Die Leitfrage der Arbeit ist, warum sich die Unruhen in London im August 2011 entwickelten bzw. wie diese entstanden sind. Anfangs wird der Ablauf der Riots skizziert und es werden Motive, Ursachen und Hintergründe eruiert. Damit zusammenhängend werden im zweiten Teil Theorien zu kollektiver Gewalt behandelt.
Das Ereignis wird im Großteil der Literatur, welche das Thema behandelt, als "London Riots 2011" bezeichnet. Niemand wusste, warum die Unruhen passierten und in welchen Teilen der Stadt sich die Gewaltakte als nächstes ausbreiteten. Medien und Politiker haben die beteiligten Personen sofort medial dämonisiert und kriminalisiert, ohne die möglichen Ursachen, Hintergründe und Motive dieser Aufstände näher zu beleuchten. Seit dem Ereignis sind nun über fünf Jahre vergangen, zahlreiche WissenschaftlerInnen haben dazu geforscht und diverse Studien wurden durchgeführt. Mit dieser Arbeit soll herausgefunden werden, warum diese Aufstände zustande gekommen sind.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Begriffserklärungen
1.1 Der Begriff „Kollektive Gewalt“
1.2. Der Begriff "Riots"
2. Die Besonderheiten der Ausschreitungen von London
2.1. Ablauf der Unruhen von London im August 2011
3. Motive, Ursachen, Hintergründe der Unruhen in London 2011
4. Theorien zu kollektiver Gewalt
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Hintergründe, Ursachen und Motive der Londoner Unruhen im Jahr 2011, um die Forschungsfrage zu beantworten, warum sich diese spezifischen Ausschreitungen im August 2011 entwickelten. Dabei liegt der Fokus auf der Einordnung des Ereignisses als situative kollektive Gewalt und der Analyse soziologischer sowie kriminologischer Erklärungsmodelle.
- Analyse der Entstehung von situativer kollektiver Gewalt
- Untersuchung der Londoner "Anti-Riots" im August 2011
- Beleuchtung sozialer Ausgrenzung und struktureller Deprivation
- Kritische Betrachtung medialer und politischer Diskurse zur Kriminalisierung
- Einordnung in theoretische Konzepte zur kollektiven Gewalt
Auszug aus dem Buch
3. Motive, Ursachen, Hintergründe der Unruhen in London 2011
Die London School of Economics (LSE) hat in Kooperation mit dem Guardian wenige Monate später eine Studie durchgeführt und 270 Personen, die beteiligt waren befragt, um zu ergründen welche deren Motive waren. Aus den Interviews geht hervor, dass folgende Faktoren eine prägnante Rolle spielen: 85% der Befragten gaben an, dass die Art der Polizeiarbeit ein wichtiger Faktor für deren Wut gewesen sei. Für viele war der Höhepunkt die Erschießung von Mark Duggan in Tottenham. Diese Tat war für die meisten ein Symbol für diese Ungerechtigkeit die sie seit langem spürten. 73% der Befragten gaben an nicht lange vor den Riots von der Polizei im Rahmen der „Stop and Search“ Verfahrensweise durchsucht wurden und sich sie dadurch diskriminiert fühlten (vgl. Lewis et. al [6] 2011: 18f). Ein konsistentes Phänomen in der Studie war, dass ein Großteil der Personen seit langem viel Kummer und Grolll hegte, was in jenem August auf den Straßen zu Tage trat. In der Studie wird dies mit dem Wort „grievances“ beschrieben. Im Kern ging es vielen um das tiefgründige Gefühl der Ungerechtigkeit (vgl. Lewis et al. [6] 2011: 24). Mit dieser Ungerechtigkeit meinten sie zum Beispiel auch, keine Arbeit zu haben und keine Aussicht darauf. Ohne Zweifel geht für die AutorInnen aus der Studie auch hervor, dass die Beteiligten eine Gruppe von Personen waren, die sich von den Möglichkeiten, die andere hatten, ausgeschossen fühlten.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung legt den Grundstein der Untersuchung, indem sie die persönliche Motivation der Autorin und die Forschungsfrage zur Entstehung der Londoner Unruhen 2011 erläutert.
1. Begriffserklärungen: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begrifflichkeiten wie "Kollektive Gewalt" und "Riots", um eine theoretische Basis für die weitere Analyse zu schaffen.
2. Die Besonderheiten der Ausschreitungen von London: Hier wird der Charakter der Unruhen als sogenannte "Anti-Riots" hervorgehoben, die sich durch ihre Dezentralität und Systemlosigkeit von klassischen Unruhen abgrenzen.
2.1. Ablauf der Unruhen von London im August 2011: Dieser Abschnitt rekonstruiert chronologisch die Ereignisse vom Tod Mark Duggans bis zur Ausweitung der Gewalt und dem massiven Polizeieinsatz.
3. Motive, Ursachen, Hintergründe der Unruhen in London 2011: Basierend auf der LSE-Studie werden soziale Ausgrenzung, polizeiliche Repression und wirtschaftliche Deprivation als zentrale Motive identifiziert.
4. Theorien zu kollektiver Gewalt: Dieses Kapitel verknüpft die empirischen Befunde mit soziologischen Theorien über Ghetto-Kultur, strukturelle Gewalt und soziale Mobilisierung.
5. Schluss: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit interdisziplinärer Forschung zur Bewältigung komplexer gesellschaftlicher Probleme wie Marginalisierung und Ungleichheit.
Schlüsselwörter
Londoner Unruhen, 2011, Kollektive Gewalt, Riots, Anti-Riots, Soziale Ausgrenzung, Polizeigewalt, Mark Duggan, Deprivation, Marginalisierung, Situative Gewalt, Soziale Mobilisierung, Ungerechtigkeit, Kriminalisierung, Gesellschaftliche Diskriminierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit befasst sich mit den Hintergründen und Ursachen der Londoner Unruhen im Jahr 2011 und untersucht, warum diese aus einer soziologischen Perspektive heraus entstanden sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf den Konzepten kollektiver Gewalt, den soziökonomischen Lebensbedingungen der Beteiligten, der Rolle der Polizei und der Wirkung von Stigmatisierung in der modernen Stadtgesellschaft.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage lautet: „Warum entwickelten sich die Unruhen von London im August 2011?“
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Auswertung bereits existierender empirischer Studien, insbesondere der Untersuchung der London School of Economics (LSE) und des Guardians.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition zentraler Begriffe, die historische Rekonstruktion der Unruhen, eine Ursachenanalyse basierend auf Interviews und die theoretische Fundierung durch soziologische Fachliteratur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind unter anderem "Anti-Riots", "Kollektive Gewalt", "Grievances", "Marginalisierung" und "Soziale Mobilisierung".
Warum bezeichnet die Autorin die Ereignisse als "Anti-Riots"?
Der Begriff, übernommen von Gareth Millington, dient dazu, die Besonderheit zu verdeutlichen, dass diese Unruhen nicht den klassischen Mustern von Ghetto-Aufständen folgten, sondern dezentral und ohne klare ethnische oder systemische Organisation stattfanden.
Welche Rolle spielte die Polizei bei der Entstehung der Unruhen laut der Arbeit?
Die Erschießung von Mark Duggan durch die Polizei fungierte als auslösender Trigger, während die langjährige Praxis von "Stop and Search"-Kontrollen als struktureller Diskriminierungsfaktor wahrgenommen wurde, der den Groll der Bevölkerung nährte.
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- Isabella Maurer (Author), 2016, Die Unruhen von London 2011. Die Entstehung, Ursachen und Hintergründe von situativer, kollektiver Gewalt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1011632