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Mangel, Mut und Mazdaznan. Die Anfänge der Bauhaus-Kantine in Weimar

Titel: Mangel, Mut und Mazdaznan. Die Anfänge der Bauhaus-Kantine in Weimar

Essay , 2021 , 19 Seiten

Autor:in: Julia C. Eydt (Autor:in)

Gesundheit - Ernährungswissenschaft
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Arbeit befasst sich mit der Bauhaus-Mensa und Kantine in Weimar und ihrer Einbettung in den Kontext des Staatlichen Bauhaus in Weimar.

Als Walter Gropius (1883-1969) 1919 das Staatliche Bauhaus in Weimar ins Leben rief, steckte in diesem neuen künstlerischen Aufbruch mehr als nur die Idee einer neuen Kunst oder eines neuen Stils. Das Bauhaus akkumulierte die Vielzahl weltanschaulicher Strömungen der Zeit und sollte mit den Mitteln der Kunst nicht allein neue Kunstwerke erschaffen, sondern den „Neuen Menschen“ der deutschen Nachkriegszeit bauen. Als Spiegelbild einer Zeit der Ungewissheit und des Aufbruchs, war das Bauhaus bzw. waren die Bauhäusler geprägt von lebensreformerischen Ideen und Utopien, wie die einer nahenden, sozialistischen Gesellschaft, die gleichsam den Topos des „Neuen Menschen“ bedienten oder von den Idealen des Vegetarismus, der Reformpädagogik, der Siedlungsbewegung oder sich neu formierender religiöser Strömungen, wie bspw. des Mazdaznankultes.

Der "neue Mensch" der am Bauhaus kultiviert wurde, sollte innerlich wie äußerlich zur Blüte kommen. Von der Harmonisierung des Menschen hing auch die künstlerische, schöpferische Leistung ab, weshalb es eine wesentliche Aufgabe sein sollte, ihn in der Art zu bilden, dass er sowohl im innersten Wesen ausbalanciert als auch in seinem körperlichen Zustand im Gleichgewicht mit sich und der Umwelt war.

Für die innere Bildung –auch im Rahmen neuer pädagogischer Ansätze und Akzente– waren u.a. die Musikpädagogin Gertrud Grunow (1870-1944) oder der Maler und Bauhausmeister Johannes Itten (1888-1967) zuständig, der von vielen Schülern und Lehrern als eine Art spiritueller Führer des Mazdaznan verehrt wurde. Auf seinen Einfluss ist auch die Umstellung des Speiseplans an der Weimarer Bauhausmensa auf streng vegetarische Kost nach den Regeln der Mazdaznan-Ernährungslehre zurückzuführen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Mangel, Mut und Mazdaznan– Die Anfänge der Bauhaus-Kantine in Weimar

2. Das „Wohnzimmer“ der Bauhäusler

3. Himbeeren und Rhabarber auf dem Grundstück „Am Horn“

4. Napoleonisches Tafelsilber für einen Zentner Kartoffeln

5. Die Kantine als soziales Herzstück des Bauhauses

6. Die Küchenkommission

7. Meister Muche als Herr über Töpfe und Pfannen

8. Ausblick in die Dessauer Zeit

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehungsgeschichte und die soziokulturelle Bedeutung der ersten Bauhaus-Kantine in Weimar. Dabei wird insbesondere analysiert, wie Walter Gropius unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen durch kreative Finanzierungsmodelle die materielle Versorgung der Studierenden sicherstellte, welche Rolle die Mazdaznan-Ernährungslehre im Alltag der Bauhausgemeinschaft spielte und inwiefern die Kantine als identitätsstiftendes „Wohnzimmer“ zur Verwirklichung des Ideals vom „Neuen Menschen“ beitrug.

  • Wirtschaftliche Autonomie und Finanzierung der Bauhaus-Kantine
  • Die Rolle der Mazdaznan-Ernährungslehre am Bauhaus
  • Selbstversorgung durch gärtnerische Nutzung des Geländes „Am Horn“
  • Soziale Funktion der Kantine als Gemeinschaftszentrum
  • Vergleich der Weimarer Anfangsjahre mit der späteren Situation in Dessau

Auszug aus dem Buch

Die Kantine als soziales Herzstück des Bauhauses

Die Bauhaus-Kantine war von Beginn an ein Ort des sozialen Lebens und gemeinschaftlichen Austausches und schon deshalb in den Erinnerungen vieler Bauhäusler so besonders, da sie gemeinsam –allürenfrei– mit ihren Meistern und schon damals angesehenen Künstlern, essen und sich austauschen konnten.

Viele Studierende verbanden mit der Kantine einen Ort der Wärme, nicht allein weil es einer der wenigen beheizten Orte des Bauhauses gewesen ist, sondern weil sie darin auch so etwas wie Seelennahrung erfuhren nach schweren Zeiten.

Der Student Johannes Driesch, der 1920 an das Bauhaus kam, berichtet über die Bauhaus-Kantine und seine ersten Erfahrungen sehr eindrücklich. Driesch, der seit 1915 an einer chronischen Unterernährung litt, schrieb mit großer Begeisterung an seine Frau Lydia:

„Es ist schon gewaltig anders hier, ich sage dir, die Kantine ist das Wundervollste, was ich bis jetzt in dieser Beziehung gesehen habe. Für 3,50 Mark hat man die ganze Tagesverpflegung, zwei Frühstücke, Mittagessen, 4 Uhr Kaffee, und Abendessen, und Portionen –Du würdest nicht den vierten Teil davon essen können.“

Die Kantine selbst war ein Ort des Essens, der Gemeinschaft, aber auch der täglichen Rituale und natürlich der berüchtigten Bauhausfeste, bei denen die Kantine die zentrale Rolle spielte. So wurde u.a. die Einweihung der Speisenanstalt gebührend gefeiert und zog den Zorn Weimarer Bürger auf sich, die ein Fest bis in die Morgenstunden nicht gut hießen.

Zusammenfassung der Kapitel

Mangel, Mut und Mazdaznan– Die Anfänge der Bauhaus-Kantine in Weimar: Einführung in die lebensreformerischen Ideale des frühen Bauhauses und die Notwendigkeit einer eigenen Speisenanstalt.

Das „Wohnzimmer“ der Bauhäusler: Darstellung der organisatorischen Gründung und der Preisstruktur für die Verpflegung der Studierenden unter schwierigen Nachkriegsbedingungen.

Himbeeren und Rhabarber auf dem Grundstück „Am Horn“: Analyse des Versuchs zur landwirtschaftlichen Selbstversorgung des Bauhauses zur Unabhängigkeit von schwankenden Lebensmittelpreisen.

Napoleonisches Tafelsilber für einen Zentner Kartoffeln: Beschreibung der schwierigen Finanzierungssituation während der Inflation und der Rolle von Spenden sowie Naturalien.

Die Kantine als soziales Herzstück des Bauhauses: Beleuchtung der Funktion der Kantine als zentraler Ort für sozialen Austausch und gemeinschaftliche Erlebnisse.

Die Küchenkommission: Erläuterung der studentischen Selbstverwaltung und deren Herausforderungen im Alltag.

Meister Muche als Herr über Töpfe und Pfannen: Untersuchung des Einflusses von Johannes Itten und Georg Muche durch die Einführung der Mazdaznan-Diät.

Ausblick in die Dessauer Zeit: Kontrastierung der gemeinschaftlichen Weimarer Anfänge mit der unpersönlichen Massenversorgung am Standort Dessau.

Schlüsselwörter

Bauhaus, Weimar, Bauhaus-Kantine, Walter Gropius, Mazdaznan, Vegetarismus, Ernährungslehre, Johannes Itten, Georg Muche, Selbstversorgung, Nachkriegszeit, Studentenverpflegung, Haus am Horn, Gemeinschaftsleben, Inflation

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beleuchtet die Geschichte der ersten Bauhaus-Kantine in Weimar, von ihrer Gründung als Antwort auf existenzielle Nöte bis hin zu ihrer Rolle als soziales Zentrum und Trägerin weltanschaulicher Ideale.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Finanzierung der Verpflegung, der Umsetzung von Lebensreform-Idealen (insbesondere Mazdaznan) und der sozialen Bedeutung des gemeinsamen Speisens am Bauhaus.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie materielle Not die kreative Organisationskraft des Bauhauses förderte und wie eng Ernährungsgewohnheiten mit der pädagogischen und künstlerischen Philosophie der Schule verknüpft waren.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf Archivquellen, zeitgenössischen Berichten, Briefen von Studierenden und wissenschaftlicher Literatur basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Schritte von der Gründung der Kantine, über die Beschaffung von Lebensmitteln durch Selbstversorgung, bis hin zur ideologischen Umstellung auf eine vegetarische Ernährungsweise.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Bauhaus-Kantine, Mazdaznan, Lebensmittelknappheit, Selbstversorgung und das Ideal des „Neuen Menschen“.

Warum war das Grundstück „Am Horn“ für die Kantine von Bedeutung?

Es diente der gärtnerischen Eigenproduktion von Lebensmitteln, um die Preise in der Kantine zu senken und eine gewisse wirtschaftliche Autonomie gegenüber der schwierigen Versorgungslage zu erreichen.

Wie wirkte sich der Einfluss von Johannes Itten auf die Kantine aus?

Als spiritueller Führer des Mazdaznan-Kults forcierte er gemeinsam mit Georg Muche die Umstellung der Kantine auf eine strikte, vegetarische Diät, die auf Reinigung und Harmonisierung von Körper und Geist abzielte.

Warum wird die Weimarer Zeit der Kantine so positiv hervorgehoben?

Sie wird als „Wohnzimmer“ beschrieben, in dem trotz großer materieller Not ein gemeinschaftliches, allürenfreies Miteinander zwischen Studierenden und Meistern gepflegt wurde, was in der späteren Dessauer Zeit verloren ging.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Mangel, Mut und Mazdaznan. Die Anfänge der Bauhaus-Kantine in Weimar
Autor
Julia C. Eydt (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2021
Seiten
19
Katalognummer
V1015032
ISBN (eBook)
9783346411266
ISBN (Buch)
9783346411273
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ernährungsgeschichte Bauhaus Bauhaus Weimar Ernährung am Bauhaus Mazdaznan Ernährungswissenschaft Vegetarismus Vegetarische Ernährung Geschichte der vegetarischen Ernährung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Julia C. Eydt (Autor:in), 2021, Mangel, Mut und Mazdaznan. Die Anfänge der Bauhaus-Kantine in Weimar, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1015032
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  19  Seiten
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