Experimentalstudie über Humor entsprechend dem Aufbau einer quantitativen Studie.
Die vorliegende Studie beschäftigt sich mit der Humorbewertung von Videomaterial, das mit verschiedenen Tonspuren unterlegt waren. In diesem Zusammenhang soll das Phänomen des canned laughter untersucht werden. Dabei stützt sich die Studie auf verschiedene vorangegangene Studien. Der Psychologe und Lachforscher Robert Provine fand bereits 1992 heraus, dass Lachen ansteckend wirkt, also aktvierend auf das Lachen anderer Personen wirkt. Auch die Funktion der 1996 von Giacomo Rizzolatti und Vittorio Gallese entdeckten Spiegelneurone wird beleuchtet. Auch die sozialen Aspekte des Lachens, wie sie unter anderem von Platow et al. 2005 untersucht wurden, werden dargestellt. Die Alternativhypothesen des Experiments (also der vermutete Effekt) der vorliegenden Studie lauten, dass die Tonspur mit canned laughter einen signifikant positiven Einfluss auf den Wert des Gesamtindikators „Witzigkeit“ hat und, dass die mit „Bedauern“ unterlegte Tonspur einen signifikant negativen Einfluss auf den Gesamtindikator „Witzigkeit“ hat.
Getestet wurde in einem Gruppensetting von 1 bis drei Personen. Verwendet wurde ein Fragebogen und drei Videos mit jeweils verschiedenen Tonspuren. Insgesamt wurde eine Stichprobengröße von 107 (81% weiblich, 17% männlich, 2% sonstiges) Probanden erreicht, bei einem optimalen Stichprobenumfang von 90. Es handelte sich hierbei um eine Ad-hoc-Stichprobe. Mögliche Fehlerquellen waren vor allem zeitliche Einflüsse, die Varianz der Gruppengröße und der gemischte Inhalt der Videos. Ausgewertet wurden die Daten mittels verschiedener Kruskal – Wallis - Tests, die allerdings keine signifikanten Effekte hervorbrachte, bis auf eine Ausnahme unter Einbezug der Störvariable, ob die Hintergrundgeräusche prinzipiell als störend empfunden werden oder nicht. Es besteht demnach kein Zusammenhang zwischen Hintergrundgeräuschen und der Humorbewertung. Außerdem wurde durch t-Tests überprüft, ob die Videos die emotionalen Befindlichkeiten der Probanden verändert. Hierbei lies sich ein signifikanter Zusammenhang feststellen, nach dem die Videos aktivierend auf die Betrachter wirkten.
Inhaltsverzeichnis
1. Zusammenfassung
2. Einleitung
3. Theorie
4. Methoden
5. Ergebnisse
6. Diskussion
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Experimentalstudie untersucht den Einfluss verschiedener Hintergrundgeräusche – speziell von künstlichem Lachen, sogenanntem "canned laughter" – auf die Humorbewertung von Videomaterial. Ziel ist es zu klären, ob derartige Tonspuren die Wahrnehmung eines Videos als "witzig" signifikant beeinflussen oder ob dabei soziale Faktoren eine Rolle spielen.
- Wirkungsweise von künstlichem Lachen in Fernsehproduktionen
- Einfluss von Hintergrundgeräuschen auf die emotionale Bewertung
- Die Rolle der sozialen Kategorisierung bei der Humorbewertung
- Aktivierende Wirkungen von Videomaterial auf die Gefühlslage
- Bedeutung von Spiegelneuronen für Empathie und Lachen
Auszug aus dem Buch
Die Bedeutung des Lachens im sozialen Umfeld
Die Bedeutung des Lachens im sozialen Umfeld konnte Provine (1996) durch die Beobachtung von 1200 natürlich aufgetretenen Lachern bei Gruppen an öffentlichen Plätzen nachweisen. Sie notierten sich die Geschlechter der Sprecher und der Zuhörer in der lachenden Gruppe, ob und wann gelacht wurde und was direkt vor den Lachern gesagt wurde. Dabei folgten 20 Prozent der Lacher nur auf einem Humoraspekt. Die meisten Lacher folgten bestimmten banalen Anmerkungen, sowie wortgewandten und zusammengehörigkeitsfördernden Aussagen, die einen positiven emotionalen Grundton in der Gruppe erzeugten. Diese Situation wird von Provine als Gegensatz zu künstlichen Laborsituationen aufgezeigt, in der nur wenige Probanden nach den dargebotenen Witzen lachten. Außerdem lachen Menschen 30-mal häufiger, wenn sie humorvolle Ton- oder Videosequenzen mit einer Gruppe betrachten, als wenn sie alleine sind. Lachen kann somit als soziales Signal gesehen werden. Von den 1200 erhobenen Lachmomenten wurde der Sprecher nur acht Mal von einem Lachen unterbrochen. Ansonsten folgten die Lacher bestimmten Gesetzen, sodass der Großteil in den Pausen nach einer Aussage erfolgte. Der durchschnittliche Sprecher lachte 46 Prozent öfters als die Zuhörer und Frauen lachten öfter als Männer. Provine schlussfolgerte aus den Ergebnissen, dass Männer eher eine führende Rolle in der Humorgeneration einnehmen und Frauen eher die Lachrolle übernehmen (Provine 1996).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Zusammenfassung: Die Studie untersucht den Einfluss von künstlichem Lachen auf die Bewertung von Videos und stellt fest, dass dieser keinen allgemeinen signifikanten Effekt auf die Humorbewertung hat.
2. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Relevanz des Themas "canned laughter" in amerikanischen Sitcoms für den deutschsprachigen Kulturkreis und skizziert den Aufbau der wissenschaftlichen Arbeit.
3. Theorie: Hier werden Grundlagen zum Lachforscher Robert Provine, zur Funktion von Spiegelneuronen und zur sozialen Dimension des Lachens sowie bisherige Forschungsergebnisse dargestellt.
4. Methoden: Es wird das experimentelle Vorgehen beschrieben, einschließlich der Probandenstichprobe, der Operationalisierung der Variablen sowie des Ablaufs der Untersuchung im Labor.
5. Ergebnisse: Die statistische Auswertung mittels Kruskal-Wallis-Tests zeigt keine signifikanten Haupteffekte der Tonspuren, offenbart jedoch Teilergebnisse bei Berücksichtigung der Störvariable "Störungsgrad durch Hintergrundgeräusche".
6. Diskussion: Die Ergebnisse werden kritisch reflektiert, in den Kontext bestehender Literatur eingeordnet und die Limitationen des Experiments, wie die Stichprobenart oder die künstliche Laborsituation, diskutiert.
7. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Studien, auf die sich die Arbeit stützt.
Schlüsselwörter
Canned laughter, Humor, Experimentalstudie, Spiegelneurone, Lachen, soziale Beeinflussung, Videobewertung, Hintergrundgeräusche, emotionale Befindlichkeit, Gruppenprozesse, Psychologie, Sitcom, Witzigkeit, Wahrnehmung, Massenhysterie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Wirkung von künstlich eingespielten Hintergrundgeräuschen, wie Lachen, auf die Art und Weise, wie Menschen Humor in Videos wahrnehmen und bewerten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der psychologischen Wirkung von "canned laughter", der sozialen Komponente des Lachens und der experimentellen Überprüfung dieser Effekte in einem kontrollierten Setting.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, ob positive oder negative Hintergrundgeräusche einen messbaren Einfluss darauf haben, wie witzig Probanden ein bestimmtes Videomaterial finden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Experimentalstudie, bei der Probanden Videos mit verschiedenen Tonspuren bewerten mussten, ergänzt durch Fragebögen und statistische Auswertungsverfahren wie den Kruskal-Wallis-Test.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die methodische Beschreibung, die Darstellung der statistischen Ergebnisse sowie die kritische Diskussion der Befunde im Vergleich zur bestehenden Literatur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Canned laughter, Humor, Spiegelneurone, soziale Beeinflussung und experimentelle Humorforschung beschreiben.
Welche Rolle spielt die Einstellung der Probanden zu Hintergrundgeräuschen?
Die Studie ergab, dass die Tonspuren nur bei Personen einen Einfluss auf die Witzigkeit-Bewertung hatten, die angaben, sich im Alltag weniger von Hintergrundgeräuschen in Medien gestört zu fühlen.
Wurde eine Veränderung der Emotionen bei den Probanden festgestellt?
Ja, t-Tests zeigten, dass sich die emotionale Befindlichkeit der Probanden während der Testung veränderte; sie fühlten sich beispielsweise nach den Videos müder, aber auch stärker angeekelt.
Warum konnten die ursprünglichen Hypothesen nicht allgemein bestätigt werden?
Die Forscher führen dies unter anderem auf die künstliche Laborsituation, die spezifische Zusammensetzung der Stichprobe und die starke individuelle Varianz bei der Humorempfindung zurück.
- Arbeit zitieren
- Master of Science Christien Budde (Autor:in), 2016, Experimentalstudie zu Humor, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1012510