Die Arbeit geht der Frage nach, wie sich die römische und britisch-keltische Glaubenswelt in den römisch besetzten Gebieten Britanniens im Detail vermischten.
Die Inschrift zu einer Steinstatue aus dem inzwischen römisch besetzten Caerwent im Süden des heutigen Wales ist dem römischen Kriegsgott Mars gewidmet. Sie wird auf das Jahr 152 n. Chr. datiert. Dieser und weitere Funde weisen klar auf einen römischen Einfluss bei religiösen Gebräuchen hin. Dennoch findet sich auf einem Altar aus der Ortschaft Greetland weiter im Norden, der mit dem Jahre 205 n. Chr. noch später datiert ist, eine Widmung an eine keltische Göttin des Stammes der sog. Briganten. Diese besitzt einen stark regionalen Charakter. Da noch weitere Hinweise auf keltische Gottheiten aus dieser Zeit existieren, erscheint eine Verdrängung der keltischen Gepflogenheiten durch die römischen nicht ersichtlich. Vielmehr scheinen beide Elemente zu interagieren.
Inhaltsverzeichnis
I. Vorstellungen in der römischen Gelehrtenwelt von der Insel Britannien und mögliche Motivationen für eine römische Besetzung
II. Die Erste Kampagne auf britischem Boden unter Cäsar
a) Gründe und Auswirkungen des ersten Britannienfeldzuges unter Cäsar
b) Römische Einflüsse bis zum 2. Britannienfeldzug
II. Die 2. Kampagne und die nachhaltige Besetzung britischer Gebiete
a) Die Invasion des Claudius und die Unterwerfung der südenglischen Gebiete
b) Die weitere römische Expansion unter Agricola
c) Stillstand und Rückzug am Hadrianswall
IV. Die Romanisierung britscher Gebiete
a) Nachweisbare gesellschaftliche und kulturelle Einflüsse des römischen Reiches auf Britannien
b) Religiöse Einflüsse des römischen Reiches und die Entwicklung einer Romano-keltischen Mischreligion
aa) Die britisch-keltische Glaubenswelt vor der Romaniserung
bb)Entwicklung und finale Form der romano-keltischen Mischreligion
cc) Geächtete Aspekte der keltischen Glaubenswelt
V. Gesamtergebnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Romanisierungsprozess in Britannien mit einem besonderen Fokus auf die Interaktion zwischen römischen und britisch-keltischen Glaubensvorstellungen. Es wird analysiert, wie trotz militärischer Unterwerfung und der Einführung römischer Strukturen eine spezifische, hybride Identität entstehen konnte.
- Militärische Kampagnen Cäsars und Claudius' in Britannien
- Integrationsstrategien durch Infrastruktur und Siedlungsbau (Coloniae)
- Die Transformation der religiösen Glaubenswelt (Interpretatio Romana)
- Der Konflikt mit dem Druidentum als Hindernis der Romanisierung
- Langfristige Entwicklung einer romano-britischen Identität
Auszug aus dem Buch
Die britisch-keltische Glaubenswelt vor der Romaniserung
Obwohl es, aufgrund mangelnder Schriftzeugnisse, aus heutiger Sicht nicht mehr im Einzelnen rekonstruierbar ist, muss es in der keltischen Glaubenswelt eine Hierarchisierung nach weniger bedeutenden, lokalen Gottheiten und bedeutenderen, übergeordneten Göttern gegeben haben. Selbst auf Inschriften zu Göttern, welche nach der römischen interpretatio romana umgedeutet waren, tauchen manche Götter nur an einem ganz speziellen Ort auf, so z.B. eine Göttin mit Bezeichnung Ancasta, welche nur in einem einzigen Fall dokumentiert ist und deren Bedeutung unbekannt bleibt.
Den Göttern menschliche Charaktereigenschaften und eine menschliche Erscheinung zu geben, war in der frühen keltischen Vorstellung noch wenig verbreitet. Sie gaben ihren Göttern eher eine tierische Erscheinungsform. Menschliche Züge erhielten sie vermutlich erst durch Kontakte mir der römisch-griechischen Glaubenswelt. Tierische Eigenschaften blieben jedoch bestehen, was bereits an der Glaubensvorstellung ersichtlich ist, keltische Götter seien jederzeit in der Lage sich in ein bestimmtes Tier zu verwandeln. Besonders Angst einflößend wirkte auf die Römer die keltische Gepflogenheit abgetrennte Köpfe zu sammeln. Zwar kannten die Römer diese Gepflogenheiten bereits durch Kontakte aus dem norditalienischen Raum, dennoch wirkte der Gedanke man könne den Geist des Verstorbenen über seinen Kopf kontrollieren, nach wie vor fremd. So glaubte man in der keltischen Vorstellungswelt, der Kopf eines Menschen sei der Sitz seiner Persönlichkeit.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Vorstellungen in der römischen Gelehrtenwelt von der Insel Britannien und mögliche Motivationen für eine römische Besetzung: Beschreibt die frühen, vagen Kenntnisse Roms über Britannien und die wechselhafte Motivation für eine militärische Besetzung.
II. Die Erste Kampagne auf britischem Boden unter Cäsar: Analysiert die Feldzüge Cäsars und stellt fest, dass diese primär politisch motiviert waren, ohne eine dauerhafte territoriale Besetzung anzustreben.
II. Die 2. Kampagne und die nachhaltige Besetzung britischer Gebiete: Untersucht die tatsächliche Invasion ab 43 n. Chr. sowie die Phasen der Expansion, Befestigung und des Rückzugs am Hadrianswall.
IV. Die Romanisierung britscher Gebiete: Erläutert die Maßnahmen zur kulturellen und gesellschaftlichen Integration, insbesondere durch das Militär, das Siedlungswesen und die komplexe religiöse Transformation.
V. Gesamtergebnis: Zieht das Fazit, dass sich eine romano-britische Identität entwickelte, die lange über die römische Präsenz hinaus Bestand hatte.
Schlüsselwörter
Romanisierung, Britannien, römische Besetzung, Keltische Götter, Interpretatio Romana, Druidentum, Coloniae, Militär, Kulturtransfer, Identität, Inschriften, Religion, Claudius, Cäsar, Hadrianswall
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit befasst sich mit dem historischen Prozess der Romanisierung Britanniens, insbesondere unter Berücksichtigung der religiösen und kulturellen Anpassungsprozesse.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf den römischen Feldzügen, den Integrationsstrategien Roms und der komplexen Verschmelzung der keltischen Glaubenswelt mit römischen Traditionen.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Ziel ist es zu ergründen, wie sich römische und britisch-keltische Glaubenswelten vermischten und ob eine vollständige Verdrängung keltischer Kultur stattfand.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die zeitgenössische römische Quellen mit archäologischen Funden (wie Inschriften und Befestigungsanlagen) vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine chronologische Darstellung der Besatzung sowie in eine detaillierte Untersuchung gesellschaftlicher und religiöser Einflüsse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Kernbegriffe sind Romanisierung, Interpretatio Romana, keltische Glaubenswelt, Coloniae und romano-britische Identität.
Warum wurde das Druidentum von den Römern geächtet?
Die Römer sahen im Druidentum eine politische und ideologische Gefahr, da die Druiden als mächtige soziale Elite das Potential hatten, den Widerstand der einheimischen Stämme gegen die römische Herrschaft zu mobilisieren.
Welche Rolle spielten die Coloniae bei der Romanisierung?
Die Coloniae dienten als „Kleinfassung“ Roms, in denen Veteranen lebten und den Einheimischen die römische Lebensweise durch direkten Kontakt vorlebten, was die kulturelle Integration förderte.
- Arbeit zitieren
- Gunnar Maier (Autor:in), 2010, Die Romanisierung Britanniens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1022246