Besteuerung von Tochtergesellschaften. Ertragssteuerbelastung mit und ohne Organschaft im Inlandskonzern


Essay, 2020

17 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Körperschaftsteuerliche Organschaft

3 Gewerbesteuerliche Organschaft

4 Veranlagungssimulation
4.1 Sachverhalt
4.2 Lösung: Ertragsteuerbelastung ohne Organschaft
4.3 Lösung: Ertragsteuerbelastung mit Organschaft

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Ermittlung der KSt-Belastung der Tochtergesellschaft

Tabelle 2: Ermittlung der GewSt-Belastung der Tochtergesellschaft

Tabelle 3: Ermittlung der KSt-Belastung der Muttergesellschaft

Tabelle 4: Ermittlung der GewSt-Belastung der Muttergesellschaft

Tabelle 5: Gesamtsteuerbelastung ohne Organschaft

Tabelle 6: Ermittlung des KSt-Einkommens der Organgesellschaft

Tabelle 7: Ermittlung des Gewerbeertrags der Organgesellschaft

Tabelle 8: Ermittlung der KSt-Belastung des Organträgers

Tabelle 9: Ermittlung der GewSt-Belastung des Organträgers

Tabelle 10: Gesamtsteuerbelastung mit Organschaft

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Das Ziel der Steuergestaltung innerhalb eines Konzerns ist die Steuerbelastung der Kon­zerngesellschaften in Summe möglichst gering zu halten.1 Im deutschen Steuerrecht ist keine Konzernbesteuerung vorgesehen. Jede Gesellschaft ist daher ein einzelnes Steu­ersubjekt. Insbesondere ist dabei das Trennungsprinzip zu beachten.2

Die Organschaft i.S.d. §§ 14 ff. KStG ist deswegen ein bedeutsames Instrument im deut­schen Steuerrecht, um eine Steuerminimierung im Konzern zu realisieren.3 Unter dem Begriff „Organschaft“ wird „die steuerrechtliche Eingliederung einer rechtlich selbstän­digen juristischen Person in ein anderes (herrschendes) Unternehmen“4 verstanden. Durch die Organschaft werden einige Nachteile des Trennungsprinzips beseitigt, sodass z.B. eine Verlustverrechnung innerhalb des Konzerns möglich wird.5

Im ersten Teil dieser Arbeit werden die Voraussetzungen und Rechtsfolgen der ertrag­steuerlichen Organschaft erläutert, die für die Veranlagungssimulationen im zweiten Teil die Grundlagen bilden. Die Veranlagungssimulation zeigt die Unterschiede bei der Be­steuerung der Tochtergesellschaft mit und ohne ertragsteuerliche Organschaft auf. Es wird hilfsweise auch die Besteuerung auf Ebene der Muttergesellschaft dargestellt, um auch die Gesamtsteuerbelastung mit und ohne Organschaft vergleichen zu können.

2 Körperschaftsteuerliche Organschaft

Als Organgesellschaft kommt gemäß § 14 Abs. 1 Satz 1 KStG nur die SE, die AG oder die KGaA mit Geschäftsleitung im Inland und Sitz in einem Mitglied- oder Vertragsstaat der EU bzw. des EWR in Betracht.

Nach § 17 Abs. 1 Satz 1 KStG kommen jedoch auch die GmbH oder UG als Organge­sellschaften in Frage, wenn diese ihre Geschäftsleitung im Inland und ihren Sitz in einem Mitgliedstaat der EU bzw. einem Vertragsstaat des EWR haben. Die §§ 14 bis 16 KStG sind in diesen Fällen entsprechend anzuwenden.

Organträger kann gemäß § 14 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 KStG eine natürliche Person, eine körperschaftsteuerpflichtige Körperschaft, sowie eine i.S.d. § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG gewerblich tätige Personengesellschaft sein.

Eine weitere Voraussetzung ist die finanzielle Eingliederung. Diese liegt vor, wenn der OT vom Beginn des Wirtschaftsjahres an ununterbrochen in einem solchen Maße an der OG beteiligt ist, dass ihm die Mehrheit der Stimmrechte zustehen (§ 14 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Satz 1 KStG). Dabei sind auch mittelbare Beteiligungen zu berücksichtigen (§ 14 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Satz 2 KStG). D.h. zur Zählung der Stimmrechte sind unmittelbare und mittelbare Beteiligungen zusammenzuzählen.6

Außerdem muss ein Gewinnabführungsvertrag i.S.d. § 291 Abs. 1 AktG wirksam für mindestens 5 Jahre abgeschlossen sein und tatsächlich durchgeführt werden (§ 14 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 KStG)7. Dadurch verpflichtet sich die OG ihren gesamten Gewinn an den OT abzuführen. Im Gegenzug verpflichtet sich der OT gemäß § 302 Abs. 1 AktG die Jahresfehlbeträge der OG auszugleichen. Diese Verlustübernahme rechtfertigt die Ver­rechnung von Gewinnen und Verlusten innerhalb des Organkreises, da die Verluste der OG dem OT zuzurechnen sind.8

Für Kapitalgesellschaften, auf die das AktG keine Anwendung findet, sind die Vorschrif­ten über den Gewinnabführungsvertrag gemäß § 17 Abs. 1 Satz 1 und Satz 2 Nr. 1 und 2 KStG sinngemäß anzuwenden.

Die Hauptrechtsfolge ist die Zurechnung des Einkommens der OG zum OT (§ 14 Abs. 1 Satz 1 KStG). Das dem Organträger zuzurechnende Einkommen und die damit zusam­menhängende Besteuerungsgrundlagen sind gemäß § 14 Abs. 5 Satz 1 KStG gesondert und einheitlich festgestellt.

Im Rahmen der Organschaft bleiben der OT und die OG eigenständige Steuersubjekte. Daher sind die Einkommen der OG und der OT getrennt zu ermitteln. Anschließend wird das Einkommen der OG dem OT zugerechnet.9 Die allgemeinen Vorschriften für die Er­mittlung des Einkommens sind anzuwenden. Es gelten jedoch einige besondere Regelun­gen des § 15 KStG, die es zu beachten gilt.10 U.a. ist danach ein Verlustabzug i.S.d. § 10d EStG bei der OG nicht zulässig, da die Verluste vom OT übernommen werden.

3 Gewerbesteuerliche Organschaft

Die Voraussetzungen für das Vorliegen einer Organschaft im Gewerbesteuerrecht knüp­fen an die des Körperschaftsteuergesetzes an.11 Insofern wird auf die Ausführungen des Abschnitts 2 verwiesen.

Bei Vorliegen einer Organschaft ist die OG gemäß § 2 Abs. 2 Satz 2 GewStG als Be­triebsstätte des OT anzusehen. Dadurch sind die OG und der OT jedoch nicht als ein einheitliches Unternehmen anzusehen. Vielmehr sind auch hier für Zwecke der Gewer­besteuer die Gewerbeerträge getrennt voneinander zu ermitteln.12

Zur Vermeidung von Doppel- und Nichtbesteuerungen ist auf Be- und Entlastungen auf­grund von Hinzurechnungen und Kürzungen der §§ 8 und 9 GewStG zu achten.13

4 Veranlagungssimulation

Im Abschnitt 4.2.1 wird die Besteuerung der Tochtergesellschaft und der Muttergesell­schaft ohne Organschaftsverhältnis aufgezeigt. Im Abschnitt 4.2.2 wird von einer Organschaft ausgegangen. Der Gewinnabführungsvertrag wurde im Jahr 2018 wirksam abgeschlossen und wird tatsächlich durchgeführt.

Auf die Anrechnung von Steuerabzugsbeträgen wird verzichtet

Aus Vereinfachungsgründen wird von einem einheitlichen Gewerbesteuerhebesatz in Höhe von 400% ausgegangen. Der Freibetrag nach § 8 Nr. 1 GewStG bleibt bei der Be­rechnung der Gewerbesteuerbelastung unberücksichtigt.

4.1 Sachverhalt

Am Stammkapital der S-GmbH (Flensburg) ist die R-GmbH (Hamburg) zu 100% betei­ligt.

Der Steuerbilanzgewinn der S-GmbH beläuft sich auf 500.000 Euro. Darin enthalten sind Dividendenerträge aus der 40%igen Beteiligung an der H-GmbH (Berlin). Die gezahlte KapESt und der darauf entfallende SolZ wurden nicht als BA abgezogen. Die Zinszah­lungen in Höhe von 20.000 Euro für das von der R-GmbH gewährte Darlehen für den Erwerb der Beteiligung an der H-GmbH wurden gewinnmindernd berücksichtigt. Ein Verlustvortrag aus dem Kalenderjahr 2017 in Höhe von 30.000 Euro blieb bisher unbe­rücksichtigt.

Der Steuerbilanzgewinn der R-GmbH beläuft sich auf 750.000 Euro.

4.2 Lösung: Ertragsteuerbelastung ohne Organschaft

(1) S-GmbH

a) Körperschaftsteuer

Die Dividendenbezüge aus der Beteiligung an der H-GmbH in Höhe von 200.000 Euro bleiben gemäß § 8b Abs. 1 Satz 1 und Abs. 4 Satz 1 KStG bei der Ermittlung des Ein­kommens außer Ansatz, da die Beteiligung am Stammkapital der H-GmbH mehr als 10% betragen hat. Nach § 8b Abs. 5 Satz 1 KStG sind jedoch 5% dieser Bezüge als nichtabziehbare Betriebsausgaben zu berücksichtigen. Die mit den steuerfreien Bezügen in Zusammenhang stehenden Zinsaufwendungen sind gemäß § 8b Abs. 5 Satz 2 KStG als Betriebsausgaben abzugsfähig.

Der Verlustvortrag aus dem Kalenderjahr 2017 ist gemäß § 8 Abs. 1 Satz 1 KStG in Ver­bindung mit § 10d Abs. 2 Satz 1 EStG in voller Höhe abziehbar.

Tabelle 1: Ermittlung der KSt-Belastung der Tochtergesellschaft

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung

b) Gewerbesteuer

Der Gewerbeertrag ist gemäß § 7 Satz 1 GewStG der nach den Vorschriften des EStG und KStG ermittelte Gewinn aus Gewerbebetrieb vermehrt und vermindert um die Hin- zurechnungs- und Kürzungsbeträge der §§ 8 und 9 GewStG. Der bei der Ermittlung des körperschaftsteuerlichen Einkommens berücksichtigte Verlustabzug nach § 10d EStG

darf den Gewerbeertrag jedoch nicht mindern.14 Es ist daher vom Gesamtbetrag der Ein­künfte auszugehen. Gemäß § 8 Nr. 1 Bst. a GewStG ist ein Viertel der Zinsaufwendungen für das durch die R-GmbH gewährte Darlehen dem Gewerbeertrag hinzuzurechnen. Eine Hinzurechnung gemäß § 8 Nr. 5 GewStG der nach § 8b Abs. 1 Satz 1 KStG steuerfreien Dividendenbezüge unterbleibt, da die Voraussetzungen des § 9 Nr. 2a GewStG erfüllt sind. Die S-GmbH ist am Stammkapital der H-GmbH seit Beginn der Erhebungszeit­raums zu mehr als 15% beteiligt. Eine Kürzung nach § 9 Nr. 2a EStG kommt nicht in Betracht, da die Bezüge bei der Ermittlung des Einkommens gemäß § 8b Abs. 1 Satz 1 KStG außer Ansatz bleiben.

Tabelle 2: Ermittlung der GewSt-Belastung der Tochtergesellschaft

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung

[...]


1 Vgl. Then, StuB 2006, S. 1.

2 Vgl. Dinkelbach, Ertragsteuern, 2019, S. 467 und 468.

3 Vgl. Then, StuB 2006, S.1.

4 Leicht, in: Alber (Hrsg.), Beck’sches Steuer- und Bilanzrechtslexikon, 2020, Organschaft, Rn. 1.

5 Vgl. Dinkelbach, Ertragsteuern, 2019, S. 468.

6 Vgl. Dinkelbach, Ertragsteuern, 2019, S. 472 und Leicht, in: Alber (Hrsg.), Beck’sches Steuer- und Bi­lanzrechtslexikon, 2020, Organschaft, Rn. 9.

7 Vgl. Krumm, in: Blümich/ Heuermann (Bgr./Hrsg.), KStG, 2020, § 14 Rn. 103 und Rn. 134.

8 Vgl. Dinkelbach, Ertragsteuern, 2019, S. 473.

9 Vgl. Dinkelbach, Ertragsteuern, 2019, S. 479 und Leicht, in: Alber (Hrsg.), Beck’sches Steuer- und Bi­lanzrechtslexikon, 2020, Organschaft, Rn. 11.

10 Vgl. Leicht, in: Alber (Hrsg.), Beck’sches Steuer- und Bilanzrechtslexikon, 2020, Organschaft, Rn. 11.

11 Vgl. R 2.3 Abs. 1 Satz 1 GewStR.

12 Vgl. R 2.3 Abs. 1 Satz 3 und 4 GewStR.

13 Vgl. R 7.1 Abs. 5 GewStR und Leicht, in: Alber (Hrsg.), Beck’sches Steuer- und Bilanzrechtslexikon, 2020, Organschaft, Rn. 39.

14 Vgl. R 7.1. Abs. 4 Satz 2 GewStR.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Besteuerung von Tochtergesellschaften. Ertragssteuerbelastung mit und ohne Organschaft im Inlandskonzern
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie und Management gemeinnützige GmbH, Hochschulstudienzentrum Hamburg
Note
1,7
Jahr
2020
Seiten
17
Katalognummer
V1014960
ISBN (eBook)
9783346410832
ISBN (Buch)
9783346410849
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Steuerrecht, Organschaft, Steuergestaltung, Konzern, Veranlagungssimulation, Ertragsteuern
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Besteuerung von Tochtergesellschaften. Ertragssteuerbelastung mit und ohne Organschaft im Inlandskonzern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1014960

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