Kunst in den Klassen 5 und 6. Oberflächenbeschaffenheiten zeichnerisch darstellen

Ausarbeitung einer Unterrichtsstunde mit Raster, AB und Musterlösungen


Unterrichtsentwurf, 2020

14 Seiten, Note: 1,9

K. Vell (Autor)


Leseprobe

Thema der Einheit „Ich und meine Umwelt - Punkt, Punkt, Komma, Strich, fertig ist!“ Experimentieren mit zeichnerischen Gestaltungsmitteln

Thema der Stunde „Ich fühle was, was du nicht fühlst.“ Wahrnehmungsübung: Oberflächenbeschaffenheiten zeichnerisch darstellen

Bezug zu den Fachanforderungen

Zeichnen ist als elementares Arbeitsfeld und grundlegende Ausdrucksform in den Fachan­forderungen für alle Klassenstufen verbindlich.1 Das findet sich im schulinternen Fachcurri­culum wieder, in dem in der fünften Klasse unterschiedliche zeichnerische Gestaltungsmit­tel auf ihrer Wirkungsweisen hin untersucht werden sollen.

Hauptintention der Stunde

Indem die SuS Oberflächen erfühlen, beschreiben und in experimentellen Skizzen die Haptik in eine zeichnerische Darstellung überführen, lernen sie in einer ersten Annäherung den Einsatz und die Wirkung zeichnerischer Gestaltungsmittel im Vergleich.

Einbindung in die laufende Unterrichtseinheit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Angestrebte und besonders zu fördernde Kompetenzen

Wahrnehmen: Vorbereitung auf eine Perceptbildung mit allen Sinnen; altersangemessene Teilanalysen: Wirkungen von zeichnerischen Gestaltungsmitteln erschließen, Herstellen: zeichnerische Techniken gezielt einsetzen; durchgängige Sprachbildung.2

Angaben zur Lerngruppe, unterrichtliche Voraussetzungen

Seit Anfang des Schuljahres 2019/2020 unterrichte ich die 5b mit einer 60-Minuten-Stunde pro Woche im Fach Kunst. Zusätzlich kenne ich die Lerngruppe aus dem Deutschunter­richt, den ich vierstündig die Woche gebe. Die Klasse besteht aus 31 Schülerinnen und Schülern (SuS) und teilt sich in zehn Jungen und 21 Mädchen auf. Insgesamt tritt die Lern­gruppe neuen Lerninhalten interessiert gegenüber und zeichnet sich durch einen ausge­prägten Erzähldrang aus. Für das Unterrichtsgespräch ist diese Neugier positiv hervorzu­heben. Gleichzeitig führt sie dazu, dass sich die SuS gegenseitig ablenken. Durch kurze Austauschphasen, eine vom Lehrer festgelegte Sitzordnung, einen zurzeit vom Lehrer an­geleiteten und stark strukturierten Unterrichtsablauf und durch die Aufmerksamkeit aller Fachlehrerinnen auf die Situation gelingt es der Klasse zunehmend besser, sich in Arbeits­phasen zu konzentrieren - in Deutsch jedoch besser als in Kunst. Hier fallen vor allem ei­nige Jungen durch ein negatives Selbstkonzept auf und einige Mädchen äußern trotz ihrer sehr guten bis guten Leistungen Unzufriedenheit über ihre Ergebnisse. Im Laufe der Zeit wurde auch das stark heterogene Leistungsniveau deutlich, was sich vor allem durch un­terschiedliche Sorgfalt zeigt. Entgegen klaren Besprechungen gelingt es einigen Jungen nicht, einfache handwerkliche Aufgaben umzusetzen. Durch motivierende und kriterienge­leitete Quartalsrückmeldungen konnte der Fortschritt erzielt werden, dass bei diesen SuS aus Verweigerung von Aufgaben eine Offenheit zum Ausprobieren entstand. An noch vor­handenen Selbstkonzepten wie „Ich kann eh kein Kunst“ arbeite ich weiterhin.3

Didaktische Entscheidungen und Überlegungen

Die Fachanforderungen Kunst stellen den Erwerb der Bildkompetenz als Kernanliegen ins Zentrum des Unterrichts.4 Damit geht eine ständige Perzeptbildung einher, die zum Zweck von Bildanalysen und Beurteilungen vielfältig aufgebaut und zunehmend ins Bewusstsein der SuS rücken soll.5 Um beim Betrachten von Kunstwerken sinnliche Assoziationen zu entwickeln, sind eigene Erfahrungen von Vorteil, um in der Konfrontation mit neuen Bildern an vorhandene gedankliche Konzepte anzuknüpfen. Im Laufe der Orientierungsstufe ist es daher sinnvoll, sinnliche Wahrnehmungsübungen durchzuführen.6 Diese können in jedem Arbeitsfeld durchgeführt werden, sodass gleichzeitig immer eine altersangemessene Teil­analyse im Zentrum steht, bei der die Wirkung der arbeitsfeldabhängigen Gestaltungsmit­tel reflektiert wird. Da das Arbeitsfeld Zeichnen in alle weiteren integriert werden kann, fo­kussiert die Einheit eine erste Thematisierung derzeichnerischen Gestaltungsmittel.

Der Schwerpunkt der Unterrichtsstunde liegt nach den fünf Dimensionen der Bildkompe­tenz auf der bildstrukturalen Dimension, bei der die formale Gestaltung im Zusammenhang mit der Wirkung betrachtet wird.7 Für eine Analyse von Zeichnungen würde das bedeuten, dass sich die SuS einerseits über eine Perceptbildung der Arbeit annähern und auf der an­deren Seite Gestaltungsmittel analysieren, um die inhaltliche Deutung zu belegen. Die Grundlagen sind demnach sinnliche Assoziationen zu der Zeichnung und ein Erkennen der Gestaltungsmittel. Um den SuS diesen Zugang zu ermöglichen, experimentieren sie mit der zeichnerischen Darstellung unterschiedlicher Sinneswahrnehmungen. Somit stellt die Stunde das eigene Erfahren vor das Betrachten eines Kunstwerkes und das eigene Experimentieren vor das Assoziieren zu einem in Zeichen verdichteten, gestalteten Bild.8

Es wird also keine künstlerische Arbeit in der Stunde besprochen, sondern ausschließlich ein Ausschnitt vom Fell des Feldhasen von Albrecht Dürer gezeigt, anhand dessen eine erste Oberflächenbeschaffenheit beschrieben wird. Der Ausschnitt eignet sich einerseits als Anschauungsvorbild für die SuS, damit sie sich zunächst unfigürlich und unliterarisch in den zeichnerischen Gestaltungsmitteln erproben und andererseits könnte einigen SuS ggf. der Ausschnitt bekannt Vorkommen (Vorwissen aktivieren), sodass sie in der Stunde be­sonders auf die Art und Weise der Gestaltung aufmerksam werden. Beim experimentellen Skizzieren und dem Versuch, die erfühlte haptische Wirkungen zu erzeugen, lernen sie die zuvor erprobten Gestaltungsmittel von Punkt, Linie und Flächenschraffur in neuen funktio­nal angebundenen Kontexten kennen.9 Der Vergleich der Zeichnungen und das gemeinsa­me Besprechen unterschiedlicher Ergebnisse sensibilisiert die SuS für verschiedene Lö­sungswege und bringt sie in einen Diskurs über die Art der Zeichnung. In späteren Einhei­ten wird im Sinne des Spiralcurriculums zusätzlich der Schritt der Überarbeitung dazukom­men, um den SuS die Vorteile von prozesshaften, suchendem Arbeiten aufzuzeigen.

Zudem nutzen sie ihre sinnliche Tastwahrnehmung als Anlass für Assoziationen und schu­len sich in einer weiteren Aufgabe in der Übertragung in neue Gestaltungszusammenhän­ge. Sie überführen das blind Ertastete zurück in ihren Lebensweltkontext und skizzieren diverse Objekte/ Lebewesen, die sie mit dem Erfühlten verbinden, was ihre eigene Imagi­nationskraft und Ideenvielfalt anregt. Diese wird in der darauffolgenden Stunde vertieft: Viele SuS der Klasse schreiben kreative Texte, in denen häufig eine detaillierte Beschrei­bung ihrer Fantasiewesen fehlt. Die Fächer Kunst und Deutsch lassen sich miteinander verbinden, um dieses Schülerinteresse aufzugreifen. Ausgehend von Vorgefundenen Oberflächen können sie diese in Analogie zu Max Ernst frottieren und durch eine collagen- artige Rekombination der Frottagen in Kombination mit eigenen Oberflächenzeichnungen neue Strukturen für ihre imaginierten Fantasiewesen entwickeln. Die Frottage erweitert das Spektrum im Umgang mit Oberflächen und gleichzeitig können die SuS bei der Re­zeption von Max Ernst ihre sinnliche Perceptbildung erleben und sich bewusst machen.10

Methodische Entscheidungen und Überlegungen

Der Einstieg motiviert die SuS einerseits durch den spielerischen Charakter und ander­seits aktiviert die Aufgabe die Vorstellungskraft der SuS. Die SuS erhalten ein Beispiel, wie ein erfühlter Gegenstand mit Adjektiven beschrieben wird, der dem Ablauf der Einzelarbeit ähnelt. Die Problematisierung erfolgt lehrergeleitet, um den SuS den Unterrichtsgegen­stand zu verdeutlichen und in die Einzelexperimentierphase überzuleiten. Die Erarbeitung erfolgt in Einzelarbeit, da es um die individuelle Wahrnehmung eines jeden Einzelnen geht. In der Übersetzung des Gefühlten in zeichnerische Gestaltungsmittel ist ein Aus­tausch sinnvoll, um sich im Austausch über Wirkungsmöglichkeiten und in einerVerbalisie­rung dessen zu verständigen.11 Eine Einzelarbeit könnte hier einerseits zu Frustration füh­ren und andererseits erleben die SuS im Austausch indirekt bereits, dass es einen Kon­sens für Übersetzungen von Linien zu einem Gefühl geben kann, was auf die zukünftige Besprechung von intersubjektiver Überprüfbarkeit vorbereitet. Die SuS arbeiten auf einem in vier Bereiche unterteiltem Blatt, das im Vergleich zum kleineren Skizzenheft den Vorteil hat, dass sie Zeichnungen nebeneinander anordnen und somit ohne Umblättern verglei­chen können. Das Erfühlen der Objekte im Beutel konzentriert die Oberflächenwahrneh­mung stärker, als wenn der Sehsinn involviert wäre. Die Objekte im Beutel sind möglichst kontrastreich gewählt, sodass Unterschiede in der zeichnerischen Übersetzung für die SuS in der gegenseitigen Besprechung nachvollziehbar erkennbar sind und herausgear­beitet werden können. Die Präsentation geschieht in dialogischer Form, damit sich mehre­re SuS in der Beschreibung der Zeichnungen üben. Die Abschlussaufgabe entspricht ihrer Lebenswelt, sodass sie das Gelernte auf figürliche Darstellungen anwenden.

Literaturverzeichnis

Fachanforderungen Kunst, hrsg. v. Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein, Kiel 2015.

Max Ernst Museum Brühl: https://maxernstmuseum.lvr.de/de/max_ernst/techniken/techniken_1.html.

Niehoff, Rolf: Was qualifiziert den schulischen Kunstpädagogen? Entwicklung eines kunst­pädagogischen Qualifikationsprofils, in: Bildbegriff und Kunstverständnis im kunstpäd­agogischen Kontext, hrsg. v. Kunibert Bering u.a., Oberhausen 2014, S. 137-161.

Niehoff, Rolf: Bildkompetenz. Begriffsklärung, Diskussionsstand und Probleme, in: Kunst­pädagogik im Projekt der allgemeinen Bildung, hrsg. v. Johannes Kirschenmann, Frank Schulz und Hubert Sowa, München 2006, S. 239-243.

Otto, Gunter; Otto, Maria: Auslegen. Ästhetische Erziehung als Praxis des Auslegens in Bildern und des Auslegens von Bilder, Seelze 1987.

RAAbits Kunst Sep. 1996, für die Unterrichtseinheit interessante Einheit: Experimentelles Zeichnen. Auf der Suche nach dem „Urstrich“.

Treezen, Ursula: Konzept zur durchgängigen Sprachbildung in den Jahrgangsstufen der Sekundarstufe I, 2011 vom Ministerium für Bildung und Wissenschaft des Landes Schleswig-Holstein, https://www.schleswig-holstein.de/DE/Fachinhalte/-S/sprachbil- dung/Downloads/Konzept.pdf? blob=publicationFile&v=1.

- Durchgängige Sprachbildung in einem differenzierteren Überblick bei: Ulrich, Winfried: Wissenschaftliche Grundlagen der Wortschatzarbeit im Fachunterricht ,in: Sprachbildung und Leseförderung in Berlin. Sprachsensibler Fachunterricht. Handreichung zur Wortschatzarbeit in den Jahrgangsstufen 5-10 unter besonderer Berücksichtigung derFachsprache, hrsg. v. Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft, Berlin 2013. https://bildungsserver.berlin-brandenburg.- de/fileadmin/bbb/themen/sprachbildung/Durchgaengige_Sprachbildung/Publikationen_sprachbildung/spra chsensibler_fachunterricht/9_Sprachsensibler_Fachunterricht-wissenschaftliche_Grundlagen.pdf, S. 305­327, vor allem S. 324-325.

Abbildung/ Ausschnitt von Albrecht Dürers „Feldhasen“: prometheus Bildarchiv.

Stundenverlauf

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 Vgl. Fachanforderungen Kunst, hrsg. v. Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig­Holstein, Kiel 2015, S. 15-16.

2 Vgl. Ebd., S. 9, 20, 26, 45.

3 Vgl. bei RAAbits Kunst Sep. 1996, I/B2 als methodische Überlegung, S. 3: „Die SuS bemessen eine gute Zeich­nung demnach am Grad der Perfektion, mit der sie die Wirklichkeit realitätsgetreu abbildet. Ein solch hoher Anspruch am zeichneri­schen „Können“ führt dann bei den meisten SuS zu der resignativen Feststellung, „Ich kann nicht zeichnen“. Durch das spielerische Ausprobieren visueller, taktiler, akustischer [etc.] Wahrnehmung und ihrer zeichnerischen Umsetzung werden die SuS angeregt, ei­nen rein wiedererkennenden Blick aufzugeben und sich neue zeichnerische Perspektiven auf die Gegenstände zu erschließen.“

4 Vgl. Fachanforderungen Kunst 2015, S. 15.

5 Vgl. Otto, Gunter; Otto, Maria: Auslegen. Ästhetische Erziehung als Praxis des Auslegens in Bildern und des Auslegensvon Bilder, Seelze 1987, S. 51.

6 Vgl. Kompetenz Wahrnehmen und Perceptbildung, Fachanforderungen Kunst 2015, S: 20.

7 Vgl. Niehoff, Rolf: Was qualifiziert den schulischen Kunstpädagogen? Entwicklung eines kunstpädagogi­schen Qualifikationsprofils, in: Bildbegriff und Kunstverständnis im kunstpädagogischen Kontext, hrsg. v. Kunibert Bering u.a., Oberhausen 2014, S. 147.

8 Vgl. Niehoff, Rolf: Bildkompetenz. Begriffsklärung, Diskussionsstand und Probleme, in: Kunstpädagogik im Projektder allgemeinen Bildung, hrsg. v. Johannes Kirschenmann u.s., München 2006, S. 240.

9 Vgl. Fachanforderungen Kunst 2015, S. 26, 45, 50.

10 Vgl. zur Frottage bei Max Ernst: https://maxernstmuseum.lvr.de/de/max_ernst/techniken/techniken-_1.html.

11 __________________________________________________________________________________ Vgl. durchgängige Sprachbildung: Wortschatzerweiterung, Fachsprache einüben mit vorgegebenen Satz­bausteinen, in: https://www.schleswigholstein.de/DE/Fachinhalte/S/sprachbildungDown-loads/Konzept.pdf?____________________________________________________________________________________ blob- =publicationFile&v=1.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Kunst in den Klassen 5 und 6. Oberflächenbeschaffenheiten zeichnerisch darstellen
Untertitel
Ausarbeitung einer Unterrichtsstunde mit Raster, AB und Musterlösungen
Note
1,9
Autor
Jahr
2020
Seiten
14
Katalognummer
V1021409
ISBN (eBook)
9783346415738
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kunst, klassen, oberflächenbeschaffenheiten, ausarbeitung, unterrichtsstunde, raster, musterlösungen
Arbeit zitieren
K. Vell (Autor), 2020, Kunst in den Klassen 5 und 6. Oberflächenbeschaffenheiten zeichnerisch darstellen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1021409

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