Erzielen interkultureller Kompetenz

Fallbeispiel einer deutsch-amerikanischen Geschäftsbeziehung


Hausarbeit, 2020

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Konzeptionelle Grundlagen
2.1 Definition des Kulturbegriffs
2.2 Interkulturelle Aspekte

3 Untersuchung der Fallbeispiele
3.1 Fall 1: Amerikaner in Deutschland
3.2 Fall 2: Deutsche in den USA

4 Zusammenfassung und kritische Reflexion

Anhang

Literaturverzeichnis

Internetquellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

„It has been said that arguing against globalization
is like arguing against the laws of gravity."1

Dieses Zitat des damaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan aus dem Jahr 2002 verdeutlicht, dass das Voranschreiten der Globalisierung weder geleugnet noch gestoppt werden kann. Damit gehen immer stärkere internationale Vernetzungen von Geschäftsbeziehungen einher. Angefangen beim Waren- und Güterverkehr bis hin zu Dienstleistungen wird ein immer stärkerer Fokus auf das internationale Geschäft gelegt. Dies hat zur Folge, dass jedes Jahr mehr Arbeitnehmer in Ländern eingesetzt werden, deren Kulturen und Eigenheiten ihnen aus ihrem Heimatland nicht oder nur unzulänglich bekannt sind. Nur selten werden diese Mitarbeiter vor ihrem jeweiligen Einsatz ausreichend geschult, oft fehlen ihnen die interkulturellen Kompetenzen, die sie für eine erfolgreiche Geschäftsbeziehung im Zielland bräuchten. Dazu zählen nicht allein die Sprache oder die kulturellen Eigenheiten und Bräuche des jeweiligen Landes, sondern vor allem auch die vertretenen Wertevorstellungen und Umgangsformen. Sind die entsendeten Mitarbeiter darauf nicht oder nur ungenügend vorbereitet, kann es zu Missverständnissen und im schlimmsten Fall sogar zu einem Bruch der Geschäftsbeziehung kommen.

Um derartige Problemstellungen besser einschätzen und im besten Fall vermeiden zu können, soll ein Teilziel dieser Arbeit sein, hierfür eine theoretische Grundlage zu schaffen. Dafür werden zunächst generell die Begriffe Kultur, Interkulturalität und diverse interkulturelle Aspekte definiert und erklärt. Anschließend sollen anhand der Definitionen die beiden vorgegebenen Fallbeispiele, in denen es um deutsch-amerikanische Geschäftsbeziehungen geht, beschrieben und analysiert werden. Als finales Ziel dieser Arbeit gilt es, für die beiden Fallbeispiele konkrete Lösungsansätze vorzuschlagen und die jeweils passendste aus den vorgegeben Antwortalternativen auszuwählen. Ein untergeordnetes Modalziel ist es, diese Auswahl mit Hilfe der zuvor definierten Ansätze zu begründen und eine schlüssige Argumentation aufzubauen.

Von den hier erarbeiteten Ergebnissen können möglicherweise wichtige Erkenntnisse für das Management entsendeter Mitarbeiter abgeleitet werden. Die Resultate und Hinweise können helfen, Unternehmen langfristig erfolgreich zu leiten und eine auf internationale und interkulturelle Problemstellungen sensibilisierte Unternehmensführung zu verfolgen.

Dazu wird am Ende der Einleitung, welche die Problemstellung erklärt, zunächst eine kurze Abgrenzung vorgenommen. Im folgenden Kapitel soll ein Überblick über die Begrifflichkeiten und die konzeptionellen Grundlagen entstehen. Es schließt sich die Untersuchung der beiden Fallbeispiele im Zuge der Ist-Analyse an. Diese besteht aus der Beschreibung der Ausgangslage und der Analyse des jeweiligen konkreten Fallbeispiels. Abschließend werden die Ergebnisse der Arbeit im Hinblick auf die Zielsetzung zusammengefasst und es wird darüber hinaus eine kritische Reflexion vorgenommen, um eventuelle Verbesserungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

Aufgrund des begrenzten Umfangs dieser Arbeit können vorab nur die relevantesten Begriffe definiert und erklärt werden. Ebenso werden lediglich die wichtigsten Aspekte analysiert, da dies sonst den Umfang der Arbeit sprengen würde. Politische Hintergründe und Motivatoren werden nicht beleuchtet. Ebenso wenig ist es möglich, auf alle Facetten und Aspekte in der Entwicklung der Kulturdimensionen einzugehen. Diese Eingrenzung dient dazu, das Ziel dieser Arbeit sinnvoll zu verfolgen und aussagekräftig darzulegen.

2 Konzeptionelle Grundlagen

Um ein umfassendes Verständnis der Analyse zu garantieren, sollen hier die wichtigsten Begriffe eingeführt und definiert werden.

2.1 Definition des Kulturbegriffs

Es liegen für den Begriff Kultur eine Vielzahl von unterschiedlichen internationalen Definitionsversuchen vor, die sich hauptsächlich in der Betrachtung aus verschiedenen Perspektiven unterscheiden. Eine einzige, allgemeingültige Definition gibt es nicht.2 Einige dieser Definitionen sollen im Folgenden vorgestellt werden.

Hofstede beschreibt Kultur allgemein als erlernt und nicht ererbt, sie stellt eine kollektive Entwicklung des Geistes dar und ergibt sich aus dem sozialen Umfeld des Menschen.3 Kultur ist laut Duden definiert durch eine „Gesamtheit der geistigen, künstlerischen, gestaltenden Leistungen einer Gemeinschaft als Ausdruck menschlicher Höherentwicklung".4 Als ein „set of guidelines (both explicit and implicit) that individuals inherit as members of a particular society and that tell them how to view the world” beschreibt Helman Kultur.5 Die Komplexität des Kulturbegriffs wird auch in der Definition von Tylor deutlich, der Kultur als „complex whole which includes knowledge, belief, art law, morals, custom and any capabilities and habits acquired by man as a member of society” darlegt. Ähnlich stellt auch Maletzke Kultur dar, seine Sichtweise beinhaltet eine Struktur mit Konzepten, Einstellungen, Überzeugungen und einer Wertorientierung. Diese Eigenschaften lassen sich im Handeln und Benehmen der Menschen feststellen, sowie ebenfalls in ihren geistigen und materiellen Erzeugnissen.6 Eine weitere interessante Definition von Trompenaars und Hampden-Turner ist die Ansicht von Kultur als Instrument, um Probleme zu lösen.7

2.2 Interkulturelle Aspekte

Zunächst soll geklärt werden, was sich hinter dem Begriff „interkulturell“ konkret verbirgt. Interkulturalität ist definiert als das „Bewusstsein, das für die kulturelle, sprachliche oder religiöse Verschiedenheit der Mitglieder einer Gesellschaft besonders sensibilisiert ist und auf den Respekt bzw. die Akzeptanz der Verschiedenheit ausgerichtet ist“.8 Kultur kann grundsätzlich in zwei Ebenen aufgegliedert werden: concepta und percepta. Die concepta einer Kultur bilden tieferliegende Bestandteile wie Grundannahmen, Werte, Normen, Einstellungen und Überzeugungen. Die percepta besteht aus all denjenigen Phänomenen, in denen sich die concepta ausdrückt, also die empirisch messbar und fassbar sind. Dazu zählen etwa Verhaltensweisen und Artefakte.9 Um diese Verschiedenheiten aus den unterschiedlichen Kulturkreisen richtig abzugrenzen und darzustellen und die concepta Ebene richtig anaylsieren zu können, ist es ratsam auf Hilfestellungen wie die Kulturdimensionen von Hofstede zurückzugreifen. Diese Ebenen sind: Machtdistanz, Unsicherheitsvermeidung, Individualismus versus Kollektivismus, Maskulinität versus Feminität.10 Zu diesen vier ursprünglichen Ebenen kamen im Laufe der Zeit noch Langzeitorientierung versus Kurzfristorientierung sowie Genuss versus Zurückhaltung hinzu.11

Machdistanz ist ein Wert, der darstellt, wie hoch die Akzeptanz einer Ungleichverteilung der Machtverhältnisse in einer Kultur ist.12

Unsicherheitsvermeidung beschreibt den Umgang mit unbekannten Situationen. Kulturen mit hohem Unsicherheitsvermeidungsindex versuchen mit Plänen, Normen und Regeln Unbekanntes vorhersehbarer zu machen, bei einem niedrigen Index machen sich die Angehörigen der jeweiligen Kultur wenig Sorgen um die Zukunft, um Geld oder Gesundheit.13

In individualistischen Kulturen steht das Ich-Denken im Vordergrund, es wird viel Wert auf Selbstverwirklichung gelegt. In kollektivistischen Kulturen dagegen sind starke Gruppenbezogenheit und familiäre Bande in großen Gruppen vorherrschend.14

In femininen Kulturen sind die Rollen meist relativ gleich auf Frauen und Männer verteilt, wohingegen in maskulin geprägten Kulturkreisen klar zwischen Männer- und Frauenarbeit unterschieden und mehr Wert auf materielle Dinge gelegt wird.15

Bei langfristig orientierten Gesellschaften steht die Zukunft im Vordergrund und damit Werte wie Fleiß, Durchhaltevermögen und Sparsamkeit. Die kurzfristige Orientierung richtet sich eher auf kurzfristigen Gewinn und die Erfüllung sozialer Verpflichtungen aus.16

Außerdem ist es wichtig zu unterscheiden, wie das Kommunikationsverhalten in Bezug auf High- und Low-Context Kulturen ausgeprägt ist. High-Context Kulturen zeichnen sich durch einen indirekten Kommunikationsstil aus, bei dem Informationen hauptsächlich durch Mimik, Gestik und Proxemik weitergegeben werden.17 Es besteht hier auch eine starke Korrelation mit der oben beschriebenen Kollektivismus Dimension von Hofstede, da Menschen in kollektivistisch geprägten Ländern wie etwa Japan oder Griechenland oft kontextabhängig kommunizieren. In individualistisch geprägten Gesellschaften wie Deutschland oder den USA wird eher die explizite Ausdrucksweise bevorzugt.18 Diese explizite Ausdrucksweise ist typisch für die Low-Context Kulturen, hier werden beispielsweise Vereinbarungen und Verträge bevorzugt schriftlich geschlossen.19 Darüber hinaus sollte man auch noch die Unterschiede zwischen monochron und polychron orientierten Kulturen mit aufführen. Menschen in monochronen Gesellschaften arbeiten nach einem fixen Terminplan und konzentrieren sich am liebsten auf eine Aufgabe nach der anderen. Im Gegensatz dazu arbeiten Menschen in polychronen Kulturen gerne parallel an verschiedenen Aufgaben und betrachten Termine nur als ungefähre Richtlinie.20

Hierbei ist unbedingt zu beachten, dass Hofstede die Dimension der Langzeitorientierung von Bond deswegen übernommen hatte, weil die Dimension der Unsicherheitsvermeidung in asiatischen Kulturen keinen Sinn ergab und durch die Langzeitorientierung ersetzt wurde.21 Daher hat die Langzeitorientierung in westlichen Kulturen nur sehr bedingte Aussagekraft.

All diese Dimensionen bilden jedoch lediglich die theoretische Grundlage. Um daraus Anwendungsmöglichkeiten und persönliche und organisationale interkulturelle Kompetenz zu erlangen, ist es unabdingbar, diese Erkenntnisse auch praktisch einsetzen zu können. Hier ist das bei den beiden Fallbeispielen vorliegende Bedarfsfeld der interkulturellen Kompetenz, nämlich die persönlichen Kontakte mit ausländischen Geschäftspartnern hervorzuheben.22 Sobald wie in den beiden Fallbeispielen zwei Personen aus unterschiedlichen Kulturen zusammentreffen, liegt eine Interkultur vor.23 Hier ist zwischen drei Personengruppen zu unterscheiden. Es gibt Mitarbeiter, die vorwiegend national tätig sind und bei denen eine interkulturelle Kompetenz bspw. in Form von Fremdsprachenkenntnissen nur in Ausnahmefällen benötigt wird. Daneben gibt es noch Mitarbeiter, die Schnittstellenfunktionen zwischen Unternehmenseinheiten verschiedener Länder innehaben, bspw. Fach- und Führungskräfte, die an internationalen Projekten arbeiten. Die dritte Gruppe, in die auch die Mitarbeiter in den beiden Fallbeispielen eingeordnet werden können, ist die Gruppe der grenzüberschreitend eingesetzten Mitarbeiter. Diese finden sich auf allen Hierarchieebenen und durch die Bedeutung dieser Einsätze werden entsprechend hohe Erwartungen und Anforderungen an die betroffenen Mitarbeiter gestellt. Diese Mitarbeiter gilt es gezielt durch Workshops, internationale Trainings und Schulungen auf die Auslandseinsätze vorzubereiten.24

3 Untersuchung der Fallbeispiele

Als Basis für die Untersuchung der beiden folgenden Fallbeispiele soll über die theoretischen Grundlagen der vorangehenden Kapitel hinaus noch eine grafische Darstellung der Kulturdimensionen von Hofstede dienen, die Deutschland mit den USA vergleicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Vergleich Kulturdimensionen Deutschland - USA25

3.1 Fall 1: Amerikaner in Deutschland

Das erste Fallbeispiel beschreibt eine Situation, in der zwei amerikanische Ingenieure zusammen mit zwei deutschen Kollegen in Deutschland eine neue Software wählen und einführen sollen. Die beiden Deutschen stellen bei der Erarbeitung der Lösung sehr viele hypothetische und grundlegende Fragen, was den Amerikanern zu zeitintensiv und zu wenig lösungsorientiert scheint. Daher entscheiden die Amerikaner nach wenigen Tagen, eine augenscheinlich praktikable Lösung zu präsentieren, welche von den überraschten deutschen Ingenieuren auch angenommen wird. Jedoch wird nach kurzer Zeit festgestellt, dass die Kompatibilität zu wünschen übrig lässt und die Lösungssuche muss von Neuem beginnen.

[...]


1 Annan (2002) in Press Release SG/SM/8262, abgerufen am 22.11.2020

2 Vgl. Bolten (2007), S.10

3 Vgl. Hofstede (2013), S.19

4 Dudenredaktion Kultur (2020), abgerufen am 22.11.2020

5 Helman (2007), S.2

6 Vgl. Maletzke (1996), S.16

7 Vgl. Trompenaars/Hampden-Turner (2011), S.8

8 Dudenredaktion Interkulturalität (2020), abgerufen am 22.11.2020

9 Vgl. Lehmann (2006), S.263

10 Vgl. Hofstede (2001), S.65-176

11 Vgl. Lischka/Kürble (2017), S.7

12 Vgl. Hofstede (2001), S.65f

13 Vgl. Hofstede (2001), S.110ff

14 Vgl. ebd. S.149f

15 Vgl. ebd. S. 176f

16 Vgl. Kuhles (2013), S.72

17 Vgl. Hall (2000), S.6f

18 Vgl. Noack (2014), S.92f

19 Vgl. Hall (2000), S.6f

20 Vgl. Koentopp (2003), S.29

21 Vgl. Hofstede (2001), S.362

22 Vgl. Sabel (2010), S.41

23 Vgl. Schalow (2011), S.24

24 Vgl. Geistmann (2002), S.2-7

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Erzielen interkultureller Kompetenz
Untertitel
Fallbeispiel einer deutsch-amerikanischen Geschäftsbeziehung
Hochschule
AKAD University, ehem. AKAD Fachhochschule Stuttgart
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
18
Katalognummer
V1025819
ISBN (eBook)
9783346425836
ISBN (Buch)
9783346425843
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
"Mit dieser Arbeit hat die Autorin bewiesen, dass Sie ueber ein tiefes Verstaendnis der Materie verfuegt und die vorgestellten interkulturellen Theorien erfolgreich auf die Praxis anwenden und umsetzen kann."
Schlagworte
Interkulturelle Kompetenz, Interkulturelles Management, USA, Internationale Zusammenarbeit
Arbeit zitieren
Agnes Ridil (Autor), 2020, Erzielen interkultureller Kompetenz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1025819

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