Diese Hausarbeit betrachtet die Umsetzung des UN-Entwicklungsziels 5 - Geschlechtergerechtigkeit. Dabei wird zuerst ein Abriss über die Entstehung der Entwicklungsziele, auch Sustainable Development Goals (SDGs), gegeben. Diese stellen als Nachfolger der MDGs eine umfassendere und globale Strategie der Nachhaltigkeitsentwicklung dar. Daraufhin werden die Unterziele des SDG 5 gelistet und herausgearbeitet, was diese konkret bewirken sollen.
Bevor auf das konkrete Länderbeispiel Indien betrachtet wird, erfolgt eine Zusammenfassung des globalen Fortschritts innerhalb der Umsetzung des SDG 5. Dies dient der Einordnung des indischen Fortschritts. Bei der Betrachtung Indiens wird zwischen der öffentlichen Sphäre, welche besonders Bildung und Arbeitsverhältnisse umfasst, und der privaten Sphäre, welche speziell das Familienleben beinhaltet, differenziert. Letztlich werden noch die Probleme, die die Einhaltung dieses Entwicklungsziels mit sich bringen, erörtert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Sustainable Development Goals
3. Das SDG 5 – Ziele und Unterziele
3.1 Der globale Fortschritt in der Erreichung des SDG 5
4. Geschlechtergerechtigkeit am Länderbeispiel Indien
4.1 Bildung und Arbeitsverhältnisse
4.2 Privat- und Familienleben
5. Probleme bei der Einhaltung des SDG 5
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die praktische Umsetzung des UN-Entwicklungsziels 5 (Geschlechtergerechtigkeit) unter Berücksichtigung globaler Fortschritte und analysiert kritisch die spezifischen Herausforderungen, die bei der Anwendung dieses Ziels am Beispiel Indiens auftreten.
- Grundlagen und Entstehung der Sustainable Development Goals (SDGs)
- Strukturelle Analyse der Unterziele von SDG 5 und deren globale Messbarkeit
- Die Rolle von Traditionen und Geschlechterrollen im indischen Kontext
- Untersuchung sozio-ökonomischer Barrieren für Frauen in Bildung und Arbeitsmarkt
- Bewertung staatlicher Maßnahmen zur Bekämpfung von Gewalt und Diskriminierung
Auszug aus dem Buch
4.1 Bildung und Arbeitsverhältnisse
Indische Frauen befinden sich in einem Zwiespalt zwischen Tradition und Fortschritt (vgl. Gantepogu/ Lavanyalatha 2019: 185), welcher sich deutlich in der Umsetzung des Ziels der Geschlechtergerechtigkeit abbildet. Der erste, dabei zu betrachtende Faktor, welcher dies verdeutlicht, ist die Erwerbsarbeit. In Indien haben lediglich 17-26% der Frauen ein eigenes Einkommen, wobei die weibliche Partizipation am Arbeitsmarkt zwischen 1997 und 2018 trotz des steigenden Bruttoinlandprodukts um 6,9% gefallen ist und seitdem in urbanen Gegenden stagniert (vgl. Cerise et al. 2019: 120f.; Dhar 2018: 59). Insgesamt gehen 700 Millionen weniger Frauen als Männer einer bezahlten Arbeit nach (vgl. Dhar 2018: 59), obwohl es keine gesetzlichen Restriktionen bezüglich der Lohnarbeit von Frauen gibt (vgl. SIGI 2019: 6). Nur 20% der arbeitenden Frauen gehen einer bezahlten Arbeit außerhalb der Landwirtschaft nach (vgl. RIS o.J.: 57).
In ländlichen Gegenden tendiert diese Rate besonders bei verheirateten Frauen noch weiter zu sinken, da hier das gleichmäßige Einkommen der Ehepartner die Lebensgrundlagensicherung darstellt und Frauen deswegen dazu tendieren, unbezahlter Care-Arbeit nachzugehen (vgl. ebd.: 120). Dabei verfestigt sich diese traditionelle Rollenverteilung besonders wenn junge Kinder zu betreuen sind (vgl. ebd.: 149). Einerseits führt der ausgeübte Druck der Ehepartner und andererseits die Angst, den Kindern kein angebrachtes Maß an Aufmerksamkeit zukommen lassen zu können, zu dem Verzicht auf Lohnarbeit (vgl. ebd.: 120, 158f.), obwohl Inderinnen ein sechswöchiges Fernbleiben von der Arbeit nach einer Geburt bezahlt wird (vgl. SIGI 2019: 7). Dass dieser Druck allerdings zumindest partiell reversibel ist, zeigt sich dadurch, dass die geringste weibliche Arbeitsmarktpartizipation zwischen 25 und 34 Jahren stattfindet, sie danach allerdings stark zunimmt (vgl. Dhar 2018: 59).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Agenda 2030 ein und legt den Fokus auf die Zielsetzung von SDG 5 sowie die methodische Vorgehensweise anhand des Fallbeispiels Indien.
2. Die Sustainable Development Goals: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung und den Kontext der SDGs als Weiterentwicklung der Millennium Development Goals mit einem besonderen Fokus auf Inklusivität und Menschenrechte.
3. Das SDG 5 – Ziele und Unterziele: Hier werden die neun spezifischen Unterziele von SDG 5 definiert und in den Kontext der Pekinger Aktionsplattform und der UN-Menschenrechte eingeordnet.
3.1 Der globale Fortschritt in der Erreichung des SDG 5: Das Kapitel resümiert den weltweiten Status quo bei der Erreichung der Geschlechtergerechtigkeit unter Einbeziehung verschiedener Indikatoren und Herausforderungen.
4. Geschlechtergerechtigkeit am Länderbeispiel Indien: Es erfolgt eine detaillierte Analyse der konkreten Umsetzung des SDG 5 in Indien unter Berücksichtigung lokaler Schwierigkeiten und gesellschaftlicher Normen.
4.1 Bildung und Arbeitsverhältnisse: Dieses Unterkapitel analysiert den Zwiespalt zwischen Tradition und Fortschritt bei der weiblichen Erwerbsbeteiligung und Bildungschancen in Indien.
4.2 Privat- und Familienleben: Hier wird der Fokus auf die Auswirkungen von Ehe- und Familienrecht sowie auf die Diskriminierung durch traditionelle Rollenbilder und Gewaltpraktiken gelegt.
5. Probleme bei der Einhaltung des SDG 5: Das Kapitel diskutiert philosophische und strukturelle Hindernisse bei der Definition und Messung von Geschlechtergerechtigkeit.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Ambition der Umsetzung von SDG 5 in Indien im globalen Kontext kritisch.
Schlüsselwörter
SDG 5, Geschlechtergerechtigkeit, Indien, Agenda 2030, Frauenrechte, Erwerbsarbeit, Diskriminierung, Soziale Normen, Care-Arbeit, Bildungschancen, Politische Partizipation, Gender-Pay-Gap, Menschenrechte, Empowerment, Patriarchat.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Umsetzung des UN-Entwicklungsziels 5 zur Förderung der Geschlechtergerechtigkeit, wobei der Fokus sowohl auf den globalen Herausforderungen als auch explizit auf der Situation in Indien liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die Wirksamkeit globaler Entwicklungsziele, die Vereinbarkeit von traditionellen Geschlechterrollen mit modernen Arbeitsmarktansprüchen sowie der Einfluss rechtlicher und soziokultureller Rahmenbedingungen auf die Lebensrealität von Frauen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel besteht darin zu evaluieren, wie effektiv die Unterziele des SDG 5 umgesetzt werden und warum Indien trotz nationaler Programme mit erheblichen Barrieren bei der Realisierung der Geschlechtergleichstellung konfrontiert ist.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive und analytische Literaturstudie, um existierende Berichte, Indizes und Forschungsdaten zu den SDGs in den Kontext der soziologischen Entwicklungsforschung zu setzen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine globale Einordnung der SDGs und des SDG 5 sowie eine vertiefende Untersuchung der Bereiche Bildung, Arbeitsverhältnisse und Privatleben anhand indischer Fallbeispiele und aktueller Daten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind SDG 5, Geschlechtergerechtigkeit, Indien, Empowerment, Care-Arbeit, soziale Normen und Menschenrechte.
Inwiefern beeinflusst die Mitgift das Ziel der Geschlechtergerechtigkeit in Indien?
Die Arbeit identifiziert die trotz gesetzlichen Verbots fortbestehende Mitgiftpraxis als ein wesentliches strukturelles Hindernis, das nicht nur ökonomische Abhängigkeiten schafft, sondern laut Studie in vielen Fällen mit Gewalt gegen Frauen und sogar Morden korreliert.
Welche Rolle spielt die Covid-19-Pandemie für die Erreichung von SDG 5?
Die Autorin bewertet die Pandemie als signifikanten Risikofaktor, da sie prekäre Arbeitsbedingungen verschärft, die Doppelbelastung durch unbezahlte Care-Arbeit verstärkt und tendenziell zu einer Zunahme häuslicher Gewalt geführt hat.
Gilt Bildung in Indien als Garant für Geschlechtergleichheit?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Bildungsexpansion allein nicht ausreicht. Trotz steigender Bildungsabschlüsse werden Frauen in Indien durch habituelle Rollenbilder und strukturelle Barrieren weiterhin an der gleichberechtigten Partizipation im Berufsleben gehindert.
- Quote paper
- Caroline Fehlauer (Author), 2021, Geschlechtergerechtigkeit. Wie wird das UN-Entwicklungsziel 5 umgesetzt?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1026071