wenn ‹Schrift› Inschrift und vor allem dauerhafte Institutionierung bedeutet (und dies ist der einzige reduzible Kern des Begriffs der Schrift), dann deckt die Schrift im allgemeinen den gesamten Bereich der sprachlichen Zeichen […]. [D]ie Idee der Instutitutionierung selbst – also der Arbitrarität des Zeichens – kann vor der Möglichkeit der Schrift und außerhalb ihres Horizontes nicht gedacht werden.“
Derrida beschreibt dieses Verhältnis von Schrift und Rede daher mit dem Wort „Supplement“. Ein Supplement im ursprünglichen Sinne ist eine Ergänzung, Nachtrag oder Anhang. Das Supplement erfüllt dabei eine wichtige Funktion, es vervollständigt das Unvollständige. Genauso lässt sich auch das Verhältnis von Schrift und Rede nach Derrida erläutern. Wenn die Schrift also existiert, so muss das gesprochene Wort in sich unvollständig sein, ansonsten könne die Schrift nicht als vervollkommnendes Supplement fungieren. Denn „das Supplement supplementiert. […] Es kommt hinzu oder setzt sich unmerklich an-(die)-Stelle-von; wenn es auffüllt, dann so, wie wenn man Leere füllt.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Dieses Kapitel erläutert den Übergang vom strukturalistischen zum poststrukturalistischen Denken und stellt die Relevanz der Dekonstruktion für das Verständnis von Sprache und Schrift dar.
2. Platons Schriftkritik im literaturtheoretischen Diskurs der Dekonstruktion Derridas: Das Kapitel analysiert den Teuth-Mythos in Platons Phaidros und arbeitet Derridas Kritik am Logozentrismus sowie seine Definition von Schrift als Supplement heraus.
3. Der platonische Mimesis-Begriff vor dem Hintergrund der Dissemination Derridas: Hier wird Platons Mimesis-Begriff der Derrida'schen Dissemination gegenübergestellt und die Ambivalenz des Pharmakon-Begriffs untersucht.
4. Schluss: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert über die Ironie platonischer Dialoge sowie die bleibende Bedeutung dieser antiken Themen für die moderne Literaturtheorie.
Schlüsselwörter
Dekonstruktion, Schriftkritik, Platon, Phaidros, Derrida, Logozentrismus, Phonozentrismus, Mimesis, Supplement, Pharmakon, Metaphysik der Präsenz, Grammatologie, Dissemination, Sprachphilosophie, Idealismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die Auseinandersetzung Derridas mit Platons Schriftkritik und dekonstruiert dabei die traditionelle abendländische Bevorzugung des gesprochenen Wortes gegenüber der Schrift.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Zentrale Felder sind die Sprachphilosophie, die antike Philosophie Platons sowie der poststrukturalistische Ansatz von Jacques Derrida, insbesondere seine Konzepte zur Dekonstruktion.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch die Dekonstruktion der platonischen Schriftkritik die metaphysischen Grundlagen westlichen Denkens hinterfragt und neu bewertet werden können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine literaturtheoretische und philosophische Analyse angewandt, die sich methodisch an der Dekonstruktion orientiert, um binäre Oppositionen wie Rede/Schrift kritisch zu hinterfragen.
Was umfasst der Hauptteil?
Der Hauptteil analysiert den Phaidros-Dialog im Licht der Grammatologie und untersucht Begriffe wie Supplement, Mimesis und Pharmakon als zentrale Instrumente der dekonstruktiven Lektüre.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist maßgeblich durch die Begriffe Logozentrismus, Phonozentrismus, Supplement, Mimesis und Pharmakon definiert.
Welche Rolle spielt der Teuth-Mythos für Derridas Theorie?
Der Teuth-Mythos dient Derrida als exemplarisches Sinnbild für die metaphysische Abwertung der Schrift und ist somit ein zentraler Anknüpfungspunkt für seine Kritik am Logozentrismus.
Wie wird das Pharmakon in dieser Arbeit interpretiert?
Das Pharmakon wird als ambivalenter Begriff verstanden, der sowohl Gift als auch Heilmittel bedeutet, und verdeutlicht damit die innere Instabilität und Vieldeutigkeit, die Derrida der Schrift zuschreibt.
- Quote paper
- Svenja Hahn (Author), 2019, Die Bedeutung der Schriftkritik Platons für die Dekonstruktion Derridas, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1011152