Die Hausarbeit thematisiert das Konzept der Lebenswelt von Alfred Schütz anhand markanter Eckpfeiler und bezieht dieses auf das Figurationsmodell von Norbert Elias. Mit Blick auf zentrale Überschneidungen, Ähnlichkeiten, aber auch Abgrenzungspunkte beider Konzepte bzw. Modelle, werden im späteren Verlauf die Besonderheiten der Postmoderne respektive der postmodernen Soziologie bestimmt.
Inhaltsverzeichnis
1. Aufgabenstellung
2. Vom Individuum zur Gesellschaft: das Konzept der (inter-)subjektiven Lebenswelt nach A. Schütz und T. Luckmann
3. Das Figurationsmodell im Kontrast zur intersubjektiven Lebenswelt
4. Besonderheiten der Postmoderne bzw. postmodernen Soziologie
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit setzt sich zum Ziel, das Konzept der Lebenswelt nach Alfred Schütz mit dem Figurationsmodell von Norbert Elias kontrastierend gegenüberzustellen, um auf dieser Grundlage die soziologischen Besonderheiten der Postmoderne zu analysieren.
- Phänomenologische Soziologie und die Struktur der sozialen Wirklichkeit bei Schütz.
- Die Bedeutung von Interdependenz und Machtbalancen im Figurationsmodell von Elias.
- Vergleichende Analyse von Handlungsspielräumen und gesellschaftlichen Fremd- sowie Selbstzwängen.
- Postmoderne Identitätskonzepte und die Spannung zwischen Freiheit und struktureller Gebundenheit.
Auszug aus dem Buch
Das Figurationsmodell im Kontrast zur intersubjektiven Lebenswelt
In Abgrenzung zu Alfred Schütz, der die Auslegungs- und Enscheidungsspielräume des Individuums in einer intersubjektiven, transzendentalen und begrenzten Lebenswelt fokussiert, unterstreicht Norbert Elias die zentrale Rolle gesellschaftlicher Verflechtungen für die Individuen (vgl. Baruna 1999: 3). Laut Elias ist es nicht möglich, „den Menschen isoliert zu betrachten“ (Frerichs 2014: 26). Elias (1993: 12) beschreibt daher in seinem Figurationsmodell, dass die Gesellschaft und die darunterliegenden „sozialen Gebilde“ aus Individuen bestehen, die „miteinander Interdependenzgeflechte oder Figurationen mit mehr oder weniger labilen Machtbalancen verschiedenster Art bilden“.
„Erst die Analyse dieser Figurationen […] [, damit der Blick vom Kollektiv in Richtung der Subjekte, offenbare] die individuellen Handlungs- und Entscheidungsspielräume“ (Frerichs 2014: 23). Elias bekräftigt zugleich die Dynamik und Wandlungsfähigkeit der Figurationen und der sie bildenden Individuen, welche eine „relative Autonomie“ und naturgegebene Affektiertheit besitzen. In begrenzter Reichweite verbindet ihn das mit Schütz, der – vor dem Hintergrund der differierenden sowie veränderlichen sozio-kulturellen Formung des Menschen – die Individualität und Mutabilität von Subjekten betont (vgl. Frerichs 2014: 25-26; Preglau 1997: 77). Als Überschneidung von Schütz und Elias ist weiterhin hervorzuheben, dass beide das motivationale menschliche Fundament bewerten – wenn auch aus anderen Blickwinkeln. Während sich Schütz dem Zusammenspiel von „Motivationsrelevanz“ und der Auswahl von Wissensvorräten zur Situationsdeutung widmet, erklärt Elias die Position eines Individuums und die Machtbalance innerhalb von Figurationen inter alia mit inhomogener subjektiver Motivation (vgl. Preglau 1997: 74; Frerichs 2014: 25).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Aufgabenstellung: Die Einleitung definiert das Ziel, die Konzepte von Schütz und Elias zu vergleichen und auf die Postmoderne anzuwenden.
2. Vom Individuum zur Gesellschaft: das Konzept der (inter-)subjektiven Lebenswelt nach A. Schütz und T. Luckmann: Dieses Kapitel erläutert die phänomenologische Sichtweise, in der soziale Wirklichkeit als subjektives Konstrukt und intersubjektives Aushandlungsproblem verstanden wird.
3. Das Figurationsmodell im Kontrast zur intersubjektiven Lebenswelt: Hier wird der Fokus auf die interdependente Verflechtung von Individuen bei Elias gelegt, die im Kontrast zur stärker mikroperspektivischen Sicht von Schütz steht.
4. Besonderheiten der Postmoderne bzw. postmodernen Soziologie: Das abschließende Kapitel analysiert die Dynamik der modernen Gesellschaft und die resultierende Identitätsproblematik im Spannungsfeld von Freiheit und Fremdbestimmung.
Schlüsselwörter
Soziologie, Norbert Elias, Alfred Schütz, Lebenswelt, Figurationsmodell, Postmoderne, Intersubjektivität, Machtbalancen, Soziogenese, Identität, Interdependenz, Phänomenologie, Sozialtheorie, Handlungstheorie, Gesellschaftsstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht zwei zentrale soziologische Erklärungsmodelle – das der phänomenologischen Lebenswelt nach Alfred Schütz und das Figurationsmodell von Norbert Elias – und reflektiert diese vor dem Hintergrund postmoderner Gesellschaftsstrukturen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit befasst sich mit der sozialen Konstruktion von Wirklichkeit, der Bedeutung von zwischenmenschlichen Machtgeflechten, der individuellen Freiheit und den Zwängen der modernen Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Unterschiede und Überschneidungen beider Ansätze herauszuarbeiten und zu bestimmen, wie diese theoretischen Werkzeuge dazu beitragen können, die komplexen Bedingungen der postmodernen Soziologie besser zu verstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse und Literaturstudie, um die Konzepte der genannten Soziologen gegenüberzustellen und auf gegenwärtige gesellschaftliche Fragestellungen zu beziehen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Lebenswelt-Theorie von Schütz, die Einführung in das Figurationsmodell von Elias sowie die anschließende Synthese und Übertragung beider Theorien auf die Besonderheiten der Spätmoderne.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Intersubjektivität, Machtbalancen, Handlungsspielräume, Fremd- und Selbstzwänge, sowie der Begriff der Radikalen Pluralität in der Postmoderne.
Wie unterscheidet Elias den Menschen von der Sichtweise der Phänomenologie?
Elias betont, dass der Mensch niemals isoliert betrachtet werden kann, sondern immer als Teil von Interdependenzgeflechten existiert, während Schütz stärker die subjektiven Sinnkonstruktionsprozesse und die Hermeneutik des Alltags betont.
Welches Problem der Postmoderne illustriert der Auszug?
Die Arbeit thematisiert die Spaltung der personalen Identität in die freie Selbstverwirklichung einerseits und die deterministische Einbindung in funktionale soziale Rollen andererseits.
- Citar trabajo
- Jonas Gagelmann (Autor), 2021, Das Figurationsmodell von Norbert Elias im Kontrast zur (inter-)subjektiven Lebenswelt nach Alfred Schütz, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1020089