Bildungssystem im Deutschen Kaiserreich. Bedeutung des Militärs für Schule und Unterricht


Ausarbeitung, 2019

7 Seiten, Note: 13 Punkte


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Militär und Schule im Deutschen Kaiserreich
2.1 Das Militär im Deutschen Kaiserreich
2.2 Schule und Unterricht im Deutschen Kaiserreich
2.3 Militär und Schule im Deutschen Kaiserreich

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Aussagen von unseren Groß- oder sogar Urgroßeltern wie „Damals herrschte noch Zucht und Ordnung in der Schule!“ oder „Damals hatten wir Kinder noch Respekt vor unseren Lehrern!“, kennen viele aus unserer heutigen Generation. Heutzutage beschweren sich dagegen viele über die Disziplinlosigkeit in den Schulen und beklagen den respektlosen Umgang der Schüler gegenüber den Lehrkräften. Offensichtlich ist: Zwischen der Schule vor knapp 100 Jahren und der heutigen Schule gibt es große Unterschiede. So unterscheidet sich auch die Schule des Kaiserreiches in der Zeit von 1871-1918 sehr von der Schule, die wir heute kennen. Wie können diese Unterschiede erklärt werden? Im Gegensatz zu heute spielte im Kaiserreich das Militär noch eine große Rolle und hatte entsprechend Einfluss auf verschiedene Bereiche der Gesellschaft, unter anderem auf die Schule. Im Folgenden soll auf das Militär und die Schule im Deutschen Kaiserreich eingegangen werden.

2. Militär und Schule im Deutschen Kaiserreich

2.1 Das Militär im Deutschen Kaiserreich

Das Deutsche Kaiserreich wurde am 18. Januar 1871, unter Ausrufung des preußischen Königs Wilhelm I. zum Kaiser, gegründet. Die Einigung des deutschen Nationalstaates gelang vornehmlich durch das politische Geschick des preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck. Seine politischen Schachzüge, diplomatischen Überlegungen und letztlich die durch ihn gelenkten Kriege ermöglichten die Gründung des Deutschen Kaiserreichs.1 Die durch das Militär erfolgreich errungenen Siege führten zu einer besonderen Hochachtung des Militärs unter der Nation. So wurden z.B. Krieger- und Nationaldenkmäler aufgestellt, die „die Bedeutung des Militärs nach außen sichtbar demonstrierten“2. Auch Gedenktage wie der Sedantag, Treuebekundungen gegenüber Kaiser und Vaterland, sowie Kriegervereine und Schützenvereine dienten der Präsenz und dem Einfluss des Militärs auf die Gesellschaft.3 Möglichst jeder Mann sollte einen zweijährigen Wehrdienst leisten, um etwas in der Gesellschaft zu gelten. Disziplin und Gehorsam gegen Vorgesetze galten als hohe Tugenden.4 So drangen militärische Verhaltensweisen und Sprache immer mehr in das Alltagsleben der Menschen ein. Äußerlich sichtbar wurde die Geltung des Militärs zudem durch das Tragen von Uniformen bei jeglichen Anlässen. Sogar Uniformen für Kinder waren verbreitet.5 So stand auch die junge Generation unter dem Einfluss des Militärs. „Der Stolz jedes Deutschen ist die Armee, die Blüthe [sic!] des Volkes. Deutschlands Heer – Deutschlands Ehr!“6 Dieser Ausspruch macht sehr deutlich, dass das Militär für die Deutschen von höchster Bedeutung war. Das Militär wurde verherrlicht und die Gesellschaft des Kaiserreichs zunehmend militarisiert.

2.2 Schule und Unterricht im Deutschen Kaiserreich

Die damalige Schule im deutschen Kaiserreich diente dem Nationalstaat. Sie wurde genutzt, um „die kaiserliche Herrschaft sowie die politische Ordnung […] zu festigen“.7 Bildung war für Kaiser Wilhelm II. wichtig. Er sah in der Schule die besondere Chance, diese für seine politischen Zwecke zu instrumentalisieren, um so unter anderem gegen die Ausbreitung sozialistischer und kommunistischer Ideen anzugehen.8 Auch die Wehrfähigkeit der deutschen Nation sollte durch die Schule gestärkt werden.9 So sorgte Kaiser Wilhelm II. 1889 für einen Erlass, der die Schule verpflichtete, den Schülerinnen und Schülern die Monarchie als einzig wahre politische Ordnung nahezubringen10.

Das Bildungssystem im Deutschen Kaiserreich unter dem Einfluss des Kaisers zeigte sich als besonders erfolgreich. In Preußen, dem bevölkerungsreichsten Teilstaat, konnte bis 1890 die Einschulungsrate auf 100 Prozent gesteigert und so die Grundbildung der Bevölkerung gesichert werden.11 Für die vielen Schüler/-innen, die schließlich die Volksschule besuchten, standen jedoch nur wenig Lehrkräfte zur Verfügung. Häufig wurden deshalb Schulen einklassig geführt. Nicht selten saßen so mehr als 70 Kinder in einer Klasse, die von einer einzigen Lehrkraft geführt wurde. An Gymnasien kamen im Vergleich dazu nur etwa 16 Schüler/-innen auf eine Lehrkraft.12

2.3 Militär und Schule im Deutschen Kaiserreich

Man könnte zu dem Schluss kommen, dass die strenge Erziehung zu Disziplin und Gehorsam in den Schulen des Deutschen Kaiserreichs aufgrund der übergroßen Klassen notwendig war, um das Lehren und Lernen überhaupt erst zu ermöglichen. Auch, dass die Volksschule keinen Raum für Individualität bot, scheint aufgrund der extremen Klassengrößen nachvollziehbar.13 Jedoch waren die Klassengrößen nicht maßgebliche Ursache für den strengen Umgangston in Schule und Unterricht. Denn der Einfluss des Militärs auf die Gesellschaft wirkte sich auch auf die Schulen aus. Die staatliche Schule wurde ebenfalls zunehmend militarisiert und eine Erziehung „im Sinne von militärischer Disziplin“ sollte gewährleistet werden.14 So galten in der Volksschule des Kaiserreichs neben den Grundkenntnissen im Lesen, Schreiben und Rechnen sowie der religiösen Erziehung Tugenden wie Gehorsam, Ordnung, Fleiß oder Selbstüberwindung als Lehrziele.15 Auch der ausgeweitete Sportunterricht diente der vormilitärischen Ausbildung.16 Als Vorbild der Schülerinnen und Schüler galt stets der Soldat.17 Das Einüben von striktem Gehorsam geschah so durch Soldatenspiele sowie spielerische Militärmärschen oder durch Soldatenliedern wie "Wer will tapfere Soldaten sehen", "Wer will unter die Soldaten", "Soldaten müssen haben" oder "Da kommen die Soldaten"18. Ein sehr bekanntes Kinderlied war „Der kleine Rekrut“. Dieses Lied lernten die Kinder im 3. oder 4. Schuljahr und schilderte den Kindern mit Zeilen wie „Wer will unter die Soldaten, der muß [sic!] haben ein Gewehr“19 das Soldatenleben. So waren nicht nur die Inhalte des Unterrichts deutlich militarisiert, auch die Art und Weise des Unterrichts wurde unter militärischem Drill vollzogen. Die Lehrkraft unterrichtete die Klasse stets frontal und in autoritärem Stil. Knappe Anweisungen im Befehlston wie „Klasse – Achtung“, „Setzen!“, „Hefte zeigt!“ sorgten für Ordnung im Klassenzimmer. Die Schülerinnen und Schüler hatten zu gehorchen. Bei falschem Verhalten folgten Strafen, nicht selten in Form von körperlicher Züchtigung.20

Zucht und Ordnung herrschte auch äußerlich im Klassenzimmer. Die Schulbänke hatten gradlinig angeordnet zu sein und die Kinder sollten eine entsprechend „ordentliche“ Körperhaltung vorzeigen. Für die Schülerinnen und Schüler galt es mit parallel nebeneinanderstehenden Füßen, den Händen auf dem Tisch und geradem Rücken aufmerksam an ihren Tischen zu sitzen.21

Bei all dem steht für die Männer die Ausbildung zum Soldaten im Vordergrund. Die Frauen sollen entsprechend auf die Rolle der „Soldatenmutter“ vorbereitet werden. Die autoritären Verhältnisse zeigten sich insofern erfolgreich, als dass sich zu Beginn des Ersten Weltkriegs Schüler (und auch Lehrer) freiwillig zum Kriegsdienst melden.22

Jedoch stößt der autoritäre Unterrichtsstil bei dem ein oder anderen zurecht auf Kritik. So stellt Otto Rühle (1874-1943) raus, dass die Volksschule mit ihrem militärischen Drill die persönliche Entwicklung des Kindes unterdrückt und die Lehrmethoden bei vielen Kindern nur unzureichende Lernerfolge zeigen.23

[...]


1 Vgl. Rogasch / Scriba, Reichsgründung, unter: https://www.dhm.de/lemo/kapitel/kaiserreich/das-reich/reichsgruendung-1871.html (Stand: 26.09.19).

2 Arbeiterkreis für Landeskunde , Gesellschaft im Kaiserreich, unter: https://www.schule-bw.de/faecher-und-schularten/gesellschaftswissenschaftliche-und-philosophische-faecher/landeskunde-landesgeschichte/module/bp_2016/imperialismus_und_erster_weltkrieg/militaer_und_gesellschaft_im_kaiserreich_am_beispiel_rastatts/ab6.pdf (Stand: 26.09.19).

3 Vgl. ebd..

4 Vgl. Militarismus, unter: http://deutscheskaiserreich.wikidot.com/militarismus-im-kaiserreich-tragende-saeule-im-staat (Stand: 26.09.19).

5 Vgl. Arbeiterkreis für Landeskunde , Gesellschaft im Kaiserreich, unter: https://www.schule-bw.de/faecher-und-schularten/gesellschaftswissenschaftliche-und-philosophische-faecher/landeskunde-landesgeschichte/module/bp_2016/imperialismus_und_erster_weltkrieg/militaer_und_gesellschaft_im_kaiserreich_am_beispiel_rastatts/ab6.pdf (Stand: 26.09.19).

6 Ritter , Das Deutsche Kaiserreich, 92.

7 Entwicklung des Schulwesens, unter: https://www.bochum.de/C125708500379A31/CurrentBaseLink/W28C6CQE563BOLDDE#par6 (Stand: 26.09.19).

8 Vgl. Wetekam, Schule im Kaiserreich, unter: https://www.kinofenster.de/filme/archiv-film-des-monats/kf1102/vom-gleichschritt-zum-ballspiel-schule-im-kaiserreich/ (Stand: 26.09.19).

9 Vgl. „Vaterländische Erziehung“, unter: http://www.vimu.info/fb.jsp?id=for_15_6_50_fb_vaterlaendischeerziehung_de&lang=de&u=child&flash=true (Stand: 26.09.19).

10 Vgl. Entwicklung des Schulwesens, unter: https://www.bochum.de/C125708500379A31/CurrentBaseLink/W28C6CQE563BOLDDE#par6 (Stand: 26.09.19).

11 Vgl. Wetekam, Schule im Kaiserreich, unter: https://www.kinofenster.de/filme/archiv-film-des-monats/kf1102/vom-gleichschritt-zum-ballspiel-schule-im-kaiserreich/ (Stand: 26.09.19).

12 Vgl. Aden-Grossmann, Geschichte der sozialpädagogischen Arbeit, 53.

13 Vgl. Wetekam, Schule im Kaiserreich, unter: https://www.kinofenster.de/filme/archiv-film-des-monats/kf1102/vom-gleichschritt-zum-ballspiel-schule-im-kaiserreich/ (Stand: 26.09.19).

14 Schneider / Toyka-Seid, Militarismus, unter: https://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/das-junge-politik-lexikon/161412/militarismus (Stand: 26.09.19).

15 Vgl. Entwicklung des Schulwesens, unter: https://www.bochum.de/C125708500379A31/CurrentBaseLink/W28C6CQE563BOLDDE#par6 (Stand: 26.09.19).

16 Vgl. „Vaterländische Erziehung“, unter: http://www.vimu.info/fb.jsp?id=for_15_6_50_fb_vaterlaendischeerziehung_de&lang=de&u=child&flash=true (Stand: 26.09.19).

17 Vgl. Entwicklung des Schulwesens, unter: https://www.bochum.de/C125708500379A31/CurrentBaseLink/W28C6CQE563BOLDDE#par6 (Stand: 26.09.19).

18 Hartmann, zit. n. Berger, Nationalismus und Militarismus im Kindergarten, unter: https://www.nifbe.de/component/themensammlung?view=item&id=448:nationalismus-und-militarismus-im-kindergarten-1871-1918&catid=37 (Stand: 26.09.19).

19 „Vaterländische Erziehung“, unter: http://www.vimu.info/fb.jsp?id=for_15_6_50_fb_vaterlaendischeerziehung_de&lang=de&u=child&flash=true (Stand: 26.09.19).

20 Vgl. Entwicklung des Schulwesens, unter: https://www.bochum.de/C125708500379A31/CurrentBaseLink/W28C6CQE563BOLDDE#par6 (Stand: 26.09.19).

21 Vgl. ebd..

22 Vgl. „Vaterländische Erziehung“, unter: http://www.vimu.info/fb.jsp?id=for_15_6_50_fb_vaterlaendischeerziehung_de&lang=de&u=child&flash=true (Stand: 26.09.19).

23 Vgl. Rühle, zit. n. Aden-Grossmann, Geschichte der sozialpädagogischen Arbeit, 55f.

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Bildungssystem im Deutschen Kaiserreich. Bedeutung des Militärs für Schule und Unterricht
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
13 Punkte
Autor
Jahr
2019
Seiten
7
Katalognummer
V1021157
ISBN (eBook)
9783346423597
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bildungssystem, deutschen, kaiserreich, bedeutung, militärs, schule, unterricht
Arbeit zitieren
Lisa Theis (Autor:in), 2019, Bildungssystem im Deutschen Kaiserreich. Bedeutung des Militärs für Schule und Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1021157

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