Die folgende Arbeit hat das Ziel, die Rolle der Mehrsprachigkeit im schulischen Kontext zu erläutern sowie die Aufgaben und Ziele eines sprachsensiblen (Fach-)Unterrichts zu benennen und einzuordnen. In diesem Zusammenhang werden sowohl die Rolle der Lehrkräfte als auch drei exemplarisch ausgewählte Methoden für dessen Umsetzung erklärt und dargestellt.
Abschließend wird eine Unterrichtsproblematik mit Bezug auf sprachliche Diversität im Schulfach Deutsch vorgestellt und für diese ein konkreter Unterrichtsentwurf anhand der zuvor erläuterten Methoden, erarbeitet.
Der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen in Deutschland betrug im Jahr 2019 ca. 37%, also über ein Drittel der gesamten Schülerschaft. Dies führt zu einer größeren Heterogenität in den Klassenverbänden, insbesondere in den Bereichen Kultur und selbstverständlich Sprache. Diese erhöhte sprachliche Diversität innerhalb der Schulen stellt die Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrkräfte
vor große Herausforderungen, bietet aber auch Chancen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Mehrsprachigkeit in der Schule
2.1 Vorteile von Mehrsprachigkeit
3. Sprachsensibler (Fach-)Unterricht
3.1 Rolle der Lehrkraft
3.2 Zielkompetenz Bildungssprache
3.3 Methoden
3.3.1 Scaffolding
3.3.2 Translanguaging
3.3.3 Think-Pair-Share
4. Problematik im Deutschunterricht
5. Unterrichtsentwurf
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen und Chancen sprachlicher Diversität im Schulkontext und entwickelt Strategien für einen sprachsensiblen Deutschunterricht. Ziel ist es, die Rolle der Mehrsprachigkeit theoretisch einzuordnen und praktische Methoden zur Förderung der Bildungssprache bei allen Lernenden aufzuzeigen.
- Bedeutung und Potential von Mehrsprachigkeit an Schulen
- Grundlagen und Ziele des sprachsensiblen (Fach-)Unterrichts
- Die Rolle der Lehrkraft als Lernbegleiter
- Methodische Umsetzung: Scaffolding, Translanguaging und Think-Pair-Share
- Praxisbeispiel: Unterrichtsentwurf zur Artikelbestimmung
Auszug aus dem Buch
3.3.1 Scaffolding
Das Scaffolding, englisch für „Baugerüst“, beschreibt sprachliche Unterstützungs handlungen bzw. ein Unterstützungssystem im sprachsensiblen Fachunterricht (Kniffka 2010, S. 1). Es handelt sich dabei um eine vorrübergehende Hilfestellung, welche von der Lehrkraft bereitgestellt wird und wieder entfernt wird, das metaphorische „Gerüst“ wird abgebaut, sobald die Schülerinnen und Schüler die sprachlichen Handlungen selbstständig bewältigen können (Kniffka 2010, S. 1). Das Konzept des Scaffolding sieht vor, dass ein kompetenterer Partner, beispielsweise die Lehrkraft, Mitschülerinnen und Mitschüler oder ein Elternteil, mittels Interaktion einem weniger kompetenteren Partner, Lernerinnen und Lerner, beim Aufbau sprachlicher und kognitiver Fähigkeiten unterstützt (Kniffka 2010, S. 1).
Insbesondere nicht-deutschsprachigen Schülerinnen und Schülern hilft das Scaffolding bei der Erschließung neuer Inhalte, Konzepten und Fähigkeiten, sowohl sprachlich als auch fachlich (Kniffka 2010, S. 1). Das Einschätzen des sprachlichen und fachlichen Potentials der Schülerinnen und Schüler seitens der Lehrkraft gilt als Grundvoraussetzung. Davon ausgehend, können den Lernerinnen und Lernern Aufgaben angeboten werden, deren sprachliche und fachliche Anforderungen leicht über dem eigentlichen Kompetenzniveau der Klasse liegen, also anspruchsvoller sind als solche, welche die Schülerinnen und Schüler eigenständig lösen könnten (Kniffka 2010, S. 1). Um diese Aufgaben dennoch bewältigen zu können, dient das Scaffolding als „Überbrücker“ der Lücke zwischen Bekanntem und Erfordertem. Umgesetzt wird dies durch konkrete Unterrichtsplanung und Unterrichtsinteraktion (Kniffka 2010, S. 1).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die zunehmende Heterogenität in deutschen Schulklassen und definiert das Ziel der Arbeit, sprachsensible Ansätze und Methoden darzustellen.
2. Mehrsprachigkeit in der Schule: Erörtert Mehrsprachigkeit als Normalzustand und kritisiert, dass Schulen häufig noch an einem einsprachigen Ideal orientiert sind.
2.1 Vorteile von Mehrsprachigkeit: Beleuchtet kognitive und sprachliche Vorzüge, wie die Fähigkeit zum Blickpunktwechsel und die Konzentrationsstärke mehrsprachiger Lernender.
3. Sprachsensibler (Fach-)Unterricht: Definiert den Ansatz als in den Regelunterricht integrierte Sprachförderung, die Sprache als Werkzeug des Denkens begreift.
3.1 Rolle der Lehrkraft: Betont die Verantwortung der Lehrkraft als Sprachvorbild bei der Unterrichtsplanung und Gestaltung sprachlernförderlicher Situationen.
3.2 Zielkompetenz Bildungssprache: Erläutert Bildungssprache als essentielles Register für schulischen Erfolg und gesellschaftliche Teilhabe.
3.3 Methoden: Führt die Notwendigkeit abwechslungsreicher methodischer Zugänge zur Förderung aller Schülerinnen und Schüler ein.
3.3.1 Scaffolding: Stellt das Konzept der zeitlich begrenzten, stützenden Lernhilfen in vier Bausteinen (Bedarfsanalyse, Lernstandsanalyse, Planung, Interaktion) dar.
3.3.2 Translanguaging: Beschreibt das gezielte Nutzen des gesamten sprachlichen Repertoires der Lernenden als Kommunikations- und Lernstrategie.
3.3.3 Think-Pair-Share: Beschreibt ein kooperatives Lernmodell, das individuelle Arbeitsphasen mit Austauschphasen verknüpft.
4. Problematik im Deutschunterricht: Thematisiert spezifische Hürden, wie die deutsche Grammatik und Genusbestimmung, die einer sprachsensiblen Herangehensweise bedürfen.
5. Unterrichtsentwurf: Präsentiert ein konkretes Praxisbeispiel für die dritte Grundschulklasse zur Festigung der Artikelbestimmung.
6. Fazit: Festhalten an der Unentbehrlichkeit sprachsensiblen Unterrichts und der Notwendigkeit flächendeckender Lehrkräftefortbildung.
Schlüsselwörter
Mehrsprachigkeit, Sprachsensibler Unterricht, Bildungssprache, Scaffolding, Translanguaging, Think-Pair-Share, Fachunterricht, Heterogenität, Sprachförderung, Deutschunterricht, Lernstrategie, Sprachreflexion, Inklusion, Kompetenzerwerb, Migrationshintergrund
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Anforderungen an den Deutschunterricht in einer durch Migrationshintergründe und Mehrsprachigkeit geprägten Schullandschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Umgang mit sprachlicher Heterogenität, der Definition von Bildungssprache und der Implementierung sprachsensibler Lehr-Lern-Methoden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Möglichkeiten und Methoden für einen Unterricht aufzuzeigen, der allen Lernenden den Erwerb der Bildungssprache ermöglicht und Mehrsprachigkeit als Ressource wertschätzt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit einschlägiger Fachliteratur sowie die beispielhafte praktische Anwendung ausgewählter pädagogischer Methoden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Mehrsprachigkeit und Bildungssprache sowie eine detaillierte Erläuterung der Methoden Scaffolding, Translanguaging und Think-Pair-Share.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Sprachsensibler Unterricht, Mehrsprachigkeit, Bildungssprache und die vorgestellten Methoden Scaffolding, Translanguaging sowie Think-Pair-Share definiert.
Wie unterscheidet sich Translanguaging von klassischem Code-Switching?
Während Code-Switching den Sprachwechsel als solches beschreibt, fokussiert Translanguaging auf die individuellen Ressourcen der Lernenden als Ausgangspunkt zur Wissenskonstruktion und Identitätsbildung.
Welche Rolle spielt die Lehrkraft beim Scaffolding?
Die Lehrkraft fungiert als "Gerüstbauer", der Hilfestellungen bereitstellt, die im Lernprozess sukzessive abgebaut werden, um die Selbstständigkeit der Schülerinnen und Schüler zu fördern.
Warum ist Artikelbestimmung ein zentrales Problem im Deutschunterricht?
Die Genusbestimmung stellt eine spezifische grammatische Hürde dar, bei der oft Bezüge zu anderen Sprachen fehlen und Fehler häufig mit mangelnden Deutschkenntnissen stigmatisiert werden.
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- Maximilian Schenk (Author), 2020, Sprachsensibler Unterricht im Fach Deutsch anhand konkreter Methoden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1025557