Mit dieser Seminararbeit werde ich das Reitervolk der Awaren näher beschreiben und mich mit der Frage befassen, inwiefern die Awarenfeldzüge Karls des Großen, besonders aber der Erste von 791 zeitgenössisch wahrgenommen sowie im aktuellen Forschungsdiskurs bewertet werden.
Zunächst werde ich dafür das Volk der Awaren vorstellen, wobei ich in diesem Rahmen keinesfalls die gesamte Geschichte der Awaren abbilden kann, da lediglich ein Überblick vermittelt werden soll. Darauffolgend werde ich auf mögliche Motive Karls bei diesem Kriegsvorhaben eingehen und in einem nächsten Schritt die Chronologie des Konflikts beleuchten.
Daran anknüpfend werde ich mich mit dem Awarenreich unter der Oberherrschaft Karls des Großen befassen. Abschließend werde ich anhand der Annales regni Francorum sowie der sogenannten Einhardannalen die zeitgenössische und aktuelle Wahrnehmung des Feldzugs von 791 vorstellen sowie eine eigene Bewertung darlegen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Das Volk der Awaren
2. Die Awarenkriege Karls des Großen
2.1 Motive Karls
2.2 Verlauf des Konflikts
2.3 Das Awarenreich unter Karl dem Großen
3. Bewertung des Feldzugs von 791
4. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historischen Hintergründe und die Bedeutung des Awarenfeldzugs Karls des Großen im Jahr 791. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, wie dieser Feldzug zeitgenössisch in den Quellen wahrgenommen wurde und welche Bewertung er im aktuellen wissenschaftlichen Diskurs erfährt, wobei sowohl militärische als auch politische und religiöse Aspekte beleuchtet werden.
- Die historische Entwicklung und Struktur des awarischen Volkes
- Motive Karls des Großen für die Führung der Awarenkriege
- Der chronologische Verlauf des Feldzugs von 791
- Die fränkische Awarenpolitik und ihre Auswirkungen
- Wissenschaftliche Bewertung der Erfolgsfaktoren des Feldzugs
Auszug aus dem Buch
2.2 Verlauf des Konflikts
Dem Feldzug von 791, welcher den Beginn des Awarenkrieges markiert, ging eine umfassende Vorbereitung voraus. Zunächst versammelte Karl der Große alle Völker seines Reiches, welche die Awaren wegen verschiedener Verbrechen gegen das Christentum anklagten. Daraufhin zog das fränkische Vielvölker-Heer unter dem Oberbefehl Karls, in zwei Hauptabteilungen aufgeteilt, an der Donau entlang in das Territorium der Awaren. Durch dieses Vorgehen konnten beide Verbände durch Schiffe begleitet werden, die für die Verpflegung der großen Armee verantwortlich waren. An der fränkisch-awarischen Grenze hielt Karl der Große die schon beschriebene dreitätige Messe ab, welche auch in einem der wenigen selbst geschriebenen Briefe Karls an seine Frau bezeugt wird. Währenddessen war der Sohn Karls, Pippin von Italien, mit einem kleineren Heer zu den Awaren aufgebrochen, wo dieser auch die einzige Schlacht in diesem Feldzug gegen die Awaren führte und gewann. Sobald Karl von dem Sieg seines Sohnes erfuhr, zog das fränkische Hauptheer tief in das awarische Gebiet, ohne auf nennenswerte Gegenwehr zu treffen. Die Awaren, die dem fränkischen Vorstoß nichts entgegenzusetzen vermochten, zogen sich in das Landesinnere zurück, weshalb die Unternehmung nach 52 Tagen auf awarischem Territorium ohne eine Entscheidungsschlacht beendet wurde. Obwohl keine größere Schlacht gegen die Awaren geschlagen wurde, war es den Franken gelungen, neben den zahlreichen Gefangenen zusätzlich noch das bayrisch-awarische Grenzgebiet für sich zu beanspruchen, welches seit 788 Streitgegenstand zwischen den Völkern war. Dennoch führte eine Pferdeseuche dazu, dass aufgrund des Verlustes vieler Pferde das fränkische Herr deutlich abgeschwächt wurde. Die Bewertung dieses Feldzugs werde ich an späterer Stelle genauer darlegen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung der Thematik der Awarenfeldzüge und Darlegung des methodischen Ansatzes sowie der Forschungsfrage.
1. Das Volk der Awaren: Überblick über die historische Entwicklung und die gesellschaftlichen Phasen des awarischen Steppenvolkes bis zum Beginn der fränkischen Intervention.
2. Die Awarenkriege Karls des Großen: Analyse der Beweggründe Karls, der Chronologie des Konflikts und der administrativen Einbindung des Awarenreichs.
3. Bewertung des Feldzugs von 791: Kritische Untersuchung der zeitgenössischen Quellenwahrnehmung und der modernen historiographischen Bewertung des ersten Feldzugs.
4. Resümee: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse zur Rolle der Awaren und des Erfolgsgrades des Feldzugs von 791.
Schlüsselwörter
Karl der Große, Awaren, Awarenkriege, Feldzug 791, Fränkische Reichsannalen, Einhard, Pannonien, Mittelalter, Steppenvolk, Awarenreich, Pippin von Italien, Tudun, militärische Geschichte, Karolinger, Christliche Missionierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle des Awarenvolkes im späten achten Jahrhundert und der Auseinandersetzung mit dem Frankenreich unter Karl dem Großen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf den Motiven für den Awarenkrieg, dem Ablauf der Militärexpedition von 791 und der wissenschaftlichen Einordnung des Erfolgs dieser Unternehmung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, inwiefern der erste Awarenfeldzug von 791 zeitgenössisch wahrgenommen wurde und wie dieser im modernen Diskurs in Bezug auf seinen Erfolg bewertet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein deduktiver Gliederungsansatz gewählt, der auf einer fundierten Auswertung zeitgenössischer Quellen (Annales regni Francorum, Einhard) und moderner Forschungsliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Awaren, die Analyse der Motive Karls, eine detaillierte Chronologie des Konflikts sowie eine kritische Bewertung des Feldzugs von 791.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Karl der Große, Awaren, Awarenkriege, 791, fränkische Geschichtsschreibung und karolingische Expansionspolitik.
Wie bewerten die zeitgenössischen Quellen den Feldzug von 791?
Die Fränkischen Reichsannalen stilisieren ihn als "Sieg durch Gottes Hilfe", während Einhard den Feldzug eher marginalisiert und nicht den eigentlichen kriegerischen Handlungen zuordnet.
Welche Rolle spielte die Pferdeseuche während des Feldzugs?
Die Pferdeseuche dezimierte den Bestand an Reittieren erheblich und trug dazu bei, dass Karl der Große das Unterfangen als "Expedition" abbrechen musste, was seinen Ruf als Feldherr temporär belastete.
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- Finn Drossel (Author), 2021, Karl der Große und die Awaren. Eine Bewertung des Feldzugs von 791, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1026113