Sozialräumliche Segregation in Köln der Jahre 2005, 2010 und 2015 im Vergleich


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018

35 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen
2.1 Der Begriff der Armut
2.2 Der Begriff der Segregation
2.3 Ursachen sozialräumlicher Segregation

3. Methodisches Vorgehen
3.1 Duncan Segregation Index
3.2 Datenerhebung

4. Sozialräumliche Segregation in Köln
4.1 Bewertung der sozialräumlichen Segregation in Köln von 2005-2015
4.2 Das ärmste und das reichste Quartier in Köln: Köln Chorweiler und Köln Hahnwald im Vergleich

5. Maßnahmen gegen sozialräumliche Segregation

6. Fazit

Anhang

Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die Kölner Stadtteile - Anteil der Leistungsberechtigten mit Grundsicherung für Arbeitssuchende nach Sozialgesetzbuch II (SGB II)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Gesamtstädtische Daten und Segregationsindex sozial Köln 2005-2015

Tabelle 2: Ärmste Stadtteile Kölns, Anteil der Sozialhilfeempfänger an der Stadtbevölkerung in %, 2005-2015

Tabelle 3 Reichste Stadtteile Kölns, Anteil der Sozialhilfeempfänger an der Stadtbevölkerung in %, 2005-2015

Tabelle 4 Köln Chorweiler und Köln Hahnwald im Vergleich

Tabelle 5: Datenerhebung zur Berechnung des Segregationsindex 2005

Tabelle 6: Datenerhebung zur Berechnung des Segregationsindex 2010

Tabelle 7: Datenerhebung zur Berechnung des Segregationsindex 2015

1. Einleitung

Seit den 1980er Jahren stieg der Anteil der relativen Armut in der Bevölkerung Deutschlands konsequent an. 15,6% der Bürger der Bundesrepublik Deutschland sind derzeit von relativer Armut betroffen (vgl. statistisches Bundesamt 2018). Insbesondere in Städten ist deshalb eine sozial-räumliche Polarisierung zu beobachten (vgl. Farwick 2003: 175). Signifikante Unterschiede zwischen Stadtteilen im Hinblick auf die Einkommenssituation und dem sozialen Status der Bewohner bestehen heute in fast jeder deutschen Großstadt. Dieses Phänomen, dass beispielsweile in Bremen Vegesack, Duisburg Marxloh, Hamburg Billstedt, Berlin Neukölln oder Köln Chorweiler zu beobachten ist (vgl. Steppart 2016), erfährt heute unter der Prämisse der Bekämpfung von ungleichen Lebensverhältnissen sowohl in der Politik, als auch in der Stadtforschung und Soziologie große Aufmerksamkeit (vgl. Dohnke und Seidel-Schulze 2013: 529).

Die Konzentration von Teilen der Bevölkerung in Stadtquartieren mit sozialen Problemlagen ist kein neues Erscheinungsbild in Großstädten (vgl. ebd.: 529). Schon in der Phase der Hochindustriealisierung bildeten sich in westlichen Großstädten Unterschiede in der Wohnqualität nach Bevölkerungsgruppen in Stadtteilen. Mit der Einführung der sozialen Wohnungspolitik wurde der Abbau der sozialräumlichen Segregation zwar zum Ziel der Stadtentwickler (vgl. Häussermann 2012), Problemviertel, wie Köln Chorweiler, bleiben jedoch bis heute bestehen

Neben der hohen Anzahl der Arbeitslosen im Kölner Problemviertel sind es insbesondere verwahrloste Wohnungen, welche die Segregation immer weiter voran schreiten lässt. „Heute sind 70 Prozent der Wohnungen im Stadtteil nach Angaben des Sozialbüros der katholischen Kirche in einem bedenklichen oder schlechten Zustand. Es gibt Ausnahmen, gut geführte Häuser, die Mehrheit des Stadtteils ist aber verfallen. An vielen Stellen blüht Schimmel, der Fußboden ist kaputt, Strom gibt es seit Jahren nicht mehr, und die einfach verglasten Alufenster klappern bei Wind“ (Steppat 2016).

Im Folgenden soll deshalb der Frage nachgegangen werden, wie sich die sozialräumliche Segregation in Köln in den letzten 15 Jahren entwickelt hat und was die Ursachen dafür sind.

Diese Frage ist von großer Bedeutung, da sozialräumliche Segregation Auswirkungen auf die, in den einzelnen Quartieren lebenden, Bewohnern haben kann. Diese werden von Friedrichs und Triemer (2009) als Kontexteffekte benannt, werden in der vorliegenden Arbeit jedoch nicht thematisiert.

Zu Beginn der Arbeit wird der theoretische Rahmen anhand der Definitionen der Begriffe Armut und Segregation sowie der Ursachen für sozialräumliche Segregation gelegt. Daraufhin wird das methodische Vorgehen anhand des Duncan-Segregationsindex beschrieben, um anschließend die sozialräumliche Segregation in Köln der Jahre 2005 bis 2015 zu bewerten und zu vergleichen. Abschließend werden Maßnahmen gegen sozialräumliche Segregation vorgestellt.

Als Literatur wurden ausgewählte Werke Farwicks, Friedrichs sowie Duncan und Duncan ausgewählt. Als Primärquelle zur Datenerhebung dienten die Kölner Stadtteilinformationen der Jahre 2005, 2010 sowie 2015 des Amt für Stadtentwicklung und Statistik der Stadt Köln.

Für die Analyse wurde sich für den Segregationsindex nach Duncan und Duncan (1955) entschieden, da dieser am häufigsten in der wissenschaftlichen Literatur zum Thema verwendet wurde und die betrachteten Jahre miteinander verglichen werden konnten.

2. Theoretische Grundlagen

2.1 Der Begriff der Armut

Armut ist ein politisch normativer Begriff (vgl. Butterwegge 2009:13) und bezeichnet dem DIW zufolge „einen Mangel an finanziellen Mitteln oder lebenswichtigen Gütern, unter dem einzelne Personen oder Personengruppen leiden“ (DIW).

Grundsätzlich wird in der Armutsforschung zwischen relativer und absoluter Armut unterschieden.

Absolute Armut ist physische Armut (vgl. DIW). Arm ist demnach jede Person, welcher die zur physischen Existenz notwendigen Güter fehlen (vgl. Ludwig-Mayerhofer und Barlösius 2001: 26). Die Personengruppe kann ihre Grundbedürfnisse, wie Nahrung, Kleidung und Obdach, demnach nicht befriedigen. Absolute Armut ist jedoch in entwickelten Ländern, so auch in Deutschland, so gut wie überwunden (vgl. DIW). Die absolute Armut ist ein Zustand, in dem die Grundversorgung nicht gegeben ist und das gewichtete Einkommen unter 3,10 US-Dollar pro Tag und Kopf liegt. Von extremer Armut sind Menschen betroffen, die ein gewichtetes Einkommen von unter 1,90 US-Dollar pro Tag beziehen (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung 2017).

Relativ Armutsgefährdet sind Personen, die, nach der EU-Definition für EU-SILC, über weniger als 60 % des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung verfügen (vgl. Deutscher Bundestag 2016). Der Lebensstandard und die Lebensbedingungen der Person liegen demzufolge zu weit unter dem durchschnittlichen Lebensstandard in der Bevölkerung (vgl. Butterwegge 2009: 19). Relative Armut bezieht sich somit auf ein „sozio-kulturelles Existenzminimum“, welches überschritten wird (vgl. Ludwig-Mayerhof und Barlösius 2001: 26). Nach der Definition des europäischen Rates von 1984 gelten Menschen als arm, „die über so geringe materielle, kulturelle und soziale Mittel verfügen, das sie von der Lebensweise ausgeschlossen sind, die in dem Mitgliedsstaat, in dem sie leben, als Minimum annehmbar ist." (Böhnke 2002). Die monetäre Armut liegt dem statistischen Bundesamt (2018) zufolge bei einem Jahreseinkommen von 12.765 Euro einer alleinlebenden Person. Demnach waren im selben Jahr 16,5% der deutschen Bevölkerung von relativer Armut betroffen, während es im Jahr 2010 noch 15,6% waren (vgl. statistisches Bundesamt 2018).

2.2 Der Begriff der Segregation

Der Begriff der Segregation ist auf die Soziologen Ernest W. Burgess, Robert E.Park und Roderick D. McKenzie zurück zu führen, welche in den zwanziger Jahren Untersuchungen über die räumliche Struktur von Chicago durchführten und veröffentlichten (vgl. Blasius 1988). Sie beschreiben Segregation als Isolation von Nachbarschaften in einer jeden Stadt. „Where individuals of the same race or of the same vocation live together in segregated groups, neighborhood sentiment tends to fuse together with racial antagonisms and class interests“ (Park und Burgess 1925: 9).

Diese Definition wurde im Verlauf des letzten Jahrhunderts durch verschiedene Merkmale ergänzt. Als Segregation wird heute im Allgemeinen die Entmischung von unterschiedlichen Elementen in einem Teilgebiet bezeichnet. Farwick (2012: 381) zufolge kann zwischen räumlicher Separierung der Funktionen Arbeiten und Wohnen, sowie ungleichen sozialen Polarisierung verschiedener sozialer Bevölkerungsgruppen und einem Gebiet unterschieden werden. Im Folgenden wird der Begriff der sozial-residentiellen Segregation definiert.

Demnach ist Segregation in der dynamischen Betrachtung die räumlich ungleiche Verteilung von vielen Bevölkerungsgruppen über die städtischen Teilgebiete (vgl. Friedrichs 1977: 217; vgl. Häußermann 2008: 336). „Segregation äußert sich in der Konzentration der Gruppenmitglieder in einzelnen Stadtvierteln bzw. Teilgebieten bei gleichzeitiger Unterrepräsentation in anderen Teilgebieten“ (Dohnke und Seidel-Schulze 2013: 530). Statisch gesehen ist die Segregation das Muster einer ungleichen Verteilung von Bevölkerungsgruppen im betrachteten Gebiet (vgl. Farwick 2012: 381). Wächst die Ungleichheit in einer Stadt, wächst das Ausmaß der sozialen Segregation (vgl. ebd.). Überdies wird in die drei Kategorien Gebiet, Teilgebiet und Individuum unterschieden, wenn von Segregation gesprochen wird. Im Gebiet wird die ungleiche Verteilung von Bevölkerungsgruppen über die Teilgebiete, demnach die eigentliche Segregation, beschrieben, während im Teilgebiet die Konzentration einer Bevölkerungsgruppe in einem Teilgebiet an der Gesamtbevölkerung des Teilgebietes gemessen wird. Die Kategorie des Individuums gibt den räumlichen Abstand zwischen Personen in einem Teilgebiet an (vgl. ebd.: 381).

Die ungleiche Verteilung der Bevölkerungsgruppen kann sich bei der sozialräumlichen Segregation auf verschiedene soziale Gruppen, wie religiöse oder ethnische Gruppen, Bildungsgruppen, Altersgruppen oder Arbeitergruppen beziehen, die, je nach sozialen, kulturellen oder ethnischen Gemeinsamkeiten, konzentriert in einem Quartier leben (vgl. Friedrichs 1988: 56; vgl. Häußermann 2007). Einzelne Stadtteile werden deshalb oftmals als „Arbeiterquartier“, „bürgerliches Viertel“ oder „Szene Viertel“ bezeichnet (vgl. Farwick 2012: 381). Schon Bourdieu (1991) maß der „mentalen Struktur“ dieser Bezeichnungen große Bedeutung zu.

Zuletzt muss zwischen erzwungener und freiwilliger sozialräumlicher Segregation unterschieden werden. Erzwungene sozialräumliche Segregation liegt vor, wenn einkommensschwache oder diskriminierte Gruppen in immer weniger Quartieren der Stadt Wohnraum finden. Ihnen bleiben bestimmte Wohnraumsegmente aufgrund der für sie zu hoher Mietpreise verschlossen (vgl. Dohnke und Seidel.Schulz 2013: 529, Häußermann 2008: 336). Freiwillige sozialräumliche Segregation basiert hingegen auf freiwilligen Präferenzen bei der Wohnungssuche. Durch die vorhandenen Ressourcen des Haushalts ist die Wohnstandortswahl frei. Die betroffenen Bevölkerungsgruppen suchen räumliche Nähe zu sozial, kulturell und ökonomisch ähnlichen Gruppen in der Stadt (vgl. ebd., vgl. ebd.; vgl. Friedrichs 1995). Am stärksten segregiert leben deshalb die Ärmsten und Reichsten Teile der Stadtbevölkerung.

2.3 Ursachen sozialräumlicher Segregation

Das Zusammenwirken verschiedener Prozesse ist Ursache für die sozialräumliche Segregation in Städten. Der entscheidende Mechanismus der ungleichen räumlichen Verteilung von unterschiedlichen sozialen oder ethnischen Bevölkerungsgruppen bildet jedoch der Wohnungsmarkt. Akteure der Angebots- sowie der Nachfrageseite sind verantwortlich für die räumliche Separierung der Wohnstandorte (vgl. Farwick 2012: 383f.).

Das Angebot über Wohnraum in einem Gebiet wird durch Grundeigentümer, Investoren, Kreditinstitute, Architekten, Wohnungsbauträger, Vermieter und Makler entschieden. Sie bieten Wohnraum, je nach Qualität und Lagegunst, zu einem bestimmten Immobilienpreis an und entscheiden somit über Herstellung und Verteilung (vgl. ebd.). Die Wohnraumpreise richten sich außerdem nach dem sozialen Milieu, welches sowohl seitens der Angebots- als auch seitens der Nachfrageseite mit einem bestimmten Gebiet in Verbindung gebracht wird (vgl. Häußermann 2008: 342). „Die Angebotsseite bildet somit den Rahmen, in dem sich die privaten Haushalte als Akteure der Nachfrageseite gemäß ihren spezifischen Präferenzen, aber auch der ihnen auferlegten Restriktionen mit Wohnraum versorgen“ (Farwick 2012.: 384). Beschränkungen ergeben sich im privaten Wohnraumbau insbesondere aus den vorhandenen ökonomischen Ressourcen der Nachfrager und sozialer Diskriminierung bestimmter Bevölkerungsgruppen (vgl. ebd.: 384).

Der öffentlich geförderte soziale Wohnungsbau zeichnet sich hingegen durch das Herabsetzen der Marktmechanismen aus. Personengruppen mit wenig vorhandenen Ressourcen kann durch die Mietpreis- und Belegungsbindung Wohnraum zur Verfügung gestellt werden. Es wird jedoch immer weniger in sozialen Wohnraum investiert (vgl. Farwick 2001: 54ff.; vgl. Häußermann 2008: 342). Beschränkungen im öffentlichen Wohnraumbau ergeben sich durch Mechanismen der Wohnungsverteilung (vgl. Farwick 2012: 384).

Das räumlich gegliederte Wohnangebot der privaten und öffentlichen Anbieter lenkt Haushalte verschiedener sozialer Milieus in bestimmte Wohnquartiere. Haushalte mit großen finanziellen Ressourcen wohnen demnach segregiert in privilegierter Lage, Haushalte mittleren Einkommens in sozial gemischter Lage und Haushalte ohne finanzielle Ressourcen in sozial schwacher Lage. Sozial schwache Quartiere zeichnen sich dabei durch unattraktive Wohnlagen, geringe Qualität der Wohnobjekte sowie geringe Immobilienpreise aus (vgl. Farwick 2012: 384).

Häußermann (2008) merkt zudem an, dass Quartiere der Benachteiligten zu „[…] Quartieren der zusätzlichen Benachteiligung – zu Gebieten also, in denen die Lebenschancen durch Netzwerkarmut, Sozialisationsprozesse und Unterversorgung mit öffentlicher Infrastruktur systematisch beeinträchtigt werden, werden“. Die soziale Ungleichheit in der Bevölkerung nach Klassen, Ethnien, Geschlecht oder sozialem Milieu wächst. Dies führt zu einer wachsenden Ungleichheit der städtischen Teilgebiete nach Merkmalen der Wohnung, der infrastrukturellen Ausrichtung, der Erreichbarkeit sowie der Lage (vgl. Alisch 2018: 504f.).

Eine weitere Ursache für sozialräumliche Segregation in Städten ist der Abbau von Arbeitsplätzen im produzierenden Gewerbe infolge der Deindustrialisierung. In deutschen Großstädten kam es in der Vergangenheit zu einem „demographic-spatial mismatch“. Durch die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland und die zunehmende Innovation im Produktionsprozess entsprechen die Qualifikationen vieler Arbeiter nicht mehr den nachgefragten Qualifikationen der Unternehmen. Arbeiterquartiere, wie beispielsweise Köln Kalk, sind durch die Schließung oder Verlagerung von Betrieben von plötzlicher Arbeitslosigkeit und Armut betroffen (vgl. Friedrichs und Triemer 2009: 29).

3. Methodisches Vorgehen

3.1 Duncan Segregation Index

Duncan und Duncan entwickelten 1955 den Segregationsindex, um den Grad und die Entwicklung der Ungleichverteilung von Bevölkerungsgruppen in städtischen Teilgebieten zu erfassen (vgl. Farwick 2012: 387; vgl. Dohne und Seidel-Schulz 2013: 532). Der Segregationsindex Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten vergleicht die Verteilung einer Bevölkerungsgruppe m mit der aller Einwohner f über n Teilgebiete eines Raumes. Für jedes Gebiet i berechnet man Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten, den Prozentsatz einer Gruppe an ihrer Gesamtzahl im Untersuchungsraum (vgl. Duncan und Duncan 1955: 210ff.).

Der Segregationsindex beschreibt demnach den Anteil der Bevölkerung, die umziehen müsste, um eine Gleichverteilung der verglichenen Personengruppen über das gesamte Stadtgebiet hinweg zu erreichen. Der Index kann Werte von 0 bis 100 annehmen. Ein Wert von 0 oder ein sehr niedriger Wert deuten auf eine absolute oder hohe soziale Durchmischung hinsichtlich der beobachteten Merkmale hin. Ein Wert von 100 oder ein sehr hoher Wert deutet auf eine absolute räumliche Segregation oder eine hohe Konzentration der Bevölkerungsgruppen in Quartieren hin (vgl. Farwick 2012: 387; vgl. Dohne und Seidel-Schulz 2013: 532).

Bei der Berechnung des Segregationsindex ist zu beachten, dass die Gesamtstadt in möglichst viele Teilgebiete untergliedert werden kann, damit eine genaue Interpretation des Indexwert erfolgen kann. Denn je größer die Teilgebiete sind, desto geringer ist der Segregationsindex. Ist eine Stadt in wenige, aber große Quartiere unterteilt, ist die Durchmischung verschiedener Bevölkerungsgruppen wahrscheinlicher (vgl. Friedrichs und Triemer 2009: 21). Der Segregationsindex verschiedener Städte ist deshalb nicht immer vergleichbar (vgl. Blasius 1988).

3.2 Datenerhebung

Zur Messung der sozialräumlichen Segregation in Köln wurden Daten zur Arbeitslosigkeit durch die vorliegenden Daten der Stadt Köln bewertet und verglichen. Die Analyse wurde demnach auf den Indikator Armut beschränkt.

Die Verteilung der Bevölkerungsgruppe m „SGB II-Empfänger“ wurde mit der aller Einwohner der Stadt Köln f verglichen. Für jeden Stadtteil in Köln wurde deshalb der Prozentsatz der SGB II-Empfänger sowie der Nicht-SGB II-Empfänger für die Jahre 2005, 2010 und 2015 berechnet, wobei n=86.

Die Variablen Bevölkerungszahl der Stadt Köln gesamt, Bevölkerungszahl der 86 Stadtteile, Anzahl der SGB II-Empfänger in Köln gesamt, Anzahl der SGB II-Empfänger der 86 Stadtteile, Anzahl der SGB II-Empfänger in Prozent der Stadt Köln gesamt, Anzahl der SGB II-Empfänger der 86 Stadtteile in Prozent, Anzahl der Nicht-SGB II-Empfänger der Stadt Köln gesamt, Anteil der Nicht-SGB II-Empfänger in den 86 Stadtteilen wurden einbezogen.

4. Sozialräumliche Segregation in Köln

4.1 Bewertung der sozialräumlichen Segregation in Köln von 2005-2015

Die Bevölkerungszahl Köln ist von 2005 bis 2015 um 46.091 Einwohner gestiegen (vgl. Tabelle 1). Mit 1.069.192 Einwohnern war die Stadt im Jahr 2015 somit die viert größte Großstadt Deutschlands und eine der vier Millionenstädte im Land (vgl. Statista 2018). Die Bewohner der Stadt leben in 86 Stadtteilen, im weiteren Quartiere genannt, in welchen sich Menschen aus verschiedenen sozialen Gruppen und Milieus niedergelassen haben. Nicht immer leben Menschen der verschiedenen sozialen Gruppen und Milieus in einem Quartier. Vielmehr bilden sich geschlossene Nachbarschaften.

Dieses Phänomen, die sozialräumliche Segregation, ist in Köln am Beispiel der SGB II-Empfänger zu beobachten. Der sozialräumliche Segregationsindex stieg, wie in Tabelle 1 zu erkennen ist, von 2005 bis 2015 um 4,21 Prozentpunkte an und erreichte im letzten betrachteten Jahr einen Index von 31,31, den höchsten der betrachteten Jahre. Im Jahr 2005 lag der sozialräumliche Segregationsindex bei 27,1, 2010 bei 29,4. Demnach hätten im Jahr 2015 31,31% der Kölner Bevölkerung aus bestimmten Quartieren in andere Quartiere umziehen müssen, um eine optimale Verteilung verschiedener Bevölkerungsgruppe auf die 86 Quartiere zu erreichen.

Der kontinuierliche Anstieg des sozialräumlichen Segregationsindex ist jedoch nicht mit dem Anstieg der SGB II-Empfänger zu erklären. Im Jahr 2005 bezogen 116.107 Bewohner der Stadt Köln Grundsicherung für Arbeitssuchende. Die Zahl sank 2010 auf 115.497 Personen und stieg 2015 wieder auf 117.050 Empfänger an. Im Verhältnis zur gesamten Einwohnerzahl der Stadt Köln sank die SGB II-Quote von 2005 bis 2015 um 0,4 Prozentpunkte.

Tabelle 1: Gesamtstädtische Daten und Segregationsindex sozial Köln 2005-2015

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: vgl. Amt für Stadtentwicklung und Statistik der Stadt Köln (2005, 2010, 2015a); eigene Berechnungen.

Zu betrachten ist deshalb die Verteilung der Empfänger der Grundsicherung für Arbeitssuchende auf die 86 Stadtteile Kölns in den betrachteten Jahren. Abbildung 1 zeigt die Stadtkarte Kölns und dessen Quartiere nach dem Anteil der Leistungsberechtigten mit Grundsicherung für Arbeitssuchende nach dem Sozialgesetzbuch II in Prozent im Jahr 2015. Die soziale Ungleichheit in der Stadt kann durch die Konzentration verschiedener Milieus und sozialer Gruppen in unterschiedlichen Quartieren erklärt werden. Während in 13 Stadtteilen die Anzahl der SGB II Empfänger unter 5% lag, liegt die Quote in 19 anderen Stadtteilen bei über 20% der im Quartier lebenden Menschen.

Demnach leben Menschen aus privilegierten oder benachteiligten sozialen Gruppen hoch konzentriert in insgesamt 34 der 86 Kölner Stadtteile und sind unterpräsentiert in anderen Quartieren. Es ist anzunehmen, dass auch in Stadtteilen mit SGB II-Empfängern von 5-9,9% und 15-19,9% Personengruppen konzentriert in einem Quartier leben.

Vergleicht man die Anzahl der konzentrierten Gebiete mit denen der Jahre 2005 und 2010, ist zu erkennen, dass die Anzahl dieser bis zum Jahr 2015 signifikant gestiegen ist. Während im Jahr 2005 24 Quartiere stark sozialräumlich segregiert waren, waren es 2010 35 Stadtteile (vgl. siehe Anhang). Die Zunahme dieser Quartiere wirkt sich auf den Segregationsindex aus und lässt diesen steigen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Sozialräumliche Segregation in Köln der Jahre 2005, 2010 und 2015 im Vergleich
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
35
Katalognummer
V1012780
ISBN (eBook)
9783346407306
ISBN (Buch)
9783346407313
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziologie, Segregation, Vergleich, Köln
Arbeit zitieren
Ann-Kathrin Falke (Autor), 2018, Sozialräumliche Segregation in Köln der Jahre 2005, 2010 und 2015 im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1012780

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