Die Arbeit beschäftigt sich mit Charles Marie de la Condamine, der bereits einhundert Jahre vor Alexander von Humboldt den Amazonas kartografiert hatte. Als Teilnehmer einer Expedition von 1735 bis 1745 nach Südamerika, die im Auftrag von Ludwig XV. einen Längengrad zur Bestimmung der Form der Erde vermessen sollte, generierte er während dieser Zeit beachtliche Datenmengen durch Messungen, das Sammeln und Beschreiben, die er erfolgreich nach Europa transferierte. Im Zentrum der Arbeit stehen dabei die besonderen sozialen Bedingungen unter denen sich Wissensgenerierung in einer Kolonie zur Zeit des Ancien Régime realisierte, wobei die besonderen Schwierigkeiten eines französischen Wissenschaftlers in einer spanischen Kolonie untersucht werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der historische Kontext
2.1 Wissensgenerierung im Dienst imperialer Macht
2.2 Wissensgenerierung im institutionellen Rahmen – die Académie des Sciences
2.3 Informelle Orte des Wissensaustauschs
2.4 Charles-Marie de la Condamine : ein Blick auf seine Gesamtpersönlichkeit im Kontext des Ancien Régime
3. Externe Bedingungen und die Akteure der Wisssensgenerierung in La Condamines Relation abrégée
3.1 Verfahrensweisen der Wissensgenerierung in der Aufklärung
3.2 Die Relation abrégée: ein Reisebericht im Kontext von La Condamines Veröffentlichungen
3.3 Messen und Sammeln: Wissensgenerierung als sozialer Prozess
3.3.1 Die Zusammenarbeit mit den anderen Expeditionsteilnehmern
3.3.2 Sichtbare und unsichtbare Helfer
3.3.2.1 Afro-Amerikaner als unsichtbare Reisebegleiter
3.3.2.2 La Condamines Umgang mit indigenen Unterstützern
3.3.2.3 Jesuiten als verlässliche Informanten
3.4 Spanische Begleiter als Vertreter der Kolonialmacht
3.5 Die Vermessungsinstrumente und ihr Verbleib
3.6 Das Ergebnis : Die Karte des Maragnon
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Prozess der Wissensgenerierung im Frankreich des 18. Jahrhunderts am Beispiel der Südamerika-Expedition von Charles-Marie de la Condamine. Dabei wird analysiert, inwiefern die persönlichen Kompetenzen, das eurozentristische Weltbild des Forschers und die sozialen Bedingungen vor Ort – inklusive der Interaktion mit kolonialen Akteuren und indigenen Helfern – die Produktion, Kommunikation und den Transfer von wissenschaftlichem Wissen beeinflussten.
- Wissenschaftsgeschichte der Aufklärung und Wissensgenerierung an der Peripherie
- Analyse von La Condamines Relation abrégée als wissenschaftlicher Reisebericht
- Soziale Dynamiken, Arbeitsteilung und Konflikte innerhalb der Expedition
- Die Rolle kolonialer Strukturen und lokaler Informanten (Jesuiten, Indigene, Afro-Amerikaner)
- Kritische Reflexion über Autorenschaft, Quellennutzung und den Anspruch wissenschaftlicher Glaubwürdigkeit
Auszug aus dem Buch
3.3 Messen und Sammeln: Wissensgenerierung als sozialer Prozess
La Condamine agiert während seiner zehnjährigen Expedition immer im Kontext verschiedenartiger sozialer Situationen, die sein Handeln als Wissenschaftler auf die unterschiedlichste Weise beeinflussten. Es sollen daher soziale Situationen, die vor allem in der Relation abrégée aber auch im Journal du voyage erscheinen, auf die Frage untersucht werden, in wie weit sie den Prozess der Wissensgenerierung gefördert oder behindert haben und welche Darstellung sie erfuhren.
Die Teilnahme an einer mehrjährigen Expedition in ein unbekanntes Land unter einer klaren wissenschaftlichen Fragestellung verlangt von allen Teilnehmern ein tägliches Höchstmaß an Resilienz, um überhaupt wissen-schaftlich arbeiten zu können. Dennoch muss angesichts der Größe der Aufgabe und des Terrains Arbeitsteilung funktionieren.
Nach ihrer Ankunft in Quito 1736 ist die Gruppe in finanziellen Schwierigkeiten. La Condamine erklärt sich bereit, nach Lima zu reisen, um Geld zu beschaffen. In der Zwischenzeit verkaufen die anderen Expeditionsteilnehmer alles, was sie in der neuen Umgebung nicht unbedingt benötigen und geraten erstmalig in Konflikt mit den spanischen Behörden.
Für ihre Vermessungsarbeiten wollen sie sich das Terrain um Quito aufteilen: Godin will westlich von Quito arbeiten, Bouguer im Norden, Verguin im Süden. La Condamine wird eine Karte seiner 800 Meilen langen Reise nach Lima erstellen und sich um Informationen über den Chinarindenbaum bemühen. Ein abgestimmtes Verhalten steht hier noch im Vordergrund. Sie begegnen vielen Schwierigkeiten durch die Beschaffenheit des Geländes und einigen sich schließlich darauf, die für trigonometrische Messungen wichtige Grundlinie in der Ebene von Yarouqui verlaufen zu lassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Problematik der Wissensgenerierung im 18. Jahrhundert ein und umreißt die Forschungsfrage bezüglich der Bedingungen und Akteure unter La Condamine.
2. Der historische Kontext: Dieses Kapitel bettet die Expedition in den Rahmen des französischen Ancien Régime ein und beleuchtet die Rolle von Institutionen, informellen Wissensorten sowie die Persönlichkeit La Condamines.
3. Externe Bedingungen und die Akteure der Wisssensgenerierung in La Condamines Relation abrégée: Der Hauptteil untersucht detailliert die Methoden, Akteure und sozialen Prozesse der Wissensproduktion während der Reise, einschließlich der Rolle von Helfern, Instrumenten und der Kartographie.
Schlüsselwörter
Wissensgenerierung, 18. Jahrhundert, Aufklärung, Charles-Marie de la Condamine, Expedition, Südamerika, Relation abrégée, Wissensgeschichte, Kolonialismus, Kartographie, Wissensaustausch, Académie des Sciences, Forschungsgeschichte, Wissenschaftstheorie, Indigene.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie im 18. Jahrhundert durch die Südamerika-Expedition von Charles-Marie de la Condamine Wissen generiert wurde, insbesondere unter Berücksichtigung der historischen Rahmenbedingungen und sozialen Dynamiken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Geschichte der Aufklärung, die Bedeutung von Expeditionen für das imperiale Frankreich, soziale Interaktionen zwischen Forschern und lokalen Akteuren sowie die Methoden der wissenschaftlichen Dokumentation jener Zeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu analysieren, wie die mitgebrachten Kompetenzen der europäischen Wissenschaftler in Konflikt mit Bedingungen vor Ort gerieten und wie dieser Prozess die Wissensgenerierung beeinflusste.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer quellenkritischen Analyse, insbesondere der Untersuchung der Relation abrégée im Kontext zeitgenössischer Dokumente und moderner Forschungsansätze zur Wissenschaftsgeschichte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Arbeitsteilung unter den Expeditionsmitgliedern, das oft verschwiegene Wirken lokaler Helfer, die Bedeutung von Vermessungsinstrumenten und die Konstruktion von Karten als Ergebnis wissenschaftlicher Arbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wissensgenerierung, Aufklärung, Südamerika-Expedition, Kolonialismus, Kartographie und Wissensgeschichte sind die Kernbegriffe der Arbeit.
Inwiefern beeinflusste La Condamines Persönlichkeit seine wissenschaftlichen Ergebnisse?
Sein Bedürfnis nach persönlicher Anerkennung und sein teils überhebliches, eurozentristisches Weltbild führten dazu, dass er Quellen verschleierte und lokale Informanten oft unsichtbar machte.
Welche Rolle spielten lokale Akteure wie Jesuiten oder Indigene bei der Wissensgenerierung?
Während Jesuiten oft als verlässliche Informanten dienten, blieben die logistischen und physischen Beiträge der indigenen Bevölkerung in La Condamines Veröffentlichungen weitgehend unerwähnt oder wurden entwertet.
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- Helga Nieschalk (Autor), 2019, Charles Marie de la Condamine. Eine Untersuchung zur Wissensgenerierung im Frankreich des 18. Jahrhunderts, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1022041