Bilder gelten vielen als Beiwerk zur Textarbeit: Bilder sind einfach strukturiert und ebenso einfach zu decodieren. Dass auch Bilderlesen gelernt sein will und dass auch hier eine Art von Analphatbetismus vorliegen kann, wird in dieser Arbeit am Beispiel des berühmten Tischbein-Gemäldes Goethe in der Campagna diskutiert. Dazu wird zunächst der Medienbegriff der vorliegenden Arbeit umrissen, wonach das Medium Bild fokussiert wird: Einer phänomenlogischen Betrachtung folgt die genaue Betrachtung. Hierbei geht es um die Gefahr der Oberflächlichkeit von Bildern, Möglichkeiten der Binnendifferenzierung sowie die Frage zur Glaubwürdigkeit von Bildern, denn Bildmanipulation ist nicht zu unterschätzen.
Daraufhin wird die Visual literacy in den Blick genommen, wonach auch Bilder gelesen werden müssen, um sie zu verstehen bzw. um die Ausbildung einer Bildlesekompetenz. Auch eine Überprüfung des Hessischen Kerncurriculums hinsichtlich dieser Frage wird vorgenommen. Letztlich wird am Exempel des Tischbein-Gemäldes ein möglicher Arbeitsweg im Literaturunterricht der Oberstufe auf Grundlage eines Vorschlages von Doelker aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Medium Bild
2.1 Medien – eine begriffliche Einordnung
2.2 Bilder – eine phänomenologische Betrachtung
2.3 Bilddidaktik – das Bild in arrangierten Lehr‐/Lernsituationen
2.3.1 Bilder und die Gefahr der Oberflächlichkeit
2.3.2 Binnendifferenzierung durch Bilder
2.3.3 Zur Kredibilität des Mediums Bild
3 Visual literacy
3.1 Texte lesen, Bilder lesen – visuelle Medien
3.2 Kerncurriculum und Bildlesekompetenz
4 Exemplarisches Bildlesen im deutschen Literaturunterricht der gymnasialen Oberstufe: Goethe in der Campagna (Tischbein)
4.1 Der Betrachter spricht – eine Bildbeschreibung
4.2 Das Bild spricht – die Inhärenz
4.3 Der Bildautor spricht – die Intention
5 Konklusion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende wissenschaftliche Arbeit untersucht, inwiefern eine Zentralisation des Unterrichtsmediums Bild eine fertile Rolle im Literaturunterricht der gymnasialen Oberstufe spielen kann. Ziel ist es, das didaktische Potenzial visueller Medien aufzuzeigen und durch eine exemplarische Analyse eines Gemäldes eine Methode zu validieren, die über die rein textbasierte Unterrichtspraxis hinausgeht.
- Phänomenologische Betrachtung und Definition des Mediums Bild
- Analyse der visuellen Kompetenz (Visual Literacy) im schulischen Kontext
- Kritische Auseinandersetzung mit dem Hessischen Kerncurriculum
- Exemplarische Anwendung einer dreistufigen Bildlesemethode am Porträt "Goethe in der Campagna"
- Diskussion über das Verhältnis von Darstellung, Wirklichkeit und Kredibilität
Auszug aus dem Buch
4.1 Der Betrachter spricht – eine Bildbeschreibung
Eine mögliche subjektive Bildbeschreibung eines Schülers könnte auf Grundlage des ökologischen Bildverstehens folgendermaßen aussehen: Auf dem Bild wird ein Mann in weißem Mantel mit schwarzem Hut auf dem Kopf dargestellt. Er sitzt leger auf einem behauenen Stein und scheint etwas außerhalb der Bildperspektive zu betrachten. Seine Mimik ist eher ernst und konzentriert. Garderobe und Frisur des Mannes wirken antiquiert, ebenso wie die dargestellten Ruinen im Hintergrund und der Rundturm einer Burg. Weiter hinten kann man einige Berggipfel erkennen. Das Bild wirkt eher düster, es wurden überwiegend gedeckte Farben verwendet. Ein wenig grün beschränkt sich auf die karge Flora – einen Baum und einige Sträucher. Der Himmel ist bedeckt, aber um den Kopf des Mannes herum aufgehellt. Auf einem ebenfalls behauenen Stein, der rechts des Mannes schief liegt, sind Abbildungen menschliche Figuren ausgearbeitet. Wiederum rechts davon liegt ein Ornament. Das Bild könnte einen sich ausruhenden Wanderer darstellen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Omnipräsenz von Bildern in der digitalen Welt und leitet daraus die Notwendigkeit einer schulischen Vermittlung von Bildlesekompetenz ab, um oberflächliche Rezeption zu vermeiden.
2 Das Medium Bild: Dieses Kapitel definiert Unterrichtsmedien als Erfahrungsersatz, klassifiziert Bilder phänomenologisch und diskutiert die didaktischen Herausforderungen sowie die Bedeutung der Binnendifferenzierung und Kredibilität.
3 Visual literacy: Der Abschnitt erläutert den Kompetenzbegriff der "Visual Literacy" als notwendige Ergänzung zur Textkompetenz und analysiert kritisch das Hessische Kerncurriculum hinsichtlich seiner Behandlung visueller Medien.
4 Exemplarisches Bildlesen im deutschen Literaturunterricht der gymnasialen Oberstufe: Goethe in der Campagna (Tischbein): Hier wird eine dreistufige Methode zum Bildlesen praktisch angewandt, um anhand von Tischbeins Gemälde die Tiefe der Bildanalyse aufzuzeigen.
5 Konklusion: Das Fazit fasst zusammen, dass eine stärkere Einbindung intermedialer Faktoren den Literaturunterricht bereichert und den Primat des Textes zugunsten einer ganzheitlichen Medienkompetenz infrage stellt.
Schlüsselwörter
Bilddidaktik, Visual Literacy, Literaturunterricht, gymnasiale Oberstufe, Goethe in der Campagna, Tischbein, Bildlesekompetenz, Medienpädagogik, Unterrichtsmedien, Bildanalyse, Phänomenologie, Intermedialität, Kerncurriculum, Bildverstehen, Bildrezeption.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der didaktischen Integration des Mediums Bild im Fach Deutsch innerhalb der gymnasialen Oberstufe und hinterfragt den einseitigen Fokus auf Textarbeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Definition von Medien, das Konzept der Visual Literacy, die Analyse des Hessischen Kerncurriculums und die praktische Anwendung von Bildlesemethoden am Beispiel klassischer Kunst.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, inwiefern eine Zentralisierung des Mediums Bild im Literaturunterricht neue fachwissenschaftliche Erkenntnisse und ein tieferes Verständnis für Epochen und Veränderungsprozesse ermöglichen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine phänomenologische Herangehensweise, eine kritische Lehrplananalyse und erprobt exemplarisch die dreistufige Bildlesemethode nach Doelker.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine medienwissenschaftliche Fundierung, eine didaktische Einordnung der Bildkompetenz und eine detaillierte, dreiteilige Analyse von Tischbeins Gemälde.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Bilddidaktik, Visual Literacy, Literaturunterricht, Goethe in der Campagna und die Differenzierung zwischen ökologischem und indikatorischem Bildverstehen.
Was unterscheidet das ökologische vom indikatorischen Bildverstehen?
Das ökologische Verstehen beschreibt eine flüchtige, intuitive Wahrnehmung, während das indikatorische Verstehen eine analytische, gezielte Entschlüsselung von Bildinhalten, Kontexten und Intentionen erfordert.
Warum spielt das Gemälde "Goethe in der Campagna" eine besondere Rolle?
Es dient als Fallbeispiel, da es durch seine intermedialen Verweise und seine historische Bedeutung als Schnittstelle zwischen Epochen ideal geeignet ist, die Wirksamkeit der vorgestellten Bildlesemethode zu demonstrieren.
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- Martin Reese (Author), 2018, Das Unterrichtsmedium Bild im deutschen Literaturunterricht der gymnasialen Oberstufe. Ausbildung visueller Kompetenz am Beispiel von Tischbeins Gemälde "Goethe in der Campagna", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1013024