Native Americans die ganze Wahrheit


Facharbeit (Schule), 2021

48 Seiten, Note: 1

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Entdeckung Amerikas
2.1 Die Vorfahren der Natives
2.1.1 Die Besiedelung des neuen Kontinents
2.1.2 Neue Lebensweisen entstehen
2.1.3 Kultur und Glaube
2.2 Der heilige Brendan
2.3 Die Wikinger
2.3.1 Bjarni Herjulfsson
2.3.2 Leif Eriksson
2.4 Zheng He
2.5 Christoph Kolumbus
2.6 Giovanni Calboto - John Cabot
2.7 Amerigo Vespucci

3. PostkolumbischeZeit
3.1 Ansiedelung und Ausbreitung der Europäer
3.1.1 Eroberung des Kontinents
3.2 Zeitstrahl - Verträge, Kriege und Massaker
3.3 Endstation Reservatleben
3.4 Assimilierung der indigenen Gesellschaft
3.4.1 Internatsschulen
3.4.2 Adoption - «Kinderdiebstahl»
3.5 Rückgang der indigenen Gesellschaft

4. Natives im heutigen Leben
4.1. Folgen der Kolonisierung
4.1.1. Aktuelle Problemstellungen
4.1.2. Weibliche Natives-«die gefährdetsten Menschen dieserWelt»
4.2. Der Versuch des Wiederaufbaus eines Volkes
4.2.1. American Indian Movement
4.3. Die Rolle der Kultur im heutigen Leben der Natives
4.4. Die Ironie des Heiligenschreins der Demokratie
4.5. Stereotyp versus Realität - wieso die Wahrheit vertuscht wird

5. Schlusswort

6. Danksagung

7. Quellenangabe

1. Einleitung

Ist die Rede von Native Americans, denken noch heute viele Leute zuerst an den Stereotypen eines Natives. Sie stammen aus den Büchern und Filmen von Karl May, aus Romanzen von Frederica de Cesco oder auch aus der Femsehserie «Yakari». In all diesen Beispielen werden die Natives als natur­verbundene Völker dargestellt, welche in Tipis wohnen, auf ihren Pferden durch die Weiten der Prärie streifen und anschliessend am Lagerfeuer tanzen, singen und eine Friedenspfeife herumreichen. Bei solchen Schilderungen gehen jedoch die Teilbereiche der Geschichte der Natives unter, welche weder idyllisch noch friedlich waren.

Auch ich, noch an die kindliche Naivität gefesselt, war lange fasziniert vom «Indianerleben». Stunden­lang tauchte ich ab in davon handelnde Buch- und Filmfantasien und sehnte mich danach, auch Teil dieser faszinierenden Völker zu sein, denn wer träumt schon nicht gerne davon, frei wie ein Vogel und so mit der Natur verbunden sein zu können?

Die Geschichte Nordamerikas interessiert mich jedoch mehr als je zuvor, seit ich auf die anderen As­pekte der Geschichte getroffen bin, die nicht wirklich offen diskutiert werden. Denn genau diese historischen Abschnitte haben das Leben der heutigen Native Americans enorm geprägt. Angefangen mit der «Entdeckung der Neuen Welt», über die Kolonisierung durch die ersten Euroamerikaner, die schrittweise Eroberung von Osten nach Westen, die Verträge, die abgeschlossen und seitens der Kolo­nisten oftmals gebrochen wurden, die Kriege und Massaker, die Bildung der Reservate und Assimilierungsversuche, bis hin zum Beginn des American Indian Movement, welches ein neues Zeit­alter und den Versuch des Wiederaufbaus eines Volkes einläutete. Die Folgen all dieser prägenden Ereignisse sind bis heute sicht- und spürbar.

Es sind genau diese Tabus der amerikanischen Geschichte, von welchen ich es als wichtig erachte, sie einmal genauer und vor allem aus der Sicht der Native Americans, zu betrachten.

An dieser Stelle merke ich ausserdem an, dass ich in meiner Maturitätsarbeit versuchen werde, weitest­gehend auf das Wort «Indianer» zu verzichten. Denn dieses wird von vielen Natives, nicht nur auf Grund der abschätzigen Verwendung, sondern auch, weil es sich um eine verallgemeinerte und allem voran falsche Bezeichnung handelt, als unangemessen empfunden.

Durch meine Maturitätsarbeit wünsche ich mir, auch anderen die «wahre Geschichte» oder genauer gesagt, einen kompletteren Überblick über die Geschichte der Native Americans näher zu bringen, sie zu motivieren, genauer hinzusehen und dadurch vielleicht auch zum Nachdenken über unsere heutige Gesellschaft anzuregen. Denn die Geschichte der Natives in Nordamerika ist nur ein Beispiel unter vie­len, das zeigt, welch gravierende Auswirkungen und Folgen Kolonisierungen während der Unterdrückung und danach haben können.

2. Die Entdeckung Amerikas

Die Entdeckung Amerikas oder auch der «Neuen Welt» wurde lange mit dem Namen Christoph Ko­lumbus in Verbindung gebracht. Heute stellt man jedoch schon ohne grosse Nachforschungen zu betreiben fest, dass nicht nur die von Kolumbus so genannten «Indianer» diesen zuvor für unentdeckt gehaltenen Kontinent schon viele tausend Jahre lang besiedelt hatten, sondern es auch schon viele in den meisten Fällen europäische Seefahrer vor Kolumbus gab, die durch Zufall auf den amerikanischen Kontinent gelangt sind.

2.1 Die Vorfahren der Natives

Die wahren ersten Entdecker des amerikanischen Kontinents sind die direkten Vorfahren der heutigen Native Americans. Schon auf den ersten Blick ist erkennbar, dass die Natives nicht direkt mit den Eu­ropäern, welche sich ab dem Ende des 15. Jahrhundert in Nordamerika angesiedelt haben, verwandt sein können. Vor allem an den Gesichtszügen scheint klar erkennbar zu sein, dass sie eher den Asiaten ähn­lichsehen.

Heute ist diese schon auf den ersten Blick feststellbare Ähnlichkeit auch nachvollziehbar, da erwiesen ist, dass die ersten Bewohner Amerikas von Asien her, auf den bis dahin noch nicht von Menschen besiedelten Kontinent gelangt sein müssen. Die daraus folgende Vermutung, dass Native Americans von ost-asiatischen Menschen abstammen, scheint daher naheliegend zu sein. Die Archäologin Kelly Graf fand jedoch anhand von Überresten eines Jungen, welche in der Nähe des Baikalsees gefünden wurden, heraus, dass diese Vermutung nicht stimmt. Wie sich herausstellte, stammte der Junge aus Westasien und hatte einen Anteil an Erbgut, der auch heute noch bei vielen Ureinwohnern Nordamerikas vorkommt. Die Archäologin bestätigt, dass «14 bis 38 Prozent des Genoms1 der amerikanischen Urein­wohner auf einen West-Eurasischen Ursprung zurückführen»2. Somit konnte nachgewiesen werden, dass die Vorfahren der Native Americans nicht, wie bis anhin vermutet, ostasiatischer, sondern westasi­atischer Herkunft sind. Es bleibt jedoch bis anhin noch ungeklärt, ob eine Vermischung der Ost- und West-Asiaten erst auf dem amerikanischen oder bereits auf dem asiatischen Kontinent stattgefunden hat.

2.1.1 Die Besiedelungdes neuen Kontinents

Das Gebiet rund um den Baikalsee wurde schon während der letzten Eiszeit von Menschen bewohnt, die Siedler lebten damals als Jäger und Sammler. Erstaunlicherweise bereiste man in Küstengebieten schon früh - vor etwa 40'000 Jahren - die Ozeane mit Hilfe von kleinen, aus Fell, Haut und Holz ge­bauten Booten. Neben der Jagd an Land ernährten sich die Menschen auch von Fisch und anderen Meerestieren. Da die Landtiere während der Eiszeit, auf der Suche nach Nahrung, in kürzeren Zeitab­schnitten weiterzogen und vor allem auch längere Strecken zurücklegen mussten, zogen die Menschen mit ihnen mit, denn nur so konnten sie sich eine Nahrungsquelle sichern.

Einige der Menschengruppen zog es somit von Westasien aus immer mehr in den Norden und Osten des Kontinents. Bald kamen sie in bisher noch unbesiedelte Gebiete, in welchen die Artenvielfalt noch wesentlich höher war. Vermutlich war dies der Grund, weshalb sich die einen dort ansiedelten und an­dere mit den Tieren weiter nach Osten zogen.

Wie und wann genau die ersten Menschen auf dem amerikanischen Kontinent Fuss gefasst haben, ist auch mit der heutigen Technologie noch eine der schwierigsten zu beantwortenden Fragen der Ge­schichte. Ständig werden neue Funde gemacht und Schlüsse daraus gezogen, durch welche einige Theorien vielleicht bestätigt, andere hingegen widerlegt werden.

Während die Theorie, dass die ersten Menschengruppen bereits vor 30’000-50'000 Jahren den Meeres­tieren mit Hilfe von Booten der Pazifikküste entlang folgten und so auf den bisher unbewohnten Kontinent stiessen, noch recht spekulativ ist, kann man heute auf Grund von archäologischen Funden und auch durch die genetische Forschung mit relativer Sicherheit sagen, dass der amerikanische Konti­nent bestimmt schon seit etwa 13’000 Jahren bewohnt wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1

Als «zweite Besiedlungswelle» des amerikanischen Kontinents könnte man nach aktuellstem Forschungs­stand die sogenannten Clovis- Menschen bezeichnen. Auf Grund der Gletscherbildung während der letzten Eiszeit sank der Meeresspie­gel im Gebiet zwischen Amerika und Asien um ungefähr 100 Meter ab und die sogenannte Beringstrasse, eine Landbrücke, die den amerikanischen und asiatischen Kontinent miteinan­der verband, wurde freigelegt. Nach der Clovis-Theorie folgten die Menschen, die sich damals hauptsächlich von Grosswild ernährten, den Tieren über die Beringstrasse und betraten anschliessend vor etwa 12'000 Jahren, durch einen eisfreien Korridor Nordamerika.3

2.1.2 Neue Lebensweisen entstehen

Je mehr solcher «Besiedlungswellen» und 4 somit Menschengruppen den amerikanischen Kontinent be­traten, desto zahlreicher wurden die Siedlungen errichtet und somit entstand aus dem unbewohnten Kontinent innerhalb von einigen tausend Jahren nach und nach ein Fleckenteppich unterschiedlichster Menschen mit verschiedenen Kulturen, Sprachen und Religionen.

Dabei ist vor allem die immense Sprachvielfalt auffällig; auf dem nordamerikanischen Kontinent bilde­ten sich im Laufe der Jahre etwa 30 verschiedene Sprachfamilien. Allein in den USA wurden um 1491, kurz vor der Ankunft Kolumbus’, etwa 300 indigene Sprachen gesprochen. Darunter gab es neben der Zeichensprache auch eine Mischsprache, die Chinook genannt wird und beim Abwickeln von Geschäf­ten genutzt wurde5. Heute existieren von den ursprünglichen Sprachen jedoch nur noch etwa 1756. Grund für diesen Verlust an Sprachvielfalt hatte vor allem der Prozess der Kolonialisierung, in welchem etliche Stämme zugrunde gingen.

Neben den Sprachen empfinde ich auch die Vielfalt an indigenen Stammesgemeinschaften und deren charakteristische Züge überaus interessant, denn wie ich es auch schon in meiner Einleitung erwähnt habe, sehen sich die Natives eigentlich nicht als ein Volk an, sondern jeder Stamm bildet eine eigene Nation. Zur groben Vereinfachung unterteilt man den nordamerikanischen Kontinent in zehn präkolum- bische Kulturregionen, in welchen die Lebensweisen sich ähnlich waren.

Die Arktis, ganz im Norden des Kontinents, war grösstenteils mit Schnee und Eis bedeckt und nur dünn besiedelt, dennoch bot sie zumindest in den Küstenregionen ausreichend Nahrung für die Bewohner, welche sich neben Meerestieren auch von Vögeln ernährten. Die im Inland lebenden, sich vor allem von Karibus ernährenden Natives hingegen hatten es schwieriger, da die Herden sich nicht in so einem zuverlässigen Zyklus bewegten wie die Meerestiere. Zu den wichtigsten Stämmen dieser Kulturregion gehören die Inuit und die Aleuten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2

Die Subarktis war ebenfalls nur dünn besiedelt. Zu den wichtigsten Stämmen dieser Gegend gehörten die Carrier, die Cree, die Chipewyan, die Kutchin, die Montagnais und die Naskapi. Sie waren Jäger, die sich grösstenteils von Bisons, Karibus, Elchen und Kleintieren ernährten. Heute ist über diese Stämme ausserdem bekannt, dass sie sich zuerst vor allem an Seen niederliessen und sich darauf mit dem Kanu fortbewegten. Erst durch die Einführung der Schlitten und Schneeschuhe verteilten sie sich später auch über die Waldgebiete

Im nördlichen Waldland lebten die Nativesje nach Gegend sehr unterschiedlich. Während im Norden neben der Jagd vor allem auf systematische Wildpflanzenemte gesetzt wurde, betrieb man im Süden neben der Jagd auch Acker- und Gartenbau, wobei man unter anderem Kürbis, Mais oder auch Bohnen anpflanzte. An der Atlantikküste, welche am dichtesten besiedelt war, lebte man vor allem vom Fischfang. Zu den wichtigsten Stämmen dieser Region gehören die Algonquin, die Irokesen, die Huronen, die Micmac, die Pequot, die Shawnee und die Wampanoag.

Das südöstliche Waldland wurde lediglich von etwa sechs sesshaften Stammesgruppen besiedelt: den Cherokee, Chickasaw, Choctaw, Creek, Timucua und den Yuchi. Diese hatten zwar ein ähnliches politisches System, wiesenjedoch sprachlich gesehen enorme Unterschiede auf. Sie lebten sowohl von der Jagd und dem Fischfang als auch vom Sammeln von Wildpflanzen und dem Ackerbau.

Die Plains und die Prärie sind eine Region, die in zwei Landschaftsarten unterteilt sind; einerseits die im Osten gelegene Prärie, welche tiefergelegen und von Langgrass bewachsen war und andererseits die Plains im Westen, die höhergelegen und mit kurzem Gras übersät war. Ausserdem war diese Gegend die Heimat der grossen Bisonherden, von welchen die nomadischen Natives lebten. Die Stämme der Blackfeet, Cheyenne, Comanche, Crow, Osage, Pawnee, Quapaw und Sioux, die in dieser Region vor­zufinden waren, siedelten vor allem den Flussläufen entlang, da man dort nicht nur eine beständige Trinkquelle hatte, sondern auch die Tierherden in regelmässigen Abständen vorbeizogen.

Auch das (Columbia-)Plateau kann in zwei Gegenden unterteilt werden Der Norden war mit Nadelwald überdeckt, während der Süden eine Steppenlandschaft darbot. Die Hauptnahrungsquellen der in dieser Gegend lebenden, sesshaften Cayuse, Kootenai, Nez Percé, Spokane, Umtilla und Yakima waren neben Lachs, auch Elche, Bären, Rotwild und Bergziegen. Mit der Ankunft des Pferdes begann ausserdem die Bisonjagd und die Völkertraten zumindest teilweise zum Nomadendasein über.

Die Landschaft im Grossen Becken, welches von den Bannock, Paiute, Shoshone und Ute bewohnt wurde, war wüstenähnlich und nur von kleinen Büschen bewachsen. Man ernährte sich neben Beeren und Pflanzenwurzeln von Kleintieren und lebte in kleinen Gruppierungen ohne eine politische Organi­sation.

Der Südwesten, eine ebenfalls wüstenähnliche Gegend, wurde vor allem von Pueblo-Natives bewohnt, die schon sehr früh begannen, erste Städte mit mehrstöckigen Häusern zu bauen. Daneben lebten in dieser Gegend auch die Apachen, Havasupai, Navajo und Pima Stämme.

Viele lebten hauptsächlich von der auf Bewässerung basierenden Feldwirtschaft und bauten neben Mais, Kürbis und Bohnen auch schon Baumwolle und Tabak an. Wenn es zu längeren Trockenperioden kam, mussten sie teilweise ihre Heimat verlassen und weiter in den Südosten ziehen, um neue Wasserquellen zu finden. Trotz diesen widrigen Lebensumständen war der Südwesten eine der Regionen, die am dich­testen besiedelt war.

Kalifornien, an der Pazifikküste Amerikas, wurde von sesshaften Cahuillas, Chumashs, Hupas, Maidus, Miwoks, Pomos und Yuroks bewohnt, die ihre Siedlungen nur zur Jagd oder Ernte verliessen. Hierbei ist zu erwähnen, dass die Tier- und Pflanzenbestände in dieser Region so hoch waren, dass kein zusätz­licher Bodenanbau nötig war.

Die zehnte und letzte Kulturregion Nordamerikas bildet die Nordwestküste, welche am dichtesten be­siedelt schien. Die dort lebenden Chinook, Haida, Kwakiutl, Makah, Nookta, Tlingit und Tsimshain ernährten sich von Meerestieren und Fischen und lebten in festen Siedlungen mit grossen Plankenhäu- sem. Ausserdem ist heute bekannt, dass einige der Stämme im Austausch mit asiatischen Völkern lebten.

Um noch einen genaueren Einblick in die Diversität der Lebensarten zu geben, werde ich nun einige Beispiele an traditionellen Wohn- und Kleidungsarten der Native Americans vorstellen. Ihre Behausun­gen waren je nach Lebensraum und je nachdem, ob es sich um einen sesshaften oder nomadischen Stamm handelte, sehr unterschiedlich. Da sie oft nicht nur als Schlafplatz dienten, sondern auch eine sakrale Bedeutung hatten, ähnelten sie sichjedoch zumindest in der Art der groben Einrichtung. So war es beispielsweise gängig, dass der Eingang in Richtung Osten - dem Ursprung des Lichts und dem Sitz der Schöpferkraft - lag. Zudem positionierte man oft in der Mitte der Unterkunft die Feuerstelle, gegen­über dem Eingang lag der Platz der Ehrengäste, links vom Eingang der der Frauen und ihnen gegenüber der der Männer.

Das wohl populärste Beispiel der Behausungen der Natives ist das Tipi; dieses war ein kegelförmiges Konstrukt, welches aus einem mit Ästen erbauten Gerüst und darüber gezogenem Leder oder Stoff be­stand. Diese Art von Unterkunft diente vor allem den nomadischen Stämmen der Prärie beziehungsweise der Plains, da man Tipis einfach auf- und abbauen und transportieren konnte.7

Sehr ähnliche Beispiele bieten der sogenannte Wickiup und der Wigwam. Beide haben einen mehr oder weniger kreisförmigen Grundriss und ein kuppelförmiges Dach. Auch diese beiden Wohnstätten hatten ein Gerüst aus Astgeflechten, wurdenjedoch im Gegensatz zum Tipi nicht mit Leder oder Stoff, sondern mit Rinden und Matten aus Gras und Schilf überzogen. Der Wickiup wurde eher in den Regionen des Grossen Beckens, Kalifornien und im Südwesten von nomadischen Stämmen genutzt, die das Grundge­rüst stehen liessen, wenn sie weiterzogen, um es wieder zu verwenden, wenn sie an dieselben Orte zurückkehrten. Der Wigwam hingegen, war eher in der Region des nördlichen Waldlands verbreitet. Die dort lebenden Natives wechselten nur mit den Übergängen der Jahreszeiten ihren Standort, liessen jedoch ebenfalls das Grundgerüst stehen.

Weiter im Süden, bei den Navajo Stämmen der Prärie, lebte man in sogenannten Hogans. Diese eben­falls kuppelförmigen und leicht in den Boden versenkten Behausungen hatten ein Dach aus Holz, welches mit Hilfe von Lehm isoliert wurde.

Ebenfalls rund, jedoch um einiges grösser, ist das Erdhaus, mit einem Durchmesser von zehn bis 25 Meter. Diese Behausungsform, die in den Boden versenkt, bis zu zehn Meter tief war, fand man vor allem bei den sesshaften Natives der Plains, des grossen Beckens und im Südwesten Alaskas vor. Die Wände verstärkte man mit Pfosten und das Dach bestand aus Querbalken, welches zur Isolation mit Erde und Gras überdeckt wurde. Der Zugang warjedochje nach Gegend unterschiedlich; während man im Grossen Becken per Leiter über den Rauchabzug ins Innere gelangte, legten die Natives der Plains einen Tunnel an, der langsam in den Erdboden absank.

Von den runden Unterkünften der Natives bleibt letztendlich noch ein Beispiel übrig: das Iglu. Die be­rühmte Kuppelhütte aus Schneeblöcken diente den Natives der Arktis auf Jagdzügen und bei Reisen. Dabei war wichtig, dass der Eingang ins Innere etwas nach unten versetzt wurde, sodass der Boden, auf welchem man schlief, die Ebene war, auf welcher es am wärmsten war.

Im Gebiet des nordöstlichen Waldlandes, in der Nähe der grossen Seen, gab es neben dem Wigwam noch das Langhaus. Auch hier fand man ein Gerüst aus Holz vor, welches in diesem Fall mit Schindeln überdeckt wurde. In solch fensterlosen Häusern, die teilweise bis zu 90 Meter lang und etwa sieben Meter breit waren, fanden bis zu 100 Personen Unterschlupf. An der Breitseite befanden sich die Ein­gänge mit dem Klan-Symbol, im Mittelgang lagen mehrere Feuerstellen und rechts und links davon ging es in kleinere Zimmer, in welchenjeweils eine Familie leben konnte.

Eine ähnliche Behausung bot das Plankenhaus, dieses fand man vor allem an der Nordwestküste vor. Es hatte eine ungefähre Seitenlänge von 15 bis 20 Meter und bot bis zu sechs Familien eine Unterkunft. Die Hauswände waren aus Zedemstämmen und Holzplanken, in welche man kleine Bilder schnitzte. Vor dem Gebäude befand sich ausserdem der berühmte Totempfahl, welcher die Bewohner schützen soll,jedoch auch eine Wiederspiegelung dessen bietet, was die dort lebenden Natives in der Vergangen­heit erlebt haben und was sie ausmacht.

Die eindrücklichsten aller Bauten der Native Americans sind meiner Meinung nach die oft mehrstöcki­gen und oft in Fels verbauten Häuser der Pueblos. Die terrassenförmig angelegten und bis zu fünf Stockwerk hohen Gebäude aus Stein konnten nur über eine Leiter, die in einer Luke im Dach platziert war, betreten werden. Ausserdem bildete, wie auch bei unseren modernen Wohnblöcken, der Fussboden der oberen Wohnung das Dach der unteren, somit konnte man sich nicht nur viel mühsame Arbeit, son­dern auch eine enorme Menge an Baumaterial sparen.

Unterkunftsarten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.3, Tipi

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Abb.4, Wickiup

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Abb.5, Iglu

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Abb.6, Erdhaus

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Abb.7, Pueblo-Bauten

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Abb.8, Wigwam

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Abb.9, Plankenhaus

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Abb.10, Langhaus

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Abb.11, Hogan

Abschliessend zu diesem Kapitel ist es mir wichtig zu erwähnen, dass sich im Laufe der Jahrhunderte beziehungsweise Jahrtausende innerhalb der Kulturregionen diverse indianische Stämme, welche unter­schiedlicher nicht sein könnten, entwickelten. Je nachdem in welcher Umgebung sie sich angesiedelt und was sie erlebt hatten, entstanden die verschiedensten Traditionen und Kulturen.

2.1.3 Kultur und Glaube

Der Glaube und das Wissen der8 Native Americans beruht auf dem Erbe ihrer Ahnen. Ihre Lebensweisen, die Religionen und die Traditionen beruhen auf deren Erfahrungen und sind von höchster Diversität, dennoch gibt es eine Art «Grobgerüst», welches in nahezu allen Stämmen vorhanden ist. So spielt zum Beispiel der Lebenszyklus und die Übergänge von einer Lebensphase zur nächsten eine zentrale Rolle. Mit sogenannten Durchgangsriten trat man von einer zur nächsten über. Zu diesen Phasen zählen die Geburt, die Namensgebung, die Pubertät und der Tod, welche von verschiedenen rituellen Leiem be­gleitet wurden. Neben diesen markanten Übergängen von Lebensphasen feierten einige der Stämme auch noch zusätzliche, individuelle Ereignisse, wie zum Beispiel die Bewohner der Nordwestküste, die die ersten Zähne oder auch die ersten Schritte eines Kindes feierten. Um jedoch für die Mehrheit der indigenen Stämme und nicht für einzelne zu sprechen, werde ich im folgenden vor allem die weit ver­breiteten Riten aufgreifen.

Um in die Thematik einzuleiten fasse ich zuerst einmal die wichtigsten Pakten rund um den Lebensver­lauf und die Lebensphasen der Natives zusammen. Bei der Schwangerschaft und Geburt stand nicht das Kind, sondern die Mutter im Zentrum; man glaubte, dass sie sich in einer Art «übernatürlichem Zustand» befinde, die ihr zusätzliche Kräfte verleihe. Aus Angst davor, das «Übernatürliche» könne einen schlechten Einfluss auf den Rest des Stammes haben, kapselte man die werdende Mutter bis nach der Geburt ab und nahm sie dann nach dem reinigenden Bad und dem Zeigen des Kindes in der Öffentlich­keit wieder in die Gemeinschaft auf.

Die Namensgebung erfolgte nicht gleich nach der Geburt, sondern erst im Laufe der Zeit, sobald sich die ersten Charakterzüge herausbildeten. Ausserdem wurde der Name teilweise auch vom Namen des Klans, Träumen der Eltern oder dem Wunsch, einem Vorfahren zu gedenken, beeinflusst.

Der Übertritt von der Kindheit in die Pubertät wurde in vielen Stämmen bei den Mädchen durch die erste Menstruation und bei den Jungen durch das Heimkehren aus dem ersten Krieg gekennzeichnet. Dabei war es Tradition, dass der Jugendliche mit diesem Ereignis einen neuen Namen bekam. Zur Na­mensgebung ist ausserdem wichtig zu erwähnen, dass auch bei anderen Ereignissen, wie zum Beispiel bei einem gesellschaftlichen Aufstieg oder dem Erlangen eines Schutzgeistes, ein neuer Name vergeben wurde. Zum Übergang in die Pubertät und somit auch ins Erwachsenenleben zählten auch viele Vor­schriften und neue Möglichkeiten: Die Mädchen mussten sich während ihrer Menstruation zum Beispiel von der Gesellschaft zurückziehen, eine Diät einhalten und durften die Jagdausrüstung nicht berühren, da man glaubte, dass dies einen schlechten Einfluss auf die Gesellschaft oder die übernatürliche Welt haben könnte. Die Jungen verpflichteten sich mit der Pubertät dem Beiwohnen der traditionellen Riten, wie zum Beispiel den Schwitzbädern, aber auch dem Fasten oder der Visionssuche. Ausserdem wurden sie in den Männerbund aufgenommen und in deren Geheimnisse eingeweiht.

Letztendlich ist es der Tod, der den Lebenszyklus schliesst, deshalb wurde ihm auch die höchste Auf­merksamkeit zugewendet. «Als Zeichen der Trauer galten Speiseopfer am Grab; in den Plains opferte man meistens (...) das Lieblingspferd, an der Nordwestküste einen Sklaven, bei den Natchez eine Ehe­frau. Die Kleinstämme in Kalifornien trauerten mit Wehklagen und Geschrei. (...) In 'vielen Stämmen legte manjeden Schmuckab und schwärzte das Gesicht.»9

Die Trauerphasen galten als enorm gefährlich, da die Natives sich sowohl der Macht des Guten, als auch des Bösen aussetzten, zum Schutz davor wurden diese Phasen stets durch rituelle Handlungen, die das Böse vertreiben sollten, begleitet.

Wie schon im obigen Abschnitt erkennbar ist, spielte das Übernatürliche und somit auch der Glaube eine grosse Rolle im Leben der Natives. Ihnen ist jeder Teil der Erde heilig, denn von ihr sind alle Lebewesen abhängig. Von den Natives wurde alles, egal ob Stein, Fluss oder Wind, als lebendig ange­sehen. Aus all diesen Komponenten folgend ist auch ihre Lebensphilosophie, allem und jedem mit Respekt zu begegnen, sowie alles zu schätzen und zu ehren - nachvollziehbar. Ausserdem glaubten sie daran, dass alles auf der Welt in zwei Teile zerlegt wurde, die nur gemeinsam ein Ganzes ergeben. Am Beispiel der Erde entsprechen die beiden Hälften dem Himmel und der Erde - Honga und Tsizhu - den beiden Kraftzentren der Welt. Nach diesem Prinzip wurden zum Beispiel auch einige Dörfer durch eine Ost-West-Strasse in zwei Hälften unterteilt, in der Überzeugung, dass diejeweils gegensätzliche Hälfte, also der Ehepartner, auf der anderen Seite zu suchen ist.

Verankert zwischen den vier Himmelsrichtungen, der Erde und dem Himmel - welcher die Quelle des Lebens und auch den Ort der Stabilität verkörperte - sahen die Natives ihren Lebensraum als Lebens­mitte an. Darin bestanden bei etlichen Stämmen lokale Kraftzentren, wie zum Beispiel die Black Hills bei den Sioux, in welchen sich die Heilige Macht - auch der «Grosse Geist» genannt - manifestierte. Die Natives glaubten, dass «der grosse Geist der Gott allerMenschen [ist], des Roten und des Weissen Mannes. Dem grossen Geist ist diese Erde kostbar. Die Erde zu 'verletzen, heisst Gott zu 'verachten,»10 11 Vollzog man dennoch eine Handlung, bei welcher etwas von der Natur genommen wurde, zeigte man durch bestimmte Zeremonien, dass man sich bewusst ist, was man getan hat und bat die Natur um Ver­zeihung. So blieb das natürliche Gleichgewicht bestehen.

«Diese von fast allen nordamerikanischen Stämmen geteilte ganzheitliche Weitsicht beruht auf einer Ordnung des Seins, der zufolge es auf keiner Ebene des Geschaffenen (...) eine Über- oder Unterord­nung gibt.»" In dieser Gleichstellung von allem Bestehenden ist meiner Meinung nach auch die deutliche Verbundenheit zwischen den Natives und der Natur spürbar; die Verbundenheit zwischen dem Stamm, dem Raum und dem Land, auf welchem er lebte, war von grosser Bedeutsamkeit.

Neben der hohen Wertschätzung derNatur gegenüber spielte auch die Gemeinschaft eine grosse Rolle; bei Zeremonien, wie zum Beispiel dem Sonnentanz der Lakota, dankte man mit Worten wie: «Auf, dass die Menschen leben!», für das gemeinschaftliche Bestehen. Allgemein stand bei den Natives die Ge­meinschaft stets über dem Individuum. Zum Pflegen der gemeinschaftlichen Beziehung gehörte unter anderem auch, dass traditionelle Überliefern der Geschichten, Traditionen und der heiligen Erzählungen der indigenen Kultur. Angefangen mit der weit verbreiteten Urgeschichte der Natives, bei welcher die Menschen den Tieren noch ähnlich waren, beziehungsweise «als die Tiere noch mit menschlicher Zunge sprachen.»12 Im Gegensatz zur christlichen Weitsicht gab esjedoch keinen im Vordergrund stehenden Schöpfer. Dieser zog sich, wenn er überhaupt eine Rolle hatte, aus dem Geschehen zurück und überliess die zentralen Rollen zum Beispiel dem Kulturheroen, auch Trickster genannt, welcher eine grosse Rolle bei der Weiterentwicklung der Welt nach ihrer Erschaffung gespielt hat. Zusätzlich zu dieser schöpfe­rischen Rolle spielt erjedoch auch eine obszöne Rolle. Ein weiterer Genesismythos findet sich bei den Yuma Natives in der Geschichte der Erschaffung der Welt durch die Zwillinge Kokomaht - der Schöp­fer des Alls - und seinem Bruder Bakotahl - der Böse.

Neben diesen zwei völlig verschiedenen Schöpfungsgeschichten mit übernatürlichen Wesen gibt es noch viele weitere. Oft wird dabei auch eine bestimmte Tierart als Schöpfer dargestellt, wie zum Bei­spiel die Schildkröte bei den Irokesen.

Abgesehen von den Schöpfungsmythen gibt es unzählige weitere Geschichten, die in Zusammenhang mit dem Übernatürlichen stehen. Neben dem erwähnten Kulturheroen, dem Trickster oder den Zwillin­gen, sind es Geister und Götter, die den Natives nicht nur Erklärungen für Geschehnisse und das Sein auf der Welt sein sollen, sondern ihnen auch zum Schutz dienen. Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass die Grenze zwischen real und surreal, natürlich und übernatürlich, nicht wirklich klar ist. Grob gesagt bezeichnet das Übernatürliche all die unsichtbaren Mächte und Geister - alles, was eine geheimnisvolle gar unerklärliche Wirkung zu haben scheint. So wird zum Beispiel bei den Lakota-Sioux mit dem Be­griff «Wakan Tanka», was in etwa übernatürliches, geheimnisvolles oder auch magisches Wesen bedeutet, alles bezeichnet, was entweder nicht fass- oder erklärbar ist, wie beispielsweise der Wind, der Mond und der Himmel, was eine faszinierende, magische Wirkung zu haben scheint - wie der Bär - oder auch was eine zentrale und überlebenswichtige Rolle spielt, wie der Bison.

Weitere Bezeichnungen für heilige und unerklärliche Dinge, die den Natives als übernatürlich erschei­nen, sind zum Beispiel die Begriffe «Manitu» oder «Herr der Tiere» bei den Algonkin, die sich auf alle grossen Naturerscheinungen beziehen.

Zusätzlich zu diesen übernatürlichen Mächten glauben vor allem Stämme in der Arktis und der Subar­ktis, aber auch vereinzelte im nordöstlichen Waldland, in den Plains und der Prärie an Tiergeister, auch als Totem oder «Spirit Animal» bekannt, die ihnen Schutz und Rat im Verlauf ihres Lebens gewährleis­ten sollen.

Abschliessend zu diesem Einblick in die präkolumbische Kultur der Native Americans kann gesagt werden, dass diese nicht nur enorm vielfältig ist, sondern allem voran von einer sehr innigen Verbindung zur Natur und einem bewundernswerten Hang der Zusammengehörigkeit und Wertschätzung der Ge­meinschaft zeugt. Die Natives sahen in allem einen Sinn und hatten eine Erklärung dafür - es scheint, dass sie den Sinn des Lebens gefunden und verstanden haben.

2.2 Der heilige Brendan

Das Buch «Navigatio Sancti Brendani Abbatis» - «Die Reisen des heiligen Abtes Brendan» - das ver­mutlich etwa aus dem 8. Jahrhundert stammt, galt im Mittelalter als Bestseller unter den irischen Seefahrergeschichten.

Der irische Mönch Brendan soll demnach Anfang des 6. Jahrhunderts zusammen mit 14 anderen Mön­chen aufgebrochen sein, um nach dem «verheissenen Land» zu suchen.

Aus der von ihnen geplanten 40 Tage langen Reise wurden sieben Jahre des Herumirrens auf offener See. Es wurde von Rasten auf unbekannten und zum Teil gefährlichen Inseln berichtet und wie es für Seefahrergeschichten üblich war, tauchen in der Erzählung auch etliche phantastische Wesen auf. So wird zum Beispiel von einer Insel berichtet, auf welcher sie der Legende nach Rast gemacht haben und kochen wollten. Als siejedoch ein Feuer entfachten, habe sich die Insel plötzlich zu bewegen begonnen. Die Mönche seien aufs Schiff geflüchtet und davon gesegelt. Auch von weitem habe man gesehen, wie die Insel sich bewegte. Der heilige Brendan habe daraufhin den anderen Mönchen erzählt, dass er eine Vision hatte, in welcher Gott ihn darüber aufgeklärt habe, dass die Insel in Wirklichkeit ein Fisch na­mens Jasconius sei.13

Vieles an der Erzählung, wie beispielsweise die eben beschriebene Geschichte über Jasconius, wirkt so unwahrscheinlich, dass man sich fragen muss, was an diesem Reisebericht überhaupt wahr sein kann. Betrachtet man die Beschreibungen der einzelnen Inselnjedoch genauer, erkennt man, dass viele durch Methaphem beschrieben werden. So steht zum Beispiel die «Insel der Schmiede» für Island und auch andere Stationen der Reise konnten als Hebriden, Färöer, Grönland und Neufundland - mit anderen Worten Amerika - identifiziert werden. Auch wenn es keine materiellen Beweise dafür gibt, dass der heilige Brendan und seine Gefährten Amerika erreicht haben, weisen die geographisch genauen Be­schreibungen tatsächlich auf die Ostküste Amerikas hin.

Der Beweis, dass eine solche Reise mit einem Boot, wie sie es damals hatten, überhaupt möglich war, bewies der Abenteurer Tim Severin in den 1970er Jahren, indem er die in «Die Reisen des heiligen Abtes Brendan» beschriebene Route mit einem ähnlichen Boot zurücklegte.

2.3 Die Wikinger

2.3.1 Bjarni Herjulfsson

Der Wikinger Bjarni Herjulfsson wurde etwa im Jahr 966 in Island geboren und wollte im Jahr 986 nach Grönland reisen, wo bereits andere Wikinger lebten. Durch die starken Strömungen im Atlantik und einen Sturm kam er jedoch vermutlich von seinem Kurs ab und traf auf ein Land, welches keineswegs auf Beschreibungen Grönlands zutrafen. Statt auf karge Landschaft mit Gletscher und Felsen zu stossen, fand er Hügel mit grossen Weiden vor - er sichtete den nordamerikanischen Kontinent.

Statt das unbekannte Land zu betreten, wendete erjedoch und richtete seinen Kurs auf das ursprüngliche Ziel - Grönland.14

2.3.2 Leif Eriksson

Auch Leif Eriksson, der Sohn des Wikingers Erik der Rote, wurde um 970 in Island geboren und siedelte später nach Grönland um. Wie Leif und seine Anhänger Amerika entdeckt haben sollen, wird in den verschiedenen «Vinland-Sagas» unterschiedlich beschrieben, deshalb versuche ich die Geschichte anhand der Überschnei­dungen darzulegen. Etwa im Jahr l’OOO beschloss Leif mit einigen seiner Anhänger ins Unbekannte aufzubrechen, denn so gross Grönland auch ist, die karge Landschaft bot zu wenig Weideland für das Vieh und auch Wälder und somit Holz wa­ren nicht in genug grossen Mengen vorhanden. Wie es für ihr Volk üblich war, versuchten sie entlang der Küste zu segeln, denn auf offenem Meer hatten sie nur die Sonne und die Sterne als Orientierungspunkte. Da sie zuerst der Küste Grönlands entlang nach Norden und erst dann nach Westen und nach Sü­den segelten, trafen sie als erstes auf das Gebiet des heutigen Baffmland, eine karge Landschaft, wo es nichts als Steine und Eis gab. Sie nannten es Helluland - Steinland.

Sie reisten weiter nach Süden und stiessen aufs heutige Labrador, sie tauften es Markland - Waldland. Als sie noch weiter nach Süden reisten, gelangten sie schliesslich ins heutige Neufundland. Da es dort grosse Weiden gab, nannten sie es Vinland. Dieser Ort bot ihnen die perfekten Voraussetzungen für eine neue Heimat. Sie verbrachten den Winter dort und bauten fensterlose Hütten, deren Dächer sie mit Gras bedeckten. Erst im nächsten Sommer brachen sie wieder nach Grönland auf. Während einige Familien aus der Gemeinschaft derWikinger daraufhin nach Vinland zogen, blieb LeifEriksson in Grönland.

Die Wikinger, die sich in Vinland ansiedelten, sowie später deren Nachfahren gerieten vermutlich im­mer wieder in Konflikte mit Natives, denn lange besiedelten sie den amerikanischen Kontinent nicht, bevor sie und auch die Wikinger, die in Grönland siedelten, im Dunkeln der Geschichte verschwanden. Auch wenn die Berichte der «Vinland-Sagas» umstritten sind, ist man sich heute durch die Funde von Überresten von Wikingerhäusem in Neufundland sicher, dass die Wikinger den amerikanischen Konti­nent schon lange vor Kolumbus und seinen Anhängern besiedelt haben.

2.4 Zheng He

Im Jahr 2006 fand man bei einem chinesischen Sammler eine Karte aus dem Jahr 1418, auf welcher sowohl Asien und Europa als auch Amerika eingezeichnet sind. Die Karte sei eine Kopie, die 1763 für den chinesischen Kaiser erstellt worden sei. Ob die Kartejedoch wirklich schon 1418 entstand, ist noch nicht bewiesen. Aufjeden Fall würde diese Entdeckung die Geschichte der Seefahrt wesentlich wider­legen. Wie «welt.de» berichtet: «wäre dann wohl auch Fernando Magellan nicht der erste Weltumsegler gewesen oder Vasco da Gama hätte nicht als erster das Kap der guten Hoffnung umschifft. Doch stellen selbst chinesische Historiker in Frage, dass Zheng He um die Welt gesegelt ist. Nach bisheriger Kennt­nis hat der chinesische Seefahrer mit einer großen Flotte von 1405 bis 1433 die Meere in Südostasien, Afrika, Indien und dem Nahen Osten befahren.»15

2.5 Christoph Kolumbus

Schon in jungen Jahren war es eines der grössten Ziele Kolumbus’ einen Seeweg nach Indien zu finden. Durch viel Arbeit, gesellschaftlichen Aufstieg und letztendlich auch durch die Hilfe seiner Frau, Felipa Moniz Perestrello, konnte er seine Pläne dem portugiesischen König vorlegen. Dieser lehntejedoch ab. Enttäuscht von seiner Niederlage ging Kolumbus an den spanischen Hof und präsentierte erneut seine berechneten Routen. Im April 1492 stimmte der König von Kastilien und Königin Isabelle zu, ihm seine Expedition zu bezahlen. Am 03. August 1492 stachen Kolumbus und seine Besatzungen von der kata­lanischen Küste aus mit drei Schiffen - Nina, Santa Maria und Pinta - in See mit Kurs Richtung Süd­West. Am 12. Oktober 1492, nach Wochen auf See, entmutigten Männern und einer Vorratskammer, die immer leerer wurde, entdeckte ein Matrose vom Grossmast aus ein Landstreifen in der Feme. Während Kolumbus und seine Mannschaft an Land gingen und dachten, sie hätten Asien erreicht, lan­deten sie in Wirklichkeit auf einer Insel in der Karibik - sie nannten sie «San Salvador» und hissten die spanische Flagge.

Es dauerte vermutlich nicht lange, bis sie auf die ersten Native Americans trafen, die Kolumbus, der bis zu seinem Tod der Annahme war, er habe Asien erreicht, Indianer nannte. Die anfänglichen Begegnun­gen zwischen den Natives und den Europäern verliefen friedlich und man beschrieb die Natives als «unschuldig». Kolumbus schrieb in sein Logbuch, dass sie «gutmütige Geschöpfe [seien], wenn auch sie etwas dumm [seien]}16. Da die Natives ausserdem auch über die «wertlosesten» Geschenke, wie zerbrochenes Glas erfreut waren, bemerkten die Schiffsmannschaften schnell, dass diese Leute leicht auszubeuten sind - dies schien der Beginn der Kolonisierung und der Ausbeutung der amerikanischen Ureinwohner zu sein.

[...]


1 «Ein Genom ist die Gesamtheit aller Gene, die in einem Chromosomensatz enthalten sind.» https://flexi- kon.doccheck.com/de/Genom (15.06.20201

2 https://www.deutschlandfunk.de/besiedelung-amerikas-ureinwohner-haben-verwandte-in.676.de.html?dram:ar- tide id=269744 (15.06.2020)

3 https://pagewizz.com/die-besiedlung-des-amerikanischen-kontinents/ (05.10.2020) & https://www.voutube.com/watch?v=x9ZGiE80B-s&list=PLE 76ZT- DMczidCK12SxIYfOFvxKRROTB&in- dex=6 (23.04.2020)

4 «Die IndianerNordamerikas - Geschichte, Kultur, Religion» (2004), S.19-23 & S.29-34 & «Die Geschichte der IndianerNordamerikas» (2001), S.10

5 «Chief Seattle, How Can One Sell the Air? » (1996), S.47

6 https://www.wikiwand.com/de/Indigene amerikanische Sprachen (17.06.2020) & https://de.babbel.com/de/magazine/damals-und-heute-indigene-sprachen-in-den-usa (17.06.2020)

7 https://www.nordisches-handwerk.de/tipps-news/die-geschichte-des-tipis (17.07.2020)

8 «Die IndianerNordamerikas - Geschichte, Kultur, Religion» (2004), S.56-69

9 «Die IndianerNordamerikas - Geschichte, Kultur, Religion» (2004), S.58 Z.6 ff

10 Ein Zitat von Chief Seattle (1854)

11 «Die IndianerNordamerikas - Geschichte, Kultur, Religion» (2004), S.59 Z.14ff

12 «Die IndianerNordamerikas - Geschichte, Kultur, Religion» (2004), S.61

13 https://www.praedica.de/Heilige-Feste/0516 Brendaahtm (vgl. unterster Abschnitt links, 28.07.2020)

14 https://www.kinderzeitmaschine.de/entdecker/ereignisse/amerika/biami-heriulfsson-der-wahre-entdecker/ (27.07.2020)

15 https://www.welt.de/print-welt/articlel91265/Entdeckte-ein-Chinese-Amerika.html (05.08.2020)

16 https://www.planet-wissen.de/geschichte/neuzeit/entdeckung amerikas/index.html (28.07.2020)

Ende der Leseprobe aus 48 Seiten

Details

Titel
Native Americans die ganze Wahrheit
Note
1
Jahr
2021
Seiten
48
Katalognummer
V1024524
ISBN (eBook)
9783346420831
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Indianer, Natives Native Americans
Arbeit zitieren
Anonym, 2021, Native Americans die ganze Wahrheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1024524

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