Die Arbeit beschäftigt sich mit folgender Frage: Wie würden die Konflikt-, die Rational/ Utilitarian-, die Durkheim’sche und die Mikrointeraktionistsiche Tradition jeweils die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Zunahme von häuslicher Gewalt in heterosexuellen Paarbeziehungen in Deutschland sehen oder erklären?
Den Ausmaßen des Coronavirus kann sich kaum jemand entziehen. Die vermutlich beste Methode, um sich selbst zu schützen und das Virus einzudämmen, ist es, zuhause zu bleiben. Doch da, wo Paare zu Beginn die Zweisamkeit genießen, können mit der Zeit immer mehr Konflikte entstehen. Um das Forschungsproblem einzugrenzen wird die häusliche Gewalt in heterosexuellen Paarbeziehungen mit einem männlichen, in Bezug auf Gewalt, vorbelasteten Partner untersucht. Weitere Eingrenzungen erfolgen durch den Standort und der Zeit, da sich nur auf Deutschland während der Corona-Pandemie bezogen wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Forschungsstand
3. Operationalisierung
4. Methode
5. Theoretischer Rahmen
5.1 Konflikt-Theorie
5.2 Rational-/ Utilitarian-Tradition
5.3 Durkheim’sche Tradition
5.4 Mikrointeraktionistische Tradition
6. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Zunahme von häuslicher Gewalt in heterosexuellen Paarbeziehungen in Deutschland durch die Anwendung vier ausgewählter soziologischer Theorietraditionen.
- Analyse der Zunahme häuslicher Gewalt während der Pandemie
- Gegenüberstellung von Makro- und Mikroebenen-Perspektiven
- Anwendung der Konflikt-, Rational-/Utilitarian-, Durkheim’schen und Mikrointeraktionistischen Tradition
- Untersuchung von Machtverhältnissen und Stressoren in Paarbeziehungen
Auszug aus dem Buch
5.4 Mikrointeraktionistische Tradition
Die zentrale Aussage dieser Theorie ist, dass sich die Gesellschaft als Konstrukt nur in den Köpfen der Individuen befindet; sprich die Gesellschaft ist im Individuum selbst (Collins, 1994, S. 4). „Reality is socially constructed.“ (Collins, 1994, 262). Die daraus resultierenden Rituale, Symbole und Institutionen dienen nur dazu dem Handeln und Tun einen Sinn zu geben und sich daran orientieren zu können (Dillon, 2019, S. 282). Das soziale Leben, das sich aufbaut, wird durch die Individuen bestimmt und durch ihre Handlungen und Interaktionen verändert. „(…)what people think it is, it tends to become.“ (Collins, 1994, S. 261).
Wird ein bestimmtes Verhalten als gut oder schlecht angesehen, versuchen diejenigen Individuen sich danach zu richten, die als respektable Mitglieder der Gesellschaft gesehen werden wollen (Collins, 1994, S. 261). Das soziale Leben ist höchst variable und geprägt von sprunghaften Veränderungen (Collins, 1994, S. 261). Somit erschafft das Individuum, durch dessen Bewusstsein und Agency, die soziale Welt und steht im Fokus der Microinteraktionistischen Theorie (Collins, 1994, S. 242). Gegen die Vorstellung, das Structure über der Agency steht und die Gesellschaft ausmacht, widersetzt sie sich. „Society is not a structure, but a process.“ (Collins, 1994, S. 262). Diese Tradition bewegt sich auf der Mikroebene und ist symbolisch-orientiert, da sie sich auch gegen das materialistische Bilder der Konflikt-Tradition ausspricht (Collins, 1994, S. 242-243).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hinführung zum Forschungsproblem der steigenden häuslichen Gewalt in der Corona-Pandemie und Formulierung der Forschungsfrage.
2. Forschungsstand: Überblick über aktuelle Studien und Definitionen zur häuslichen Gewalt in Deutschland.
3. Operationalisierung: Klärung der soziologischen Ebenen (Makro/Mikro) sowie Definition von Structure und Agency.
4. Methode: Darstellung der Vorgehensweise und der verwendeten soziologischen Fachliteratur.
5. Theoretischer Rahmen: Analyse der vier Traditionen (Konflikt, Rational/Utilitarian, Durkheim’sche, Mikrointeraktionistische) und deren Anwendung auf das Forschungsproblem.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und kritische Reflexion der theoretischen Erklärungsansätze.
Schlüsselwörter
Häusliche Gewalt, Corona-Pandemie, Soziologische Theorietraditionen, Konflikt-Theorie, Rational-Choice, Durkheim, Mikrointeraktionismus, Makroebene, Mikroebene, Machtverhältnisse, Geschlechterrollen, Stressoren, soziale Isolation, Agency, Struktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Zunahme von häuslicher Gewalt in Deutschland während der Corona-Pandemie unter soziologischen Gesichtspunkten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf Machtstrukturen in heterosexuellen Paarbeziehungen, die Auswirkungen von Pandemie-Maßnahmen auf das Individuum und die Anwendung soziologischer Theorien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist zu erklären, wie vier verschiedene soziologische Traditionen die Zunahme häuslicher Gewalt unter den Bedingungen der Pandemie interpretieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung basiert auf einer Literaturanalyse und der Anwendung soziologischer Theorietraditionen auf ein spezifisches Fallbeispiel.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Konflikt-Theorie, die Rational-/Utilitarian-Tradition, die Durkheim’sche Tradition und die Mikrointeraktionistische Tradition detailliert erläutert und auf das Forschungsproblem angewendet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind häusliche Gewalt, Corona-Pandemie, soziologische Theorietraditionen, Machtverhältnisse und soziale Strukturen.
Warum wird das Modell der „Coleman’schen Badewanne“ verwendet?
Es dient dazu, das komplexe Wechselspiel zwischen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen (Makroebene) und dem individuellen Verhalten (Mikroebene) in der Pandemie zu veranschaulichen.
Welche Rolle spielt das „Principle of least interest“ in der Rational-/Utilitarian-Tradition?
Es erklärt Machtverschiebungen in Beziehungen: Wer weniger Interesse an der emotionalen Bindung hat oder weniger investiert, behält oft die Oberhand, was die Abhängigkeit des anderen Partners erhöht.
Wie unterscheidet sich die Konflikt-Tradition in der Herangehensweise?
Sie betrachtet das Problem primär auf der Makroebene und fokussiert auf Ungleichheiten, Machtgefälle und die Unterdrückung durch den männlichen Partner.
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- Anonym (Author), 2021, Entwicklung der häuslichen Gewalt während einer Pandemie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1019634