In dieser Arbeit wird die Entwicklung des Pazifismusbegriffs Dietrich Bonhoeffers, beziehungsweise der sukzessive theologisch und philosophisch begründete Prozess seiner Hinwendung zum Pazifismus und der späteren partiellen Abkehr von diesem, untersucht.
Ausgehend von der Biografie Bonhoeffers und grundsätzlicher pazifistischer und theologischer Ideen und Überlegungen zur Anwendung von – auch tödlicher – Gewalt in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts wird seine Rolle im Widerstand und die Bedeutung von Widerstand selbst in seinen vielfältigen Formen erörtert.
Dazu gehört die Diskussion um die Definition von aktivem Widerstand und seiner Abgrenzung gegen andere Erscheinungsformen, wie zum Beispiel zum passiven oder gewaltlosen Widerstand in Form von zivilem Ungehorsam, innerer oder gelebter Gegnerschaft gegenüber einem verbrecherischen Regime.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Dietrich Bonhoeffers Biografie
2. Pazifismus als Prinzip in der Theologie Bonhoeffers
3. Abkehr von der Maxime der absoluten Gewaltlosigkeit
4. Zeitgenössischer Pazifismus, gewaltloser Widerstand und ihre Ideen im 20. Jahrhundert
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung und den Wandel des Pazifismusbegriffs von Dietrich Bonhoeffer, von seiner theologisch begründeten Hinwendung zum gewaltlosen Widerstand bis hin zu seiner späteren, kritischen Auseinandersetzung und partiellen Abkehr von der Maxime der absoluten Gewaltlosigkeit im Kontext des Widerstands gegen das nationalsozialistische Regime.
- Biografische Einflüsse und Sozialisation Dietrich Bonhoeffers
- Theologische Fundierung von Friedensethik und Gewaltverzicht
- Ethische Abwägung zwischen Widerstand und dem biblischen Tötungsverbot
- Vergleich mit zeitgenössischen pazifistischen Strömungen des 20. Jahrhunderts
Auszug aus dem Buch
3. Abkehr von der Maxime der absoluten Gewaltlosigkeit
Im Herbst 1940 schloss er sich den Verschwörern um Admiral Wilhelm Canaris, Oberst (später und zuletzt Generalmajor) Hans Oster und seinem Schwager v. Dohnanyi im Amt Ausland/Abwehr des OKW an. Sie planten Hitler gewaltsam zu stürzen, um so den Krieg und die Verbrechen des Regimes, die es in ganz Europa verübte zu beenden. Doch wie konnte der Pazifist Bonhoeffer sich an einer solchen konkret geplanten Aktion beteiligen und sie gleichzeitig mit seinem Gewissen vereinbaren?
Die lutherische Zwei-Reiche-Ordnung rechtfertigte die Existenz von Obrigkeit, begründete sie religiös und sah in der Auflehnung gegen sie eine Sünde. Ungehorsam war etwas Verwerfliches. Wie bereits beschrieben, lehnte Bonhoeffer diese Vorstellung einer Ordnungsethik vehement ab. So wie er auch die kantische Pflichtethik unter den gegebenen Umständen scharf angriff. Er war der Meinung, man könne, angesichts der offensichtlich exekutierten Verbrechen, kein frommes Leben für sich selbst führen, würde man nichts gegen diese Verbrechen unternehmen. Hier vertritt er eine konkrete Erwartungshaltung seinen Mitmenschen gegenüber.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung definiert den Untersuchungsgegenstand der Arbeit, nämlich die Genese und Transformation von Bonhoeffers Pazifismusverständnis im Hinblick auf seine Rolle im Widerstand gegen den Nationalsozialismus.
1. Dietrich Bonhoeffers Biografie: Dieses Kapitel zeichnet die Lebensstationen, die familiäre Prägung und die akademische Laufbahn Bonhoeffers nach, um ein Verständnis für seine moralische Entwicklung zu schaffen.
2. Pazifismus als Prinzip in der Theologie Bonhoeffers: Der Autor erläutert hier die Herleitung der pazifistischen Grundhaltung aus dem Neuen Testament und die Bedeutung der Bergpredigt für Bonhoeffers frühe Friedensethik.
3. Abkehr von der Maxime der absoluten Gewaltlosigkeit: Dieses Kapitel analysiert den entscheidenden Wendepunkt in Bonhoeffers Denken, als er sich dem militärischen Widerstand gegen Hitler anschloss und dies theologisch durch Verantwortungsethik legitimierte.
4. Zeitgenössischer Pazifismus, gewaltloser Widerstand und ihre Ideen im 20. Jahrhundert: Hier werden externe theoretische Modelle wie die von Max Scheler oder Mahatma Gandhi herangezogen, um Bonhoeffers Position in den zeitgenössischen Diskurs einzuordnen.
Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert über die anhaltende Bedeutung von Bonhoeffers Vorbild für heutige Fragen der Gewissensentscheidung und der Gewaltanwendung.
Schlüsselwörter
Dietrich Bonhoeffer, Pazifismus, Widerstand, Nationalsozialismus, Theologie, Friedensethik, Verantwortungsethik, Gewaltlosigkeit, Bergpredigt, Zwei-Reiche-Lehre, Gewissensentscheidung, Christliche Ethik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und dem Wandel des Pazifismusbegriffs Dietrich Bonhoeffers im Kontext seiner Theologie und seines Engagements im Widerstand gegen den Nationalsozialismus.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die christliche Friedensethik, der Umgang mit staatlicher Autorität, der Widerstand gegen totalitäre Regime und die ethische Rechtfertigung von Gewalt.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den nachvollziehbaren Prozess darzulegen, der Bonhoeffer von einer absoluten pazifistischen Haltung dazu brachte, sich einem militärischen Umsturzversuch gegen Hitler anzuschließen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine systematische Literatur- und Quellenanalyse, die Bonhoeffers Schriften, Predigten und biographische Dokumente chronologisch und in ihrem historischen Kontext auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Bonhoeffers biographischen Hintergrund, seine Auslegung der Bergpredigt, seine Abkehr von der absoluten Gewaltlosigkeit sowie den Vergleich seiner Ideen mit zeitgenössischen pazifistischen Theorien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Dietrich Bonhoeffer, Pazifismus, Verantwortungsethik, Widerstand und Friedensethik charakterisiert.
Wie unterscheidet Bonhoeffer zwischen Gehorsam und Freiheit?
Bonhoeffer sieht beide als untrennbar miteinander verbunden: Gehorsam bindet den Menschen an Gott, während die Freiheit ihn befähigt, in Verantwortung schöpferisch und eigenständig zu handeln.
Welche Rolle spielte die Bergpredigt für Bonhoeffer?
Die Bergpredigt bildete den biblischen Kern seiner Friedensethik und diente ihm als konkrete Handlungsanweisung für eine christliche Lebensführung im Widerstand gegen das Unrecht.
- Arbeit zitieren
- Robert Samuel Langner (Autor:in), 2016, Der Pazifismusbegriff bei Dietrich Bonhoeffer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1020813