Individueller Trainingsplan über einen Makrozyklus von 6 Monaten bei einer Skoliose


Akademische Arbeit, 2021

39 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Anatomie der Wirbelsäule
2.1 Wirbel
2.1.1 Wirbelgelenke und Bandscheiben
2.1.2 Bänder der Wirbelsäule
2.1.3 Die Halswirbelsäule (HWS)
2.1.4 Das Iliosakralgelenk (ISG)
2.2 Bewegung der Wirbelsäule

3. Muskelgruppen der Wirbelsäule
3.1 Tiefe Rückenmuskulatur / Autochthone Rückenmuskulatur
3.1.1 Statische und Dynamische Muskelarbeit
3.2 Muskulatur der Halswirbelsäule (HWS)
3.3 Abdominalmuskulatur (Bauchmuskulatur)
3.4 Weitere Rückenmuskeln
3.5 Wirbelsäule und Becken
3.5.1 „Rücken-im-Block" Prinzip
3.5.2 Stabilisationssysteme der Wirbelsäule
3.5.3 Muskuläre Stabilisation der Lendenwirbelsäule

4. Krankheitsbild Skoliose
4.1 Ursachen
4.1.1 Krümmungsgrad
4.2 Symptome und Risikofaktoren
4.3 Diagnose
4.4 Therapie / Behandlung
4.5 Krankheitsverlauf und Prognose
4.6 Rückentraining und Ziele

5. Anamnese
5.1 Eingangsgespräch und Diagnose
5.2 Anamnese / Gesundheitsanamnese
5.3 Sportanamnese
5.4 Mögliche Kontraindikationen

6. Tests
6.1 Biometrische Tests
6.2 Motorische Tests
6.3 Flexibilitätstest / Beweglichkeitstest / Muskelfunktionstest
6.4 Krafttests
6.5 Ausdauertest
6.6 Koordinationstest

7. Zielsetzung

8. Trainingsgrundlagen / Trainingsplanung
8.1 Propriozeptives Training
8.2 Compliance und Motivation
8.3 Superkompensation

9. Trainingsplanung
9.1 Methodik
9.2 Warm Up
9.3 Cool Down
9.4 Dehnen
9.5 Regeneration

10. Trainingsdurchführung
10.1 Makrozyklus / Mesozyklus / Mikrozyklus
10.1.1 Mesozyklus
10.1.2 Mikrozyklus

11. Analyse / Evaluation / Re-Test

12. Tipps zum Rückenfreundlichen Verhalten im Alltag

13. Fazit

14. Abbildungsverzeichnis

15. Tabellenverzeichnis

16. Literaturverzeichnis

17. Internetquellen

Anhang
1. Mesozyklus 1
1.1 Darstellung Mikrozyklus anhand des Mesozyklus 1
2. Mesozyklus 2
3. Mesozyklus 3
4. Mesozyklus 4

1. Einleitung

Rückenschmerzen zählen in Deutschland zu der Nummer 1 der häufigsten Schmerzproblemen. Mehr als 80% der deutschen leiden mindestens einmal im Leben daran. Volkswirtschaftlich gesehen verursachen Rückenschmerzen die größten volkswirtschaftlichen Kosten, welche die Minderung der Lebensqualität einschränken und zu enormen Belastungen des Gesundheitssystems führen können. Durch den Bewegungsmangel im Alltag, einseitige Bewegungen oder einer sitzenden Arbeitstätigkeit erschlafft die Rückenmuskulatur, was oft als Ursache für Rückenproblematiken angesehen wird. Rückenschmerzen in Form von chronischen, subakuten und akuten Rückenschmerzen, Fehlhaltungen, fehlender oder verhärteter Muskulatur wie Verspannungen sind die Folgen. Aber auch psychosoziale Faktoren können auf Rückenproblematiken zurückführen. Um Abnutzungserscheinungen durch z.B. Haltungsschwächen, die zu gravierenden Rückenbeschwerden führen können aktiv entgegenzuwirken, ist ein adäquates Rückentraining mit professioneller Unterstützung eines Therapeuten oder geschulten Trainers eine entscheidende Bedeutung. Wichtig zu beachten ist das Training der tiefen Rückenmuskulatur sowie Propriozeption im Training. Ebenso ein funktionelles Rückentraining, das den Rumpf (Becken und Bauch) für Alltagsbelastungen ist zu integrieren.

Gemäß der Aufgabenstellung erstelle ich einen Trainingsplan für eine 22 Jährige Studentin, die an Skoliose leidet. Vorab erläutere ich zur besseren Verständnis die Anatomie der Wirbelsäule, der stabilisierenden autochthonen Rückenmuskulatur, das Krankheitsbild, passende Übungen sowie die Propriozeption des Rückentrainings.

2. Anatomie der Wirbelsäule

Die Wirbelsäule besteht aus 34 Wirbeln, die sich in 5 Abschnitte unterteilen lassen:

- die Halswirbelsäule (HWS) bestehend aus 7 Halswirbel
- die Brustwirbelsäule (BWS) bestehend aus 12 Brustwirbel
- die Lendenwirbelsäule (LWS) bestehend aus 5 Lendenwirbel
- das Kreuzbein, bestehend aus 5 Kreuzwirbel
- und das Steißbein, bestehend aus 5 Steißbeinwirbel

Die 10 Wirbel des Kreuz-und Steißbein sind miteinander verwachsen und bilden somit den unbeweglichen Teil der Wirbelsäule. Wenn man sich den Menschen von der Seite ansieht kann man gut erkennen, dass die Wirbelabschnitte unterschiedlich geformt sind. Die HWS hat eine Wölbung nach innen, diese nennt man Lordose. Die BWS dagegen wölbt sich etwas nach außen, dies nennt man Kyphose. Die LWS krümmt sich wieder nach innen (Lordose) und das Kreuz-und Steißbein nach innen (Kyphose). Das optische Ergebnis nennt man auch Doppel-S-Förmige-Krümmung, welche einen besonderen Zweck und Nutzen hat. Denn dadurch können Stoßbelastungen und Erschütterungen beim aufrechten Gang gering gehalten und auf alle Bereiche verteilt werden. Diese Stütz-und Schützfunktion hält unseren Körper dazu aufrecht.

Anmerkung der Redaktion: Aus urheberrechtlichen Gründen wurde das Bild entfernt.

Abbildung 1 - Aufbau der Wirbelsäule

Quelle: https://deutsches-zentrum-fuer-orthopaedie.de/wirbelsaeule/anatomie

Kritische Punkte der Wirbelsäule sind die Übergänge der Schwingungen. In der Praxis könnten diese zu Problemen führen:

- Cerviko-thorakaler Übergang (C7-Th1)
- Thorako-lumbaler Übergang (Th12-L1)
- Lumbo-sakraler Übergang (L5-S1)

2.1 Wirbel

Ein einzelner Wirbel besteht aus einem Wirbelkörper ( (Corpus vertebrae) bildet den körpergewichtstragenden Teil. Die Ober-und Unterseite (Deck-und Grundplatte) sind mit Knorpel überzogen, welche als Lager für die Bandscheiben fungieren), dem Wirbelbogen (Arcus vertebrae), Gelenkfortsätzen und den Dornfortsätzen (Processus spinosus, tastbar auf dem Rücken) und Querfortsätzen (Processus costales bei den Lendenwirbeln). Die Dorn-und Querfortsätze bildet die Ursprung-und Ansatzflächen für die Rückenmuskulatur, Bänder und Rippen im Bereich der BWS. Der Wirbelbogen bildet einen Ring. Alle Wirbelbögen zusammen bilden einen Kanal aus Wirbellöchern (Wirbelloch = Foramen vertebrale), in dem das Rückenmark und die Rückenmarksnerven, sogenannte Spinalnerven liegen, welche durch Zwischenwirbellöcher austreten und sich weiter zu Nervensträngen verzweigen, z.B. dem Ischiasnerv. Über diese Nervenstränge verlaufen Impulse, die das Gehirn an den Körper gibt und andersrum. Je nach Wirbelsäulenabschnitt sind die Wirbelkörper unterschiedlich groß und geformt, um die jeweilige Funktion und Anforderung zu erfüllen.

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Abbildung 2 - Seitenansicht der Wirbelsäule sowie die Sicht des Aufbaus verschiedener Wribelkörper von oben Quelle: Academy of Sports - Lehrskript Rückentrainer S.11

2.1.1 Wirbelgelenke und Bandscheiben

Alle Wirbel werden durch Facettengelenke /Zygapophysialgelenke (Articulationes zygapophysiales) verbunden, welche von einer Gelenkkapsel und Gelenkflächenknorpel (hyalinem Knorpel) umgeben sind und Gleitbewegungen ermöglichen, jedoch nur in begrenzte Richtungen. In der LWS zum Beispiel ist nur eine Beugung oder Streckung möglich. Stark eingeschränkt ist die Rotation und Seitneigung. Damit die Wirbel nicht direkt aufeinanderliegen und sich abnutzen, sind zwischen ihnen noch die Bandscheiben/Zwischenwirbelscheibe (Discus intervetebralis), welche als weiteres „Gelenk" dient. Wegen ihrer elastischen Struktur dienen sie auch als „Puffer" und bilden den beweglichen Teil der Wirbelsäule in alle Richtungen. Eine Bandscheibe besteht aus einem ringförmigen festen, aber auch elastischen Außenring (Anulus fibrosus) mit straffen Bindegewebsfasern, welche einen schraubenförmigen Verlauf nachweisen und mit den Deckenplatten der Wirbelkörper verbunden sind. Im Inneren aus einem Gallertkern (Nucleus pulposus). Dieser kann Wasser speichern und bildet den beweglichen Teil der Bandscheibe. Bei Belastung nimmt der Wassergehalt ab und die Zwischenwirbelräume werden kleiner. Daher schrumpft man am Tag auch ein wenig. Nachts regenerieren sie sich durch den Flüssigkeitsaustausch der umliegenden Knorpelschicht der Wirbelkörper.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Abbildung 3 - Bandscheibe von oben (A) und von rechts (B) Quelle: https://www.dr-gumpert.de/html/bandscheibe.html

Bandscheiben werden fast gar nicht mit Blut versorgt, sie ernähren sich überwiegend aus Wasser, was man sich Schwammartig vorstellen kann: bei Entlastung saugen sie sich voll, bei Belastung wird das Wasser wieder abgegeben. Deswegen ist eine regelmäßige wie ausreichende Flüssigkeitszufuhr sehr wichtig. Die Aufgabe des Gallertkerns liegt in der gleichmäßigen Verteilung von Belastungen. Wird der Körper jedoch nur einseitigen Belastungen ausgesetzt, kann die Belastung schwer gleichmäßig verteilt werden. So können nach einer Weile Schwachstellen wie Risse im Faserring entstehen. Die Be- und Entlastung ist wichtig für die Bandscheiben, denn durch ihre Schwammartige Duiffusion versorgt sie sich mit Nährstoffen wie Glucose, Sauerstoff und Sulfaten). Fehlende Bewegung führen zu einer Mangelversorgung, welche mit großen Problemen einhergehen kann.

2.1.2 Bänder der Wirbelsäule

Die Bänder der Wirbelsäule tragen wie die Rückenmuskulatur zur Stabilisation bei und bilden ein festes Geflecht zwischen den Wirbelkörpern und Abschnitten. Einige haben die Aufgabe Bewegungen zu begrenzen, andere sorgen für eine Aufrechterhaltung des geraden Standes. Das vordere Längsband (Lig. Longitudinale anterius) beginnt am Atlas und erstreckt sich über die ganze vordere Wirbelsäule bis zum ersten Kreuzwirbel. Das hintere Längsband (Lig. Longitudinale posterius) beginnt am Hinterhauptbein und verläuft über die Rückseite der Wirbel zum Kreuzbein.

Durch seine schwächere und schmalere Konstruktion ist das hintere Längsband anfälliger für eine Bandscheibenvorwölbung (Prolaps (Druck auf das Band), da in ihm viele schmerzleitende Nervenfasern verlaufen. Diese zwei Bänder stabilisieren und begrenzen die Bewegung der Wirbelsäule nach vorne und nach hinten.

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Abbildung 4 - C1.17 Bänder der Wirbelsäule auf Höhe des thorakolumbulalen Übergangs Quelle: https://eref.thieme.de/ebooks/1124610#/ebook 1124610 SL46987297

Ebenfalls eine Beugung nach vorne verhindert das Ligamentum supraspinale (Dornfortsatzband), welches die Dornfortsätze miteinander verbindet. Des Weiteren gibt es noch die gelben Bänder (Lig. Flava), sie sind elastisch und verbinden die Wribelbögen miteinander. Das Nackenband (Lig. nuchae), die Zwischenquerfortsatzbänder (Lig. intertrans-versaria) welche eine übermäßige Seitneigung und zu starke Rotation der Wirbelsäule verhindern, Zwischendornfortsatzbänder (Lig. interspinalia) und das Dornfortsatzspitzenband (Lig. Supraspinale). Alle Bänder tragen zur Stabilisation und Bewegungs-limitierung der Wirbelsäule bei.

2.1.3 Die Halswirbelsäule (HWS)

Die Halswirbelsäule (HWS) lässt sich in zwei Abschnitte unterteilen:

Obere Halswirbelsäule (C0-C2)

Im oberen Bereich der HWS befinden sich die beiden Drehwirbel Atlas und Axis. Sie bilden mit dem Schädel die Kopfgelenke und den obersten sowie beweglichsten Teil der gesamten Wirbelsäule. Der Unterschied vom Atlas zu anderen Wirbeln ist, dass er keinen Wirbelkörper hat sondern aus einem vorderen und hinteren Bogen besteht. Ein Kreisförmiger Knochenbogen mit Querfortsätzen an jeder Seite und mittig ein Durchtrittsloch für Blutgefäße bilden den Atlas, den ersten Halswirbel, der die gesamte Last des Schädel trägt. Schalenförmige Gelenkflächen oberhalb des Atlas verbinden ihn mit dem Hinterkopf. Die untere Seite hat ebenfalls Gelenkflächen, welche den Atlas mit dem darunterliegenden Axis verbinden. Zusätzlich werden diese beiden Drehwirbel durch einen Dens (starken „Zahn") des Axis verbunden. Der Dens wird durch ein robustes Querband gesichert. So kann er nicht auf das unmittelbar nebengelegene Rückenmark drücken.

Untere Halswirbelsäule (C3-C7)

Wenn man den Aufbau der Wirbelkörper C3-C6 ansieht, erkennt man dass sie sich sehr ähnlich sind und im Vergleich zu anderen sehr klein sind. Zurückzuführen ist dies auf die geringere Belastung im Gegensatz zur Lendenwirbelsäule (LWS). Aber auch die verfügen über Querfortsätze und einem Loch für die Wirbelsäulenarterie. Den Übergang von der HWS zur Brustwirbelsäule (BWS) bildet der siebte Halbwirbel (vertebrae prominens). Man kann ihn durch seinen großen Dornfortsatz sehr gut lokalisieren (abtasten, teilweise auch sehr gut sichtbar).

Die folgende Abbildung gibt eine verständliche Übersicht der beiden Halswirbel Atlas und Axis:

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Abbildung 5 - Darstellung Atlas und Axis Quelle: https://www.claudias-massaae-mallorca.com/de/news/4/76/atlasloaie-aanzheitliche- wirbelsaeulenbehandlung-die-wirbelsaeule-ein-spiegel-unseres-lebens

Kopfgelenke

Kopfgelenke ermöglichen eine feine Abstufung der Bewegungen des Kopfes.Zwischen dem Atlas und Hinterkopf befindet sich das obere Kopfgelenk (Articulatio atlantooccipitalis). Es bewilligt Bewegungen wie Extension und Flexion. Eine Lateralflexion und Rotation ist in kleinem Rahmen ebenfalls möglich.

Der Dens des Axis, der die Drehbewegung (Nein-Bewegung) zulässt, bildet mit der Zahngrube des Atlas das Rad,- oder Zapfengelenk (Articulatio trochoidea) das untere Kopfgelenk (Articulatio atlantoaxialis), das ca. 70% der Kopfdrehung ermöglicht. Eine weitere Verbindung von Atlas und Axis bilden die Gelenkflächen der Gelenkfortsätze (Processus articulares). Durch starke Bänder werden diese fixiert.

2.1.4 Das Iliosakralgelenk (ISG)

Das Iliosakralgelenk (ISG) (oder Sakroiliakalgelenk SIG) stellt die gelenkige Verbindung zwischen der unteren Wirbelsäule (Kreuzbein = Os sacrum) und Becken (Darmbein = Os ilium) dar und bildet so die Unteren Extremitäten. Das Gelenk spielt eine bedeutende Rolle, da es den Oberkörper trägt für unseren aufrechten Stand mitverantwortlich ist. Des Weiteren wird das ISG durch starke, robuste Bänder stabilisiert und vor allem auch fixiert, um eine Beckenkippung (Nutation/Inflare und Gegennutation/Outflare1) zu verhindern.

Ebenfalls die Rumpflast wird vom ISG gehalten. Nur ein kleiner Anteil von Muskeln (M. multifidus) überspannt das Gelenk zur weiteren Stabilisation.

Allgemein lässt es nur einen minimalen Bewegungsradius von Kipp- und Seitbewegungen zu. Bei Frauen sind diese aufgrund der notwendigen Beweglichkeit zur Entbindung etwas weniger steif. Mehr als die Hälfte der angegebenen Rückenproblematiken kommen aus der ISG Region.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Abbildung 6 - Becken von vorn (Kreuzbein-Darm-Gelenk: rot) Quelle: https://www.dr-gumpert.de/html/isg.html

1Bei einer Nutation neigt sich die Sakrumbasis nach ventral und kaudal, die Sakrumspitze nach dorsal und kranial. Die Gegenrichtung wird das Gegennutation bezeichnet. Man spricht auch von Inflare und Outflare. Dies sind einfach andere Begriffe für Nutation und Gegennutation.

2.2 Bewegung der Wirbelsäule

Unserem Körper können diverse Ebenen und Achsen eingeteilt werden (vgl. Platzer, 1991, S.2), welche der differenzierten Bewegungsbeschreibung assistieren. Es gibt drei Hauptebenen: Sagittalebene, sie unterteilt den Körper in eine linke und rechte Hälfte. Bei ihr verlaufen die Bewegungen Extension und Flexion.

Die Frontalebene unterteilt in eine vordere und hintere Hälfte und hat den Bewegungsablauf der Lateralflexion links und rechts. Die Transversalebene ist in eine obere und untere Hälfte geteilt. Hier verlaufen die Rotationsbewegungen links und rechts. Des Weiteren bestehen drei Bewegungsachsen, sogenannte Longitudinalachse (von oben nach unten) und Sagittalachse (diagonal von vorne nach hinten durch den Körper). Die Wirbelsäule ermöglicht uns vier Bewegungsrichtungen in drei Freiheitsgraden: Flexion und Extension, Lateralflexion links und rechts sowie die Rotation links und rechts. Zwar ergibt sich aus den 25 Wirbelsegmenten eine erstaunliche Gesamtbeweglichkeit, jedoch haben einzelne Abschnitte zum Teil äußerst unterschiedliche Bewegungsamplituden in den verschiedenen Bewegungsrichtungen. Eine Übersicht verschafft dafür Tabelle 1.

Anmerkung der Redaktion: Aus urheberrechtlichen Gründen wurde das Bild entfernt.

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Tabelle 1 - Durchschnittliche Beweglichkeit der einzelnen Abschnitte in Grad Quelle: Gottlob, S.176 | Lehrskript Rückentraining S. 37, Academy of Sports

Das größte Bewegungsausmaß hat deutlich die HWS, im Gegensatz zu der LWS. Sie ist in der Rotation eher eingeschränkt. Da die Lendenwirbelsäule eine hohe Prävalenz von Rückenerkrankungen aufweist, zeigt Tabelle 2 eine detaillierte Übersicht der Bewegungsamplituden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2 - Segmentales Bewegungsausmaß in Grad

Quelle: Lehrskript Rückentraining S. 37, Academy of Sports | Pearcy et al. / Pearcy & Tibrewal, S.135

3. Muskelgruppen der Wirbelsäule

Das kompakte Muskelgeflecht rund um die Wirbelsäule hat eine schützende Funktion der inneren Organe und das Rückenmark und eine stützende Funktion aktiver Bewegungen. Man kann sie in vier Gruppen unterteilen:

3.1 Tiefe Rückenmuskulatur / Autochthone Rückenmuskulatur

Die sogenannte autochthone Rückenmuskulatur besteht aus vielen kleinen Muskeln, die von den Spinalnerven innerviert und auch „Erector spinae" bezeichnet werden1. Sie verläuft vom Hinterhaupt des Schädels, links und rechts an der Wirbelsäule vorbei bis in die Lenden-Becken-Kreuzbein-Region. Viele unterschiedliche Muskeln die zur Aufrichtung der Wirbelsäule dienen und nebenbei Stabilisationsfunktionen und auch Lateralflexion und Rotation ermöglichen, sind hier verborgen. Ein lateraler, oberflächiger Trakt und ein medialer tiefer Trakt lassen die autochthone Muskulatur teilen1:

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Abbildung 7 - Aufteilung der autochthonen Muskulatur in Lateral und Medial Quelle: Lehrskript Rückentraining S.19 - Academy of Sports

Abbildung 8 und 9 veranschaulichen die tiefe Rückenmuskulatur.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8 – Muskeln des Erector spinae (a=Interspinales System b= Transversospinales System

Quelle: Gottlob, S.204 | Lehrskript Rückentraining S. 21 Academy of Sports

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 9 - M- Erector spinae

Quelle: Gehrke S.97 | Lehrskript Rückentraining S. 21 Academy of Sports

Insgesamt bilden alle Muskeln eine funktionelle Einheit. Der M. Iliocostalis und M. longissimus verhindern ein Umkippen zur Seite, wenn die Muskulatur nur Einseitig angesteuert wird. Der MM. rotatores und MM. multifidii sind an der Rotation beteiligt. Jede Lateralflexion und Rotationen beinhalten die Aktivierung der Bauchmuskulatur.

Eine Aufrichtung oder Abbremsung einer Beugung wird symmetrisch von der Rückenmuskulatur ermöglicht. Entsprechend einer Aufrichtung agieren alle Muskeln zusammen und arbeiten so statisch oder dynamisch.

3.1.1 Statische und Dynamische Muskelarbeit

Unter der Statischen Muskelarbeit versteht man eine Haltearbeit, bei der der Muskel keinen Weg zurücklegt. Der Muskel wird also in einer Körperposition gegen die Schwerkraft oder einen Widerstand gehalten. Bei der dynamischen Muskelarbeit ändern sich Muskellänge und Muskeltonus während einer konzentrischen und exzentrischen Muskelaktion. Neben der konzentrischen Arbeit nähern sich Ursprung und Ansatz des Arbeitsmuskels an, bei der exzentrischen Arbeit entfernen sie sich voneinander.

3.2 Muskulatur der Halswirbelsäule (HWS)

Die Halswirbelsäule dient zur Bewegungsfunktion in 3 Hauptbeweglichkeitsebenen. Sie muss viele Drehmomente, Scherkräfte sowie Beschleunigungs-und Trägheitskräfte stand halten. Häufige Beschwerden im Hals-und Nackenbereich oder der Schulter-Nacken-Region sind keine Seltenheit. Äußere Krafteinwirkung oder Bewegungsmangel sind oft die Faktoren.

Viele Muskeln, die zum einen die Bewegung unserer Halswirbelsäule ermöglichen, tragen ebenfalls zur Stabilisation und Stoßdämpfung bei. Damit keine Bewegungseinschränkungen oder eine hohe Abnutzungen der Strukturen entstehen, ist es wichtig eine Kombination aus Be-und Entlastung in den Alltag zu integrieren. Der Bürojob ist ein gutes Beispiel: Den ganzen Tag statisch am Computer arbeiten lässt die Muskulatur im HWS Bereich schnell versteifen/verkürzen. Bewegung ist sowohl für die Muskulatur, als auch für die Versorgung der Knorpeln und Faserringen der Bandscheiben äußerst wichtig. Regelmäßiges dehnen, kurze Spaziergänge oder eine veränderte Blickrichtung können hier positiv gegenwirken. Es gibt die Dorsale und Ventrale Muskulatur der Halswirbelsäule. Sie gehören zu der autochthonen Rückenmuskulatur.

Zu der Dorsalen Muskulatur zählen: M. iliocostalis (lat. für Darmbein-Rippen Muskel), M. longissimus (lat. für längster Muskel), M. splenius (lat. für Riemenmuskel), M. spinalis (lat. für Dornfortsatzmuskel), M. rotatores (lat. für Drehmuskel), M. multifidus (lt. für viel gefiederter Muskel) und M. semispinalis (lt. für Halbdornmuskel).

Weitere Muskeln sind der M. rectus capitis posteriore minor (lat. für großer hinterer gerader Kopfmuskel - für Extension), M. rectus capitis posterios major (lat. für großer hinterer gerader Kopfmuskel - für Extension und Rotation), M. obliquus capitis superios (lat. für oberer schräger Kopfmuskel - für Extension und Lateralflexion) und der M. obliquus capitis inferior (lat. für unterer schräger Kopfmuskel - für Rotation).

Die Ventrale Muskulatur besteht aus: M. sterncleidomastoideus (lt. für großer Kopfwender oder Kopfnicker - für Rotation, Lateralflexion, Flexion), M. longus capitis (lt. für langer Kopfmuskel - für Flexion), M. rectus capitis anterior (lt. für vorderer gerader Kopfmuskel - für Flexion), M. longus colli (lt. für Kopfhalter - für Flexion), M. scalenius anterior (lt. für vorderer Rippenhaltermuskel - für Lateralflexion, Rotation, Flexion), M. scalenius medius (lt. für mittlerer Rippenhaltermuskel - für Lateralflexion) und der M. scalenius posterior (lt. für hinterer Rippenhaltermuskel - für Lateralflexion).

[...]


1 Platzer, 1991, S. 72

Ende der Leseprobe aus 39 Seiten

Details

Titel
Individueller Trainingsplan über einen Makrozyklus von 6 Monaten bei einer Skoliose
Note
1,5
Autor
Jahr
2021
Seiten
39
Katalognummer
V1022236
ISBN (eBook)
9783346419385
ISBN (Buch)
9783346419392
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rückentraining, Skoliose, Rückensport, Rückenschule, Krankheitsbild Skoliose, Trainingsplan, Prävention, Gesundheit
Arbeit zitieren
Elisa Ruch (Autor), 2021, Individueller Trainingsplan über einen Makrozyklus von 6 Monaten bei einer Skoliose, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1022236

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