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Abenteuer(-pädagogik) und Schule – ein unauflösbares Dilemma? Bilbo Beutlin als literarisches Übergangsobjekt juveniler Rezeption und die Bildungskategorie des Abenteuers im Horizont seines literarischen Lebens

Titel: Abenteuer(-pädagogik) und Schule – ein unauflösbares Dilemma? Bilbo Beutlin als literarisches Übergangsobjekt juveniler Rezeption und die Bildungskategorie des Abenteuers im Horizont seines literarischen Lebens

Examensarbeit , 2019 , 75 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Martin Reese (Autor:in)

Sport - Sportsoziologie
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Arbeit spürt der Frage nach, ob Abenteuer bzw. Abenteuerpädagogik und Schule wirklich sich ausschließende Konzepte sind. Über den Umweg der Literaturrezeption, die einen angestammten Platz in der Schule hat, wird eine Lösung des Dilemmas angestrebt. Dazu wird zunächst eine Begriffsklärung bzw. -abgrenzung vorgenommen, wobei sowohl das Erlebnis, das Abenteuer, das Wagnis, das Risiko und die Gefahr voneinander abgegrenzt werden.

Anschließend wird der Helden-Begriff fokussiert und auf seine Modernisierungstendenzen hin befragt. Hiervon ausgehend werden entwicklungspsychologische Übergangsobjekte nach Winnicott beleuchtet und in diesem Horizont wird auch das Konzept eines literarischen Übergangsobjektes entworfen: Nach diesem wird der Held einer Erzählung vom Leser angeeignet und kann fortwährend als Helfer (Mentor) in Übergangsphasen im Leben fungieren. Am Beispiel von Tolkiens Hobbit wird aufgezeigt, dass Abenteuer und Schule durchaus kompatible Parameter sind, die zusammengeführt zu einem innovativen Ansatz beitragen können, um die Abenteuer- und Erlebnispädagogik passfähiger für die Schule zu machen. Die Diskussion wird auf intermedialer Grundlage geführt, da sowohl die Bücher als auch die Filme Tolkiens verhandelt werden.

Ziel der Arbeit ist die Diskussion, ob das Abenteuer als Bildungskategorie, wenn es sich in der praktischen Performation gegen alle pädagogische Inszenierung sperrt, vielleicht über den Umweg der Literatur einen Weg in die Schule finden kann.
Michael Nerlich bezeichnet das Abenteuer als das Schlüsselwort der Moderne, welches wie kein anderes für die Entwicklung und Perpetuierung der Habitusformationen moderner Menschen steht, was als starke Legitimation zur Thematisierung des Abenteuerlichen in der Schule ausgelegt werden kann. Die Arbeit unterliegt daher der folgenden Aufbaulogik: Die von Becker konturierte und eingeforderte Abenteuerpädagogik ist nicht ohne den Begriff des Erlebnisses zu denken respektive zu diskutieren, daher wird einleitend der Erlebnisbegriff fokussiert. Aus seiner Phänomenologie heraus kann anschließend auch der Rezeptionsprozess des Lesens als Erlebnis deriviert werden. Die Betrachtung vorgebrachter Kritik am Erlebnisbegriff rundet diesen ersten Teil der Arbeit ab (1).

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Fragestellung der Arbeit

1.2 Aufbau der Arbeit

2. Das Erlebnis

2.1 Der Erlebnisbegriff – was ist eigentlich ein Erlebnis?

2.1.1 Erlebnisdimensionen

2.1.2 Erlebnismodus/Erlebnismodi

2.1.3 Erlebnisbereiche

2.1.4 Zeitstruktur von Erlebnissen

2.2 Literaturrezeption als Erlebnis?

2.3 Kritik am Erlebnisbegriff

3. Das Abenteuer

3.1 Begriffsabgrenzung: Abenteuer – Risiko – Wagnis

3.2 Charakteristika des (realen) Abenteuers

3.2.1 Das Abenteuer als Handlungsmodell

3.2.2 Das Abenteuer und seine pädagogische Inszenierung – ein Dilemma

3.2.3 Ergebnisoffene, abenteuerliche Aktivitäten im Kontext von Schule (und Schulsport)

3.3 Fiktive Abenteuer – Literatur als Schauplatz abenteuerlichen Unterwegsseins und Transportvehikel für die Bildungskategorie des Abenteuers

4. Von Übergängen und Helden in der Literatur

4.1 Betrachtungen zum Helden-Begriff

4.2 Übergangsobjekte (Winnicott)

4.2.1 Literatur als Übergangsobjekt

4.2.2 Helden als literarische Übergangsobjekte

5. J. R. R. Tolkien – Mittelerde und Der kleine Hobbit

5.1 Über Hobbits – kindliche Antihelden im Blickpunkt

5.2 Bilbos Reise zum Erebor – das Bildungsabenteuer eines Hobbits

5.2.1 Der Aufbruch

5.2.2 Das Unterwegssein

5.2.3 Die Wiederkehr

6. Diskussion

7. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das bestehende Dilemma zwischen den starren, sicherheitsorientierten Strukturen der Schule und der für die jugendliche Ontogenese wertvollen Bildungskategorie des Abenteuers. Ziel ist es zu erörtern, ob fiktive Literatur – exemplarisch am Beispiel von J. R. R. Tolkiens "Der kleine Hobbit" – als "Transportvehikel" fungieren kann, um abenteuerliche Erfahrungsmuster und Entwicklungspotenziale in den schulischen Kontext zu integrieren.

  • Kritische Analyse der Erlebnispädagogik und Abgrenzung des Abenteuerbegriffs.
  • Untersuchung der strukturellen Ähnlichkeiten zwischen Abenteuer und Adoleszenz.
  • Diskussion von Literatur und literarischen Figuren als "Übergangsobjekte" zur Förderung selbstständiger Bildungsprozesse.
  • Entwicklung eines Modells für einen fächerübergreifenden Unterricht zur Implementierung abenteuerlicher Bildungsinhalte.

Auszug aus dem Buch

3.2.1 Das Abenteuer als Handlungsmodell

Die bereits angeklungene Disparität zwischen dem Abenteuer und der Alltagswelt kann durch das Strukturmodell des Abenteuers übersichtlich dargestellt werden: In das Abenteuer eingetreten wird durch den Aufbruch, indem die vertraute Welt verlassen wird. Im Unterwegssein wartet dann Fremdes und Unbekanntes, welches als widerständig zu erwarten ist und die bewährten Routinen des Alltags versagen lässt. Durch die Heimkehr wird der abenteuerliche Handlungs- und Erfahrungsraum schließlich wieder verlassen.

Das Handlungsmodell des Abenteuers ermöglicht demzufolge im Unterwegssein einen spielerischen Umgang mit der Kategorie des Fremden, wobei Widerständiges neugierig als Herausforderung wahrgenommen werden kann. Als konstitutives Merkmal, gar als Strukturkern des Abenteuers exponiert sich somit das Wechselspiel von Krise und Routine, welches ursprünglich von Oevermann beschrieben wurde. Dieser unterscheidet insgesamt drei Krisen voneinander:

Die traumatische Krise (1), welche von sogenannten brute facts ausgelöst wird. Demnach können materiale Widerstände, überwältigende Gefühle oder auch somatische Beeinträchtigungen für eine Krisensituation sorgen, auf welche unmittelbar reagiert werden muss. Da sich das Bildungssubjekt im Abenteuer aussetzt, kann sich nicht nicht entschieden werden – dies führt zur sogenannten Entscheidungskrise (2). Denn auch eine vermeintliche Nicht-Entscheidung hat unmittelbar Auswirkungen: Setzt sich ein Abenteurer beispielsweise den trügerischen Wetterumschwüngen einer Gebirgslandschaft aus, dann ist bei abrupt aufziehendem Gewitter eine Entscheidung zu fällen. Es gibt keine Entscheidungsvakanz, welche ohne Folgen bliebe, denn auch das Verharren in der Ausgesetztheit der aktuellen Situation – also eine vermeintliche Nicht-Entscheidung – hat unmittelbar spürbare Auswirkungen: Das Gewitter muss dann ausgehalten werden.

Die Krise durch Muße (3) schließlich ist eine selbsterzeugte Krise, welche eine von Handlungs- und Praxisdruck befreite Beschäftigung mit einer Sache – beispielsweise im Sinne ästhetischer Auseinandersetzung – um ihrer selbst willen meint.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit problematisiert die schulische Exklusion des Abenteuers als Bildungskategorie und stellt die Forschungsfrage nach einem möglichen Weg durch die Literatur.

2. Das Erlebnis: Es erfolgt eine theoretische Fundierung des Erlebnisbegriffs und eine kritische Auseinandersetzung mit der erlebnispädagogischen Praxis.

3. Das Abenteuer: Dieses Kapitel definiert das Abenteuer als Handlungsmodell und beleuchtet das Dilemma seiner pädagogischen Inszenierung im schulischen Kontext.

4. Von Übergängen und Helden in der Literatur: Der Held wird als literarisches Übergangsobjekt eingeführt, das Jugendliche in ihrer Entwicklung als Mentor unterstützen kann.

5. J. R. R. Tolkien – Mittelerde und Der kleine Hobbit: Anhand der Reise Bilbo Beutlins wird exemplarisch aufgezeigt, wie eine literarische Ontogenese als Bildungsabenteuer fungieren kann.

6. Diskussion: Hier wird der Transfer der theoretischen Überlegungen in ein schulisches Vermittlungsmodell (fächerübergreifender Unterricht) vollzogen.

7. Fazit: Die Arbeit resümiert die Möglichkeiten der Literaturrezeption als Mittel zur Förderung abenteueraffiner Habitusformationen und benennt Desiderate für künftige Forschung.

Schlüsselwörter

Abenteuerpädagogik, Erlebnispädagogik, Schule, Literaturunterricht, Bilbo Beutlin, Der kleine Hobbit, Übergangsobjekte, Adoleszenz, Wagnis, Risiko, Bildung, Handlungsmodell, Mittelerde, Ontogenese, Mimesis.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Hausarbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert, wie die pädagogisch wertvolle Bildungskategorie des Abenteuers, die in aktuellen schulischen Arrangements kaum Platz findet, dennoch für Schüler zugänglich gemacht werden kann.

Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?

Die Arbeit verbindet Erlebnispädagogik, Literaturdidaktik und Entwicklungspsychologie, um das Spannungsfeld zwischen Schule, individuellem Wagnis und literarischer Fiktion zu untersuchen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die zentrale Frage ist, ob die Rezeption fiktiver Abenteuer als "Transportvehikel" für die Bildungskategorie des Abenteuers in der Schule dienen kann, um abenteueraffine Entwicklungsprozesse bei Jugendlichen anzustoßen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Basis einer Literaturanalyse (u.a. von Peter Becker, Donald Winnicott und J. R. R. Tolkien) ein strukturelles Modell für einen fächerübergreifenden Unterricht entwickelt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine phänomenologische Fundierung des Erlebnis- und Abenteuerbegriffs, die Anwendung des Konzepts der Übergangsobjekte auf literarische Helden sowie eine detaillierte Analyse der Ontogenese Bilbo Beutlins.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlagworte sind Abenteuerpädagogik, Bildung, Adoleszenz, Übergangsobjekt, Literaturdidaktik und die kritische Auseinandersetzung mit schulischen Strukturen.

Welche Rolle spielt J. R. R. Tolkiens "Der kleine Hobbit" in der Argumentation?

Das Werk dient als exemplarisches "Fallbeispiel", an dem aufgezeigt wird, wie eine literarische Heldengeschichte als Spiegel für eigene Entwicklungsprozesse und als pädagogisches Werkzeug dienen kann.

Wie lässt sich das Dilemma zwischen Schule und Abenteuer laut Autor auflösen?

Durch einen fächerübergreifenden Ansatz, bei dem Literatur als kognitive Vorbereitung und "Mimesis des Ernstfalls" genutzt wird, um Schüler für ein späteres, autonomes und echtes Abenteuer im Leben zu stärken.

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Details

Titel
Abenteuer(-pädagogik) und Schule – ein unauflösbares Dilemma? Bilbo Beutlin als literarisches Übergangsobjekt juveniler Rezeption und die Bildungskategorie des Abenteuers im Horizont seines literarischen Lebens
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
1,0
Autor
Martin Reese (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2019
Seiten
75
Katalognummer
V1013012
ISBN (eBook)
9783346404572
ISBN (Buch)
9783346404589
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Abenteuer- und Erlebnispädagogik Übergangsobjekt Abenteuer als Bildungskategorie Heldenbegriff Heldenschema Held Sportsoziologie Reise interdisziplinär Herr der Ringe Der Hobbit Tolkien Bilbo Beutlin Frodo Schule Deutsch Sport Peter Becker
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Martin Reese (Autor:in), 2019, Abenteuer(-pädagogik) und Schule – ein unauflösbares Dilemma? Bilbo Beutlin als literarisches Übergangsobjekt juveniler Rezeption und die Bildungskategorie des Abenteuers im Horizont seines literarischen Lebens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1013012
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Leseprobe aus  75  Seiten
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