Maßnahmen der Sozialen Arbeit bei Magersucht

Inwieweit dient die Soziale Arbeit als Säule bei der Unterstützung gegen Magersucht?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2020

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

1. Einleitung

2. Begriffserläuterung

3. Magersucht und ihre Ursachen
3.1 biologische Einflussfaktoren
3.2 psychologische Einflussfaktoren
3.3 soziale Einflussfaktoren

4. Symptomatik und Folgen

5. Die Rolle der Sozialarbeitenden im Kontext von Essstörungen
5.1 Soziale Arbeit in der Therapiephase
5.2 Soziale Arbeit außerhalb / vor der Therapiephase

6. Fazit

1. Einleitung

Ständig vergleichen wir uns mit anderen. Wir halten andere Personen für hübscher und wünschten uns, wir sähen aus wie sie. Für einige ist diese Denkweise schwerer zu bewältigen als für andere. Diese Personen entscheiden sich zu hungern um so schlank zu sein wie die Models auf den Plakaten, in der Werbung oder auf verschiedenen social - media Kanälen. Obwohl sie schon längst eine schlanke Figur erreicht haben, hungern sie sich weiter herunter. Sie leiden unter einem verzerrten Körperbild und halten sich trotz massiven Untergewichtes noch für zu dick. Die BZgA stellte eine Statistik diesbezüglich auf:

„Betrachtet man einen bestimmten Zeitpunkt oder den Zeitraum eines Jahres, leiden von 1.000 Frauen im Alter von 12 bis 35 Jahren etwa drei bis sechs an einer Magersucht (Punktprävalenz bzw. 12-Monats-Prävalenz). (...) Jungen und Männer leiden wesentlich seltener als Mädchen und Frauen an einer Magersucht. (...)“ (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, o.J.)

Anorexia Nervosa, bekannter unter der Bezeichnung Magersucht, wird oft in medizinischen oder psychologischen Bereichen behandelt. Doch auch die Sozialarbeit bietet Ressourcen zur Betreuung und Unterstützung der Betroffen.

Im Vordergrund der geplanten Hausarbeit steht der Zusammenhang zwischen der Sozialen Arbeit und der Magersucht. Mithilfe der Erläuterungen verschiedener Behandlungsansätze, welche in der Sozialen Arbeit vertreten sind, soll dies verdeutlicht werden. Auch verschiedene gesellschaftliche Aspekte möchte ich aufzeigen. Hauptsächlich soll sich die Arbeit auf Frauen beziehungsweise weibliche Betroffene spezialisieren, da sie, sieht man von den vermutlichen Dunkelziffern ab, laut Statistik der BZgA häufiger betroffen sind als andere Geschlechter. (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, o.J)

2. Begriffserläuterung

Zur einfachen Erklärung stellte der Bundesfachverband für Magersucht eine Definition auf:

„Anorexia nervosa ist eine psychische Störung aus dem Bereich der seelisch bedingten Essstörungen, die die Nahrungszufuhr auf ein Minimum reduziert. Die Betroffenen leiden an einer Körperschemastörung - sie nehmen sich trotz ihres Untergewichts als zu dick wahr. “ (Bundesfachverband für Essstörungen o.J.)

Hierbei wird zwischen zwei Typen der Magersucht unterschieden:

Bei dem Restriktiver Typus der Magersucht leidet eine Person nicht unter regelmäßigen „Fressanfällen“ und weist kein „Purging“ - Verhalten auf. Das heißt eine Person zeigt keine Anzeichen auf selbst-induziertes Erbrechen oder den Missbrauch von Laxantien, Diuretika oder Klistieren. (Herpertz - Dahlmann 2008)

Der „Binge-Eating/Purging“-Typus hingegen zeichnet sich durch regelmäßige „Fressanfälle“ und „Purging“ - Verhalten während der aktuellen Phase der Magersucht aus, das heißt selbst­induziertes Erbrechen oder Missbrauch von Laxantien, Diuretika oder Klistieren werden gezeigt. (Herpertz - Dahlmann 2008)

Der Fachbegriff Anorexia Nervosa ist meist irreführend. Wörtlich übersetzt spricht man hier von einer „psychisch bedingten Appetitlosigkeit“ (Herpertz - Dahlmann, Schwarte 2009, S. 720). Dies ist in Bezug auf die Symptomatik der Betroffen jedoch nicht zwingend korrekt, da die meisten Magersüchtigen Appetit haben. Für sie ist der Drang nichts zu essen größer als der Hunger. Die Angst vor der folgenden Gewichtszunahme, ist in diesem Moment stärker. (Herpertz - Dahlmann 2008)

Aus diesem Grund werde ich den Begriff Anorexia Nervosa im Folgenden durch das deutsche Wort Magersucht ersetzen.

3. Magersucht und ihre Ursachen

Die Magersucht ist multifaktoriell bedingt. Das bedeutet, dass bei ihrer Entstehung verschiedene Faktoren eine Rolle spielen. Biologische Einflüsse verknüpfen sich mit den individuell - psychologischen Faktoren und den sozialen Komponenten. Sie stehen in einer Wechselwirkung zueinander. Die nachfolgende Abbildung zeigt zur Zusammenfassung der einzelnen Faktoren „Ein bio-psycho-soziales Bedingungsmodell der Essstörungen im Lebenslauf“ (Wunderer 2019).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung: Die bio-psycho-soziale Entstehung von Essstörungen

3.1 biologische Einflussfaktoren

Bei der Entstehung von Magersucht spielen Hormone und Neurotransmitter wie Serotonin, Dopamin (Jacobi et. al. 2004), Leptin (Föcker et. al. 2011) und Ghrelin (Méquinion et. al. 2013) zweifelsfrei eine Rolle. Auch Östrogen steht in Verbindung mit der Entstehung von Magersucht (Klump 2013).

Bei Magersuchtklientinnen ist unter anderem der Spiegel des Neurotransmitters Serotonin erhöht. Hervorgerufen wird diese Erhöhung durch einen Serotonin-Stau aufgrund von Mangelernährung. Dieser Botenstoff beeinflusst das Essverhalten und das Sättigungsgefühl. Er steigert dabei das Sättigungsgefühl und wirkt appetitzügelnd. Ein erhöhter Spiegel könnte es magersüchtigen Menschen also erleichtern, auf Essen zu verzichten. Weiterhin hebt Serotonin die Stimmung und löst Glücksgefühle aus. Die Betroffenen assoziieren daraufhin, dass ein Verzicht auf Essen glücklich macht. (Jacobi et. al. 2004)

Prof. Dr. Guido Frank, Psychiater und Neurowissenschaftler an der School of Medicine der University of Colorado, stellte einen Zusammenhang zwischen dem Neurotransmitter Dopamin und den Symptomen der Magersucht her. Durch den Verzehr von Zucker erhöhte sich die Gehirnaktivität der Betroffenen. Ein Belohnungskreislauf im Gehirn der Betroffenen wurde in Gang gesetzt. Dieser wurde mit dem Neurotransmitter Dopamin assoziiert. Dies verstärkt die Nahrungsvermeidung, da das Hungern „belohnt“ wird und die Nahrungszufuhr mit immer mehr Angst, dick zu werden, verknüpft wird. (Frank 2018)

Auch das Hormon Leptin überträgt ein Sättigungssignal, wodurch zentral die Nahrungsaufnahme beziehungsweise der Hunger herunterreguliert und der Energieverbrauch erhöht wird. Personen mit Magersucht verlieren extrem viel Körperfett, dadurch sinkt ihr Leptinspiegel, was als Hypoleptinämie bezeichnet wird. Dies ruft psychische Begleiterscheinungen hervor. Zum Beispiel depressive Zustände und Hyperaktivität. (Föcker et. al. 2011)

Das Hormon Ghrelin ist bei Magersuchtklient*innen unzureichend ausgeprägt. Die Betroffenen weisen eine verminderte Ghrelin-Bioaktivität auf. (Méquinion et. al. 2013)

Neuste Forschungen stellen jedoch auch den Zusammenhang zwischen den Genen und dem Ausbruch der Krankheit her. So zeigt sich eine familiäre Häufung in Bezug auf die Krankheit. Hauptschalter für die Essstörung soll das Chromosom Nummer 12 sein. Jedoch gehen Forscher wie davon aus, dass nicht die Essstörung an sich, sondern die Risikofaktoren, wie Körperbildstörungen oder Neurotransmitterstörungen vererbt werden. Wie genau die Gene das Krankheitsrisiko beeinflussen, ist jedoch unklar. (Herpertz - Dahlmann et. al. 2011a)

Der Einfluss der Gene, der Hormone und der Neurotransmitter bedeutet jedoch nicht, dass die psychische Krankheit zum Ausbruch kommen muss. Erst durch zunehmende seelische Belastungen manifestiert sie sich.

3.2 psychologische Einflussfaktoren

Zu den psychologischen Einflussfaktoren der Magersucht zählen unter anderem Selbstwertdefizite, ein hohes Kontrollbedürfnis sowie individuelle Persönlichkeitsmerkmale und dysfunktionale Kognitionen. (Wunderer 2015)

Magersuchtpatient*innen weisen oft ein gestörtes Selbstwertgefühl auf. Aufgrund dessen leiden sie unter einer Unzufriedenheit mit sich selbst und ihrem Körper. Durch das Hungern versuchen sie diese Defizite zu bewältigen. Jedoch ist hier nicht vollständig geklärt, ob es sich bei den auftretenden Defiziten um Risikofaktoren oder um Begleit- und Folgeerscheinungen handelt. Es könnte sich auch um beides handeln und einen Teufelskreis hervorrufen. (Jacobi et. al. 2004)

Als weiteres Hauptmerkmal sehen Forscher das hohe Kontrollbedürfnis. Die Kontrolle darüber das eigene Gewicht zu beherrschen, wird hierbei oft mit dem Gefühl gleichgesetzt, das eigene Leben wieder unter Kontrolle zu haben, denn das eigene Körpergewicht können wir im Großen und Ganzen selbst bestimmen. Des Weiteren hat diese Gewichtsabnahme einen starken Einfluss auf die Umwelt der Betroffenen. Das gesellschaftliche Umfeld der westlichen Kultur sieht zudem den schlanken Körper als schön. Dies verstärkt den Drang zum Abnehmen und steigert dadurch das Selbstwertgefühl. Der Hunger und die daraus folgende verminderte Konzentrationsfähigkeit steigern nach einiger Zeit die Angst vor Kontrollverlust und fördern so den Zwang zur weiteren Kontrolle des Gewichtes. (Wunderer 2015)

Hinzu kommen die individuellen Persönlichkeitsmerkmale. Jeder geht mit Stress und Angstzuständen anders um. Häufig tritt ein Neurotizismus bei den Betroffenen auf. Dies bedeutet, dass sie schneller aus dem emotionalen Gleichgewicht geraten und häufiger negative Gefühle, wie Angst oder Unsicherheit erleben. (Jacobi et. al 2004)

Die Fixierung auf Essen und Gewicht mindert die Angst vor Kontrollverlust und hindert an der Auseinandersetzung mit anderen und tiefer liegenden Problemen. Diese kognitive Dysfunktion ist ein hervorstechendes Merkmal der Magersucht. (Wunderer 2019)

3.3 soziale Einflussfaktoren

Familiäre Faktoren nehmen zweifelsfrei Einfluss auf den Verlauf der Essstörung (Zeeck et. al. 2011).

Doch häufig stellen die modernen Medien einen größeren sozialen Einflussfaktor dar. (Levine 2009). Das Streben danach, perfekt zu sein oder so auszusehen wie die Models im Fernsehen und auf social-media Plattformen ist in vielen Köpfen verankert. Durch diese Einflüsse steigt die Tendenz für eine Essstörung. Dazu kommt die Meinung von Freunden zu unserem Körper. Auch der Vergleich mit Gleichaltrigen, negative Kommentare hinsichtlich Figur und Körpergewicht bis hin zum Mobbing beeinträchtigen häufig das Selbstwertgefühl. Diese Faktoren können das Risiko für eine Essstörung erhöhen. (Wunderer 2015)

Einige neuere Internetforen bestärken zudem das gestörte Essverhalten. Hierzu zählt zum Beispiel „ProAna“. Diese Seiten bieten Tipps zum Abnehmen, Erbrechen, Verheimlichen der Symptome und vieles mehr. Die User erhalten Briefe von „Ana“. Zudem werden die zehn Gebote von Ana genannt, welche von den Leser*innen eingehalten werden müssen. Diese lauten zum Beispiel: „Du sollst nicht essen, ohne dich schuldig zu fühlen“ oder „dünn sein, ist wichtiger als gesund sein“. Diese Seite bietet den Betroffenen Zugehörigkeit und Rückhalt. Man kann seine Sichtweisen und Probleme mit anderen teilen. Häufig wird die Krankheit hier nicht als Problem oder Krankheit aufgefasst. Durch die Personifikation der Magersucht als Ana wird sie freundlich und harmlos dargestellt. Sie gilt für die Betroffenen als unterstützende Freundin und hilft ihnen mit ihren Problemen klarzukommen. (Wunderer 2007)

4. Symptomatik und Folgen

Einige Symptome der Magersucht sind leicht zu erkennen. Typische körperliche Symptome sind beispielsweise ein häufiges auftreten kalter Hände und Füße infolge von mangelnder Durchblutung, Verstopfung, Haarausfall und trockene und schuppige Haut. Auch der fortlaufende Gewichtsverlust aufgrund der verweigerten Nahrungszufuhr ist ein hervorstechendes Symptom für Magersucht. (Klotter 2017)

Menschen mit Magersucht leiden aufgrund der Unterernährung an sehr vielen Mangelerscheinungen. Bei den Betroffenen folgen oft Aufmerksamkeits- und Konzentrationseinbußen wegen schrumpfender Hirnmasse und sie sind nur noch eingeschränkt leistungsfähig. Ebenso leiden Magersuchtklient*innen unter ständiger Müdigkeit und Muskelschwäche. Viele negative körperliche Veränderungen entstehen durch die Magersucht.

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Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Maßnahmen der Sozialen Arbeit bei Magersucht
Untertitel
Inwieweit dient die Soziale Arbeit als Säule bei der Unterstützung gegen Magersucht?
Hochschule
Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin
Veranstaltung
Fachwissenschaftliche Werkstatt
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
15
Katalognummer
V1024705
ISBN (eBook)
9783346410672
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Magersucht, Soziale Arbeit, Suchthilfe
Arbeit zitieren
Vanessa Fritsch (Autor), 2020, Maßnahmen der Sozialen Arbeit bei Magersucht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1024705

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