Mit Ausdrücken referieren wir auf außersprachliche Dinge. Wenn wertende Bedeutungsaspekte hinzukommen, wird von Nomination gesprochen. So kann die Kneipe gegenüber gemeint sein, wenn von "Oase" oder "Wasserloch" gesprochen wird. Dieselbe Kneipe kann aber auch mit "Spelunke" oder "Kaschemme" tituliert werden. Im sprachlichen Ausdruck wird ein Wertungsaspekt mit ausgedrückt. Besonders in der politischen Kommunikation werden Wörter auf die Goldwaage gelegt und mit dem Werkzeug der Nominationsanalyse können beispielsweise Reden adäquat untersucht werden. Wie hierbei vorgegangen werden kann, stellt diese Arbeit dar.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Zum Nominationsbegriff
3 Ein methodischer Leitfaden zum Erstellen einer Nominationsanalyse
3.1 Nominationssektoren festlegen und füllen
3.1.1 Nominationssektor A: Eigengruppe
3.1.2 Exkurs: Pronominale Gruppennomination
3.1.3 Nominationssektor B: Fremdgruppe
3.1.4 Nominationssektor C: Neutralgruppe
3.1.5 Teilsektoren der Nominationssektoren A – C
3.1.6 Nominationssektor D: Ereignisse und Sachverhalte
3.1.7 Zur Einheitlichkeit der Methode
3.2 Semantische Beschreibung der sprachlichen Ausdrücke
3.3 Kontexteinbettung
3.4 Möglichkeiten und Grenzen der Methode
4 Konklusion
Zielsetzung & Themen
Das Ziel der Arbeit ist die Erarbeitung eines handlichen Leitfadens zur Durchführung einer wissenschaftlichen Nominationsanalyse, der auf den theoretischen Grundlagen von Heiko Girnth aufbaut und diese kritisch reflektiert, um sie für die Untersuchung politischer Diskurse nutzbar zu machen.
- Grundlagen des Nominationsbegriffs in der Linguistik
- Strukturierung der Analyse durch Nominationssektoren und Teilsektoren
- Semantische und kontextuelle Untersuchung von Sprachausdrücken
- Kritische Reflexion und methodische Erweiterung des Girnthschen Modells
Auszug aus dem Buch
3.1 Nominationssektoren festlegen und füllen
Wie schon angeklungen ist, bilden Nominationssektoren ausgewählte Wirklichkeitsausschnitte, welche für den Kommunikationsbereich der Rede spezifisch sind. Sie bilden also Klassen von Referenzobjekten (vgl. Girnth 2015, S. 69) und sie besitzen vor allem deshalb politische Relevanz, weil vom politischen Akteur erwartet wird, dass er auf diese Wirklichkeitsausschnitte sprachlich Bezug nimmt. (Girnth 2015, S. 70)
Die Einteilung dieser Sektoren ist dem Analytiker im Grunde freigestellt, für die politische Kommunikation scheint Girnth allerdings eine logische Klassifikation gefunden zu haben. Diese geht „von der Frage nach der kommunikativen Funktion der Nominationssektoren aus“ (Girnth 1993, S. 107). Hier exponiert sich u. a. auch die fundamentale politische Dichotomie von Eigen- und Fremdgruppe (vgl. Girnth 2015, S. 70). Seine Einteilung sieht folgendermaßen aus:
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema ein, definiert den Nominationsbegriff und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, einen methodischen Leitfaden für Nominationsanalysen zu entwickeln.
2 Zum Nominationsbegriff: Dieses Kapitel grenzt den Begriff der Nomination von verwandten Konzepten wie Referenz und Benennung ab und erläutert die pragmatische Funktion von Nomination als wertende Sprachhandlung.
3 Ein methodischer Leitfaden zum Erstellen einer Nominationsanalyse: Das Hauptkapitel präsentiert einen dreistufigen Leitfaden zur Analyse, der die Kategorisierung in Sektoren, die semantische Beschreibung und die Kontexteinbettung umfasst.
4 Konklusion: Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und reflektiert die Anwendbarkeit der entwickelten Methode sowie deren Möglichkeiten und Grenzen innerhalb der sprachwissenschaftlichen Forschung.
Schlüsselwörter
Nomination, Nominationsanalyse, Referenz, Wertungspragmatik, Nominationssektoren, Girnth, politische Kommunikation, Sprachhandlung, Eigengruppe, Fremdgruppe, Neutralgruppe, Semantik, Kontextanalyse, Diskurs, Persuasion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen Methode der Nominationsanalyse und entwickelt einen praktischen Leitfaden für deren Durchführung, basierend auf den Modellen von Heiko Girnth.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Kategorisierung von Sprachausdrücken in politischen Reden, die Abgrenzung von Eigen- und Fremdgruppen sowie die Untersuchung der wertenden Funktion von Sprache.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist die Erstellung eines anwendbaren Leitfadens, der es ermöglicht, das Nominationsverhalten von Rednern systematisch zu erfassen und kritisch zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die onomasiologische Perspektive der Nominationsanalyse, ergänzt um eine kontrastive Vorgehensweise und die Untersuchung von Kontexteinbettungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erarbeitet den dreistufigen Leitfaden, unterteilt in die Festlegung von Nominationssektoren, die semantische Beschreibung der Ausdrücke und deren Einbettung in den sprachlichen Kontext.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Nomination, Wertungspragmatik, Eigengruppe, Fremdgruppe und politische Kommunikation definiert.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Eigen- und Fremdgruppe so wichtig?
Diese Dichotomie ist fundamental für die politische Kommunikation, da sie die Art und Weise verdeutlicht, wie Redner durch bewusste Wortwahl positive oder negative Identitäten konstruieren.
Inwiefern hat die Textgattung der Gedenkrede Einfluss auf die Methode?
Die Autorin stellt fest, dass Girnths ursprüngliches Modell stark auf Gedenkreden zugeschnitten ist, was die Notwendigkeit einer Erweiterung der Methode für andere, dissoziativere politische Texte aufzeigt.
- Arbeit zitieren
- Martin Reese (Autor:in), 2018, Methodik der Nominationsanalyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1014092