Diskussion pädagogischer Grundbegriffe. Ein Überblick


Einsendeaufgabe, 2018

20 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Gliederung

1 Reflexionsaufgabe 1
1.1 Gliederung der Erziehungswissenschaft
1.2 Grundverständnisse von Erziehung
1.3 Historische Aspekte
1.4 Erziehung heute
1.5 Der Terminus Bildung in Abgrenzung zum Erziehungsbegriff
1.6 Klafkis Bildungsbegriff
1.7 Historische Aspekte
1.8 Bildung heute
1.9 Fazit

2 Reflexionsaufgabe 2
2.1 Das Recht auf Bildung
2.2 Beschreibung und Erläuterung der Fragestellung
2.3 Methodisches Vorgehen
2.4 Reflexion des Forschungsdesigns
2.5 Fazit

3 Reflexionsaufgabe 3
3.1 Die Problematik der Chancengleichheit
3.2 Inhalt und Problemfeld des Artikels
3.3 Geschichtlicher Hintergrund des Problemfelds
3.4 Subdisziplin und Grundrichtung des Artikels
3.5 Bedeutung des Problems für die heutige Pädagogik
3.6 Fazit

4 Literaturverzeichnis

1 Reflexionsaufgabe 1

1.1 Gliederung der Erziehungswissenschaft

Die Erziehungswissenschaft ist ein unüberschaubares Gebiet, welches von Günther Bittner auch als „buntscheckiges Gemisch von Moden, persönlichen Steckenpferden [und] humanitären Idealen" (Bittner, 1989, S.215 zit. in Gudjons, 2012, S.19) bezeichnet wird. Damit soll deutlich werden, dass es keine einheitliche Gliederung des Gebiets gibt und es je nach Standort anders strukturiert wird (Gudjons, 2012, S.19-20).

Doch trotz dieser Uneinigkeit ist es unumstritten, dass Erziehung und Bildung die zentralen Grundbegriffe dieser wissenschaftlichen Disziplin darstellen. Sie sind der Kernbereich der Erziehungswissenschaft, weshalb besonders die Abgrenzung dieser Begriffe zueinander wichtig ist, wenn man sich mit der Erziehungswissenschaft auseinandersetzen will.

Im Folgendem sollen nun diese sprachlichen Ausdrücke diskutiert, sowie deren historische Entwicklung dargestellt werden.

1.2 Grundverständnisse von Erziehung

Ebenso wie es für die Erziehungswissenschaft keine einheitliche Definition gibt, scheitern auch bei dem Terminus Erziehung Pädagogen und Wissenschaftler, eine von der Masse gleichermaßen akzeptierte Begriffsbestimmung zu finden. Dafür gibt es viele Gründe, wovon hier lediglich zwei genannt werden. Einerseits ist er extrem vielfältig, andererseits haftet ihm so manches Mal der „Geruch von Fremdbestimmung, [oder] des illegitimen Eingreifens in das Werden eines/r Heranwachsenden" (Gudjons, 2012, S.181) an. Unumstritten jedoch ist, dass unablässig erzogen wird. Erziehung kann aber sehr unterschiedlich verstanden werden. Kron unterscheidet beispielsweise sechs Auffassungen: Ziehen, Führen, Regieren, Wachsenlassen, Anpassen und Helfen. Scheuerl dagegen differenziert lediglich fünf Betrachtungsweisen (Wachsenlassen, Prägung, Geburtshilfe, Führen, Erweckung und Erleuchtung) (Gudjons, 2012, S.192). Diese und andere Ansichten können letzten Endes dennoch auf zwei Grundverständnisse zusammengefasst werden. Zum einen Erziehung als herstellendes Machen, wobei der Erzieher mit einem Handwerker verglichen wird, der den Erziehenden nach seinen Vorstellungen formt, andererseits als begleitetes Wachsenlassen. Hier wird der Erzieher als Helfer gesehen, der dem Kind bei seiner eigenständigen Entwicklung unterstützend zur Seite steht. Dabei ist es wichtig, diese beiden Erkenntnisse nicht als unvereinbare Gegensätze zu sehen. Für eine gelungene Erziehung sind beide Grundsätze essentiell (Treml 1991, 347; 2000, 177ff. zit. in Gudjons, 2012, S.192-193).

In der Geschichte haben vor Allem diese beiden Grundideen den Begriff Erziehung geprägt.

1.3 Historische Aspekte

Die geschichtliche Entwicklung des Begriffs geht zurück bis in die Antike, wo Erziehung laut Aristoteles lediglich die Funktion hatte, Kindern zu helfen, zu begleiten, anzuleiten und großzuziehen. Das Ziel war es, sich dem Wohl der Gesellschaft unterzuordnen (Fees, 2015, S.35-37)

In der Aufklärung - auch als das pädagogische Jahrhundert bezeichnet - änderte sich diese Vorstellung grundlegend. Hier wurden viele Erziehungstheorien entwickelt, die das erzieherische Denken nachhaltig beeinflussten. Alle in dieser Zeit entstandenen Vorstellungen von Erziehung können aufgrund der Masse hier nicht berücksichtigt werden, deshalb sollen lediglich John Locke und Jean-Jacques Rousseau vorgestellt werden, da sie zu den wichtigsten und bekanntesten Vertretern gehören.

Sowohl Locke als auch Rousseau vertraten die Meinung, das Kind solle nicht durch Bestrafung oder Tadel erzogen werden, sondern durch Erfahrungen lernen. Es soll Kind sein dürfen, müsse laut Locke jedoch daran gehindert werden, Böses zu tun. Denn er ging davon aus, dass das Kind bei der Geburt ein tabula rasa (unbeschriebenes Blatt) sei, welches erst durch Erfahrungen und die Erziehung geformt wird. Der Erzieher soll besonders darauf achten, dass der Zu-Erziehende zum tugendhaften Gentleman heranwächst (Harney & Krüger, 2006, S.19-20).

Rousseau dagegen war der Überzeugung, dass der Mensch von Geburt an gut ist, die Gesellschaft jedoch schlecht. Wenn ein Mensch also böse ist, wurde er dies durch die Erziehung, die Umwelt oder andere Menschen. Um dieser negativen Entwicklung entgegenzusteuern, schlägt Rousseau zweierlei Möglichkeiten vor: Einerseits soll der Staat allen Mitgliedern der Gesellschaft Gleichheit, Freiheit und Unabhängigkeit gewähren, andererseits soll der Mensch zur Emanzipation erzogen werden. Letzteres soll das oberste Ziel sein: Kinder zu mündigen Bürgern erziehen. Jedoch gilt dieser Grundsatz nur für Jungen. Mädchen dagegen sollen vor Allem lernen, sanftmütig und folgsam zu sein, da sie die Wünsche und Erwartungen der Männer zu erfüllen haben. Im Vordergrund stand bei Rousseau also das Bedürfnis, autonome Bürger zu schaffen (Harney & Krüger, 2006, S.20-21).

Jedoch änderte sich dieses Verständnis im Laufe der Zeit wieder. Denn in der Geschichte wurde Erziehung auch oft dazu eingesetzt, Menschen fügsam werden zu lassen. Eine solche Auffassung vertraten die Nationalsozialisten im 20. Jahrhundert. Ziel war es, einen „politischen Deutschen auf der Grundlage der nationalsozialistischen Weltanschauung und ihrer Kernstücke Volk, Rasse, Wehr, Führertum“ (Gräfer, 1940, S. 45 zit. in Harney & Krüger, 2006, S.118) zu formen. Man fing damit schon bei dreijährigen Kindern an: Sie sollten bereits dem Führer zuwinken, ältere Kinder versuchte man in der Schule und in der Hitlerjugend für den Nationalsozialismus zu begeistern.

Laut des gegenwärtigen Verständnisses von Pädagogik und Erziehung gab es im Nationalsozialismus jedoch keine eigenständige Erziehungswissenschaft. Es war vielmehr so, dass es sich hier um ein an die Ideologie Hitlers angepasstes Gemisch aus den verschiedensten pädagogischen Strömungen handelte. Man förderte die, welche den staatspolitischen Interessen entsprachen und verbot jene, die dem politischen Bestreben schaden könnten (Gräfer, 1940, S.45 zit. in Harney & Krüger, 2006, S.118-119).

Auf das Grundverständnis von Treml rückbezogen, wurde Erziehung in der Aufklärung dem Grundverständnis des begleitetenden Wachsenlassens gerecht, während in der NS-Zeit Erziehung als herstellendes Machen gesehen wurde. Die Selbstbestimmung und Unabhängigkeit des Menschen hatte in der Aufklärung oberste Priorität, während die Nationalsozialisten zum Ziel hatten, eine heteronome, folgsame Gesellschaft zu schaffen.

Jedoch sind diese Grundverständnisse - wie bereits erwähnt - keine unvereinbaren Antonyme, sondern sollen sogar kombiniert werden, damit Erziehung funktioniert. Hier stellt sich die Frage an, ob es im 21. Jahrhundert gelingt, dieser Forderung gerecht zu werden.

1.4 Erziehung heute

Heutzutage herrscht vor allem Unsicherheit von Seiten der Eltern was Erziehungsziele und -methoden betrifft. Woher diese Befangenheit rührt, ist schnell geklärt: In der Gegenwart besteht keine allgemein gültige Auffassung mehr darüber, ob Kinder mehr oder weniger erzogen werden müssen beziehungsweise sollen. Über Intentionen und Konzepte von Erziehung wird heftig debattiert. Diese Uneinigkeit führt unweigerlich dazu, dass Eltern - die erzieherisch natürlich alles 'richtig machen' wollen - gehemmt sind, Methoden durchzuführen, die zumindest für sie selbst stimmig und logisch sind (Rotthaus, 1998, S.14).

Jedoch wird heute vor allem die Frage nach dem Zweck von Erziehung in den Vordergrund gerückt. Dabei ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass die Absicht im Vordergrund steht und nicht, ob eine erzieherische Handlung erfolgreich verlief. Brezinka definiert den Begriff deshalb wie folgt: „Als Erziehung werden Handlungen bezeichnet, durch die Menschen versuchen, die Persönlichkeit anderer Menschen in irgendeiner Hinsicht zu fördern." (Brezinka, 1977, S.95 zit. in Fromm, 2015, S.32)

Brezinka sieht Erziehung also lediglich als einen Versuch, auf den Charakter eines Menschen Einfluss zu nehmen. Ob dieser gelingt, ist nebensächlich. Das bedeutet letztendlich, dass eine erzieherische Handlung nach dem heutigen Verständnis beides sein kann: Sowohl herstellendes Machen, als auch begleitetes Wachsenlassen. Denn wichtig ist nur, dass der Erzieher versucht, den Charakter des Erziehenden positiv zu beeinflussen. Wie dies geschieht, ist nebensächlich.

Diese Auffassung kann jedoch durchaus kritisch gesehen werden. Denn laut dieser Definition wird eine erzieherische Handlung durch die Intention des Erziehers (die Persönlichkeit des Erziehenden fördern) definiert. Doch niemand von uns kann Gedanken lesen, weshalb uns die Absicht einer Handlung meist verborgen bleibt. Wie kann man demzufolge wissen, welches Ziel erreicht werden soll und ob es sich tatsächlich um einen Akt der Erziehung handelt? (Koller, 2017, S.53)

1.5 Der Terminus Bildung in Abgrenzung zum Erziehungsbegriff

Den Terminus Bildung zur Erziehung abzugrenzen, ist nicht ganz einfach. Dies ist schon allein deshalb schwierig, weil die Begriffe in vielen Sprachen synonym verwendet und gar nicht unterschieden werden. Dies wird deutlich, wenn man in einem Englisch-Deutsch Wörterbuch die Begriffe Bildung und Erziehung nachschlägt: Es erscheint lediglich der Ausdruck education, der sowohl Bildung, als auch Erziehung meint.

Und dennoch werden diese Ausdrücke im Deutschen klar unterschieden. Denn Bildung liegt die Auffassung zugrunde, dass der Mensch nicht von anderen gebildet werden kann, sondern sich selbst bildet (Lenzen, 2007, S.178). Sie ist demnach eine individuelle Leistung und unterscheidet sich damit von dem Erziehungsbegriff, welcher laut der oben genannten Definition Brezinkas davon ausgeht, dass Erziehung durch andere erfolgt und nicht durch sich selbst.

1.6 Klafkis Bildungsbegriff

Was macht aber einen gebildeten Menschen tatsächlich aus? Hierfür gibt es ebenfalls viele, unterschiedliche Betrachtungsweisen. Im Folgenden wird die von Klafki vorgestellt, da sie eine der aktuellsten und weit verbreitetsten ist. Wolfgang Klafki differenziert zwischen der materialeren Bildung, wobei hier bestimmte Inhalte kultureller Wichtigkeit erworben werden sollen und der funktionalen Bildung, welche Bildung als Aneignung von bestimmten Fähigkeiten beziehungsweise Kompetenzen sieht (Fromm, 2015, S.110). Jedoch sind mit diesen Betrachtungen auch Probleme verbunden: Geht man beispielsweise von der materialen Bildung aus, so ist es fragwürdig wie lange ein bestimmter Inhalt das Kriterium eines Kulturgutes erfüllt. Außerdem stellt sich die Frage, welchen Voraussetzungen ein Inhalt entsprechen muss, um als Kulturgut gesehen werden zu können. Auch der Begriff der funktionalen Bildung muss kritisch gesehen werden, denn wie soll man ohne Inhalte eine bestimmte Kompetenz erwerben? Außerdem lassen sich Methoden und Kompetenzen nicht immer auf andere Inhalte übertragen (Fromm, 2015, S.11). Diese und andere Probleme versucht Klafki zu lösen, indem er beide Auffassungen über Bildung zum kategorialen Bildungsbegriff zusammenführt. Damit soll eine „doppelseitige Erschließung [...] von allgemeinen, kategorial erhellenden Inhalten auf der objektiven Seite und als Aufgehen allgemeiner Einsichten, Erlebnisse, Erfahrungen auf der Seite des Subjekts" (Klafki, 1970, S.43 zit. in Fromm, 2015, S.112) bewirkt werden. Hier lautet die Leitfrage, welche Inhalte dem Lernenden wie erschlossen werden sollen.

Anders als bei der Erziehung wird hier Wert daraufgelegt, seinen Wissensstand zu erweitern und nicht darauf, die Persönlichkeit eines Menschen weiterzuentwickeln.

1.7 Historische Aspekte

Die historische Entwicklung des Bildungsbegriffs und damit des Schulwesens geht ebenfalls zurück bis in die Antike. Damals hatten Jungen die Möglichkeit, gegen Entgelt einen Privatlehrer aufzusuchen, Mädchen hingegen wurde dieses Privileg vorenthalten. Gelehrt wurde vor Allem das Lesen, Schreiben und Rechnen, wobei Unterricht primär hieß, durch Drill zu lernen. Auch das Auswendiglernen spielte eine große Rolle. Ab dem Alter von vierzehn Jahren hatten adelige Jungen die Möglichkeit, das gymnasion zu besuchen. Hier wurden sie für das Militär ausgebildet, wobei Sport eine wichtige Rolle spielte. Jedoch bestand im Laufe der Zeit auch die Möglichkeit, sich interkulturell weiterzubilden (Konrad, 2007, S.12-14). Als ein gebildeter Mensch wurde man demnach gesehen, wenn man bestimmte Dinge wusste oder kannte.

Im Laufe der Jahrhunderte hat sich der Bildungsbegriff und das Schulwesen immer wieder gewandelt und weiterentwickelt. Ich werde im Folgenden auf Deutschland eingehen, da dessen Historie besonders bedeutsam für uns ist und den größten Einfluss auf unsere heutige Gesellschaft hat.

Vor allem im 19. Jahrhundert hat sich viel getan, weshalb dieser Zeitabschnitt näher ausgeführt wird. In Deutschland wurde erst zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert die Schulpflicht eingeführt, welche eine bedeutsame, gesellschaftliche Entwicklung darstellte. Aufgrund von kulturellen und sozioökonomischen Modernisierungsprozessen entstanden in Deutschland viele, unterschiedliche Bildungssysteme. Bis zu diesem Zeitpunkt unterrichteten an den kirchlich getragenen Schulen zumeist Pfarrer und Theologen ohne eigene Ausbildung. Im 19. Jahrhundert jedoch wurde der Lehrerberuf vom geistlichen Amt getrennt und das Bildungssystem der Kontrolle des Staats überlassen. Dies führte zu einem heftigen Streit um Wertvorstellungen, welcher das Vorgehen des Staats im Bezug auf die Kontrolle der Schulen stark beeinflusste (Becker, 2014, S.1-2).

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Diskussion pädagogischer Grundbegriffe. Ein Überblick
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,0
Jahr
2018
Seiten
20
Katalognummer
V1024902
ISBN (eBook)
9783346441836
ISBN (Buch)
9783346441843
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pädagogik, Grundbegriffe der Erziehungswissenschaft, Bildung und Erziehung
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Diskussion pädagogischer Grundbegriffe. Ein Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1024902

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