Die Entstehung des Stotterns bei einem erklären sich Laien oft durch Traumata, die das Kind durchlebt habe, einen falschen Erziehungsstil durch die Eltern oder durch Schüchternheit des Kindes, welche zu Sprechangst führe. Doch was steckt wirklich hinter den symptomatischen Sprechunflüssigkeiten und welche Theorien führt die Wissenschaft an? Diese Ausarbeitung beschäftigt sich mit dem Thema Entstehungstheorien und Faktoren des Stotterns.
Im Laufe des letzten Jahrhunderts wurden vielerlei verschiedene Theorien aufgestellt, die die Entstehung des Stotterns erklären sollten. Die meisten von ihnen gelten heute als veraltet. Im Mittelpunkt der heutigen Stotterforschung stehen verschiedene Faktoren, die die symptomatischen Sprechunflüssigkeiten möglicherweise verursachen und beeinflussen. Im ersten Teil der Ausarbeitung sollen die verschiedenen Theorien zur Entstehung des Stotterns und deren wichtigste Vertreter aufgezeigt werden. Im Anschluss werden die möglichen Faktoren des Stotterns dargestellt. Hierbei wird unterschieden zwischen Faktoren, welche disponierend wirken und solchen, die das Krankheitsbild aufrechterhalten. Das Ziel ist es, den Verlauf der Forschung zum Stottern darzustellen und die verschiedenen Faktoren in ihrer Wichtigkeit herauszustellen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hauptteil
2.1 Entstehungstheorien des Stotterns
2.2 Disponierende Faktoren
2.3 Aufrechterhaltende Faktoren
3 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Ausarbeitung verfolgt das Ziel, den historischen Verlauf der Forschung zum Stottern nachzuzeichnen und die verschiedenen wissenschaftlichen Entstehungstheorien sowie die beeinflussenden Faktoren in ihrer jeweiligen Bedeutung kritisch zu beleuchten.
- Historische und aktuelle Entstehungstheorien des Stotterns
- Die Rolle genetischer Dispositionen
- Einfluss neuronaler Prozesse und Timing-Mechanismen
- Umweltfaktoren und familiäre Kommunikationsmuster
- Die Bedeutung des Anforderungs- und Kapazitätenmodells
Auszug aus dem Buch
2.1 Entstehungstheorien des Stotterns
Zur Entstehung und Festigung des Stotterns existieren viele Theorien, die im Laufe der Zeit von verschiedensten Vertretern postuliert wurde. Sie unterscheiden sich meist sehr in ihrer Richtung und beleuchten unterschiedliche Bereiche.
Zunächst ist die Theorie der neurotischen Reaktion zu nennen, welche psychoanalytisch begründet ist und Stottern als neurotisches Symptom ansieht, welches zur Befriedigung unbewusster und unterdrückter Bedürfnisse dient (Glauber 1958. In Natke 2010: 67). Solche Bedürfnisse können laut den Vertretern dieser Theorie beispielsweise Wünsch nach oral- oder anal-erotischer Befriedigung sein oder feindselige oder aggressive Impulse wiederspiegeln. Auch die Suche nach Aufmerksamkeit, Sympathie oder Isolation seitens des Kindes wird als möglicher Auslöser für das Stottern genannt. Zu den Vertretern gehören Coriat (1927), Fenichel (1945) und Heilpern (1941) (Natke 2010: 67f). Nach der Theorie der neurotischen Reaktion kann das Stottern, welches ein zwanghaftes Verhalten darstellt, nur durch das Lösen eines inneren Konflikts erfolgen.
Auch psychosoziale Ursachen werden angenommen. So wird das Stottern teilweise auch als Beziehungs- und Identitätsstörung angesehen, welche zurückzuführen ist auf die Eltern und Großeltern der stotternden Kinder. Heute sind derartige Theorien nicht mehr haltbar und psychologische Gegebenheiten werden eher als Ergebnisse, bzw. emotionale Reaktionen, denn als Ursachen des Stotterns angesehen (Natke 2010: 68).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Thema ein, erläutert die gängigen Laien-Vorstellungen zum Stottern und grenzt diese von den wissenschaftlichen Fragestellungen der Ausarbeitung ab.
2 Hauptteil: Der Hauptteil gliedert sich in drei Abschnitte, die zunächst die historischen Entstehungstheorien behandeln und anschließend die disponierenden sowie aufrechterhaltenden Faktoren analysieren.
2.1 Entstehungstheorien des Stotterns: Hier werden verschiedene Ansätze wie die Theorie der neurotischen Reaktion, Lerntheorien und Breakdown-Theorien vorgestellt und auf ihre heutige Gültigkeit hin geprüft.
2.2 Disponierende Faktoren: Dieser Abschnitt widmet sich den begünstigenden Faktoren, insbesondere der Genetik, neuronalen Besonderheiten sowie dem Anforderungs- und Kapazitätenmodell.
2.3 Aufrechterhaltende Faktoren: Dieses Kapitel untersucht, wie Umweltbedingungen, familiäre Kommunikation und Copingstrategien zur Chronifizierung des Stotterns beitragen können.
3 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass bis heute keine einzelne Ursache für Stottern identifiziert wurde und betont die Bedeutung einer differenzierten Betrachtung in der Therapie.
Schlüsselwörter
Stottern, Entstehungstheorien, Disponierende Faktoren, Aufrechterhaltende Faktoren, Genetik, Lerntheorien, Breakdown-Theorien, Anforderungs- und Kapazitätenmodell, Kommunikation, Sprachentwicklung, Stressoren, Chronifizierung, Stotterforschung, Redeflussstörungen, Therapie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Ursachen und den aufrechterhaltenden Faktoren des Stotterns und diskutiert verschiedene wissenschaftliche Erklärungsmodelle.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind historische Entstehungstheorien, genetische Veranlagungen, neuronale Prozesse sowie die Auswirkungen der familiären Umgebung auf das Sprechverhalten.
Was ist das primäre Ziel dieser Arbeit?
Das Ziel ist es, den wissenschaftlichen Forschungsverlauf zum Stottern darzustellen und zu verdeutlichen, welche Faktoren in der Entstehung und Aufrechterhaltung des Stotterns eine Rolle spielen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und dem Vergleich verschiedener wissenschaftlicher Theorien und Studien zur Stotterforschung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Theorien zur Entstehung, die Erläuterung disponierender Faktoren (wie Genetik und Neurophysiologie) sowie aufrechterhaltender Faktoren (wie Kommunikation und Umfeld).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Stottern, Entstehungstheorien, Genetik, Kommunikation, Stressoren und Chronifizierung definiert.
Wie bewertet die Arbeit den Einfluss der Eltern?
Die Arbeit stellt klar, dass Eltern nicht grundsätzlich die Schuld am Stottern tragen, verdeutlicht jedoch, dass bestimmte Kommunikationsmuster als Stressoren wirken und das Stottern aufrechterhalten können.
Was besagt das Anforderungs- und Kapazitätenmodell?
Das Modell postuliert, dass Stottern entsteht, wenn ein Ungleichgewicht zwischen den kindlichen Kapazitäten und den Anforderungen der Umwelt oder des Kindes an sich selbst über einen längeren Zeitraum besteht.
Welche Rolle spielt die Genetik bei der Entstehung von Stottern?
Die Genetik gilt als einer der wichtigsten disponierenden Faktoren; zwar gibt es kein einzelnes „Stotter-Gen“, doch die erbliche Veranlagung ist durch Zwillingsstudien wissenschaftlich belegt.
Warum ist das Thema "Aufrechterhaltende Faktoren" für die Therapie relevant?
Das Verständnis dieser Faktoren ist entscheidend, um in der Therapie ungünstige Umweltbedingungen oder Kommunikationsweisen zu minimieren und so eine Chronifizierung des Stotterns zu vermeiden.
- Arbeit zitieren
- Antonia Wolf (Autor:in), 2015, Entstehungstheorien und Faktoren des Stotterns, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1012714