Helfende Berufe erfahren eine hohe soziale Anerkennung und werden von den Beschäftigten nicht selten als Berufung empfunden. In der psychosozialen Arbeit mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen fällt es jedoch oft schwer, den nötigen emotionalen Abstand zu den Geschichten der Betroffenen einzuhalten. Dies kann zu einer Mehrfachbelastung der Mitarbeiter führen.
Jill Johanning zeigt auf, welche Probleme entstehen können, wenn die Arbeit in helfenden Berufen und das Privatleben nicht angemessen voneinander getrennt werden. Mögliche Folgen sind Burnout, Depressionen oder eine sekundäre Traumatisierung.
Um dem entgegenzuwirken, verweist die Autorin auf präventive und gesundheitsfördernde Maßnahmen, die beispielsweise von Institutionen frühzeitig implementiert werden können. Statt die Problematik weiter zu tabuisieren, werden helfende Personen nicht länger als Wohltäter, sondern als Individuen mit eigenen Bedürfnissen und Grenzen gesehen.
Aus dem Inhalt:
- Trauma;
- Stress;
- Burnout;
- Helfersyndrom;
- Prävention
Inhaltsverzeichnis
1 Arbeitsbelastung und Traumata – eine Einleitung
2 Der Begriff „Stress“ und das transaktionale Stressmodell von Lazarus
3 Folgen von psycho-emotionalem Stress
3.1 Chronische Stresszustände aufgrund von anhaltender Dauerbelastung
3.2 Burnout-Syndrom
3.3 Depressionen
4 Psychische Belastung am Arbeitsplatz
5 Arbeitsbelastung in psychosozialen Berufsgruppen
6 Traumata
6.1 Der Begriff „Trauma“
6.2 Die posttraumatische Belastungsstörung
6.3 Klassifikation der Traumata
6.4 Sekundäre Traumatisierung
7 Theoretische Anwendung des Lazarus-Modells
7.1 Konfrontation mit den Geschichten der traumatisierten Kinder und Jugendlichen
7.2 Trennung von Arbeit und Privatleben
8 Präventive und gesundheitsfördernde Maßnahmen
8.1 Selbstsorge der sozial-psychologisch Arbeitenden
8.2 Fürsorge durch die Institutionen
9 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die spezifischen Arbeitsbelastungen, denen Fachkräfte in der psychosozialen Arbeit mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen ausgesetzt sind, und analysiert Möglichkeiten der Prävention und Gesundheitsförderung, um berufsbedingte psychische Erkrankungen zu vermeiden.
- Belastungsfaktoren in der psychosozialen Traumaarbeit
- Transaktionales Stressmodell von Lazarus als theoretische Basis
- Folgen von Dauerbelastung, wie Burnout und Depressionen
- Phänomen der sekundären Traumatisierung
- Präventionsstrategien und Selbstfürsorge für Fachkräfte
- Rolle von Institutionen bei der Förderung der Mitarbeitergesundheit
Auszug aus dem Buch
7.1 Konfrontation mit den Geschichten der traumatisierten Kinder und Jugendlichen
Die Konfrontation mit den Geschichten traumatisierter Kinder und Jugendlicher kann sowohl durch das Lesen der Akte als auch durch die Erzählungen der traumatisierten Kinder und Jugendlichen selbst erfolgen. Dabei ist dies die Situation beziehungsweise der Reiz, mit welchem die sozial-psychologisch Arbeitenden konfrontiert werden können. In der Phase des primary appraisal kann der Reiz, wie bereits beschrieben, entweder als irrelevant, positiv oder als Reiz eingeschätzt werden, der die unmittelbaren Bewältigungsmöglichkeiten überfordert (vgl. Franzkowiak/ Franke 2018). Für den weiteren Verlauf dieser Anwendung wird an dieser Stelle davon ausgegangen, dass die Situation als Reiz eingeschätzt wird, der die unmittelbaren Bewältigungsmöglichkeiten überfordert und dadurch von den MitarbeiterInnen, die die Geschichten erzählt bekommen, als stresshaft eingeschätzt wird. Dies könnte der Fall sein, da die geschilderte traumatische Situation bereits vergangen ist und dadurch von den ZuhörerInnen nicht mehr geändert werden kann. Das könnte ein Ohnmachtsgefühl und ein Gefühl des Ausgeliefertseins bewirken.
Außerdem könnte es dazu führen, dass die sozial-psychologisch Arbeitenden durch die Geschichte beginnen, an dem Guten in anderen Menschen zu zweifeln und dadurch eigene Ängste hervorgerufen werden. Wird der Reiz als stresshaft bewertet, wird im weiteren Verlauf des primary appraisal, wie bereits ebenfalls genauer betrachtet, eingeschätzt, ob bereits ein Schaden eingetreten ist, ob eine Beeinträchtigung droht, oder ob eine positive Herausforderung vorliegt (vgl. Franzkowiak/ Franke 2018). Dabei stehen bei der Betrachtung dieser Arbeit die sozial-psychologisch Arbeitenden im Mittelpunkt. Bei dem hier verwendeten Beispiel würde ein bereits eingetretener Schaden in Bezug auf die MitarbeiterInnen vorliegen, wenn diese immer wieder an die gehörte Geschichte denken müssten, sowohl auf der Arbeit als auch im privaten Bereich und diese Gedanken den Alltag bestimmen würden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Arbeitsbelastung und Traumata – eine Einleitung: Diese Einleitung benennt das Burnout-Syndrom als häufige Belastungsfolge in helfenden Berufen und stellt die Forschungsfrage nach Präventionsmöglichkeiten in der Traumaarbeit mit Kindern und Jugendlichen.
2 Der Begriff „Stress“ und das transaktionale Stressmodell von Lazarus: Das Kapitel definiert Stress als Zustand des Ungleichgewichts und erläutert detailliert das transaktionale Stressmodell von Lazarus mit seinen zentralen Phasen Appraisal und Coping.
3 Folgen von psycho-emotionalem Stress: Hier werden die gesundheitlichen Auswirkungen anhaltender Stressbelastung, insbesondere das Burnout-Syndrom und Depressionen, theoretisch und symptomatisch beschrieben.
4 Psychische Belastung am Arbeitsplatz: Dieses Kapitel transferiert die Stressfolgen auf das Arbeitsumfeld und diskutiert die zunehmende Bedeutung psychischer Belastungen für Fehlzeiten und Frühverrentungen.
5 Arbeitsbelastung in psychosozialen Berufsgruppen: Der Fokus liegt auf spezifischen Risikofaktoren und Ursachen für Burnout bei Fachkräften in helfenden Berufen, inklusive des Einflusses des Helfersyndroms.
6 Traumata: Dieses Kapitel definiert Trauma, erläutert die posttraumatische Belastungsstörung und die Klassifizierung von Traumata sowie das Phänomen der sekundären Traumatisierung.
7 Theoretische Anwendung des Lazarus-Modells: Das Modell von Lazarus wird hier auf die konkreten Situationen der Konfrontation mit Klientengeschichten und der Abgrenzung zwischen Beruf und Privatleben angewendet.
8 Präventive und gesundheitsfördernde Maßnahmen: Hier werden Strategien zur Selbstfürsorge der Mitarbeiter sowie institutionelle Anforderungen an eine traumasensible Organisationskultur vorgestellt.
9 Fazit: Das Fazit fasst die Belastungsfaktoren zusammen und betont die Notwendigkeit, das Thema Arbeitsbelastung in helfenden Berufen zu enttabuisieren und aktiv präventive Maßnahmen zu ergreifen.
Schlüsselwörter
Psychosoziale Arbeit, Stress, Lazarus-Modell, Burnout-Syndrom, Depressionen, Arbeitsbelastung, Trauma, Posttraumatische Belastungsstörung, Sekundäre Traumatisierung, Selbstfürsorge, Psychohygiene, Salutogenese, Traumapädagogik, Helfersyndrom, Institutionelle Fürsorge.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den psychischen Belastungen von Fachkräften in der psychosozialen Arbeit mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen und zeigt Möglichkeiten zur Prävention und Gesundheitsförderung auf.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Stressentstehung (Lazarus-Modell), Folgen wie Burnout und Depression, die spezifische Situation der sekundären Traumatisierung sowie Ansätze zur Selbst- und institutionellen Fürsorge.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, Arbeitsbelastungen in diesem speziellen Arbeitsfeld zu identifizieren und praktikable präventive Maßnahmen für Mitarbeiter und Einrichtungen darzulegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit stresspsychologischen Modellen und der Analyse bestehender Fachliteratur zur Traumapädagogik und Organisationskultur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt theoretische Grundlagen zu Stress und Trauma, analysiert die spezifischen Arbeitsbelastungen in helfenden Berufen und wendet das Lazarus-Modell auf praktische Problemsituationen an.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Psychosoziale Arbeit, Sekundäre Traumatisierung, Psychohygiene, Selbstfürsorge und Traumapädagogik charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die sekundäre Traumatisierung vom Burnout-Syndrom?
Während Burnout durch langanhaltende Arbeitsbedingungen entsteht, resultiert die sekundäre Traumatisierung aus der Konfrontation mit den belastenden Erzählungen traumatisierter KlientInnen.
Welche Rolle spielt die Organisation bei der Gesundheitsförderung der Mitarbeiter?
Die Institution ist gefordert, eine traumasensible Organisationskultur zu entwickeln, die Strukturen bietet, welche sich nach den Bedürfnissen der Fachkräfte richten und Verantwortung für deren psychische Gesundheit übernehmen.
Warum sind Fachkräfte in der Traumaarbeit besonders gefährdet?
Durch die hohe Empathiefähigkeit und die Konfrontation mit extremen Lebensgeschichten oder aggressivem Verhalten der KlientInnen entsteht ein hohes Risiko für Belastungsfolgen und das eigene Erleben traumatischer Symptome.
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- Jill Johanning (Author), 2021, Die psychosoziale Arbeit und ihre Herausforderungen. Gesundheitsförderung für die Arbeit mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1024435