Diese Arbeit thematisiert die Phänomenologie der Geschichte. Sie untersucht die Spannung zwischen dem Transzendentalen und dem Historischen in der Philosophie Martin Heideggers. Tatsächlich fasst Heidegger in "Sein und Zeit" das Phänomen als "das Sichzeigende" von dem, was sich selbst zeigt, auf. Das Phänomen ist reine Aufweisung. In diesem Sinne setzen Verstellung, Verbergung beziehungsweise Schein nicht nur das Phänomen voraus, sondern sind ferner privative Arten, die durch die Struktur vom Sich-an-ihm-selbst-zeigen ermöglicht werden. Daraus ergibt sich also, dass Schein die privative Modifikation von Phänomen ist.
Wir verstehen die Aufschrift "Phänomenologie" in einem provisorischen Sinn, das heißt, als etwas, womit wir uns ausstatten, um mit dem Ansatz dieses Vorschlages einer philosophischen Forschung zu beginnen; als etwas, was in der eigentlichen Entwicklung der Argumentation Objekt einer berechtigenden Überprüfung werden soll, und schließlich als Hinweis, der auf jeden Fall uns den Vorschuss einer vorherigen Richtung des Weges, den wir einschlagen werden, vorgibt.
Wir glauben damit der Seite des allgemeinen Sinnes der Auslegung, die Heidegger während der Jahre 1920-1930 von der von Edmunds Husserl geöffneten Perspektive gemacht hat, zu entsprechen. Sein Opus Magnum sowie die Unmöglichkeit und Widerstand, auf den seine Redensart in der Suche nach einem Phänomenologiebegriff stößt, fügen sich in diesen provisorischen Charakter der Phänomenologie. Diese andere Seite, das heißt, die Kehrseite von Heideggers Auslegung der Phänomenologie befindet sich in der Dynamik von Verdeckung in der Aufweisung, das heißt, in der Umkehrung von dem Begründungsverhältnis zwischen Phänomen und Schein.
Inhaltsverzeichnis
Einführung
Erster Teil: Begründung und Reichweite einer Phänomenologie der Geschichte.
Erstes Kapitel: Kant und Heidegger über den Begriff des Transzendentalen.
Zweites Kapitel: Das phänomenologische Projekt einer Umwandlung des transzendentalen Horizontes der Seinsfrage in einen historischen Horizont und die Durchführung der Daseinsanalytik.
Zweiter Teil: Geschichte des Seins und Phänomenologie der Geschichte. Das Problem der Geschichte in den esoterischen Beiträgen und im Brief über den Humanismus.
Drittes Kapitel. Die historische Umwandlung des Denkens in Beiträge zur Philosophie (Vom Ereignis).
Viertes Kapitel. Verständnis des Historischen im Licht des Zusammenbaus zwischen erstem Anfang und anderem Anfang.
Fünftes Kapitel. Geschichte und Sprache in dem Brief über den Humanismus.
Schlußfolgerungen.
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die philosophische Spannung zwischen dem Transzendentalen und dem Historischen in Martin Heideggers Denken, insbesondere im Übergang von Sein und Zeit hin zu seiner späteren, seinsgeschichtlichen Phänomenologie. Ziel ist es zu ergründen, wie Heidegger das Problem der Geschichte innerhalb seines ontologischen Programms neu konturiert, ohne dabei in Historizismus zu verfallen.
- Phänomenologische Interpretation von Heideggers Sein und Zeit.
- Analyse der Transformation des transzendentalen Horizonts in einen historischen.
- Untersuchung des Konzepts der "Wesung des Seyns" als Ereignis.
- Diskussion des Verhältnisses zwischen erstem und anderem Anfang des Denkens.
- Die Rolle von Sprache und Geschichte im Brief über den Humanismus.
Auszug aus dem Buch
Zu einer Phänomenologie der Geschichte. Die Spannung zwischen dem Transzendentalen und dem Historischen in der Philosophie Martin Heideggers
Wir verstehen die Aufschrift “Phänomenologie” in einem pro-visorischen Sinn, das heißt, als etwas, womit wir uns ausstatten, um mit dem Ansatz dieses Vorschlages einer philosophischen Forschung zu beginnen; als etwas, was in der eigentlichen Entwicklung der Argumentation Objekt einer berechtigenden Überprüfung werden soll, und schließlich als Hinweis, der auf jeden Fall uns den Vorschuss einer vorherigen Richtung des Weges, den wir einschlagen werden, vorgibt. Wir glauben damit der Seite des allgemeinen Sinnes der Auslegung, die Heidegger während der Jahre 1920-1930 von der von Edmunds Husserl geöffneten Perspektive gemacht hat, zu entsprechen. Sein opus magnum sowie die Unmöglichkeit und Widerstand, auf den seine Redensart in der Suche nach einem Phänomenologiebegriff stößt, fügen sich in diesen provisorischen Charakter der Phänomenologie. Diese andere Seite, das heißt, die Kehrseite von Heideggers Auslegung der Phänomenologie befindet sich in der Dynamik von Verdeckung in der Aufweisung, das heißt, in der Umkehrung von dem Begründungsverhältins zwischen Phänomen und Schein.
Tatsächlich fasst Heidegger in Sein und Zeit das Phänomen als “das Sichzeigende” (GA 2: 38) von dem, was sich selbst zeigt, auf. Das Phänomen ist reine Aufweisung. In diesem Sinne setzen Verstellung, Verbergung bzw. Schein nicht nur das Phänomen voraus, sondern sind ferner privative Arten, die durch die Struktur vom Sich-an-ihm-selbst-zeigen ermöglicht werden. Daraus ergibt sich also, dass Schein die “privative Modifikation von Phänomen” ist (GA 2: 39). Die Umkehrung von dieser ontischen, aber nicht ontologischen, phänomenischen und nicht phänomenologischen, deckt sich auf, wenn man darauf achtet, dass das, was Phänomenologie zur λóγος bringen soll, nicht das Selbstoffensichtliche oder das Eindeutige ist, sondern genau das, was überhaupt nicht das ist, was aber trotzdem schon in allem verstanden ist, was selbstoffensichtlich oder eindeutig ist, als sein Sinn und Grund: Sein als solches.
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung: Darlegung des Untersuchungsproblems im Licht einer Auseinandersetzung mit der Fachliteratur und Darstellung des Arbeitsplanes.
Erster Teil: Begründung und Reichweite einer Phänomenologie der Geschichte.: Theoretische Grundlegung des Projekts einer Phänomenologie der Geschichte.
Erstes Kapitel: Kant und Heidegger über den Begriff des Transzendentalen.: Analyse des Dialogs zwischen Heidegger und Kant, um die Notwendigkeit einer ursprünglicheren Zeitauffassung aufzuzeigen.
Zweites Kapitel: Das phänomenologische Projekt einer Umwandlung des transzendentalen Horizontes der Seinsfrage in einen historischen Horizont und die Durchführung der Daseinsanalytik.: Untersuchung der Grenzen von Sein und Zeit und der Umschwung zu einem der Geschichte des Seins gemäßen Denken.
Zweiter Teil: Geschichte des Seins und Phänomenologie der Geschichte. Das Problem der Geschichte in den esoterischen Beiträgen und im Brief über den Humanismus.: Vertiefung des Problems der Geschichte anhand von Heideggers nachgelassenen Schriften.
Drittes Kapitel. Die historische Umwandlung des Denkens in Beiträge zur Philosophie (Vom Ereignis).: Behandlung der "Wesung des Seyns" als Ereignis und der historischen Meditation.
Viertes Kapitel. Verständnis des Historischen im Licht des Zusammenbaus zwischen erstem Anfang und anderem Anfang.: Analyse des historischen Zugangs zu den Anfangsdenkern innerhalb von Heideggers unveröffentlichten Traktaten.
Fünftes Kapitel. Geschichte und Sprache in dem Brief über den Humanismus.: Betrachtung der radikalen Umstellung vom Transzendentalen zum Historischen im Kontext der Sprache.
Schlußfolgerungen.: Zusammenführung der Ergebnisse und Reflexion über die Transformation des Ansatzes von Sein und Zeit.
Schlüsselwörter
Martin Heidegger, Phänomenologie, Geschichte, Sein und Zeit, Daseinsanalytik, Transzendental, Historizität, Seyn, Ereignis, Ontologie, Anfangsdenker, Metaphysik, Fundamentalontologie, Sprache, Wahrheit des Seins
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Forschungsarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die philosophische Entwicklung bei Martin Heidegger, spezifisch den Übergang von seinem transzendental orientierten Frühwerk hin zu einer seinsgeschichtlichen Phänomenologie.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Spannung zwischen dem Transzendentalen und dem Historischen, die Frage nach dem Sinn des Seins sowie die Interpretation der Begriffe "Ereignis" und "Anfang".
Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Ziel ist es, zu analysieren, wie Heidegger sein philosophisches Projekt modifiziert hat, um Geschichte nicht als äußeres Geschehen, sondern als Wesensmoment des Seins selbst zu begreifen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine phänomenologische und hermeneutische Analyse von Heideggers veröffentlichten Werken (insb. Sein und Zeit) sowie von esoterischen Texten der Gesamtausgabe.
Was deckt der Hauptteil der Arbeit ab?
Der Hauptteil gliedert sich in eine kritische Auseinandersetzung mit Kant, eine Analyse der Unvollständigkeit von Sein und Zeit und die detaillierte Ausarbeitung der seinsgeschichtlichen Wende in den Beiträgen zur Philosophie.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie "Seinsgeschichte", "Dasein", "Transzendentaler Horizont", "Ereignis" und "Anfang" beschreiben.
Wie unterscheidet der Autor zwischen dem "ersten" und "zweiten" Heidegger?
Der Autor argumentiert, dass diese Unterscheidung problematisch ist, da sie eine Kontinuität übersehen könnte; stattdessen sollte Heidegger als eine Einheit im Prozess der "Kehre" betrachtet werden.
Welche Bedeutung haben die "Anfangsdenker" für die Argumentation?
Sie dienen als Zugang zum "ersten Anfang", um die radikale historische Wesensart des Seins aufzuzeigen, was für das Verständnis der "Erinnerung" und des "anderen Anfangs" essentiell ist.
- Citation du texte
- Jorge Enrique Pulido Blanco (Auteur), 2019, Phänomenologie der Geschichte. Spannung zwischen dem Transzendentalen und dem Historischen in der Philosophie Martin Heideggers, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1021023