Der Untersuchungsgegenstand der Mikrostudien von Erving Goffman mit dem Titel „Das Individuum im öffentlichen Austausch“, erschienen erstmals im Jahre 1979, umfasst den Handlungsbereich der durch Interaktion von Angesicht zu Angesicht durch kommunikative Normen organisiert wird.
Als ein spezifisches Problem werden dabei Beziehungen zwischen einem Element der sozialen Struktur, nämlich den sozialen Beziehungen, und dem öffentlichen Leben dargestellt. Vordergründig betrachtet Goffman somit die Aspekte sozialer Beziehungen. Die sich dabei darstellenden unterschiedlich funktionierenden Verhaltensmuster sind mit Grundregeln verknüpfte Routinehandlungen, die in ihrer Gesamtheit eine „soziale Ordnung“ darlegen.
Weiterhin werden Bedingungen und Einschränkungen und die damit verbundenen „Anpassungsstrukturen“ untersucht. Die Normen und Praktiken von Teilnehmern von bestimmten Handlungen nehmen einen weiteren Teil der Betrachtungen Goffmans ein. Der Autor legt dar, daß keine Gesellschaft vorstellbar ist, die nicht in umfassender Weise unterschiedliche Gruppen von Grundregeln anwendet. Das Interesse Goffmans gilt jenen Grundregeln und Verhaltensregulierungen, die im Bereich des öffentlichen Lebens wirksam sind, also bei Personen, die zusammentreffen, und Orten und Situationen, die Schauplatz solcher Kontakte von Angesicht zu Angesicht sind. Anhand dessen läßt sich erschließen, daß der spezielle Untersuchungsgegenstand Goffmans sich auf die „öffentliche Ordnung“ bezieht.
Unser Anliegen ist es hierbei besonders auf die bestättigenden Austäusche bzw. Rituale einzugehen, wobei wir uns den Weg dorthin mit Begriffen die Goffman definiert beschäftigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Gegenstand der sozialen Ordnung bei Erving Goffman
2. Goffmans Definition von Ritualen
3. Das bestätigende Ritual
3.1. Nüchterne, zufällige und zeremonielle Kontakte
3.2. Positive interpersonale Riten am Bsp. des „Grüssens“
3.2.1. Grüße im Vorbeigehen und Überraschungsbegrüßungen
3.2.2. Mit einer Begegnung verknüpfte Begrüßungen
3.2.3. Abschiedskundgabe als bestätigendes Ritual
3.3. Das Zugänglichkeitsritual
3.3.1. Veränderung der Zugänglichkeiten
3.3.2. Zugänglichkeitszeremonien ausgedehnter Art in Relation zu Zeremonien in Privatwohnungen
3.4. Das Aufrechterhaltungsritual
3.5. Das Ratifizierungsritual
3.6. Kurzresümee: Bestätigender Austausch
4. Begrifflichkeiten des korrektiven Austausches
4.1. Die Norm
4.2. Die soziale Kontrolle
4.3. Korrektives Handeln
4.4. Der Dialog
5. Struktur des korrektiven Austausches
5.1. Variationen über strukturelle Themen
5.2. Überlagerungen im korrektiven Austausch
5.3. Betrachtungen zur Interaktionsstruktur
5.4. Kurzresümee: Korrektiver Austausch
6. Stellungnahme
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit Erving Goffmans Werk „Das Individuum im öffentlichen Austausch“ auseinander. Ziel ist es, die soziologischen Konzepte des bestätigenden und des korrektiven Austausches sowie die zugrunde liegenden Ritualbegriffe zu analysieren und deren Bedeutung für die öffentliche Ordnung und soziale Interaktion aufzuzeigen.
- Analyse der sozialen Ordnung bei Erving Goffman
- Differenzierung zwischen bestätigenden und korrektiven Ritualen
- Bedeutung von Normen und sozialer Kontrolle im Alltag
- Struktur des korrektiven Austausches und deren Ablauf
- Interaktionsformen wie das „Äußerungsspiel“ und „Einbahnhiebe“
Auszug aus dem Buch
3. Das bestätigende Ritual
Das positive bzw. interpersonelle Ritual wird als bestätigendes Ritual bezeichnet, es ist wichtig für Personen, die sich kennen oder in Beziehungen zwischen Personen im weitesten Sinne. Die Ritualisierung der identifikatorischen Sympathie bezeichnet den Vorgang in dem die Bedürfnisse, Wünsche und Erfahrungen eines Individuums einem anderen Individuum (zudem eine Beziehung besteht) Anhaltspunkte für rituelle Gesten, wie z.B. ein Entgegenkommen, eine Berührung oder eine Bemühung etc. geben. Man nennt diesen Vorgang auch „Putzsprechen“ oder „grooming talk“. Es beinhaltet eine Erkundigung über das Wohlbefinden, wie z.B. ein Film über die vergangene Urlaubsreise usw.. Des weiteren gehören hierzu Rituale zwischen Personen, die sich nicht kennen, wie z.B. Auskünfte über den gesuchten Weg oder die Zeit. In der identifikatorischen Sympathie werden Uneigennützlichkeiten, Höflichkeiten und kleine Gefälligkeiten ausgetauscht. Ein vergleichbares Verhaltensmuster zeigt sich bei Eltern gegenüber ihren Kindern. Der bestätigende Austausch ist somit die Bestätigung gesellschaftlicher Beziehungen, die auf verschiedene Weise durchführbar ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Gegenstand der sozialen Ordnung bei Erving Goffman: Das Kapitel führt in den Untersuchungsgegenstand der Mikrostudien ein und definiert die öffentliche Ordnung als durch kommunikative Normen organisierte soziale Interaktion.
2. Goffmans Definition von Ritualen: Hier werden Rituale als konventionalisierte Handlungen erläutert, wobei zwischen positiven (bestätigenden) und negativen Ritualen unterschieden wird.
3. Das bestätigende Ritual: Dieses Kapitel behandelt die Bedeutung positiver Riten zur Festigung zwischenmenschlicher Beziehungen und geht auf verschiedene Kontaktformen ein.
4. Begrifflichkeiten des korrektiven Austausches: Die Grundlagen für den korrektiven Austausch werden hier durch die Erläuterung von sozialen Normen, Kontrolle und Dialog geschaffen.
5. Struktur des korrektiven Austausches: Das Kapitel analysiert den detaillierten Ablauf korrektiver Sequenzen und deren strukturelle Variationen in der sozialen Interaktion.
6. Stellungnahme: Die Arbeit schließt mit einer kritischen Reflexion über Goffmans Ritualbegriff und die methodische Einordnung seines Werkes.
Schlüsselwörter
Erving Goffman, soziale Ordnung, bestätigendes Ritual, korrektiver Austausch, soziale Norm, Interaktion, öffentliche Ordnung, Begrüßung, Verabschiedung, soziale Kontrolle, Gesichtswahrung, identifikatorische Sympathie, Mikrostudien, Kommunikation, Ritualisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Konzept der sozialen Ordnung in der Mikrosoziologie von Erving Goffman, speziell fokussiert auf die Dynamiken des öffentlichen Austausches.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Definition und Anwendung von bestätigenden und korrektiven Ritualen im Alltag sowie deren regulatorische Funktion innerhalb der Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine fundierte Auseinandersetzung mit dem Ritualbegriff Goffmans, um zu verdeutlichen, wie Individuen durch regelgeleitete Interaktionen ihre soziale Identität wahren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung und Literaturanalyse der Konzepte von Erving Goffman, die durch Alltagsbeispiele illustriert wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Bestätigungsritualen, die Begrifflichkeiten des korrigierenden Handelns, die Struktur dieser Austausche und die Analyse der Interaktionsstruktur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind Ritual, soziale Ordnung, korrektiver Austausch, Gesichtswahrung und Interaktion.
Was unterscheidet den bestätigenden vom korrektiven Austausch?
Der bestätigende Austausch dient der Aufrechterhaltung und Festigung positiver sozialer Beziehungen, während der korrektive Austausch als Reaktion auf eine Regelverletzung dazu dient, den sozialen Frieden wiederherzustellen.
Wie bewertet die Autorin die wissenschaftliche Tragfähigkeit von Goffmans Werk?
Die Autorin äußert in der Stellungnahme Kritik, da sie Goffmans Begrifflichkeiten teils als widersprüchlich empfindet und anmerkt, dass das Werk nicht auf empirischen Untersuchungen basiert, sondern eher einen experimentellen Charakter hat.
- Quote paper
- Ramona Rieck (Author), 2001, Zu: Erving Goffman - Das Individuum im öffentlichen Austausch - Eine Auseinandersetzung mit dem Ritualbegriff, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10186