Finanzierung von FinTechs durch Private Equity Gesellschaften

Analyse aus Risk Governance Perspektive


Bachelorarbeit, 2021

55 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Konzeption der Risk-Governance-Perspektive
2.1 Risk-Governance-Philosophie
2.2 Grundlagen der Stakeholder-Theorie
2.3 Definition der Elemente eines Geschäftsmodells

3. Stakeholderorientierte Analyse des Geschäftsmodells
3.1 Private Equity Gesellschaften
3.2 Finanztechnologische Startup-Unternehmen

4. Analyse einer Finanzierung durch Beteiligungskapital aus Risk-Governance-Perspektive
4.1 Wachstumschancen für FinTech Startups durch Beteiligungskapital
4.2 Risikogesichtspunkte einer Beteiligungskapitalfinanzierung
4.3 Handlungsimplikationen zur Risikominderung

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

BMC Business Model Canvas

SRI Stanford Research Institute

VC Venture Capital

Vgl. vergleiche

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Grundkonzeption der Risk Governance.

Abbildung 2: Stakeholder Sichtweise eines Unternehmens.

Abbildung 3: Stakeholder Typologie.

Abbildung 4: Generische Elemente eines Geschäftsmodells.

Abbildung 5: Business Model Canvas.

Abbildung 6: Terminologie von Beteiligungskapital.

1. Einleitung

Der Begriff „FinTech“ ist ein aus den Wortstämmen „Financial Services“ und „Technology“ gebildetes Akronym und dient zur Bezeichnung von technologiebasierten Finanzdienstleistungs-unternehmen. Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung der Finanzbranche, implementiert sich die FinTech-Branche als ein dynamisch wachsender Markt. Diese ist maßgeblich durch innovative Geschäftsmodelle und den Wettbewerb zu traditionellen Finanzdienstleistern gekennzeichnet.1 Aufgrund des innovativen und dynamischen Charakters, werden FinTechs häufig mit jungen Startup-Unternehmen assoziiert.2

Eine Vielzahl von heutzutage erfolgreichen Größen des Technologiesektors, wie beispielsweise Microsoft und Intel, wurden in der Startup-Phase durch Private Equity Gesellschaften finanziert.3 Seit der sogenannten „Heuschreckendebatte“ sind Private Equity Gesellschaften in Verruf geraten. Diese wurde durch Presseaussagen des damaligen SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering ausgelöst. Dieser betitelte Private Equity Gesellschaften als anonyme und gesichtslose Finanzinvestoren, welche keinen Wert auf Mitarbeiter und deren Arbeitsplätze legen, sondern wie ein Heuschreckenschwarm über Unternehmen herfallen.4 Trotz dessen ist die Anzahl der durch Beteiligungskapital finanzierten Unternehmen in Deutschland im Betrachtungszeitraum von 2012 bis 2019 von 574 auf 1740 Unternehmen gestiegen. Mit einem Zuwachs in Höhe von über 300% hat die Anzahl der Private Equity beziehenden Start-up-Unternehmen das größte Wachstum erfahren.5

Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht die Frage, inwiefern sich Finanzierungen durch Private Equity Gesellschaften auf das Geschäftsmodell, sowie die Stakeholder eines FinTech-Startups auswirken. Im Umfang dessen werden Wachstumschancen für das Startup-Unternehmen, sowie die mit Private Equity Gesellschaften assoziierten Risikogesichtspunkte evaluiert. Basierend auf den erarbeiteten Erkenntnissen werden anschließend Handlungsimplikationen aus Sicht des Startups abgeleitet.

Im Rahmen der Literaturrecherche wird nach Methodik der konzentrischen Kreise, sowie der Systematischen Methode gearbeitet. Dabei werden die jeweiligen Ausgangsquellen gemäß der Systematischen Methode, ausgehend von der aktuellen chronologisch in Richtung älterer Quellen durchgearbeitet, um themenrelevante Zeitschriftenaufsätze zu erschließen. Basierend darauf wird nach Methodik der konzentrischen Kreise das Literaturverzeichnis der Ausgangsquellen nach weiteren themenrelevanten Aufsätzen durchsucht. Zur Sicherstellung einer hohen Quellenqualität, werden überwiegend Zeitschriftenaufsätze aus renommierten Journals, gemäß dem VHB-Jourqual-Ranking verwendet.6

Der Inhalt dieser Arbeit ist in insgesamt drei gleichgewichtete Hauptkapitel gegliedert. Kapitel 2 ist der Thematik der Risk-Governance-Perspektive gewidmet, welche ausschlaggebend für die Sichtweise dieser wissenschaftlichen Arbeit ist. Dabei wird diese in Einzelteilen betrachtet und literarisch fundiert wiedergegeben. Basierend auf der literarischen Grundlage des zweiten Kapitels, werden in Kapitel 3 relevante Stakeholder, sowie die Elemente des Geschäftsmodells untersucht. Im Fokus des vierten Kapitels stehen die Auswirkungen der Eigenkapitalfinanzierung durch Private Equity Gesellschaften auf Startup-Unternehmen aus Risk-Governance-Perspektive. Ein kurzer Ausblick auf die im Umfang dieser wissenschaftlichen Arbeit generierten Kernerkenntnisse und die einhergehende Beantwortung der Forschungsfrage beschließt die Arbeit. Zudem wird abschließend eine Auskunft über aufgetretene Limitationen und mögliche zukünftige Forschungsfelder gegeben.

2. Konzeption der Risk-Governance-Perspektive

2.1 Risk-Governance-Philosophie

Das grundlegende Problem und die daraus resultierende Notwendigkeit der Risk Governance besteht zunächst in der Auslegung des operationellen Risikomanagements auf vordefinierte Risiken. Die Verantwortlichkeit des Risikomanagements ist durch die frühzeitige Identifikation und die anschließende Bewältigung von Risiken mithilfe von routinierten Verfahren gekennzeichnet. Folglich werden als relevant eingeschätzte Risikoinformationen an die Unternehmensführung weitergeleitet, sodass diese, strategische Maßnahmen zur Risikoprävention des Geschäftsmodells ableiten kann. Aufgrund des in Zeiten der Digitalisierung komplexen und eigendynamischen Charakters von Risiken besteht die Gefahr einer Falscheinschätzung, bzw. des Herausfilterns relevanter Informationen. Folglich bleibt die Unternehmensführung uninformiert und ist aufgrund der Unwissenheit, nicht in der Lage Maßnahmen zur Risikoprävention des Geschäftsmodells abzuleiten.7

Corporate Governance ist als ein Regelwerk zu verstehen und stellt ein weiteres Instrument zur Risikokontrolle eines Unternehmens dar. Das Ziel der Corporate Governance besteht in der Prävention eines Interessenkonflikts zwischen der Geschäftsführung eines Unternehmens und dessen Stakeholder.8 Im Zuge dessen wird im Rahmen der Corporate Governance der Fokus auf die Risikoprävention, hinsichtlich mangelnder Unternehmens-führungsqualität, Regelkonformität und Intransparenz gelegt.9 Im Rahmen der Risk Governance wird die Funktion der Corporate Governance dafür kritisiert, dass diese lediglich als Formalität zur Einhaltung von Vorschriften und Transparenz fungiert, anstatt als Risikokontrollfunktion.10

Sowohl das operationelle Risikomanagement als auch die Corporate Governance sind hinsichtlich der Risikosteuerung des Unternehmens insoweit spezialisiert, dass diese ausschließlich innerhalb eines Standardprozederes agieren. Folglich isolierten sich die Unternehmensfunktionen voneinander, sodass die Gefahr besteht, dass existenzgefährdende Unternehmensrisiken unerkannt bleiben.11 Risk Governance bildet eine Instanz, welche das operationelle Risikomanagement kommunikativ mit der Corporate Governance verbindet, um die langfristige Wertschöpfung eines Unternehmens sicherzustellen.12

Stein und Wiedemann (2016) argumentieren, dass es primär im industriellen und unternehmerischen Kontext an einem einheitlichen Konsens der Risk Governance mangelt. Sie kritisieren insbesondere Renn (2008) und Fink (2013) für ihre Auffassung der Risk Governance, da sich diese laut den Autorenaussagen inhaltlich auf das Themengebiet des Risikomanagements beschränkt.13

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 : Grundkonzeption der Risk Governance. 14

Die Grundkonzeption der Risk Governance ist wie aus Abbildung 1 ersichtlich ist, in die drei Ebenen, der Risk Governance Philosophie, -Aufgaben und -Wirkungen gegliedert.

Die Ebene der Risk Governance Philosophie bildet die im Rahmen dieser Arbeit ausschlaggebende Auffassung der Risk Governance Perspektive. Risk Governance Philosophie plädiert auf die Durchdringung des Unternehmens mit stakeholderorientierter Risikosteuerung aus strategischer Sicht.15 Das Ziel der Risk Governance kann demnach als kontinuierliche Überprüfung auf Risiken, welche die Risikotragfähigkeit eines Unternehmens übersteigen und somit das Geschäftsmodell des Unternehmens bedrohen, definiert werden.16

Basierend auf den Charakteristiken der Risk Governance Philosophie können vier spezielle Aufgaben abgeleitet werden. Das Ziel dieser Aufgaben besteht in der Unterstützung des Risikomanagements und der Corporate Governance, durch eine Überwachungs- und Beratungsfunktion.17 Zudem wird die strategische Entscheidungsfindung des Managements, hinsichtlich der Neuausrichtung des Geschäftsmodells auf das vorherrschende Risikoumfeld des Unternehmens unterstützt.18 Daraus resultiert eine kompetente Unternehmensführung hinsichtlich risikobezogener Entscheidungen, sodass die Unternehmenseffektivität nachhaltig gesteigert werden kann, um die wirtschaftliche Existenzsicherung des Unternehmens zu fördern.19

2.2 Grundlagen der Stakeholder-Theorie

Der Begriff des Stakeholders wird im engen Zusammenhang mit Shareholder, also Anteilseigner verwendet und kann mit Interessengruppe übersetzt werden. Im Gegensatz zu Anteilseignern existiert kein einheitliches Verständnis des Stakeholders, da dieses je nach Auslegung und Definition des Interessenanspruchs variiert.20

Freeman hat sich 1984 mit der Veröffentlichung seines Werkes „Strategic Management: A Stakeholder Approach“, zum Vorreiter auf dem Gebiet der Stakeholder-Theorie im unternehmerischen Kontext etabliert.21 Die Notwendigkeit eines einheitlichen Konzepts der Stakeholder-Theorie begründet der Autor mit der mangelnden Einbindung von externen Einflussfaktoren im Umfang der strategischen Unternehmensplanung.22 Die Grundannahme der Stakeholder-Theorie besagt, dass die Sinnhaftigkeit eines Unternehmen in der Wertschaffung für dessen Stakeholder besteht. Dabei ist die Erreichung maßgeblich von der Kooperation der Stakeholder abhängig.23 Aus Sichtweise der Stakeholder-Theorie wird das Unternehmen als organisatorische Einheit betrachtet, welche die individuelle Zielerreichung von diversen Stakeholdern ermöglicht. Im Zuge dessen besteht das Risiko von Interessenkonflikten zwischen Stakeholdern, da deren individuelle Ziele nicht zwangsläufig kongruieren.24

Gemäß Freeman werden als Stakeholder jegliche Gruppen und Einzelpersonen bezeichnet, die das Erreichen der Unternehmensziele beeinflussen können oder davon betroffen sind.25 Die zuvor gängige und historisch erste Verwendung des Stakeholder Begriffs stammt von Mitarbeitern des Stanford Research Institutes (SRI) aus dem Jahre 1963 und definiert Stakeholder als jene Gruppen, von denen das Unternehmen für dessen weitere Existenzsicherung abhängig ist.26 Freemans Stakeholder Definition kann als Ergänzung zu der des SRIs betrachtet werden, da seine Auffassung die Abhängigkeit des Unternehmens von dessen Stakeholdern um eine gegenseitige Abhängigkeit, also eine wechselseitige Beziehung erweitert.27

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 : Stakeholder Sichtweise eines Unternehmens. 28

Das in Abbildung 2 dargestellte Konzept zur Stakeholder-Theorie, visualisiert die soeben thematisierte wechselseitige Beziehung, zwischen dem zentral positionierten Unternehmen und dessen Stakeholdern. Das Konzept bildet jedoch nur eine vereinfachte Darstellung der Stakeholder-Gruppen ab, da sich diese untereinander hinsichtlich der Interessen und Eigenschaften unterscheiden und somit in weitere Unterkategorien aufgeteilt werden können. Da sämtliche Stakeholder einen maßgeblichen Einfluss auf den Unternehmenserfolg ausüben können, sind Stakeholder im Kollektiv von hoher Relevanz für das Unternehmen.29 Zudem sind sämtliche Stakeholder in derselben Größe und Distanz zum Unternehmen dargestellt, wodurch die Gleichrangigkeit sämtlicher Stakeholder, hinsichtlich ihres Interessenanspruchs, verdeutlicht wird.30

Weiterhin beeinflussen Faktoren wie die Unternehmensgröße, der Wirtschaftszweig des Unternehmens, der Unternehmensstandort sowie das geographische Operationsgebiet des Unternehmens die jeweilige Legitimität der Stakeholder des Unternehmens.31

Die Stakeholder-Theorie wird in der Literatur aus der Sichtweise von drei Aspekten justifiziert. Der deskriptive Aspekt bildet die äußere Hülle der Theorie und zielt auf die Beschreibung der Unternehmensumwelt, den darin enthaltenen Stakeholder, sowie deren interdependente Beziehung ab.32 Auf der zweiten Ebene wird der deskriptive Ansatz durch den Zusammenhang zwischen Stakeholder-Strategie und der Unternehmensleistung ausgedrückt und durch einen instrumentellen Wert unterstützt.33 Der zentrale normative Kern der Theorie setzt voraus, dass Manager eines Unternehmens nach bestimmten moralischen Werten, sowie ethischen Richtlinien handeln.34

Das Stakeholder-Konzept nach Freeman wird in der Literatur aufgrund der unkonkreten Definition eines Stakeholders kritisiert, da gemäß Freeman praktisch jegliche Gruppen unter den Begriff des Stakeholders eines Unternehmens fallen.35 Zudem besteht im Rahmen des Stakeholder-Konzepts nach Freeman ein Mangel, hinsichtlich Kriterien zur Priorisierung und Kategorisierung von relevanten Stakeholdern.36 Konkreter formulierte Stakeholder Definitionen heben sich aufgrund der Inkludierung des Aspekts der begrenzten Ressourcen eines Managers bzw. eines Unternehmens, in der Realitätsnähe, der Definition ab.37

Clarkson (1995) definiert Stakeholder, aufbauend auf Freemans Konzept als Personen oder Gruppen, die Eigentum, Rechte oder Interessen in Form von Transaktionen oder Handlungen an einem Unternehmen und dessen Aktivitäten […] haben oder beanspruchen. Weiterhin werden Stakeholder in primäre und sekundäre Gruppen unterteilt. Die Gruppe der primären Stakeholder ist durch ein hohes Maß an Interdependenz mit dem Unternehmen gekennzeichnet und umfasst unter anderem Anteilseigner, Investoren, Kunden und Lieferanten, sowie öffentliche Stakeholder wie Regierungen und Gemeinden. Die kontinuierliche Beteiligung der primären Stakeholder an den unternehmerischen Tätigkeiten des Unternehmens ist ausschlaggebend für dessen wirtschaftliche Existenzsicherung. Die Gruppe der sekundären Stakeholder kennzeichnet sich dadurch, dass diese durch das Unternehmen beeinflusst werden, bzw. das Unternehmen beeinflussen, diese jedoch nicht maßgeblich für die wirtschaftliche Existenzsicherung relevant sind.38 Die Identifikation der Stakeholder ist ein dynamischer Prozess, der lediglich die aktuelle Situation des Unternehmensumfelds darstellt. Dieser muss kontinuierlich durchgeführt werden, da das Verhalten und die Eigenschaften bestimmter Stakeholder im Betrachtungszeitraum umschlagen kann, sodass diese eventuell differiert eingeschätzt und kategorisiert werden.39

Des Weiteren werden Stakeholder anhand von drei Attributen der Legitimität, Macht und Dringlichkeit identifiziert und priorisiert. Unkonkrete Stakeholder Definitionen tendieren dazu ihre Auflassung des Stakeholders auf den Aspekt der Macht des Stakeholders über das Unternehmen oder vice versa zu stützen.40 Macht bedeutet in dem Zusammenhang die Eigenschaft eines Stakeholders seine Interessensansprüche gegenüber dem Unternehmen geltend machen zu können, bzw. der Abhängigkeitsgrad des Unternehmens von einem bestimmten Stakeholder.41 Im Gegensatz dazu werden konkrete Stakeholder Definitionen, wie beispielsweise Clarksons (1995) Unterteilung von Stakeholdern in primäre und sekundäre Klassen, auf den Aspekt der Legitimation des Stakeholders basierend auf Transaktionen, also einer geschäftlichen Beziehung zum Unternehmen, gestützt.42 Das Attribut der Dringlichkeit beschreibt die situationelle Relevanz bestimmter Stakeholder und impliziert im Zuge dessen welchen Stakeholdern ein Vorrang hinsichtlich des Ressourcenaufwands eines Unternehmens, eingeräumt wird. Dringlichkeit stellt kein primäres Merkmal einer Stakeholder-Theorie dar, ist jedoch implizit Bestandteil sämtlicher Stakeholder-Theorien, die inhaltlich den Vorrang bestimmter Stakeholder thematisieren.43 Im Umfang eines Hypothesentests konnte statistisch nachgewiesen werden, dass ein ausschlaggebender Zusammenhang zwischen der Stakeholder Salienz und den Attributen der Legitimität, Macht und Dringlichkeit, vorliegt.44 Im Hinblick darauf, ist kritisch anzumerken, dass Merkmale wie die Nähe des Stakeholders zum Projekt, dessen Grad der Informiertheit, sowie die Empfänglichkeit für Informationen nicht in den drei Attributen miteinbegriffen sind.45

Nach der Identifikation und Priorisierung der Stakeholder folgt im Zuge des Stakeholder-Managements die Klassifizierung der verschiedenen Stakeholder Typen, mit dem Ziel basierend auf den individuellen Eigenschaften des Stakeholders, unternehmerische Handlungsimplikationen abzuleiten.46 Unternehmen müssen ihre Strategien zum Management sämtlicher Stakeholdergruppen verstehen und diese an Veränderungen anpassen. Zudem muss die Bereitschaft des Ressourcenaufwands der Stakeholder, Unternehmen zu hindern bzw. zu unterstützen, evaluiert werden.47 Stakeholder können anhand ihres Kooperationspotenzial mit dem Unternehmen, sowie ihres Bedrohungspotenzials für dieses, wie in Abbildung 4 verdeutlicht wird, in vier Stakeholder Typen klassifiziert werden. Anhand der relativen Macht des Stakeholders, der Historie zwischen Stakeholder und dem Unternehmen, sowie dem äußeren Einfluss anderer Stakeholder, können sowohl Bedrohungspotenzial als auch Kooperationspotenzial beurteilt werden.48 Das Bedrohungspotenzial kann durch das Attribut der relativen Macht des Stakeholders definiert werden und umfasst sämtliche Risiken, die ausgehend von Seiten des Stakeholders, das Unternehmen betreffen können.49

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 : Stakeholder Typologie. 50

Durch die Kategorisierung der Stakeholder können bestimmte Handlungsimplikationen für das Stakeholder-Management abgeleitet werden. Das Unternehmen sollte im Umfang der Ressourcenallokation maßgeblich Stakeholder mit hohem Kooperationspotenzial bedienen, da deren Beteiligung ausschlaggebend für den Unternehmenserfolg ist.51 Dementsprechend ist der Aufwand an Ressourcen für Stakeholder mit hohem Bedrohungspotential zu minimieren und eine defensive Strategie zur Risikoprävention aufzuerlegen.52

Stakeholder können ebenfalls, basierend auf den bereits thematisierten Attributen der Legitimität, Macht und Dringlichkeit, in sieben unterschiedliche Arten kategorisiert werden. Die Relevanz des Stakeholders ist demnach abhängig von dessen Eigenschaften, also von der Anzahl der aufweisenden Attribute. Demzufolge sind Stakeholder, die alle drei Attribute aufweisen, von höchster Bedeutsamkeit.53

Im weiteren Verlauf dieser Arbeit werden Stakeholder gemäß Freeman (2010) als sämtliche Interessengruppen, die das Unternehmen beeinflussen oder davon beeinflusst werden können definiert.54 Weiterhin findet eine Kategorisierung in primäre und sekundäre Stakeholder des Unternehmens anhand ihrer Bedeutsamkeit hinsichtlich der wirtschaftlichen Existenzsicherung des Unternehmens statt.55 Aufbauend darauf werden Stakeholder anhand ihres Kooperations- und Bedrohungspotenzial, einem vordefinierten Stakeholder Typ zugeordnet.

2.3 Definition der Elemente eines Geschäftsmodells

Das Konzept des Geschäftsmodells hat Mitte der 1990er, Anfang der 2000er Jahre, mit dem Beginn des öffentlich zugänglichen Internets zunehmend an Relevanz gewonnen.56 Im Zuge des technischen Fortschritts entstanden maßgebliche Veränderungen in der Art und Weise der unternehmerischen Geschäftsabwicklung, sowie in der Kommunikation von Unternehmen mit dessen Stakeholdern.57 Basierend auf der Notwendigkeit diese innovative Art und Weise der Geschäftsabwicklung und Kommunikation nachzuvollziehen, entstand das Konzept des Geschäftsmodells.58

Trotz der Thematisierung des Geschäftsmodells in zahlreichen literarischen Veröffentlichungen mangelt es an einem gemeinsamen Konsens.59 Dies ist darauf zurückzuführen, dass der Ausdruck des Geschäftsmodells als Überbegriff für unterschiedliche Aspekte verwendet wird. Beispielsweise werden Bestandteile, Arten und reale Instanzen von Geschäftsmodellen nicht transparent voneinander getrennt, sodass ein unklares Verständnis des Begriffs entsteht.60

Timmers (1998), einer der ersten Autoren der sich einer expliziten Geschäftsmodell-Definitionen gewidmet hat, beschreibt das Geschäftsmodell als eine Architektur für das Produkt, die Dienstleistung und den Informationsfluss, einschließlich einer Beschreibung der verschiedenen Geschäftsakteure, sowie ihrer Positionen bzw. Funktionen. Zudem umfasst seine Geschäftsmodell-Definition eine Beschreibung der Einnahmequellen des Unternehmens und des potenziellen Nutzens für involvierte Geschäftsakteure.61 Definitionen des Geschäftsmodells unter dem Aspekt der Architektur, finden sich in weiteren Definitionen wieder. Dubosson-Torbay et al. (2002) stützen ihre Auffassung des Geschäftsmodells ebenfalls auf den architektonischen Charakter eines Unternehmens, sowie seines Partnernetzwerks und beschreiben den Nutzen durch die Bereitstellung eines Wertangebots, sowie Beziehungskapital für bestimmte Kundensegmente, mit dem Ziel einen profitablen Umsatzstrom zu generieren.62 Magretta (2002) definiert das Geschäftsmodell als Geschichte, welche die Logik eines Unternehmens erklärt, indem es unter anderem die Zielgruppe, das Wertangebot, sowie die Einnahmequelle des Unternehmens erläutert.63

Basierend auf den aufgeführten Definitionen kann eine Konvergenz von Elementen festgestellt werden, welche im Kollektiv die Konzeption des Geschäftsmodells darstellen. Die Hauptkomponenten bzw. -elemente des Geschäftsmodells bestehen dementsprechend in der Schaffung eines Wertangebots für bestimmte Kundensegmente, finanziellen Aspekten wie Einnahmen- und Kostenquellen, sowie dem Partnernetzwerk aus relevanten Stakeholdern.64 Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4 : Generische Elemente eines Geschäftsmodells. 65

[...]


1 Vgl. Dorfleitner et al. (2020), S.33, BaFin (2016b).

2 Vgl. DBB (o. J.).

3 Vgl. Bettignies / Brander (2007), S. 810.

4 Vgl. Ahlemeier / Bockenheimer (2010), Schneider-Sickert (2018).

5 Vgl. BVK (2019), S. 19.

6 Vgl. Sandberg (2017), S. 71 f.

7 Vgl. Stein (2019), S. 37 f.

8 Vgl. Stein / Wiedemann (2018), S. 99

9 Vgl. Stein (2019), S. 38

10 Vgl. Stein et al. (2019), S. 1229.

11 Vgl. Stein / Wiedemann (2018), S. 99.

12 Vgl. Stein / Wiedemann (2016), S. 813, Stein / Wiedemann (2018), S. 100 f.

13 Vgl. Stein / Wiedemann (2016), S. 815 f.

14 In Anlehnung an Stein / Wiedemann (2018), S. 101.

15 Vgl. Stein / Wiedemann (2017), S. 67.

16 Vgl. Stein (2019), S. 39.

17 Vgl. Stein / Wiedemann (2018), S. 102 f.

18 Vgl. Stein et al. (2019), S. 1229.

19 Vgl. Stein / Wiedemann (2018), S. 103.

20 Vgl. Krips (2017), S. 1 f.

21 Vgl. Mitchell et al. (1997), S.853, Donaldson / Preston (1995), S. 65

22 Vgl. Freeman (2010, ursprünglich früher), S. 22 f.

23 Vgl. Freeman / Velamuri (2006) zitiert in Minoja (2012), S. 67.

24 Vgl. Donaldson / Preston (1995), S. 70

25 Vgl. Freeman (2010, ursprünglich früher), S. 25.

26 Vgl. Mitchell et al. (1997), S. 856.

27 Vgl. Preble (2005), S. 409.

28 In Anlehnung an Freeman (2010, ursprünglich früher), S. 25.

29 Vgl. Freeman (2010, ursprünglich früher), S. 25 f.

30 Vgl. Donaldson / Preston (1995), S. 68.

31 Vgl. Preble (2005), S. 416.

32 Vgl. Donaldson / Preston (1995), S. 74.

33 Vgl. Donaldson / Preston (1995), S. 77.

34 Vgl. Donaldson / Preston (1995), S. 74.

35 Vgl. Agle et al. (1999), S. 508.

36 Vgl. Mitchell et al. (1997), S. 862.

37 Vgl. Mitchell et al. (1997), S. 857, Preble (2005), S. 411.

38 Vgl. Clarkson (1995), S. 106 f.

39 Vgl. Krips (2017), S. 3.

40 Vgl. Mitchell et al. (1997), S. 862.

41 Vgl. Krips (2017), S. 17, Savage et al. (1991), S. 63.

42 Vgl. Mitchell et al. (1997), S. 862 f.

43 Vgl. Mitchell et al. (1997), S. 864.

44 Vgl. Agle et al. (1999), S. 518 f.

45 Vgl. Krips (2017), S. 16 f.

46 Vgl. Preble (2005), S. 423.

47 Vgl. Freeman (2010, ursprünglich früher), S. 26

48 Vgl. Savage et al. (1991), S. 72.

49 Vgl. Savage et al. (1991), S. 63.

50 In Anlehnung an Savage et al. (1991), S. 65.

51 Vgl. Savage et al. (1991), S. 72.

52 Vgl. Savage et al. (1991), S. 66 f.

53 Vgl. Mitchell et al. (1997), S. 873 f.

54 Vgl. Freeman (2010, ursprünglich früher), S. 25.

55 Vgl. Clarkson (1995), S. 106.

56 Vgl. Zott et al. (2011), S. 1022, Lambert (2008), S. 277, Magretta (2002), S. 5.

57 Vgl. Amit / Zott (2001), S. 493 f.

58 Vgl. Lambert (2008), S. 278

59 Vgl. Alt / Zimmermann (2001), S. 1.

60 Vgl. Osterwalder et al. (2005), S. 5.

61 Vgl. Timmers (1998), S. 4, Osterwalder (2004) S. 25.

62 Vgl. Dubosson-Torbay et al. (2002), S. 7.

63 Vgl. Magretta (2002), S. 4.

64 Vgl. Zott et al. (2011), S. 1028.

65 In Anlehnung an Alt / Zimmermann (2001), S. 8.

Ende der Leseprobe aus 55 Seiten

Details

Titel
Finanzierung von FinTechs durch Private Equity Gesellschaften
Untertitel
Analyse aus Risk Governance Perspektive
Hochschule
Universität Siegen
Note
2,0
Jahr
2021
Seiten
55
Katalognummer
V1024712
ISBN (eBook)
9783346410641
ISBN (Buch)
9783346410658
Sprache
Deutsch
Schlagworte
finanzierung, fintechs, private, equity, gesellschaften, analyse, risk, governance, perspektive, Stakeholder, Shareholder, Geschäftsmodell, Business model, Startup, Risikomanagement, Corporate Governance, risiko, venture capital, finance, finanzen, Finanzmanagement, Betriebswirtschaftslehre, BWL, Kapitalmarkt, Startfinanzierung, Beteiligung, Beteiligungskapital, Management, IPO, Börsengang, Exit
Arbeit zitieren
Anonym, 2021, Finanzierung von FinTechs durch Private Equity Gesellschaften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1024712

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