In der vorliegenden Seminararbeit soll untersucht werden, wie groß der lexikalische Abstand des europäischen und brasilianischen Portugiesisch tatsächlich ist. Hierzu soll beispielhaft die Lexik der beiden Varietäten untersucht werden. Analysematerial ist die Buchversion des europäischen und brasilianischen Portugiesisch von Harry Potter and the Philosopher’s Stone, welches sowohl in Portugal als auch in Brasilien unter dem Titel Harry Potter e a Pedra Filosofal verlegt wurde.
Die siebenbändige Buchreihe Harry Potter gilt mit über 260 Millionen verkauften Kopien zu den erfolgreichsten Buchreihen weltweit und wurde zudem in 60 Sprachen übersetzt. Ebenso zählen die Bücher in Portugal und Brasilien zu den erfolgreichsten literarischen Werken. In Portugal betrug die Erstauflage des ersten Bandes rund 435.000 Exemplare. In Brasilien dagegen wurden mehr als 1,2 Millionen Kopien der ersten vier Bände während der Erstveröffentlichung verkauft. Höhere Verkaufszahlen erreichen nur brasilianische Autoren wie Luís Fernando Veríssimo oder Jorge Amado. Dabei ist der erste Band der Buchreihe, Harry Potter and the Philosopher’s Stone, mit über 400 Millionen verkauften Exemplaren der erfolgreichste der gesamten Reihe und wurde deshalb als Analysegrundlage für die Hausarbeit ausgesucht.
Im Rahmen der Hausarbeit sollen für die spätere Analyse zunächst die Grundbegriffe ‚Lexik‘ und ‚Lexem‘ definiert werden. Anschließend wird ein kurzer biografischer Überblick über das Leben der Autorin J.K. Rowling und den Inhalt der Buchreihe Harry Potter gegeben. Darauffolgend wird der aktuelle Forschungsstand dargestellt und die analytische Herangehensweise beschrieben. Schließlich wird die Lexik der Bücher Harry Potter e a Pedra Filosofal des europäischen und brasilianischen Portugiesisch analysiert. Hierzu werden stellvertretend die Kapitel 1 und 6 verwendet, um so aufzuzeigen, dass sich mögliche lexikalische Unterschiede nicht nur auf einzelne Buchkapitel konzentrieren, sondern im gesamten Buch vorhanden sind. Zum Abschluss der Analyse wird anhand der gewonnenen Erkenntnisse ein Fazit gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definition Lexik und Lexem
3 Forschungsobjekt
3.1 Autorin J.K. Rowling
3.2 Buchreihe Harry Potter
4 Aktueller Forschungsstand
5 Analytische Herangehensweise
6 Lexikalische Analyse
6.1 Buchspezifisch
6.1.1 Personennamen
6.1.2 Häusernamen von Hogwarts
6.1.3 Eigennamen
6.2 Varietätenspezifisch
6.2.1 Objekte
6.2.2 Personen
6.2.3 Sonstige Nomen
7 Ergebnis der Analyse
8 Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den lexikalischen Abstand zwischen dem europäischen und dem brasilianischen Portugiesisch anhand der jeweiligen Buchübersetzungen von Harry Potter and the Philosopher’s Stone, um zu klären, inwiefern sich die beiden Varietäten in ihrer geschriebenen Form unterscheiden.
- Vergleich des europäischen und brasilianischen Portugiesisch als plurizentrische Sprache
- Analyse der Übersetzungsstrategien bei buchspezifischen Eigennamen und Begriffen
- Untersuchung von varietätenspezifischen Unterschieden bei Alltagsbegriffen
- Bewertung der wechselseitigen Akzeptanz und Verständlichkeit der literarischen Werke
Auszug aus dem Buch
6.1.2 Häusernamen von Hogwarts
In der Übersetzung von Harry Potter in das EP wurden die englischen Eigennamen der vier Häuser der Hogwarts School of Witchcraft and Wizardry beibehalten. In dem brasilianischen Buch wurden jedoch Neologismen geschaffen. Diese sind entweder von den englischen Wörtern abgeleitet (Grifinória, Sonserina) oder sind komplett neue Wörter ohne bekannte Bedeutung (Lufa Lufa, Corvinal).
Gryffindor ist im englischsprachigen Original eine Kontamination der englischen Lexeme gryphon und griffin (Englisch für ‚Greif‘) und der französischen Kontraktion d’or (de + or), das ‚aus Gold‘ oder ‚golden‘ bedeutet (Rodrigues 2018: 75). Der Name Gryffindor bedeutet demnach ‚der goldene Greif‘. Der englische Name bezieht sich auf das Wappen des Hauses Gryffindor: ein Löwe mit den Farben Rot und Gold. Der Name Grifinória ist, in der Version des BP, aus dem Lexem grifo (‚Greif‘) und dem Adjektiv finória gebildet (Rodrigues 2018: 75). Das Adjektiv finória ist die Deklination des Lexems finório, welches ‚klug‘ oder ‚schlau‘ ist. Grifinória bedeutet dementsprechend in etwa ‚schlauer Greif‘. Hierbei wird sich einerseits wiederum auf das Gryffindor-Wappen bezogen, andererseits auf die Charaktereigenschaften des Hauses Gryffindor – Tapferkeit, Mut und Schlauheit.
Ebenso ergibt sich die Translation des englischen Namens Slytherin aus den einzelnen Elementen des Eigennamens. So ist auch das originale Slytherin eine Kontamination des Adjektivs sly und des konjugierten Verbes slithering (‚gerissen‘ und ‚kriechen‘) (Rodrigues 2018: 80). Die beiden Wörter beziehen sich ebenfalls auf das Wappentier des Hauses Slytherin (eine Schlange) und auf die Charaktereigenschaften des Hauses: Ehrgeiz, List und Zielstrebigkeit. Dagegen wird in dem brasilianischen Buch das Wort Sonserina genutzt, über welches die Übersetzerin der brasilianischen Version Wyler (2003: 13) sagte, dass es eine Kombination aus sonso (engl. sly) und dem Suffix -ina ist, welches ‚Ähnlichkeit‘ oder ‚Art‘ bedeutet. Sie bezieht sich dementsprechend gänzlich auf das Wappentier des Hauses Slytherin.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die plurizentrische Natur des Portugiesischen und Vorstellung der Fragestellung anhand des Analysematerials Harry Potter.
2 Definition Lexik und Lexem: Theoretische Abgrenzung der zentralen linguistischen Begriffe Lexik und Lexem als Grundlage für die Untersuchung.
3 Forschungsobjekt: Biografische Informationen zur Autorin J.K. Rowling sowie ein Überblick über die Buchreihe Harry Potter und deren Rezeption.
4 Aktueller Forschungsstand: Darstellung der bekannten Unterschiede zwischen europäischem und brasilianischem Portugiesisch und Verweise auf bestehende Studien.
5 Analytische Herangehensweise: Erläuterung der methodischen Vorgehensweise beim Vergleich der Buchkapitel und der verwendeten Wörterbücher.
6 Lexikalische Analyse: Durchführung des konkreten Sprachvergleichs, unterteilt in buchspezifische und varietätenspezifische Begriffe.
7 Ergebnis der Analyse: Synthese der Untersuchungsergebnisse und Diskussion der Rolle der Übersetzerentscheidungen bei der Varietätenbildung.
8 Schlussbemerkung: Fazit zur Austauschbarkeit der Werke und Ausblick auf weiterführende Forschung in anderen grammatikalischen Bereichen.
Schlüsselwörter
Portugiesisch, Varietäten, europäisches Portugiesisch, brasilianisches Portugiesisch, Lexik, Lexem, Harry Potter, Übersetzung, Sprachkontakt, Sprachgeschichte, Translation, Anglizismen, Neologismen, Sprachvergleich, Denotation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die lexikalischen Unterschiede zwischen der europäischen und brasilianischen Buchübersetzung des ersten Bandes von Harry Potter.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Sprachvariation innerhalb des Portugiesischen, die Übersetzungswissenschaft und die lexikalische Differenzierung zwischen den beiden Hauptvarietäten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie groß der lexikalische Abstand in der geschriebenen Form des Portugiesischen ist und ob dieser Abstand die Verständlichkeit oder Austauschbarkeit der Werke beeinträchtigt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine kontrastive Analyse der Lexik durchgeführt, bei der spezifische Kapitel beider Buchversionen mit dem englischen Original verglichen und durch linguistische Fachwörterbücher belegt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Eigennamen (Personen, Häusernamen) und allgemein varietätenspezifischen Substantiven wie Objekten und Alltagsbegriffen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Varietäten, Sprachkontakt, Translation, Lexik und die spezifischen Bezeichnungen für das europäische und brasilianische Portugiesisch definiert.
Warum wurden gerade die Kapitel 1 und 6 für die Analyse ausgewählt?
Die Kapitel dienen als repräsentative Stichproben für das gesamte Buch, um zu zeigen, dass sich die lexikalischen Unterschiede durch das gesamte Werk ziehen.
Welchen Einfluss hatte die jeweilige Übersetzerin auf das Ergebnis?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die individuellen Entscheidungen der Übersetzerinnen (z.B. Erhalt von Anglizismen im EP vs. Schaffung von Neologismen im BP) maßgeblich zum lexikalischen Abstand beigetragen haben.
Gibt es einen Unterschied in der Zielgruppe der Buchfassungen?
Ja, laut den Aussagen der Übersetzerinnen wurde das brasilianische Werk stärker für eine jüngere Zielgruppe adaptiert, während die portugiesische Version als eher für Erwachsene geeignet wahrgenommen wird.
Ist ein Buch zwischen Portugal und Brasilien heute noch austauschbar?
Die Untersuchung bestätigt, dass die lexikalischen Unterschiede so signifikant sind, dass ein reibungsloser Austausch der Werke aufgrund mangelnder Verständlichkeit der Lexik erschwert wird.
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- Anonym (Author), 2020, Lexikalische Differenzen des europäischen und brasilianischen Portugiesisch anhand von "Harry Potter e a Pedra Filosofal", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1026250