Im Rahmen dieser Hausarbeit werden nun Rahmenbedingungen und einschlägige Konzepte vorgestellt, die geeignet sind, den Aspekt der Mehrsprachigkeit in den Grammatikunterricht aufzunehmen. Zunächst wird betrachtet, welche gängigen Konzepte in den allgemeinen Grammatikmethodik vertreten sind (→ Kapitel 2). Anschließend werden Konzepte und Prinzipien vorgestellt, deren Ziel darin besteht, den Aspekt der Mehrsprachigkeit im Zuge des Grammatikunterrichts in heterogenen Lernumgebungen einzubinden (→ Kapitel 3). Zuletzt wird eine exemplarische Unterrichtseinheit skizziert, die die zuvor thematisierten didaktischen und methodischen Grundlagen, sozusagen in die Praxis überführen soll (→ Kapitel 4). Es soll demnach erörtert werden, welche Werkzeuge und Prinzipien pädagogischen Arbeitens hierbei zur Verfügung stehen und wie diese sich in die unterrichtliche Praxis integrieren lassen.
In den Integrationsplänen der Bundesregierung wird bereits seit Jahren gefordert, Mehrsprachigkeit als Bildungschance und nicht als Defizit zu betrachten (Presse- und Informationsamt der Bundesregierung 2007: 39ff.). Mehrsprachigkeit soll demnach aktiv im Schultag als Lernmöglichkeit genutzt und verankert werden (ebd.). Bildungseinrichtungen dienen hier auch als Orte, an denen ein harmonisches mehrsprachiges-multikulturelles Zusammenleben angebahnt und gestärkt werden soll (ebd.).
Die Beherrschung der Sprache ist eine unabdingbare Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Bildungsteilhabe. Bildung ist der Grundpfeiler für die berufliche Qualifikation. Sie ist die Basis, um ein unabhängiges und selbstbestimmtes Leben zu führen. Den Bildungseinrichtungen obliegt als Bildungsträger die Transformation, junge Menschen mit Migrationshintergrund und gegebenenfalls auch Fluchterfahrung erfolgreich in unsere Gesellschaft zu integrieren.
Um dies zu gewährleisten, bedarf es sprachpädagogischer und fächerübergreifender Konzepte, die den Aspekt der Mehrsprachigkeitserziehung in den Mittelpunkt stellen. Die Arbeitsbereiche Deutsch als Zweitsprache sowie Deutsch als Fremdsprache, die diesen o.g. Aspekt aufgreifen, gewinnen immer mehr an Bedeutung und sollten entsprechend auch von EU, Bund, Ländern und Kommunen gefördert werden, um das Miteinander zu fördern und das Entstehen von Parallelgesellschaften zu verhindern.
Inhaltsverzeichnis der Arbeit
1. Einleitung
2. Allgemeine Grammatikmethodik
2.1. Formaler versus funktionaler Grammatikunterricht
2.2. Systematischer versus situationsorientierter Grammatikunterrichts
2.3. Deduktiver versus induktiver Grammatikunterricht
2.4. Die Grammatik-Werkstatt
2.5. Integrativer Grammatikunterricht
3. Ansätze des Deutschunterrichts bei sprachheterogener Schülerschaft
3.1. Kontrastiver Sprachunterricht
3.2. Der Language-Awareness-Ansatz
3.3. Herausforderungen des kontrastiven Sprachunterrichts
3.4. Exemplarische Sachanalyse
4. Umsetzungsmöglichkeit in der Unterrichtspraxis
4.1. Klassenspezifische Lernvoraussetzungen
4.2. Lernziele
4.3. Stellung der Stunde im Rahmen der Unterrichtsreihe
4.4. Didaktische Analyse
4.5. Didaktisch-methodische Begründung
4.6. Geplanter Unterrichtsverlauf
4.7. Differenzierung
4.8. Sozial- und Aktionsformen
5. Schlussbetrachtungen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht, wie Mehrsprachigkeit im Deutschunterricht als Bildungschance genutzt werden kann, indem grammatikalische Strukturen kontrastiv analysiert werden, um die Sprachbewusstheit heterogener Klassenverbände zu fördern.
- Vergleich von Ansätzen allgemeiner Grammatikmethodik (funktional, induktiv, integrativ).
- Analyse des kontrastiven Sprachunterrichts und des Language-Awareness-Ansatzes in sprachheterogenen Gruppen.
- Erstellung einer modellhaften Unterrichtseinheit zur Untersuchung von Aussagesätzen mit komplexen Verbformen.
- Integration von Erstsprachen (Türkisch, Niederländisch) in den Grammatikunterricht zur Förderung der Sprachreflexion.
- Reflexion der didaktisch-methodischen Herausforderungen und Chancen in der Unterrichtspraxis.
Auszug aus dem Buch
3.4.1. Struktur von Aussagesätzen mit einer einfachen finiten Verbform
Die syntaktische Struktur in Aussagesätzen hängt im Deutschen entscheidend von der Verbform ab (vgl. Meibauer 2008: 76).
Einfache finite Verbformen entstehen durch das unmittelbare Flektieren an der jeweiligen Verbform. Durch Flexion wird die konkrete Verbform gekennzeichnet. Das Deutsche weist in diesem Zusammenhang folgende einfachen Verbformen auf (vgl. Meibauer 2007: 197):
• Präsens
• Präteritum
• Konjunktiv I &II
• Partizip I & II
• Imperativ
• Infinitiv I
Handelt es sich nun um eine einfache finite Verbform, so steht vor dem Verb lediglich ein Satzglied – typischerweise handelt es sich hierbei um das Subjekt (vgl. Borjesson 2019: 27). Auf das Verb folgen nun das Objekt und mögliche Adverbiale (ebd.).
Bei einfachen finiten Verbformen ist es jedoch auch möglich, dass das Objekt oder das Adverbial links von der relevanten Verbform stehen.
Demnach lässt sich für das deutsche Sprachsysteme nun konstatieren, dass die gängige Abfolge Subjekt – Verb – Objekt (SVO) zwar der Regelfall ist, andere Satzabfolgen jedoch grundsätzlich auch zulässig sind, solange links von der ausschlaggebenden Verbform lediglich ein Satzglied – Objekt oder Adverbial – steht (vgl. Borjesson 2019: 27).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der demografischen Entwicklung und der Notwendigkeit, Mehrsprachigkeit im Bildungsbereich als Chance statt als Defizit zu begreifen.
2. Allgemeine Grammatikmethodik: Erörterung gängiger Grammatikkonzepte wie formale, funktionale, systematische und induktive Methoden sowie die Vorstellung der Grammatik-Werkstatt.
3. Ansätze des Deutschunterrichts bei sprachheterogener Schülerschaft: Einführung in die kontrastive Sprachdidaktik und den Language-Awareness-Ansatz zur Förderung metasprachlicher Reflexion.
4. Umsetzungsmöglichkeit in der Unterrichtspraxis: Skizzierung einer exemplarischen Unterrichtseinheit zum Vergleich von Satzstrukturen in Aussagesätzen zwischen verschiedenen Sprachen.
5. Schlussbetrachtungen: Fazit zur Notwendigkeit der Integration kontrastiver Sprachbetrachtung im Grammatikunterricht zur Förderung sprachlicher Kompetenzen in pluralistischen Gesellschaften.
Schlüsselwörter
Mehrsprachigkeit, Grammatikunterricht, Kontrastive Sprachdidaktik, Sprachbewusstheit, Language-Awareness-Ansatz, Sprachheterogenität, Satzstrukturen, Aussagesätze, Integrative Grammatik, Deutsch als Zweitsprache, Sprachreflexion, Unterrichtspraxis, Sprachvergleich, Didaktik, Interkulturalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Integration des Aspekts der Mehrsprachigkeit in den Grammatikunterricht, um Lernende in sprachheterogenen Klassen durch kontrastive Sprachbetrachtung zu fördern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die allgemeine Grammatikmethodik, Ansätze zur Sprachförderung bei heterogenen Lerngruppen, der Language-Awareness-Ansatz sowie die praktische Umsetzung von Sprachvergleichen im Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, den Nutzen von Mehrsprachigkeit im Schultag aufzuzeigen und Konzepte zu entwickeln, die Mehrsprachigkeit als didaktische Chance begreifen und aktiv in den Deutschunterricht einbinden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit sprachdidaktischen Ansätzen (u.a. Menzel, Jeuk, Hochstadt) und deren Überführung in eine modellhafte Unterrichtsplanung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erörterung von Grammatikmethoden, eine Analyse von Sprachvergleichs-Ansätzen und die detaillierte Planung einer exemplarischen Unterrichtseinheit zu komplexen Satzstrukturen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Mehrsprachigkeit, Kontrastive Sprachdidaktik, Language-Awareness, Sprachbewusstheit und Integrative Grammatik charakterisiert.
Wie unterscheidet sich der integrative vom situationsorientierten Grammatikunterricht?
Während der situationsorientierte Ansatz auf spontane Sprachsituationen reagiert, erlaubt der integrative Ansatz das künstliche Arrangieren von Situationen durch die Lehrkraft, um gezielt Reflexionsprozesse anzustoßen.
Welche Rolle spielt die Erstsprache der Schüler in der Unterrichtsplanung?
Die Erstsprachen (hier Türkisch und Niederländisch) werden als Lernchance genutzt, indem Schüler ihre Sprachkenntnisse aktiv in den Vergleich zum deutschen Sprachsystem einbringen.
- Quote paper
- Robert Guth (Author), 2021, Mehrsprachigkeit als Chance oder Defizit? Integration in den Grammatikunterricht mittels kontrastiver Sprachbetrachtung (Realschule, Deutsch Klasse 9), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1011542