Investieren mit Exchange Traded Funds (ETFs). Sinnvolle Investments in der Nullzinsphase?


Hausarbeit, 2019

32 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Formelverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Gang der Arbeit

2. Theoretische Grundlagen
2.1 Moderne Portfoliotheorie
2.2 Efficient Market Theorie

3. Merkmale von ETFs
3.1 Kosten des Investments
3.2 Replikationsmethoden
3.3 Steuervorteil von Buy-and-Hold

4. Umsetzung einer Anlagestrategie mit ETFs
4.1 Weltportfolio-Variante 1
4.2 Weltportfolio-Variante 2
4.3 Rebalancing

5. Fazit
5.1 Zielerreichung
5.2 Perspektiven

Anhang

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Berechnung der Kovarianz der Kursverläufe von Allianz und Bayer

Tabelle 2: Die Sinnhaftigkeit von Asset-Klassen-übergreifender Diversifikation: 1996 bis 2016

Tabelle 3: Die langfristige Wertentwicklung einer anfänglichen Einmalanlage von 10.000 Euro in Abhängigkeit von den Anlagekosten

Tabelle 4: Barwertvorteil bei Aktienanlagen durch Buy-and-Hold: Vergleich der Belastung eines aktiven Anlegers und eines passiven Buy-and-Hold-Anlegers

Tabelle 5: Reale (inflationsbereinigte) Renditen der wichtigsten Asset-Klassen im Zeitraum von 1900 bis 2016 (117 Jahre): Global und ausgewählte Länder- jeweils in lokaler Währung

Tabelle 6: Notwendigkeit von Rebalancing

Tabelle 7: Typische Nebenkosten des Investierens bei aktiv gemanagten Fonds und bei ETFs

Formelverzeichnis

Formel 1: Berechnung des Erwartungswerts

Formel 2: Berechnung des Erwartungswerts der Bayer Aktie

Formel 3: Berechnung der Volatilität σ

Formel 4: Berechnung der Kovarianz

Formel 5: Berechnung der Korrelation

Formel 6: Berechnung der Varianz des Portfolios

Formel 7: Berechnung der Volatilität des Gesamtportfolios

Formel 8: Berechnung der Renditechance für das Depot aus Bayer und Allianz Aktien

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

In Folge der letzten großen Finanz- und Wirtschaftskrise mit ihrem Höhepunkt im Jahr 2008 wurde der Leitzins in der Eurozone seit Oktober 2008 dauerhaft gesenkt und beträgt seit März 2016 konstant 0%.1 Der Leitzins in der Eurozone hängt von der Inflationsrate ab. Die Inflation nimmt zu, wenn die im Umlauf befindende Geldmenge das reale Warenangebot übersteigt.2 Die Europäische Zentralbank (EZB) verfolgt das Ziel der Preisniveaustabilität und strebt in diesem Zusammenhang an, die Inflation konstant bei knapp unter 2% zu halten.3 Durch eine höhere Inflation steigen die Preise für Waren, was wiederum den Konsum fördern soll, da das sich im Umlauf befindende Geld an Wert verliert. Steigende Preise beeinflussen das Wirtschaftswachstum, den Beschäftigungsgrad und die Einkommens- und Vermögensverteilung eines Landes positiv.4

Nullzinsen sollen darüber hinaus Unternehmen und Privatpersonen animieren, zu günstigen Konditionen Kredite bei Banken aufzunehmen, um mit dem Geld Investitionen zu tätigen, die wiederum die Wirtschaft ankurbeln.5 Den Banken werden bereits Negativzinsen (Strafzinsen) in Höhe von -0,4% auf Einlagen bei der EZB auferlegt, um auch sie zu motivieren ihr Kapital in Form von Krediten großzügiger der Volkswirtschaft zur Verfügung zu stellen.6

Ein Umschwung in der Zinspolitik der EZB zeichnet sich in der nahen Zukunft nicht ab.7 Die EZB veröffentlichte kürzlich im März diesen Jahres eine Abwärtskorrektur der Wirtschaftsprognosen. Die Notenbank rechnet lediglich mit einem Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone von 1,1%. Auch die Inflationserwartungen für 2019 betragen nur 1,2%, was deutlich unter dem Ziel der 2-Prozent-Marke der EZB liegt.8

1.1 Problemstellung

Die negativen Folgen der Nullzinspolitik bekommen die Sparer zu spüren, die auf Bankeinlagen oder Anleihen negative Realzinsen erhalten. Der Realzins berechnet sich aus dem Nominalzins abzüglich Inflation. Dies bedeutet, dass der nominelle Betrag des Anlegervermögens zwar wächst, sofern der Nominalzins über 0% liegt, das Geld des Sparers aber an Kaufkraft verliert, wenn die Inflationsrate den Nominalzins übersteigt.9 Dies wird von Kritikern der Nullzinspolitik auch als eine schleichende Enteignung der Sparer bezeichnet.10

Auch die Sozialversicherungen und staatliche Fonds, wie Renten- und Krankenkassen, belastet die Nullzinspolitik stark. Diese sind gesetzlich dazu verpflichtet, ihr Geld in konservative Anlageklassen wie Einlagen oder Anleihen zu investieren. Dadurch musste beispielsweise die deutsche Rentenversicherung 2017 einen negativen Vermögensertrag von 49 Millionen Euro ausweisen.11

Dass Nullzinsen kein neues Phänomen sind, welches erst im letzten Jahrzehnt aufgetreten ist, belegt ein Blick auf historische reale Geldmarktzinsen. Betrugen 1973 die nominalen Geldmarktzinsen noch 12% in Deutschland im Jahresdurchschnitt, beliefen sich die realen Geldmarktzinsen aufgrund der damals hohen Inflation auf lediglich 4%. Bei einem unterstellten Steuersatz von 30% betrug die Nachsteuerrendite, vor Kosten, null. Darüber hinaus sind die realen Kalenderjahrrenditen von kurzfristigen Staatsanleihen und Guthabenkonten in Deutschland im Zeitraum von 1959 bis 2016 in etwa jedem dritten Jahr ≤= 0% gewesen.12

1.2 Gang der Arbeit

Vor dem Hintergrund negativer Realzinsen auf Bankguthaben und Anleihen stellt sich die Frage, in welche Anlageklassen Sparer und Investoren ihr Kapital anlegen können, um eine positive Realrendite nach Kosten und Steuern zu erzielen. Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob Vermögensbildung auf lange Sicht gesehen durch das Investieren in Exchange Traded Funds (ETFs), also börsengehandelter Indexfonds, möglich ist und ob sich dadurch dem Anleger die Möglichkeit eröffnet, der Abwärtsspirale von negativen Realzinsen zu entkommen. Ebenfalls soll überprüft werden, ob sich ETFs als Anlageprodukt zur Altersvorsorge für Anleger mit einem langen Anlagehorizont eignen. Es werden im Rahmen dieser Seminararbeit finanzwirtschaftliche Theorien beleuchtet, die das theoretische Fundament für das sogenannte „Passive Investieren“ mit ETFs bilden. Des Weiteren werden die Produktmerkmale und die Kostenstruktur von ETFs, sowie der Steuervorteil von langfristigen ETF-Anlagen erläutert. Das vierte Kapitel widmet sich der konkreten Umsetzung einer Anlagestrategie mit ETFs.

2. Theoretische Grundlagen

Entscheidet sich ein Privatanleger dazu, sein Vermögen in Finanzanlagen zu investieren, steht noch die Frage im Raum, welcher konkreten Anlagestrategie er vertraut. Der Anleger muss abwägen, ob er mit Hilfe eines Finanzberaters seinen Vermögensaufbau voranbringen möchte und ob er dafür bereit ist, entsprechende Gebühren zu entrichten oder ob er auf die Alternative, „Low-Cost-Buy-and-Hold-Investieren“13 mit ETFs, setzen möchte. Die theoretischen Grundlagen, um sich für letzteren Ansatz und somit gegen das „Aktive Investieren“ zu entscheiden, werden in den folgenden zwei Unterkapiteln erläutert.

2.1 Moderne Portfoliotheorie

Die Moderne Portfoliotheorie (MPT) nach Markowitz, US-amerikanischer Ökonom, beschäftigt sich primär mit der quantitativen Beschreibung des Risikos und erklärt, dass Rendite und Risiko zweifellos zusammenhängen, denn Rendite entlohnt den Anleger für das Tragen eines erwarteten Risikos.

Um zu wissen, wie hoch im Mittel die Rendite einer Anlage in jeder der betrachteten Perioden ist, berechnet man das arithmetische Mittel, auch Erwartungswert genannt. Im folgenden Beispiel soll der Erwartungswert µ zweier Aktien eines Wertpapierdepots für einen Zeitraum von 12 Monaten bestimmt werden. Die Formel zur Berechnung des Erwartungswerts pro Periode im Zeitraum von x bis y lautet:

Formel 1 : Berechnung des Erwartungswerts

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Götte, R., ETFs, 2010, S. 12

Folgende Daten zum Kursverlauf sind gegeben:

Tabelle 1 : Berechnung der Kovarianz der Kursverläufe von Allianz und Bayer

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Götte, R., ETFs, 2010, S. 16

Um µ für die Bayer Aktie zu berechnen, werden die Monatsrenditen in Formel 1 eingesetzt:

Formel 2 : Berechnung des Erwartungswerts der Bayer Aktie

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

Das Risiko einer Anlage wird durch die Volatilität σ ausgedrückt. Sie misst, wie weit die tatsächliche Rendite einer Aktie vom arithmetischen Mittel abweicht. Zur Berechnung der Volatilität wird folgende Formel verwendet:

Formel 3 : Berechnung der Volatilität σ

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Götte, R., ETFs, 2010, S. 12

Je höher der Wert der Volatilität ist, desto stärkeren Schwankungen unterliegt der Aktienkurs. Damit ist zwar auch die Erzielung von höheren Renditen möglich, das Risiko eines entsprechend höheren Verlusts bleibt jedoch bestehen. Risikoreiche Assets wie Aktien müssen somit im Durchschnitt besser rentieren als risikoärmere Assets wie beispielsweise Anleihen, da sie höheren Wertschwankungen ausgesetzt sind. Dennoch sind die höheren Renditen nicht für jeden Zeitabschnitt garantiert, denn sonst wären die Investments risikolos.

Die zentrale Frage, mit der sich die Portfoliotheorie auseinandersetzt, ist, wie ein Anleger bei der Zusammensetzung seines Portfolios das Risiko des Gesamtportfolios vermindern kann, ohne gleichzeitig im selben Umfang auf Rendite verzichten zu müssen. Markowitz erkannte, dass dies durch Diversifikation möglich ist. Durch das Beimischen verschiedener Einzeltitel zu einem Portfolio heben sich die Einzelrisiken zum Teil gegenseitig auf, da das Risikoprofil der Gesamtaktien nicht dem Durchschnittswert der Einzelaktien entspricht. Diese Erkenntnis lässt sich mathematisch mit der Kovarianz erfassen. Zur Berechnung der Kovarianz anhand des oberen Beispiels müssen die Monatsrenditen der beiden Aktien miteinander multipliziert werden und die jeweiligen Produkte zu einer Summe addiert werden (26,93), woraus wiederum der Mittelwert (2,45) bestimmt wird (siehe Tabelle 1). Abschließend wird vom Mittelwert noch das Produkt der Erwartungswerte von Allianz und Bayer abgezogen, sodass sich folgende Gleichung ergibt:

Formel 4 : Berechnung der Kovarianz

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an Götte, R., ETFs, 2010, S. 16

Die Kovarianz ist umso höher, je ähnlicher der Kursverlauf beider Aktien ist, ungeachtet, ob der Kurs gestiegen oder gefallen ist. Eine negative Kovarianz impliziert einen unterschiedlichen Kursverlauf der Aktien.14 Auf der Kovarianz basiert die Berechnung der Korrelation zwischen zwei Assets. Die Korrelation ist das gängigere Maß, um den Diversifikationsnutzen zu veranschaulichen.

Sie beschreibt die Parallelität der Entwicklung zweier Größen (z.B. Aktien) und wird gemessen in Form des Korrelationskoeffizienten, der sich zwischen +1 und -1 bewegt. +1 bedeutet eine exakte Parallelentwicklung, 0 eine vollständig unabhängige Entwicklung und -1 steht für einen exakt entgegengesetzten Kursverlauf.15 Die Korrelation lässt sich mit folgender Formel berechnen:

Formel 5 : Berechnung der Korrelation

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

Setzt man in die Gleichung die Werte für das Portfolio aus Bayer- und Allianzaktie ein, erhält man eine Korrelation von ≈ -0,0074. Dies bedeutet eine leicht gegensätzliche Entwicklung der beiden Aktien.

Mithilfe der Kovarianz und der Volatilität lässt sich das Risiko unterschiedlicher Depotstrukturen errechnen. Dafür muss zuerst die Varianz des Depots berechnet werden:

Formel 6 : Berechnung der Varianz des Portfolios

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Götte, R., ETFs, 2010, S. 18

Die Volatilität des Gesamtdepots ergibt sich aus der Wurzel der Varianz des Depots:

Formel 7 : Berechnung der Volatilität des Gesamtportfolios

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Götte, R., ETFs, 2010, S. 18

Setzt man für das gegebene Beispiel Werte für ein Portfolio bestehend aus 50% Allianz- und 50 % Bayer Aktien ein, ergibt sich eine Depotvolatilität von 26,01. Das Gesamtrisiko des Portfolios aus den zwei Aktien ist somit kleiner der Durchschnitt aus den Einzelrisiken (siehe Tabelle 1). Die Renditechance für ein Depot mit beiden Aktien berechnet sich wie folgt:

[...]


1 Vgl. https://orange.handelsblatt.com/artikel/12703, Zugriff am 04.06.2019; Vgl. https://de.bergfuerst.com/ratgeber/nullzinspolitik, Zugriff am 04.06.2019; Vgl. https://www.finanzen.net/zinsen/leitzins/historisch , Zugriff am 04.06.2019.

2 Vgl. https://de.bergfuerst.com/ratgeber/nullzinspolitik, Zugriff am 04.06.2019.

3 Vgl. https://orange.handelsblatt.com/artikel/12703, Zugriff am 04.06.2019.

4 Vgl. https://de.bergfuerst.com/ratgeber/nullzinspolitik, Zugriff am 04.06.2019.

5 Vgl. https://www.fuw.ch/term/nullzinspolitik/, Zugriff am 04.06.2019.

6 Vgl. https://www.financescout24.de/wissen/ratgeber/strafzinsen, Zugriff am 04.06.2019; Vgl. https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/ezb-deutsche-banken-leiden-unter-strafzinsen/23905498.html, Zugriff am 04.06.2019.

7 Vgl. https://www.deutschland-kurier.org/rekordverlust-durch-nullzins-deutsche-sparer-verlieren-in-einem-jahr-fast-40-000-000-000-euro/ , Zugriff am 04.06.2019.

8 Vgl. https://www.nzz.ch/wirtschaft/ezb-will-zinsen-noch-laenger-tief-halten-ld.1465386 , Zugriff am 04.06.2019.

9 Vgl. https://de.bergfuerst.com/ratgeber/nullzinspolitik, Zugriff am 04.06.2019.

10 Vgl. https://www.welt.de/finanzen/article154297020/Die-schleichende-Enteignung-der-deutschen-Sparer.html , Zugriff am 04.06.2019.

11 Vgl. https://www.zeit.de/wirtschaft/2018-07/europaeische-zentralbank-negativzinsen-rentenversicherung?wt_zmc=sm.ext.zonaudev.whatsapp.ref.zeitde.share.link.x , Zugriff am 13.06.2019.

12 Vgl. Kommer, G., Investieren, 2018, S. 171-174.

13 Kommer, G., Investieren, 2018, S.10.

14 Vgl. Götte, R., ETFs, 2010, S. 10-36.

15 Vgl. Kommer, G., Investieren, 2018, S.58; Vgl. https://www.kalaidos-fh.ch/de-CH/Blogs/Posts/2014/05/die-korrelation-oder-kovarianz-in-markowitz-portfolio-selektionstheorie, Zugriff am 05.05.2019.

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Investieren mit Exchange Traded Funds (ETFs). Sinnvolle Investments in der Nullzinsphase?
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
2,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
32
Katalognummer
V1011825
ISBN (eBook)
9783346406118
ISBN (Buch)
9783346406125
Sprache
Deutsch
Schlagworte
etf, EZB, Nullzinsphase, Aktien, Investieren, Investment, Aktienfonds, Aktieninvestment, Inflation, Zinsen
Arbeit zitieren
Felix Lesch (Autor), 2019, Investieren mit Exchange Traded Funds (ETFs). Sinnvolle Investments in der Nullzinsphase?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1011825

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