Mithilfe eines Vergleichs des Werkes „Kulturrevolution von rechts“ von Alain de Benoist mit Publikationen der Identitären Bewegung soll im Rahmen dieser Hausarbeit der Frage nachgegangen werden, ob Alain de Benoist ein Vordenker der Identitären Bewegung war. Denn auch wenn die alte Rechte tot sei, die Neue Rechte gewinnt sowohl Köpfe als auch Wahlen.
Abseits der klassischen Parteien rückt eine weitere neurechte Kraft auch in Deutschland immer wieder ins mediale Blickfeld: Die Identitäre Bewegung. Um zu verstehen, was diese Bewegung will, wie ihr Gesellschaftsbild aussieht und warum sie in letzter Zeit so an Relevanz gewonnen hat, muss man ihren ideologischen Nährboden untersuchen. Das Werk „Kulturrevolution von rechts“ von Alain de Benoist scheint dafür sehr gut geeignet, da die Identitäre Bewegung immerhin genau wie der Autor aus Frankreich stammt.
Der Vormarsch der Neuen Rechten ist in ganz Europa, wenn nicht sogar auf der ganzen Welt zu betrachten: Rassemblement National in Frankreich, die Lega Nord in Italien, Fidesz in Ungarn, die PiS Partei in Polen, die FPÖ in Österreich, die SVP in der Schweiz, die AfD in Deutschland. Viele der genannten Parteien tragen Regierungsverantwortung. In Brasilien wurde mit Jair Bolsonaro zuletzt ein als rechtsextrem bezeichneter Präsident gewählt. Die Frage nach den Gründen für diese Erfolge ist somit aktueller denn je.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Alain de Benoist: Kulturrevolution von rechts
2.1 Das grundsätzliche Gesellschaftsbild de Benoists
2.2 Die kritische Situation der Rechten
2.3 Die Entpolitisierung des Staates
2.4 Das Verschwinden der Vielgestaltigkeit der Welt
2.5 Ausblick
3. Die Identitäre Bewegung
3.1 Grundlegendes
3.2 Der Begriff „Identität“
3.3 Der „große Austausch“
3.4 Das Aktionsfeld der Identitären Bewegung
4. Vergleich der Ideen de Benoists mit den Zielen der Identitären Bewegung
4.1 Die Notwendigkeit des Handelns in der „Metapolitik“
4.2 Der Unterschied zwischen der Alten und die Neuen Rechten
4.3 Die Überwindung des Links-Rechts-Schemas
4.4 Das Prinzip des Ethnopluralismus
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das ideologische Verhältnis zwischen dem französischen Philosophen Alain de Benoist und der Identitären Bewegung, um zu analysieren, inwiefern de Benoist als Vordenker dieser Strömung betrachtet werden kann.
- Analyse des Gesellschaftsbildes und der Metapolitik bei Alain de Benoist.
- Untersuchung der Struktur und Ideologie der Identitären Bewegung.
- Gegenüberstellung zentraler Konzepte wie Ethnopluralismus und Identität.
- Bewertung der Identitären Bewegung im Vergleich zur "Alten Rechten".
Auszug aus dem Buch
2.3 Die Entpolitisierung des Staates
Neben der französischen Rechten kritisiert de Benoist auch den modernen Staat an sich und die Verhältnisse, die er für seine Bürger schafft. Er stellt eine „Entpolitisierung des Staates“ fest, indem dieser zum reinen Verwalter werde. Er „negiere sein eigenes Prinzip“ der „Autorität und Souveränität“ um sich „nur noch mit ökonomischen und sozialen Problemen zu beschäftigen“.16 Der Staat hat seinen Bürgen also auf der geistig-sinnstiftenden Ebene nichts mehr anzubieten, er sei zum „Gefangenen des Lustprinzips geworden“.17 Er liefere „keine Gründe zum Leben, sondern Mittel zum Existieren“.
De Benoist beschreibt, dass der Lebens- und Bildungsstandard nie höher gewesen sei, andererseits aber das „Unbehagen“ und die „radikale Infragestellung“ nie größer gewesen seien. Dieser Gegensatz sei mit der Entpolitisierung des Staates zu erklären. Einerseits erscheint es dem neutralen Leser fraglich, ob im Frankreich der 80er Jahre tatsächlich so große „Unruhe“ geherrscht habe wie nie zuvor. Immerhin mussten die Franzosen im 20. Jahrhundert mehrere äußerst einschneidende Ereignisse überwinden. Andererseits unterstreicht diese, vielleicht auch bewusste Übertreibung des Autors, die Wichtigkeit dieses Gedankens.
De Benoist vertritt die Ansicht, dass es nicht reicht, wenn ein Staat die ökonomischen Grundbedürfnisse seiner Bürger befriedigt. Der Mensch strebe nach einer „übergreifenden Bestimmung“, die seinem Leben einen Sinn verleiht. Im Umkehrschluss ergibt sich daraus die These, dass der Mensch nicht fähig ist, seinem individuellen Leben von sich heraus einen Sinn zu geben. Der Sinn wird von staatlicher Seite vorgegeben. Diese Idee liegt allerdings auch jeder Diktatur zugrunde. Die Lücke, die der Staat durch seine rein materialistische Ausrichtung hinterlässt, würde durch Sekten, Parteien und Interessensgruppen ausgefüllt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hinführung zum Thema, Vorstellung des Forschungsinteresses bezüglich Alain de Benoist als Vordenker der Identitären Bewegung.
2. Alain de Benoist: Kulturrevolution von rechts: Analyse der theoretischen Grundlagen de Benoists, insbesondere seines Gesellschaftsbildes und seiner Kritik an der modernen Rechten und dem Staat.
3. Die Identitäre Bewegung: Darstellung der Entstehung, der zentralen Begriffe wie Identität und "großer Austausch" sowie der Aktionsformen der Identitären Bewegung.
4. Vergleich der Ideen de Benoists mit den Zielen der Identitären Bewegung: Synthese und Gegenüberstellung der theoretischen Konzepte wie Metapolitik und Ethnopluralismus.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Übereinstimmungen und Differenzen sowie Beantwortung der Ausgangsfrage.
Schlüsselwörter
Alain de Benoist, Identitäre Bewegung, Ethnopluralismus, Neue Rechte, Metapolitik, Kulturrevolution, Identität, Egalitarismus, Gesellschaftsbild, politischer Extremismus, Vordenker, Rechtsradikalismus, Ideologieanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, ob und inwieweit der französische Denker Alain de Benoist als ideologischer Vordenker der modernen Identitären Bewegung bezeichnet werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Konzepte des Ethnopluralismus, der Metapolitik, der Kritik am Egalitarismus sowie die Frage nach einer sinnstiftenden Rolle des Staates.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist ein systematischer Vergleich der Schriften von de Benoist, insbesondere seines Werkes "Kulturrevolution von rechts", mit den Programmatiken und dem Auftreten der Identitären Bewegung.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen vergleichenden Ansatz, indem sie theoretische Texte von de Benoist direkt mit Selbstdarstellungen und Publikationen der Identitären Bewegung abgleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Thesen von de Benoist, eine Vorstellung der Identitären Bewegung sowie einen direkten Vergleich ihrer ideologischen Kernpunkte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Begriffe sind Identität, Metapolitik, Ethnopluralismus, Neue Rechte und Kulturrevolution.
Warum spielt der Begriff "Metapolitik" eine so wichtige Rolle für beide Seiten?
Sowohl für de Benoist als auch für die Identitäre Bewegung ist Metapolitik das Werkzeug, um durch kulturelle Beeinflussung den Boden für spätere politische Veränderungen zu bereiten, anstatt sich primär auf parlamentarische Arbeit zu konzentrieren.
Wie unterscheidet sich das Selbstverständnis der Identitären Bewegung von der "Alten Rechten"?
Die Identitäre Bewegung grenzt sich durch eine modernere, aktionsorientiertere und medienaffine Vorgehensweise explizit von der als rückständig und strategielos empfundenen "Alten Rechten" ab.
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- Philipp Hiendl (Autor), 2019, Alain de Benoist. Vordenker der Identitären Bewegung?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1024382