Metaphorik in der deutschen und spanischen Sportberichterstattung. Kontrastiver Vergleich der Bildspenderbereiche


Hausarbeit, 2016

28 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Metapherntheorien

3 Zum Begriff der Sportberichterstattung

4 Gründe für die Metaphernverwendung in der Sportberichterstattung

5 Untersuchung der Bildspenderbereiche in der Sportberichterstattung
5.1 Bildspenderbereiche in der deutschen Sportberichterstattung
5.2 Bildspenderbereiche in der spanischen Sportberichterstattung
5.2.1 Analyse eines Artikels aus der Marca
5.2.2 Typische Bildspenderbereiche im Spanischen
5.3 Vergleich der Bildspenderbereiche der beiden Sprachen

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

8 Anhang

1 Einleitung

Die fortschreitende Kommerzialisierung und Globalisierung populärer Sportarten wie Fußball, Tennis oder Basketball spiegelt sich unter anderem in einer stark gestiegenen Medienpräsenz der Sportwelt wider. Dabei ist nicht zu übersehen, dass der internationale Sportjournalismus sich zunehmend einer durch Metaphern angereicherten Berichterstattung bedient. Die vorliegende Arbeit thematisiert die Metaphernverwendung in der deutschen und spanischen Sportberichterstattung der letzten 50 Jahre. Es wird insbesondere die Frage untersucht, inwiefern sich die Metaphern in der deutschen und spanischen Sportberichterstattung im Hinblick auf die genutzten Bildspenderbereiche unterscheiden. Dabei ist zu beachten, dass die verwendeten Metaphern und ihre Entlehnungsbereiche je nach Medium stark differieren, weshalb der Schwerpunkt dieser Arbeit auf den Printmedien (Zeitungsartikel usw.) liegt.

Auf die Darstellung der wichtigsten theoretischen Grundlagen zum Metaphernbegriff folgt zur Eingrenzung des Untersuchungsbereiches ein kurzer Exkurs zum Terminus Sportberichterstattung. Anschließend werden allgemeine Aspekte der Metaphernverwendung in der Sportberichterstattung, wie zum Beispiel die Entstehung, die Funktion und die Verbreitung von Metaphern in diesem Bereich, aufgegriffen. Daraufhin erfolgt eine Herausarbeitung der verschiedenen Wortfelder, die als Bildspender für die Metaphern in der deutschen und der spanischen Sportberichterstattung dienen. Dazu werden zunächst die Bildspenderbereiche beleuchtet, die im Deutschen für die Metaphern genutzt werden. Im Anschluss daran werden die als Bildspender dienenden Bereiche in der spanischen Sportberichterstattung erarbeitet, unter anderem durch Analyse eines Artikels aus der spanischen Sportzeitung Marca. Den auswertenden Schluss bildet eine vergleichende Darstellung der verwendeten Bildspenderbereiche. Im Anhang sind zudem noch Glossare und Tabellen der in der Hausarbeit aufgegriffenen Studien zu finden.

Am Ende der vorliegenden Arbeit soll die Frage beantwortet werden können, inwieweit bei den in der deutschen und spanischen Sportberichterstattung verwendeten Metaphern besonders im Hinblick auf die Herkunftsbereiche der Lexeme Gemeinsamkeiten oder Unterschiede festzustellen sind.

2 Metapherntheorien

Eine klare Bestimmung des Metaphernbegriffes ist heutzutage durch eine unüberblickbare Vielfalt von metapherntheoretischen Ansätzen nahezu unmöglich. Trotzdem erfolgt nun der Versuch, die Metapher in ihren Grundzügen darzustellen und einen Überblick über die verschiedenen Theorien zu vermitteln.

Die traditionelle Metapherntheorie nach Quintilian oder Aristoteles erfasst die Metapher nur als sprachliches Phänomen, das zwar Ähnlichkeiten beschreiben, aber selbst keine herstellen kann (vgl. Lakoff / Johnson 2008, 176f.). Die Metapher als abgekürzter Vergleich dient demnach in der Rhetorik zur Gestaltung der Rede (vgl. Baldauf 1997, 14). Auch die Substitutionstheorie, bei der aufgrund einer wahrgenommenen Ähnlichkeit (tertium comparationis) ein Wort durch einen ästhetischeren Ausdruck ersetzt wird (vgl. Küster 2009, 62), betrachtet die Metapher als ein „rein ästhetischen Zwecken dienendes, sprachliches Phänomen“ (Baldauf 1997, 14).

Weiterhin gibt es die historische Linguistik, welche die Metapher als Produkt des Bedeutungswandels beleuchtet. Beim Bedeutungswandel findet keine Veränderung der Bedeutung des Wortes statt, sondern es „entstehen […] neue lexikalische Einheiten bzw. werden abgebaut“ (Blank 2001, 70). Im ersten Fall, dem innovativen Bedeutungswandel, müssen einerseits Gründe für die Lexikalisierung und andererseits die assoziativen Prinzipien, auf denen die Innovation beruht, untersucht werden (vgl. ebd.). In

(1) eng. mouse ʻkleines Nagtierʼ > ʻgraphisches Zeigegerät für Computerʼ

wird der Prozess der Innovation deutlich. Durch die ähnliche Gestalt der beiden Objekte in (1) vollzieht sich ein Assoziationsvorgang, der zunächst zu einer Übertragung des Zeichenausdrucks auf das neue Konzept und schließlich zu einer Verbreitung der neuen Bedeutung in der Gesellschaft (Lexikalisierung) führt (vgl. ebd., 72). Der Bedeutungswandel beruht bei der Metapher also auf wahrgenommen Ähnlichkeiten zwischen den beiden Konzepten, die dann den sogenannten metaphorischen Kippeffekt bzw. eine Verbindung verschiedener Erfahrungsbereiche zur Folge haben (vgl. ebd., 73ff.). In dieser Theorie wird die Metapher bereits als bedeutendes Mittel in der Kommunikation anerkannt.

Dass der metaphorische Sinn durch einen wechselseitigen Interaktionsprozess entsteht und ein kommunikativer Zusammenhang für die Analyse der Metaphern von hoher Bedeutung ist, besagt auch die Interaktionstheorie von Black (vgl. Küster 2009, 62). Diese Theorie ist der Vorläufer eines vollkommen neuen kognitiven Metaphernverständnisses, das sich durch das Werk Metaphors we live by (1980) der Amerikaner Lakoff und Johnson etablierte. Sie vertreten die These: „Unser alltägliches Konzeptsystem, nach dem wir sowohl denken als auch handeln, ist im Kern auch grundsätzlich metaphorisch“ (Lakoff / Johnson 2008, 11). Da viele für uns wichtige Konzepte (z. B. LIEBE) sehr abstrakt sind, müssen sie „partiell von anderen Konzepten her“ (ebd., 70) verstanden werden. „Das Wesen der Metapher besteht darin, dass wir durch sie eine Sache oder einen Vorgang in Begriffen einer anderen Sache […] verstehen und erfahren können“ (Lakoff / Johnson 2008, 13). Es entwickeln sich aus individueller Interaktion mit der Umwelt kulturspezifische Konzeptmetaphern, die eine(n) Quelldömäne/ Bildspenderbereich nutzen, um eine Zieldömane zu strukturieren und verständlich zu machen. So wird z. B. politisches Engagement als Kampf versprachlicht (vgl. Blank 2001, 76). Da hier eine Konzeptualisierung eines abstrakten Bereiches durch einen näheren Erfahrungsbereich erfolgt, können wir von einer strukturellen Metapher sprechen (vgl. Baldauf 1997, 23). Aufgrund seines selektiven Charakters werden bei diesem Metapherntypen immer nur einzelne Aspekte eines Bereiches beleuchtet und andere verdeckt (vgl. ebd., 24). Dass metaphorische Ausdrücke nicht nur in unserer Alltagssprache verankert sind, sondern wir regelrecht nach ihnen leben, zeigen die Orientierungsmetaphern, die „mit Hilfe eines metaphorischen Prozesses im Bereich abstrakter Vorstellungen Orientierung gemäß der Orientierung des Menschen im physischen Raum“ (ebd., 23) schaffen. Häufig wird auch seelisches Wohlbefinden mit Orientierungsmetaphern verbunden, wie in

(2) GLÜCKLICH SEIN IST OBEN (Lakoff / Johnson 2008, 72)

Den dritten Typus bilden ontologische Metaphern, die eine Verbildlichung abstrakter Sachverhalte durch greifbare Objekte, Substanzen oder Behälter vornehmen (vgl. Baldauf 1997, 20).

Offensichtlich ist, dass die funktionale Verwendung von Metaphern im Laufe der Zeit in den Fokus gerückt ist. Auch für den weiteren Verlauf der Arbeit bildet das kognitive und pragmatische Metaphernverständnis die Grundlage.

3 Zum Begriff der Sportberichterstattung

Die Sportberichterstattung ist einer der vier Teilbereiche der Sportsprache im Allgemeinen, also der Sprache, „die (aktive und passive) Sportanhänger beim Ausüben von Sport oder in Gesprächen, Texten etc. über den Sport verwenden“ (Lieber / Born 2008, 5). Aufgrund ihrer Schnelllebigkeit können Sprachwandel- und Wortbildungsprozesse in der gesamten Sportsprache besonders gut beobachtet werden (vgl. ebd.). Eine erste Ebene der Sportsprache findet sich in der Fachsprache, die spezifische Ausdrücke für die Abläufe und Geräte jeweiliger Sportarten in Regelwerken festhält (vgl. Küster 2009, 64). Weitere Ebenen sind der Sportjargon (die mündliche Kommunikation der Sportler untereinander mit konnotierten, verkürzten Begriffen) und die Sprache der Fans, die durch hohe emotionale Anteilnahme häufig von metaphorischen Ausdrücken durchzogen ist (vgl. ebd., 64f.).

Für diese Arbeit ist insbesondere die Ebene des Sportberichtes interessant. Die Sportberichterstattung lässt sich primär als Kommunikation zwischen Berichterstattern und der Öffentlichkeit bezüglich Sportereignissen beschreiben. Somit handelt es sich bei der Sprache der Sportberichte um eine Vermittlungsebene, die als „Medium des Transports sportlicher Ereignisse aus den Sportstätten in eine am Sport interessierte, aber nicht notwendigerweise mit dessen Bedingungen und Regeln vertraute Zuschauer-, Leser- und Hörerwelt“ (ebd., 70) dient. In dieser Arbeit werden Printmedien untersucht, die im Vergleich zu Radio und Fernsehen zwar weniger Aktualität bieten, aber dafür eine übersichtlichere und umfangreichere Darstellung der Fakten leisten können (vgl. Dankert 1969, 117). Indem ein parataktischer Satzbau langen, komplexen Satzgefügen vorgezogen wird, kann die „Dynamik des Sportgeschehens [eingefangen werden]“ (ebd., 83). Ebenso fließen viele metaphorische Ausdrücke in die Berichte ein, da so der „dramatisch geraffte[…] Charakter, der einige Gemeinsamkeiten mit einer gesprochenen Reportage hat“ (ebd., 82), und Anschaulichkeit erzeugt werden. Eine genauere Betrachtung der verstärkten Metaphorik in der Sportberichterstattung erfolgt im weiteren Verlauf der Arbeit.

4 Gründe für die Metaphernverwendung in der Sportberichterstattung

Die wesentliche Voraussetzung für die Verwendung einer Metapher liegt in einer nachvollziehbaren Ähnlichkeitsrelation zwischen Bildspender- und Zielbereich (vgl. Schmitt 2008, 141). Doch warum machen sich Sportjournalisten die Mühe, immer wieder neue Metaphorik in die Berichte miteinfließen zu lassen? Christian Schmitt fasst die Instrumentalisierung von Metaphern so zusammen:

„[S]ie dienen vor allem den drei wesentlichen Funktionen der Unterhaltung, der Information, aber auch der Persuasion bzw. der Manipulation und können damit Informationen in komprimierter Form ausdrücken, für Veranschaulichung sonst nur schwer nachvollziehbarer Vorkommnisse sorgen, aber auch die Emotionen steuern und den Leser beeinflussen.“ (ebd.)

Metaphern haben also zunächst die Funktion, Sportereignisse ins Allgemeinverständliche zu übersetzen. In der Sportberichterstattung „können hinsichtlich sportlicher Sachkompetenz erhebliche Unterschiede zwischen den Autoren und ihren Rezipienten bestehen“ (Küster 2009, 64f.). Um den Bezug des Sports zum gesellschaftlichen Leben deutlich zu machen, ziehen sich Konzeptmetaphern wie

(3) DIE MANNSCHAFT IST EIN HEER

durch gesamte Artikel hindurch und kommen beispielsweise in der Verbildlichung des Fußballspielers als Scharfschütze zum Ausdruck (vgl. Schmitt 2008, 139). Durch die Verwendung toter, also lexikalisierter Metaphern, z. B.

(4) sp. ponerse en marcha (dt. ‘sich in Bewegung setzenʼ)

im Gesamtkontext, kann „ihre ursprüngliche Bildhaftigkeit […] dem Rezipienten wieder bewusst gemacht [werden]“ (ebd.). „Metaphern helfen, einen komplizierten Sachverhalt einfach und anschaulich zu machen“ (Rutishauser 2014, 70), indem die Leser sportliche Ereignisse durch erfahrungsnähere und eindeutigere Gesellschaftsbereiche verstehen können.

Der Sportberichterstatter will die Sachverhalte jedoch nicht nur faktisch richtig und nüchtern wiedergeben, sondern auch unterhaltsam wirken (vgl. Schmitt 2008, 144). Das Hauptziel der Sportjournalisten scheint darin zu bestehen, „sich die volle Aufmerksamkeit des Sportinteressierten durch eine besondere Rhetorik, durch dramatische Abkürzungen zu sichern“ (Dankert 1969, 82). Eine spannende, dynamische Schilderung des Sportereignisses soll die Lektüre des Sportteils reizvoll und unkompliziert machen (vgl. ebd., 114). Eine metaphorische, bildhafte Sprache ermöglicht es dem Leser, sich in den Wettkampf hineinzuversetzen und mitzufiebern (vgl. Rutishauser 2014, 70).

Metaphern werden in ihrer dritten Hauptfunktion besonders bei meinungsbetonten Texten eingesetzt, um den Leser zu beeinflussen; man spricht dann von „manipulatorisch eingesetzten […] Metaphern“ (Schmitt 2008, 139). Indem der Blick des Lesers bewusst auf das Siegen und Verlieren gelenkt wird (vgl. Rutishauser 2014, 70), kommt es dazu, dass das Gewinnen als Hauptaspekt beleuchtet wird, während der spielerische Charakter mehr oder weniger vollkommen verdeckt wird. Auch in den Überschriften werden Sportereignisse durch Metaphern bewusst übertrieben und dramatisiert, um das Interesse des Lesers zu wecken. Es kommt so zu einer ungenauen Zeichnung des Spielverlaufs; der Schwerpunkt liegt nicht mehr auf den Fakten, und der Berichterstatter scheint „den realen Bezug zu dem so konkreten Geschehen des Sports zu verlieren“ (Dankert 1969, 82).

Für die Ballsportarten lässt sich als zentrales Metaphernkonzept die Basismetapher BALLSPIELE SIND KAMPF / KRIEG finden (vgl. Burkhardt 2008, 76). Die bis heute stetige Versprachlichung der gegnerischen Verteidigung als feindliche Reihe beweist, dass sich bestimmte Metaphern konstant durchsetzen (vgl. Schmitt 2008, 15). Grundsätzlich ist eine Kategorisierung der einzelnen Bildspender- bzw. Herkunftsbereiche schwierig, da die Metaphern allen möglichen Gesellschaftsbereichen entstammen können. Beispielhaft zu nennen sind hier die Wortfelder Technik, Natur, Kriegswesen, Seefahrt, Mythologie, Politik, Theater, Kunst, Musik, Religion usw. (vgl. Rutishauser 2014, 70). Trotzdem wird im weiteren Verlauf versucht, die dominierenden Herkunftsbereiche der Metaphern in Sportberichten sowohl im Deutschen als auch im Spanischen zu ermitteln und Gründe für ihre häufige Verwendung zu finden.

5 Untersuchung der Bildspenderbereiche in der Sportberichterstattung

5.1 Bildspenderbereiche in der deutschen Sportberichterstattung

Nach dem zweiten Weltkrieg strebten Sportjournalisten zunächst eine nüchterne und faktisch richtige Berichterstattung ohne Ausschmückungen an (vgl. Rutishauser 2014, 69). Mittlerweile hat sich jedoch eine bildhafte Darstellung etabliert, bei der mit Begriffen aus den verschiedensten Herkunftsbereichen Metaphern geschaffen werden.

Schneider untersucht in seinem Werk Die Sprache des Sports (1974) das Vokabular der Sportsprache mithilfe einer Studie von 1968, deren Ergebnisse aus Mangel an aktuellen Studien nun betrachtet werden. Hier kreiert Schneider die Kategorie der Substitutionen, in welche alle Ausdrücke fallen, „die Personen, Sachen oder Vorgänge des Sports vergleichend oder metaphorisch mit außersportlichen Begriffen benennen […]“ (Schneider 1974, 180). Da die hier aufgeführten Beispiele wie die Versprachlichung eines Fußballspielers als Scharfschütze, Torjäger, Artist, Lokalmatador oder Kapitän als polyseme Wörter dem Bedeutungswandel unterliegen und auch Rutishauser bestätigt, dass im übertragenen Sinne gebrauchte Substitutionen bei Schneider als Metaphern gelten (vgl. Rutishauser 2014, 69), können Schneiders Studien zu den Herkunftsbereichen der Ausdrücke herangezogen werden. In dem im Anhang hinzugefügten Glossar wird das Substitutionsvokabular nach den Bereichen Fachjargon, Schaustellung, Kriegswesen, Dienstleistung, Natur und Weidewerk, Technik, Gesellschaftsbezüge, Unterhaltungsspiel, Seefahrt, Mythologie, Residualkategorie und Umgangssprache mit der Häufigkeit seines Vorkommens als Wortarten, Redewendungen und Fügungen dargestellt (s. Anhang, i-viii). Der Fachjargon wird als Bildspenderbereich nicht weiter beachtet, da hier eher metonymische als metaphorische Begriffsbildungsprinzipien zum Tragen kommen. So kann z. B. der Ball als Kugel oder Leder bezeichnet werden (vgl. Schneider 1974, 184). Dementsprechend dominieren die Herkunftsbereiche der Schaustellung mit etwa 158 Einzelbegriffen (Anteil von 16.17% am gesamten Substitutionsvokabular) und des Kriegswesens (13,19%) (vgl. ebd., 183). Aus dem Bereich der Schaustellung stammen alle Begriffe, „die aus den Gebieten Theater, Musik, Tanz, Film oder dem «Schaugewerbe» entnommen und auf sportliche Vorgänge übertragen werden“ (ebd., 181). Es werden nicht nur Sportereignisse als Tragödie oder Drama verbildlicht, sondern auch Schauspielersynonyme für den Sportler übernommen (vgl. ebd., 186).

(5) Akteur, Double, Star

Früher konnten die Weltkriege und der Kalte Krieg als Hauptursache für die verstärkte Kriegsmetaphorik gesehen werden, doch nicht umsonst wird der Bereich des kompetitiven Sports auch später noch als „Tummelplatz kriegerischer Metaphorik“ (Baldauf 1997, 208) betitelt. Eine vergleichbare Thematik (die Darstellung von Kampf) (vgl. Dankert 1969, 66) und die Ähnlichkeiten zwischen der prototypischen Kriegssituation und der sportlichen Grundstruktur (zwei sich feindlich gegenüberstehende Parteien, die gegeneinander antreten und den Sieg erringen wollen) rufen eine „wahrgenommene Korrelation von Herkunftsbereich und Zielbereich“ (Baldauf 1997, 213) hervor.

„Beispielsweise wird eine Mannschaft zur Truppe, der Trainer zum Feldherrn oder General […] gemacht, Bälle schlagen ein wie Granaten, Raketen oder Bomben, Verteidiger spielen Abfangjäger und Angreifer haben Ladehemmungen.“ (Rutishauser 2014, 70)

Mit 140 Worteinheiten dient das Kriegswesen besonders in den Ballsportarten als Hauptkonzept und greift auch auf allgemeinere Redewendungen zurück:

(6) Das Feld räumen für ʻzurückweichenʼ (Schneider 1974, 188)
(7) Dem Gegner ins offene Messer laufen (Burkhardt 2008, 76)

Die Kriegsmetaphorik kann hervorheben, „dass zwei Parteien um Sieg oder Niederlage im sportlichen Wettstreit ringen und dabei physische Gewalt eine Rolle spielt“ (ebd.). Ein weiterer Grund für die Nutzung des Militärwesens als Bildspenderbereich in der Sportberichterstattung ist die Tatsache, dass die Härte des Wettkampfs und der Entscheidung dort unheimlich stark akzentuiert werden (vgl. Dankert 1969, 126). Deshalb wird auch vermehrt das Wortfeld Technik als Herkunftsbereich herangezogen. Einerseits gehört allein der Begriff Technik schon zum Fachvokabular (z. B. Atemtechnik), andererseits werden die Tätigkeiten und das Zusammenspiel der Spieler häufig mit dem Funktionieren einer Maschine oder eines Motors verglichen (vgl. ebd., 124). Neben der Verwendung des Wortes ausschalten für ʻbesiegenʼ (vgl. Schneider 1974, 189) stechen Redewendungen mit Bezugnahme auf das Bild der Lokomotive hervor.

(8) einen Gang zurückschalten (Dankert 1969, 125)
(9) mit Volldampf spielen (ebd.)
(10) Kraft tanken (ebd., 126)

[...]

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Metaphorik in der deutschen und spanischen Sportberichterstattung. Kontrastiver Vergleich der Bildspenderbereiche
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Romanisches Seminar)
Veranstaltung
Lexikalische Semantik des Spanischen
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
28
Katalognummer
V1012472
ISBN (eBook)
9783346405074
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die vorliegende Hausarbeit untersucht das Thema der Metaphorik in der Sportberichterstattung und stellt hier die deutsche der spanischen gegenüber. Im Zentrum der Arbeit steht die Frage, ob sich die Metaphernverwendung in beiden Sprachen unterscheidet, oder ob sich ein gemeinsames Muster finden lässt. Die Struktur der Arbeit ist dieser Leitfrage entsprechend sinnig gewählt (theoretische Basis, Einzeldarstellungen und Vergleich). Die gesamte Arbeit zeichnet sich durch Stringenz aus, kohärenzstiftende Formulierungen führen durch die einzelnen Kapitel.
Schlagworte
Bildspenderbereiche, Metaphern, Sportberichterstattung, Metaphorik
Arbeit zitieren
Lea Kolodziej (Autor), 2016, Metaphorik in der deutschen und spanischen Sportberichterstattung. Kontrastiver Vergleich der Bildspenderbereiche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1012472

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