Mit dieser Arbeit soll der Frage nachgegangen werden in welchem Verhältnis Ludwig van Beethoven und Franz Schubert zueinander standen, sowohl menschlich als auch musikalisch und ob dieses Verhältnis der beiden zueinander die Aufteilung in zwei Epochen, der Wiener Klassik und der Romantik, rechtfertigen. Gibt es die großen Unterschiede in ihrer Musik und in ihrer Art zu komponieren? Zunächst soll die Gattung Streichquartett als solches betrachtet werden. Anschließend wird auf den Umgang mit der Gattung Streichquartett bei beiden eingegangen. Durch eine kurze Darstellung der Biographien Beethovens und Schuberts soll deren persönliches Verhältnis zueinander dargestellt werden.
Paul Griffith bezeichnet Beethoven und Schubert in seinem Buch "Geschichte der Musik – Vom Mittelalter bis in die Gegenwart" als "den tauben Mann und den Sänger". Der Vergleich der Streichquartettbeispiele von Beethoven und Schubert soll dieser Bezeichnung näher kommen und soll aufzeigen, wie Beethoven und Schubert ihre Streichquartette gestalteten und ob diese Gemeinsamkeiten aber vor allem die Unterschiede die Aufteilung bzw. die Zuteilung der beiden Komponisten in zwei unterschiedliche musikalische Epochen rechtfertigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Streichquartett als Gattung
3. Beethoven und das Streichquartett
4. Schubert und das Streichquartett
5. Biographien
5.1. Biographie Beethoven
5.2. Biographie Schubert
5.3. Vergleich und Verhältnis
6. Streichquartette bei Beethoven und Schubert
6.1. Beethoven op. 74 in Es-Dur
6.2. Beethoven op.18,5 in A-Dur
6.3. Schubert op. post. D 810 in d-Moll
7. Vergleich Streichquartette bei Ludwig van Beethoven und Franz Schubert
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das musikalische und menschliche Verhältnis zwischen Ludwig van Beethoven und Franz Schubert, um zu klären, warum beide trotz ihres zeitgleichen Wirkens in Wien unterschiedlichen Epochen – der Wiener Klassik beziehungsweise der Romantik – zugeordnet werden. Dabei wird analysiert, ob diese Epochentrennung anhand ihrer Werke, insbesondere ihrer Streichquartette, wissenschaftlich gerechtfertigt ist.
- Historische Entwicklung der Gattung Streichquartett.
- Vergleich der biographischen Hintergründe und sozialen Verhältnisse.
- Analyse ausgewählter Streichquartette von Beethoven und Schubert.
- Gegenüberstellung der Kompositionsstile und Ausdrucksformen.
- Evaluation der wissenschaftlichen Klassifizierung in Wiener Klassik und Romantik.
Auszug aus dem Buch
6.3. Schubert op. post. D 810 in d-Moll
Das Streichquartett in d-Moll oder „Der Tod und das Mädchen“ von Franz Schubert wurde 1826 uraufgeführt. Es zählt damit zu den späten Streichquartetten Schuberts, was man auch deutlich in seiner Komposition bemerkt. Das Streichquartett besteht ganz klassisch aus vier Sätzen. Einem Allegro in d-Moll in der Sonatenhauptsatzform geschrieben, einem Andante con moto in g-Moll als Variationsform, einem Scherzo Allegro molto in d-Moll als dreiteilige Liedform, sowie einem abschließenden Presto in d-Moll in der Sonatenhauptsatzform. Schon der Anfang des Streichquartetts klingt sehr dramatisch und spannungsvoll. Durch viele Punktierungen, Triolen und hektische Sechzehntelläufe deutet Schubert schon im ersten Satz den Charakter des ganzen Streichquartetts an. Durch viele dramatische Elemente wirkt es, als wäre der Tod allgegenwärtig.
Musikalische Todessymbole wie das Ostinato greifen immer wieder ein. Im Finale etwa zitiert sich Schubert offensichtlich selbst. So erinnert die Melodie in der Violine an das Todesmotiv aus Schuberts „Erlkönig“. Das Werk hat fast schon eine Aussage der „nicht Veränderbarkeit des Todes“, so Monika Henschel. Die Variationen des zweiten Satzes ähneln einem Dialog zwischen Geigen, Bratschen und Cello über die Unverrückbarkeit des Todes, wie es auch in dem Gedicht „Der Tod und das Mädchen“ der Fall ist. Vom Pianissimo bis hin ins Forte steigert sich dieser anzunehmende Dialog. Schubert macht dann einen Sprung zurück in die „heile Welt“, bis er dann in der fünften Variation zum Drama zurückkehrt, aber in Dur endet. Man erkennt die Zerrissenheit die Schubert durchgemacht haben muss. Das Scherzo im dritten Satz lässt die durch den Dur Akkord aufgekommene Hoffnung wieder versiegen. Wieder steigert es sich dramatisch in d-Moll. Der Tod ist in Schuberts Streichquartett allgegenwärtig, was vermutlich auf seine Syphilis-Erkrankung zurückzuführen ist, die bei ihm starke Stimmungsschwankungen verursacht hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Fragestellung, warum Beethoven und Schubert unterschiedlichen Epochen zugeordnet werden, und Vorstellung der methodischen Vorgehensweise.
2. Das Streichquartett als Gattung: Historischer Überblick über die Entwicklung und ästhetische Bedeutung des Streichquartetts als kammermusikalische Gattung.
3. Beethoven und das Streichquartett: Darstellung der Entwicklung von Beethovens kompositorischem Umgang mit der Gattung, unterteilt in frühe, mittlere und späte Schaffensphasen.
4. Schubert und das Streichquartett: Analyse von Schuberts frühem Einstieg in die Gattung und der stilistischen Entwicklung hin zu seinen späten, hochkomplexen Werken.
5. Biographien: Kurzbiographien von Beethoven und Schubert sowie ein Vergleich ihrer persönlichen und musikalischen Sozialisation.
6. Streichquartette bei Beethoven und Schubert: Detaillierte exemplarische Untersuchung ausgewählter Werke (op. 74, op. 18,5 und D 810).
7. Vergleich Streichquartette bei Ludwig van Beethoven und Franz Schubert: Synthese der Unterschiede und Gemeinsamkeiten im musikalischen Ausdruck und der kompositorischen Intention.
8. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Bestätigung der Epochenzuordnung.
Schlüsselwörter
Streichquartett, Ludwig van Beethoven, Franz Schubert, Wiener Klassik, Romantik, Musikgeschichte, Kompositionstechnik, Gattung, Todessehnsucht, Musikepochen, Kammermusik, Musikvergleich, Biographie, Musikästhetik, Kompositionslehre
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das menschliche und musikalische Verhältnis zwischen Beethoven und Schubert und reflektiert deren Zuordnung zu den Epochen der Wiener Klassik und der Romantik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die Gattung des Streichquartetts, die biographischen Parallelen und Kontraste beider Komponisten sowie eine werkanalytische Gegenüberstellung.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor mit dieser Untersuchung?
Ziel ist es zu belegen, warum die wissenschaftliche Trennung der beiden Zeitgenossen in unterschiedliche Epochen trotz ihrer räumlichen und zeitlichen Nähe gerechtfertigt ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine historische Gattungsanalyse mit einer vergleichenden Biographik und einer musikwissenschaftlichen Werkbetrachtung ausgewählter Quartette.
Was genau wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Entwicklung der Streichquartette bei beiden Komponisten, stellt ihre Biographien gegenüber und analysiert exemplarisch drei Schlüsselwerke beider Meister.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese wissenschaftliche Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen das Streichquartett, Beethoven, Schubert, Wiener Klassik, Romantik sowie die musikgeschichtliche Epochenanalyse.
Inwiefern beeinflusste Schuberts persönliche Situation sein Werk?
Der Autor argumentiert, dass Schuberts Krankheit und seine daraus resultierende Todessehnsucht einen direkten Niederschlag in seinem kompositorischen Stil und der emotionalen Tiefe seiner späten Werke fanden.
Welche Rolle spielt die „Janusköpfigkeit“ Beethovens in der Epochenfrage?
Beethoven wird als ein Komponist beschrieben, dessen Werk zwar den Übergang zur Romantik vorbereitete, der jedoch durch seine Verwurzelung in der Wiener Klassik und das Fehlen außermusikalischer Bezüge fest in dieser Epoche verankert bleibt.
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- Tobias Postel (Author), 2020, Streichquartette bei Beethoven und Schubert. Eine Zeit, zwei Epochen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1021569