Diese Hausarbeit analysiert die Schichten der biblischen Sintfluterzählung. Dabei werden nach der Analyse der Textoberfläche die exegetischen Arbeitsschritte durchlaufen, um den Ursprung des Textes nachzuvollziehen und die verschiedenen Textschichten einer Entstehungszeit und einem Entstehungskontext zuzuordnen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Textkritische Untersuchung
3 Literarkritische Untersuchung
3.1 Duktus und Symbolik
3. 2 Die Anzahl der Tiere: Gen 6,19f und Gen 7,2-4
3. 3 Noah befolgt das ihm Gebotene: Gen 6,22 und 7,5
3. 4 Zwischenfazit
4 Überlieferungsgeschichtliche Untersuchung
5 Redaktionsgeschichtliche Untersuchung
5. 1 Grundschicht Gen 6,17-22
5. 2 Nachpriesterschriftliche Schicht Gen 7,1.2.3b-5
5. 3 Ergänzung Gen 7,3a und abschließende Redaktion
6 Formgeschichtliche Untersuchung
7 Traditionsgeschichtliche Untersuchung
7. 1 Der Atramchasis-Mythos
7. 2 Das Gilgamesch-Epos
7. 3 Traditionsgeschichtliches Fazit
8 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die biblische Textstelle Genesis 6,17 – 7,5 mithilfe historisch-kritischer Exegese methodisch zu untersuchen, um die komplexen literarischen Schichtungen sowie die zugrunde liegenden theologischen Motive und Traditionen zu ergründen.
- Literarische und textkritische Analyse der unterschiedlichen Quellenschichten (P und N)
- Untersuchung der Spannungen bezüglich der Anzahl der aufzunehmenden Tiere
- Traditionsgeschichtlicher Vergleich mit außerbiblischen Fluterzählungen wie dem Atramchasis-Mythos und dem Gilgamesch-Epos
- Reflexion über das Gottesbild und die Bedeutung der Noah-Erzählung für die Bewahrung der Schöpfung
- Formgeschichtliche Einordnung der Erzählung als Übergang vom Mythos zur Sage
Auszug aus dem Buch
3. 2 Die Anzahl der Tiere: Gen 6,19f und Gen 7,2-4
Die bedeutendste inhaltliche Spannung innerhalb der Textstelle besteht in der Anzahl der Tiere, die Noah auf die Arche bringen soll. Zunächst einmal steht da, dass Noah von jedem Tier zwei in die Arche nehmen soll (6,19f.) Das jedem wird deutlich gemacht: „von jedem Lebewesen, von allem Fleisch, … von jedem …von den Vögeln nach ihrer Art, von dem Vieh nach seiner Art, von allen Kriechtieren auf der Erde nach ihrer Art … von jedem.“ Auch die Anzahl der Tiere wird überdeutlich: „zwei …männlich und weiblich sollen sie sein … zwei“. Durchaus nicht abwegig ist die Vermutung, bereits innerhalb dieser Grundschicht gäbe es weitere Schichten. Doch die Flutgeschichte spielt auf die Schöpfung an, die ja bewahrt werden soll.
Deshalb werden hier wohl von einem Autor bewusst die Tiere, die Gott geschaffen hat, aufgegriffen: Vögel. (Gen 1,20), Kriechtiere (Gen 1,24) und allgemein lebende Wesen nach ihrer Art למינה + Wurzel היה) Gen 1,21). Außerdem solle die genaue Aufzählung, so Gunkel, zeigen, dass es wichtig sei, alle Tiere mitzunehmen. Ausschließen lassen sich nachträgliche Hinzufügungen hier nicht, doch gibt es keine Hinweise auf eine notwendige Hinzufügung, außerdem existieren keine Widersprüche innerhalb dieser Schicht.
Anders sieht es bei 7,2-4 aus. „Von jedem reinen Vieh … sieben“- also insgesamt, würde man denken, sieben, doch direkt darauf heißt es weiter: „sieben Männchen und ihre Weibchen“- als vierzehn Tiere! „und von dem Vieh, das nicht rein ist, davon zwei, ein Männchen und sein Weibchen.“ Unbestreitbar ist der Duktus hier um einiges komplizierter, als in der Grundschicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Bedeutung des Vorverständnisses für die Exegese und führt in die inhaltlichen Irritationen der Fluterzählung ein, insbesondere bezüglich des Gottesbildes und der textlichen Widersprüche.
2 Textkritische Untersuchung: Dieses Kapitel prüft den masoretischen Text und diskutiert Textvarianten aus alten Übersetzungen, um die ursprüngliche Lesart gegen spätere glättende Eingriffe zu verteidigen.
3 Literarkritische Untersuchung: Die Untersuchung legt die Grundlage für die Quellenscheidung zwischen der priesterschriftlichen Grundschicht (P) und der nachpriesterschriftlichen Schicht (N) anhand von Duktus, Gottesnamen und der Anzahl der Tiere.
4 Überlieferungsgeschichtliche Untersuchung: Hier wird die Existenz mündlicher Vorstufen der Fluterzählung thematisiert, wobei der Befehl zur Arche-Rettung als zentraler Kern der Tradition identifiziert wird.
5 Redaktionsgeschichtliche Untersuchung: Dieses Kapitel analysiert, wie die verschiedenen Schichten (P, N und redaktionelle Ergänzungen) zusammengefügt wurden, um das monotheistische Gottesbild der Erzählung neu zu akzentuieren.
6 Formgeschichtliche Untersuchung: Die Untersuchung ordnet Genesis 6,17-7,5 in die Gattungen Mythos und Sage ein und beschreibt sie als theologisch aufgeladene Passage, die einen Übergang zwischen diesen Formen markiert.
7 Traditionsgeschichtliche Untersuchung: Ein Vergleich mit mesopotamischen Vorbildern wie dem Atramchasis-Mythos und dem Gilgamesch-Epos zeigt die Abhängigkeit der biblischen Erzählung von älterem Traditionsgut auf.
8 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die differenzierte Betrachtung der Schichten P und N das theologische Profil der Fluterzählung schärft, indem sie Gott als kümmernden Beschützer darstellt.
Schlüsselwörter
Exegese, Genesis, Noah, Fluterzählung, Priesterschrift, Jahwist, Quellenscheidung, Schöpfung, Atramchasis, Gilgamesch-Epos, Textkritik, Redaktionsgeschichte, Traditionsgeschichte, Sintflut, Gottesbild.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine exegetische Analyse der biblischen Textstelle Genesis 6,17 bis 7,5, die sich mit der Erzählung von Noah und der Flut befasst.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die literarkritische Aufarbeitung der verschiedenen Quellenschichten, der Vergleich mit mesopotamischen Mythen sowie die theologische Analyse der Gottesdarstellung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist die methodische Aufschlüsselung des Textes in seine Quellen (P und N), um zu verstehen, wie die Erzählung theologisch modifiziert wurde, um ein spezifisches Bild Gottes zu vermitteln.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Es werden Methoden der historisch-kritischen Exegese verwendet, darunter Textkritik, Literarkritik, Redaktionsgeschichte, Formgeschichte und Traditionsgeschichte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse des Textes auf Wortebene, die Untersuchung der Quellenschichten und den Vergleich mit außerbiblischen Fluttraditionen wie dem Gilgamesch-Epos.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Quellenscheidung, Schöpfungsbewahrung, Priesterschrift (P), die nachpriesterschriftliche Schicht (N), sowie die intertextuellen Bezüge zu altorientalischen Mythen.
Wie erklärt die Arbeit die Widersprüche bei der Anzahl der Tiere?
Die Autorin führt die Widersprüche (z.B. zwei vs. sieben Tiere) auf die Zusammenführung von zwei verschiedenen Quellen (P und N) zurück, die unterschiedliche theologische Interessen verfolgen.
Welche Bedeutung hat das Gilgamesch-Epos für diese Untersuchung?
Das Gilgamesch-Epos dient als wichtiges traditionsgeschichtliches Vorbild, an dem deutlich wird, wie die biblische Erzählung Motive übernimmt, aber theologisch eigenständig umdeutet.
Warum ist die Unterscheidung von Gottesnamen im Text wichtig?
Der Wechsel zwischen "Elohim" und "JHWH" dient der Autorin als wesentliches Indiz für die Quellenscheidung zwischen der priesterschriftlichen Grundschicht und der nachpriesterschriftlichen Schicht.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2019, Exegese zu Gen 6,17-7,5. Biblische Sintfluterzählung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1015117